Standby me

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Von
  • Ingo T. Storm


Standby Me

"Der Verband der Automobilindustrie VDA empfiehlt: Automotoren sollten in Zukunft nur noch abgestellt werden, wenn das Fahrzeug mehrere Wochen nicht benutzt wird."

Stimmt eigentlich! Moderne Motoren verbrauchen im Leerlauf kaum Kraftstoff. Der Kat kann seine Aufgabe wesentlich besser erfüllen, weil er gleich auf Betriebstemperatur ist, wenn man losfährt. Und das Killerargument: Die Autos würden bis zu 100 Euro billiger, weil man Anlasser verbauen könnte, die nur noch ein Hundertstel der Startzyklen heutiger Modelle aushalten müssten.

Der VDA hat natürlich nichts dergleichen gefordert und es wäre auch kein Mensch auf diesen Unsinn hereingefallen, weil der eingebaute Fehler wortwörtlich zum Himmel stinkt. Beim Stromverbrauch ist das leider anders, denn er ist für den Verbraucher zunächst einmal unsichtbar. Erst ein Aufruf von Renate Künast und eine abstruse Antwort seitens des IT-Branchenverbandes Bitkom haben das Thema wieder einmal in die Tagespresse gehievt. Die Fraktionschefin der Grünen regte im "Mannheimer Morgen" kurz vor der CeBIT ein Verbot von energieverschwendenden Standby-Schaltungen an.

Stand by me, lieber Gesetzgeber (und hör nicht auf diese Frau), sang dazu Philipp Karch, der Bitkom-Umweltexperte. Gegenüber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" hat er Künasts Bestrebungen umgehend als "praxisfernen Schnellschuss" abqualifiziert. Ein Standby-Verbot bedeute "Fernsehgeräte ohne Fernbedienung".

Entweder braucht Herr Karch technisch beschlagenen Beistand - oder er führt bewusst in die Irre. Selbstverständlich wäre ein umweltgerechtes Einschalten elektronischer Geräte vom Sofa aus eine leichte Übung. Man müsste den Infrarot-Empfänger nur mit einem Akku speisen. Sendet die Fernbedienung, zieht der Empfänger ein Relais, das wiederum die Netzspannung einschaltet. Eine Woche Bereitschaft ohne Netzstrom wäre kein Problem, danach hilft ein Druck auf einen Taster. Wenn es beim PC-Monitor und den 5.1-Lautsprechern unbedingt vollautomatisch gehen muss, erfüllt eine wiederum akkugepufferte Überwachung der Signalleitungen den gleichen Zweck. Die Schaltungen sind alle schon erfunden und oft auch eingebaut. Nur der Akku und der gute Wille fehlen.

Die Industrie hätte statt des Verbots - wie so oft - lieber eine freiwillige Regelung mit einem werbewirksamen Umweltsiegel. Abgelehnt! Das ließe weiterhin Platz für Billiggeräte ohne Sparschaltung. Gerade in Sachen Umweltschutz hat die Industrie bewiesen, dass sie sich ohne Not nicht bewegt. Beim Auto brauchten der Kat, der Rußpartikelfilter und die CO2-Grenzwerte tatkräftige gesetzliche Geburtshilfe. Auch das Energielabel auf Elektrogroßgeräten wie Kühlschränken und Waschmaschinen gäbe es ohne EU-Regelung nicht. Da seine Maßstäbe inzwischen aber hoffnungslos veraltet sind, wäre eine Anpassung nebst Ausdehnung auf alle elektrisch betriebenen Geräte ein guter Anfang - und eine gute Vorbereitung auf ein striktes Einfuhr- und Verkaufsverbot von Standby-Stromfressern. (rm)