Frische Photonenfänger
In Las Vegas traf sich die Fotoindustrie zu ihrem jährlichen Stelldichein. Der Megapixel-Wahn bei Kompaktkameras geht mit aktuellen zwölf Megapixeln munter weiter, während sich Spiegelreflexkameras bei deren zehn einpendeln. Ein neuer Hersteller will den Platzhirschen mit gleich acht Kameras Konkurrenz machen.
- Richard Jahn
Die Fotomesse PMA ist das amerikanische Pendant zur in Köln beheimateten Photokina, findet aber alljährlich statt. Diesmal öffnete sie ihre Tore vom 8. bis 11. März in Las Vegas.
Nikon zog noch kurz vor der PMA ein As aus dem Ärmel und präsentierte die D40x, ein Update der weiter verkauften D40 im gleichen Gehäuse, nun jedoch mit wettbewerbsfähigerem 10-Megapixel-CCD. Neu hinzu kommt die Empfindlichkeitsstufe ISO 100, zudem ist die D40x einen Tick schneller und nimmt nun maximal 3 statt 2,5 Bilder in der Sekunde auf.
Der Fotograf muss bei der D40x weiterhin mit nur drei Autofokus-Messfeldern auskommen, und die automatische Scharfstellung arbeitet wie bei der D40 nur mit neueren Objektiven zusammen, die einen eigenen Autofokus-Antrieb haben. Bilder speichert die Kamera auf SD-Karten (auch SDHC), wo sie - Nikon-typisch - noch in der Kamera bearbeitet werden können. Im Kit mit dem AF-S DX 18-55mm/3.5-5.6G ED II kostet die D40x 860 Euro.
Das gleichzeitig vorgestellte neue Telezoom AF-S DX VR Zoom-Nikkor 55-200mm/4-5,6G IF-ED bietet fĂĽr 360 Euro einen optischen Bildstabilisator.
Four Thirds
Olympus zeigte auch auf der PMA nicht die von vielen erwartete neue Profikamera fĂĽr das digitale Spiegelreflexformat Four-Thirds. Der potenzielle Nachfolger der E-1 blieb, wie schon auf der Photokina, in der Vitrine. Einige Details sind auf jeden Fall klar: Die intern P1 genannte Kamera kommt ohne festen Hochformatgriff und ihr Bildsensor bringt wie der der kleineren Modelle auf Wunsch ein Live-Bild auf das nun ausklappbare Kameradisplay. Olympus will die Profikamera noch im Laufe dieses Jahres in den Handel bringen.
Mit der E-410 zeigte Olympus schon die Nachfolgerin der erst auf der Photokina präsentierten E-400, die nun zur Aufnahme einen von Olympus Live MOS getauften Bildsensor mit effektiven zehn Megapixeln Auflösung einsetzt. Die E-410 stellt vor der Aufnahme wahlweise ein Live-Bild auf dem Kameradisplay dar, das - wie im B-Modus der E-330 - vom eigentlichen Bildsensor stammt. Dazu klappt nach dem Einschalten des Live-Bildes der Schwingspiegel der Kamera weg und nur zum Scharfstellen kurz in seinen Ausgangszustand zurück, wobei das Bild auf dem Kamerabildschirm kurze Zeit einfriert. Wie die D40x muss die E-410 mit nur drei Autofokuspunkten auskommen. Die ab Juni erhältliche E-410 kostet 700 Euro und als Kit mit einem ED 14-42 mm 1:3,5-5,6 Objektiv (äquivalent 28-84 mm im Kleinbildformat) 800 Euro.
Die technischen Daten der E-510 gleichen denen der E-410, ihr etwas größeres Gehäuse beherbergt aber zusätzlich einen Bildstabilisator, der wie bei Minolta (jetzt Sony) den Sensor gegenlenkt. Ihr Preis liegt um 100 Euro über dem der E-410 und sie soll ab Juli im Handel sein.
Gleichzeitig kĂĽndigte Olympus noch drei neue Objektive mit Ultraschallantrieb an, darunter das ED 14-35 mm 1:2 SWD (Blickwinkel entsprechend 28-70 mm im Kleinbildformat) mit einer durchgehenden Blendenzahl von erstaunlichen 2,0.
Auch die SP-550 UltraZoom mit 18fachem Zoom-Bereich (effektiv 28 bis 504 mm), Bildstabilisator und rasantem Serienbildmodus gab es zu sehen. Die 7,1-Megapixelkamera schießt bei reduzierten drei Megapixeln äußerst flotte sieben Bilder in der Sekunde und schafft im 1,2-Megapixel-Modus sogar deren 15. Ihr Preis liegt bei 500 Euro. Die kleine mju770 SW bleibt bis zu 10 Metern Wassertiefe dicht und ist unempfindlich gegen Kälte.
Objektive Dinge
Dem Trend zum Superzoom-Objektiv kann sich auch Leica nicht verschlieĂźen, wie das neue Leica D Vario-Elmar 14-150 mm / F3,5-5,6 (28-300 mm Kleinbild) zeigt. Das fĂĽr das Four-Thirds-System gerechnete Objektiv hat einen optischen Bildstabilisator (Mega O.I.S.) und nutzt einen leisen und schnellen Ultraschallantrieb, den Leica XSM nennt (Extra Silent Motor).
Tamrons bildstabilisiertes Superzoom trägt den unaussprechbaren Namen AF 28-300 mm F/3,5-6,3 XR Di VC LD und nutzt eine „Vibration Compensation“ genannte Technik zur Bildstabilisierung. Das für das Canon- und Nikon-Bajonett lieferbare Objektiv eignet sich auch für Vollformatsensoren.
Kleinkram
Bei den meisten auf der PMA vorgestellten Kompaktkameras handelt es sich lediglich um kleinere Updates, bei denen die Versionsnummer stieg. HPs R837 mit 7,2 Megapixel-Sensor wird Tierfreunden gefallen, denn die Kamera bietet neben einer automatischen Korrektur roter Augen auch gleich ein für Haustiere geeignetes Pendant: Der „pet-eye fix“ soll die bei Tieren infolge des Kamerablitzes meist grün leuchtenden Augen entfernen.
Sony präsentierte mit der DSC-G1 seine erste Kamera mit WLAN und Unterstützung für DLNA-kompatible (Digital Living Network Alliance) Geräte wie Fernseher, PCs oder auch andere Kameras. Ebenso großzügig wie das Kameradisplay (3,5-Zoll mit vermutlich 640 x 480 Bildpunkten) ist der interne Speicher mit 2 GByte. Ein Bildverwaltungssystem sorgt für Ordnung, dank Kopfhöreranschluss funktioniert die DSC-G1 auch als MP3-Player. Die ebenfalls gezeigte DSC-W200 nutzt nun 12 Millionen winzigster Pixel und soll 450 Euro kosten, während das kompakte Topmodell H9 mit acht Megapixeln auskommt. Dafür hat das etwas sperrige Apparätchen ein 15fach-Zoomobjektiv mit Bildstabilisator und wieder einen Nightshot-Modus.
Neuer Mitstreiter
Mit gleich acht Kameras (A730, A830, E850, E1030, E1040, E1240, G1 und X1) und einem Fotodrucker für das 10x15-Format steigt die US-Firma General Electric in das Kamerageschäft ein. Unter der Bezeichnung General Imaging will man innerhalb von fünf Jahren zu den drei größten Kameraherstellern gehören. Die Kameras haben Auflösungen von sieben bis zwölf Megapixel und sollen zwischen 150 und 400 US-Dollar kosten. Besonders interessant sind die kleine G1 sowie die X1 mit 12fach-Zoom und Bildstabilisator für ambitionierte Fotografen. (rij)