2020 und danach
Nicht nur in der Forschungshalle wird intelligente Elektronik als Helfer für wirklich alle Lebenslagen gezeigt – inklusive der Bewältigung der Aufgaben, die diese Helfer uns stellen.
- Angela Meyer
Future Computing, Quanten-Computing, Mensch-Technik-Interaktion, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, vernetzte Welten, wissensbasierte Systeme, Bildanalyse und Sprachverarbeitung, IT-Sicherheit, GRID-Technologien, mobiles Internet, 3D-Displays, RFID-Technologien sowie innovative Start-up-Unternehmen – mit Kurzvorträgen, Podiumsdiskussionen und Preisverleihungen rund um diese Themen will der future talk in der Forschungshalle einen Einblick in die technologischen Standards der Zukunft geben. Den Auftakt des während der gesamten CeBIT laufenden Programms machte die Eröffnungsdiskussion zur neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung „IKT 2020“ am Donnerstag ab 14 Uhr.
Wer den Blick in die Zukunft gerne etwas konkreter hätte, kann gleich neben dem future-talk-Stand bei rund 250 Ausstellern auf Entdeckungsreise gehen: Im future parc, der die halbe Halle 9 belegt, präsentieren neben Hochschulen, Großforschungseinrichtungen und allen wichtigen deutschen Forschungsinstituten auch Spin-Offs und Start-Up-Unternehmen aus dem In- und Ausland ihre Ideen, Entwicklungen und Visionen.
Auf dem Gemeinschaftsstand future market mit Beispielen aus den Bereichen Wohnen, Kleidung, Arbeiten, Freizeit, Sport und Medizin werfen die Aussteller schon einen recht konkreten Blick auf das „Leben und Arbeiten in 2020“. Auch andere Ausstellungsbereiche versuchen dies: Während bei der Sonderschau lifestyle@CeBIT (siehe c't 6/07, S. 18) das vernetzte Haus im Mittelpunkt steht, zeigt das smartTextiles Village in der Forschungshalle intelligente Kleidung – „Mode mit dem gewissen Etwas“: Jacken mit Bluetooth-Handy-Freisprechanlage, Taschen mit Solarzellen, Rucksäcke mit Kameras, T-Shirts mit Temperaturmessung und Kleidung mit GPS-Ortung von Firmen wie Lodenfrey, Bäumler, Daniel Hechter, O’Neill und Xybermind.
eHealth ...
Ambient Intelligence soll nach den Vorstellungen der Forscher und Entwickler das Leben aber nicht einfach nur schicker und bequemer machen, sondern auch wirklich nützliche Aufgaben übernehmen. Der im Fraunhofer-Bereich „Intelligente Produkte und Umgebungen“ gezeigte mobile Gesundheitsassistent des Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST) soll Patienten mit Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im täglichen Leben unterstützen. Das im senSAVE-Projekt entwickelte System verbindet Sensorshirt, handelsüblichen MDA und den besonders abgesicherten senSAVE-Server zu einem intelligenten Sensornetzwerk. Über eine Webapplikation sollen die Daten auch in eine elektronische Patientenakte integriert werden können. Ergänzend kann der Anwender subjektive Eingaben zu seinem Befinden machen und Therapieziele definieren, an die das Gerät ihn erinnert.
Diese und andere Anwendungen sollen zukünftig die Behandlung chronischer Krankheiten, die häusliche Pflege und die Gesundheitsvorsorge unterstützen, indem sie die Kommunikation zwischen Patient, Krankenhaus und Arzt erleichtern. Am CeBIT-Montag und -Dienstag startet im Convention Center auf dem Messegelände erstmals die Kongressmesse TeleHealth 2007 als europaweit erste Veranstaltung, die sich ausschließlich dem Thema Telemedizin widmet. Da eHealth darüber hinaus auch dem Gesundheitswesen sowie der Informations- und Telekommunikations(ITK)-Industrie helfen soll, ist es außerdem im Public Sector Parc, der sich im zweiten Teil der Halle 9 der Entwicklung der ITK für öffentliche Bereiche widmet, ein Schwerpunkt-Thema.
... und mehr
Die meisten Aussteller in der Forschungshalle ordnen sich aber gar nicht speziellen Schwerpunkten zu und so findet sich dort auch eine bunte Vielfalt: Mit der Software beispielsweise, die das Cutec-Institut aufbauend auf einem Verfahren der Computational Intelligence (CI) entwickelt hat, soll sich die Fehlalarmrate bei der Minensuche deutlich verringern lassen. Andere Entwicklungen dürften dagegen vor allem der Bequemlichkeit dienen: Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT will eine Software vorstellen, die Fotos schon beim Speichern auf den PC ohne Zutun des Nutzers sortiert und nach Schlagwörtern ordnet, während die TU Berlin den Computer Videos automatisch nach Genres klassifizieren lässt und mit der Software Commetrix aus der elektronischen Kommunikation zwischen Personen deren Beziehungen zueinander herausfiltert. Und die TU Ilmenau zeigt ihre mit europäischen Partnern entwickelten Ansätze zur automatischen Konfiguration von komplexen Netzwerken.
Besonders wörtlich nimmt die Universität des Saarlandes das future-parc-Motto „Wissen ist Zukunft“ mit einer Entwicklung zur Ausbildung des Robotiknachwuchses: Sie will ein neuartiges Software-System präsentieren, das Robotern aller Art inklusive Lego Mindstorms und vergleichbarer Robotik-Systeme binnen kurzer Zeit das Sprechen beibringen soll und dabei durch eine intuitive, grafische Bedienoberfläche Schülern und Studenten den schnellen Einstieg in Spracherkennung und Sprachausgabe am Computer ermöglichen soll.
Eine noch handfestere Umsetzung des Mottos ist das in Halle 19 von Donnerstag bis Sonntag stattfindende Finale des RoboKing-Wettbewerbs. Trotz der thematisch etwas rückwärtsgewandten Aufgabe, „dem König“ nach einem Steinschlag mit selbst gebauten und programmierten Robotern den Weg freizuräumen, werden hierbei Schüler aus Deutschland und der Schweiz auch zeigen können, ob sie das Zeug zum Robotik-Forscher von morgen haben.
future talk: Halle 9, Stand A60
future market: Halle 9, Stand A66
smartTextiles Village: Halle 9, Stand C07, C10
Fraunhofer ISST: Halle 9, Stand B36
Fraunhofer FIT: Halle 9, Stand B36
Cutec-Institut: Halle 9, Stand C21
TU Berlin: Halle 9, Stand B39
TU Ilmenau: Halle 9, Stand D04
Universität des Saarlandes: Halle 9, Stand B65
RoboKing: Halle 19, Stand 35
(anm)