Aufgewirbelt

Erste Ergebnisse einer Pilotstudie des Bundesinstitutes für Risiko-bewertung haben zwar für viel Wind gesorgt, liefern aber keine Belege für Gefahren durch Laserdrucker.

vorlesen Druckansicht 11 Kommentare lesen
Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Tim Gerber
Inhaltsverzeichnis

Nach Büroschluss kamen Leute in Schutzanzügen. In Abgeordnetenbüros des Bundestages, in der Universitätsverwaltung und in Polizeidienststellen gingen Forscher der Uni Gießen der Frage nach, ob sich Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Büroangestellten und dem Betrieb von Laserdruckern und Kopiergeräten nachweisen lassen. So wurden im Laufe eines Jahres im Dienste der Risikoforschung über anderthalb Millionen einzelne Messdaten in den Büros gesammelt.

Gemessen wurden neben Temperatur und Luftfeuchte anorganische Gase wie Ozon und Stickstoffoxyd, flüchtige organische Verbindungen wie Benzol und Styrol, Feinstaub, Luftkeime und Schimmelpilze sowie Ultrafeinstaub. Dabei gingen die Messtrupps immer nach demselben Schema vor: Nach Büroschluss bauten sie ihre Apparate auf. Über Nacht wurden alle Geräte ausgeschaltet und Fenster und Türen geschlossen gehalten. Eventuell vorhandene Klimatechnik blieb in Betrieb. Morgens um 7 Uhr vermaßen die Wissenschaftler zunächst die Grundbelastung der Räume im Ruhezustand. Danach setzten sie die Drucker in Gang, gaben je nach vorhandenen Druckertypen 500 Schwarzweiß- oder 2500 Farbmusterseiten aus. Fenster und Türen blieben dabei geschlossen.

Danach durften die Angestellten ins Büro, um ihre alltägliche Arbeit aufzunehmen. Dabei wurden ihnen nun keinerlei Vorschriften gemacht, etwa die Fenster gezielt zu öffnen oder geschlossen zu halten. Sie sollten sich so verhalten, wie sie es sonst auch getan hätten. Nach einiger Zeit dieses Arbeitsbetriebs nahmen die Forscher erneut Proben der Raumluft. Die Aufgabenstellung war vor allem, zunächst die generelle Eignung derartiger Versuchsaufbauten und der gewählten Untersuchungs- und Messmethoden im Rahmen einer sogenannten Machbarkeitsstudie zu kären.

Ende Januar haben die Wissenschaftler ihre ersten Ergebnisse vorgestellt (siehe Soft-Link). Demnach stiegen Temperatur und Luftfeuchte im Mittel während des Druckbetriebes geringfügig an. Die Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen lag zwischen wenigen Mikrogramm und Spitzen bis zu etwa 330 Mikrogramm pro Kubikmeter Büroluft. In weniger als der Hälfte der untersuchten Büroräume stiegen diese Werte während des Druckbetriebs an.

Die Ergebnisse ließen sich nicht bestimmten Drucker- oder Tonertypen zuordnen, weil die ausgewählten Räume nebst darin befindlichen Druckern viel zu unterschiedlich waren. Auch seien jedenfalls auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Büros zu erwarten.

Staub mit Partikelgrößen von 0,23 bis 20 µm fanden die Forscher in Konzentrationen zwischen etwa 20 µg bis zu 250 µg pro Kubikmeter Büroluft. Im Mittel lagen sie mit etwa 60 µg/m>= im Ruhe- und Druckbetrieb und etwa 80 µg/m>= im Arbeitsbetrieb recht hoch. Die Belastung bleibt damit jedoch im Rahmen dessen, was auch in anderen Studien in Räumen ohne Drucker gemessen wurde [1].

Eine Erklärung für die in Zeitungsberichten die Runde machenden Warnungen vor Gesundheitsgefahren liefern die Studienergebnisse nicht. Der Leiter der Studie, der Gießener Toxikologe Professor Mersch-Sundermann, beklagte in einem Fernsehinterview „eine Art Schneeballsystem von Nachrichten“, die sich „dann doch nicht so dargestellt“ hätten. In Bezug auf die im Ergebnisbericht erwähnten, zum Teil auf das Hundertfache ansteigende Messwerte an Ultrafeinstaub beim Einschalten der Drucker sagte Mersch-Sundermann: „Das hört sich alles sehr furchtbar an, aber wenn man mal die absoluten Zahlen nimmt, kann man sagen, wir liegen mit den ultrafeinen Stäuben in dem Bereich von Hintergrundbelastungen, die wir auch draußen finden. Also in einem nicht dramatischen Bereich.“

Überhaupt ist bislang nicht hinreichend geklärt, inwieweit es sich bei dem als Ultrafeinstaub gemessenen Phänomen tatsächlich überwiegend um feste Partikel handelt. Zwar fanden die Forscher der Uni Gießen in den Staubfiltern auch einzelne Partikel aus Eisen und Aluminiumsilikat in der Größe einiger Nanometer. In welcher Menge solche festen Partikel beim Einschalten eines Laserdruckers tatsächlich freigesetzt werden, lässt sich bislang nicht sagen. Der von den Gießener Forschern etwas martialisch als „initaler Burst“ bezeichnete Effekt ist schon länger bekannt (siehe c't 14/06, S. 82): Beim Einschalten eines Laserdruckers zeigt der für solche Messungen verwendete Kondensationspartikelzähler für kurze Zeit eine bis zu hundertfach erhöhte Partikelkonzentration an. Dass es sich dabei um Tonerstaub handelt, ist jedoch kaum anzunehmen. Der Versuch klappt auch mit einem fast vollständig ausgeschlachteten Drucker, in dem gar kein Druckwerk mehr arbeitet, sondern nur noch die Fixierwalzen aufgeheizt werden. Weitere Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts in Braunschweig legen vielmehr den Schluss nahe, dass ein Kondensat von Silikonen das Messgerät irritiert. Andere Wissenschaftler sprechen davon, dass auch schlicht feinste Wassertröpfchen die Ursache sein könnten. Einen Anlass für Gesundheitswarnungen sehen die damit befassten Experten in den Emissionen jedenfalls nicht. Das Braunschweiger Forscherteam um den Spezialisten für Innenraumchemie Michael Wensing [2] will der genauen Beschaffenheit des „initialen Burst“ auf den Grund gehen.

Neben den Auswirkungen des Druckbetriebes auf die Raumluft wollten die Mediziner aus Gießen auch mögliche Auswirkungen auf die dort beschäftigten Mitarbeiter klären. Dazu wurden parallel zu den Raumluftuntersuchungen insgesamt 69 ausgesuchte Mitarbeiter medizinisch untersucht und die Ergebnisse Ende Februar veröffentlicht (siehe Soft-Link). Sie sollten Aufschluss über etwaige Entzündungen, die Sensibilisierung für Allergien, die Lungenfunktion und die Nikotinbelastung geben. Von den 69 Teilnehmern gaben 26 an, keine tonerbezogenen Beschwerden zu haben, 36 führten ihre Beschwerden auf ihren Umgang mit Laserdruckern zurück, sieben gaben sogar an, nach eigener Einschätzung tonergeschädigt zu sein.

Auch dieser Teil der Studie weise nicht auf spezifische gesundheitliche Probleme durch Druckeremissionen hin, fasst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner Mitteilung zusammen. Im Ergebnis halten die Wissenschaftler die gewählten Methoden für geeignet, mögliche Zusammenhänge zwischen dem Betrieb von Laserdruckern und gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufzuzeigen.

Die Aussagekraft der bisherigen Ergebnisse in der einen oder anderen Richtung stellen die Forscher allerdings selbst in Frage, weil sie vor allem die Zahl von nur 69 Testpersonen für viel zu gering erachten. Notwendig seien etwa 2000 Testpersonen, wobei die Untersuchungen zu verschiedenen Jahreszeiten wiederholt werden müssten und zum Vergleich auch Testpersonen und -umgebungen einbezogen werden sollten, die keinen Umgang mit Laserdruckern haben. Aus dem die BfR-Studie begleitenden Arbeitskreis wird zudem kritisiert, dass in allen vier untersuchten Gebäuden geraucht worden sei. Bei den Untersuchungen konnte deshalb auch eine Passivrauchbelastung der Testpersonen festgestellt werden. Einigen konnte anhand von Urinproben Zigarettenkonsum nachgewiesen werden, obwohl sie angegeben hatten, Nichtraucher zu sein, berichtet ein Mitglied des Arbeitskreises. Auch die Interessensgemeinschaft der Tonergeschädigten (ITG) bemängelt: „Die im Rahmen der Tonerstudie vor Ort durchgeführten medizinischen Untersuchungen waren noch unzureichend.“

Inzwischen hat die Diskussion auch die Bundesregierung erreicht. Über den zurückliegenden Jahreswechsel hatte sie eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen aus insgesamt 24 Einzelfragen zu beantworten (siehe Soft-Link). Gestützt auf die Aussage der zuständigen Verwaltungsberufsgenossenschaft teilte das Bundesumweltministerium den Fragestellern mit, alle seriösen wissenschaftlichen Studien kämen zu der Aussage, „dass gesundheitliche Gefährdungen durch den Umgang mit Laserdruckern oder Kopiergeräten sehr unwahrscheinlich sind“.

Aufgrund der anhaltenden Diskussion hat das Ministerium aber die Experten aus anderen Regierungsressorts und der Gerätehersteller zu einem „Hintergrundgespräch“ gebeten, das Mitte des Jahres stattfinden soll. Informationen, wonach es dabei vor allem auch um die Finanzierung weiterer Forschungsvorhaben gehen soll, wollte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage von c't allerdings nicht bestätigen.

[1] H. Fromme u.a., Particulate matter in the indoor air of classrooms, Atmospheric Environment, 41/07, S. 854

[2] „Es gibt keine Null-Emission“, Interview mit Dr. Michael Wensing über das Emissionsverhalten von Laserdruckern, c't 14/06, S. 88

Soft-Link ()