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Web-TV-Zeitschrift
Als erste Programmzeitschrift hat TV Movie ihr Online-Angebot im März 2007 um einen Web-TV-Guide erweitert. 500 Fernsehsender, die Videostreams offerieren, sichtet die Printredaktion aus dem Bauer-Verlag. Im Fokus habe man „das breite Mittelfeld des Web-TV“, also insbesondere per Streaming verfügbare Bewegtbild-Angebote, die redaktionell betreut werden und eine gewisse „Authentizität mit Sender-Charakter“ aufweisen.
Die Pionierarbeit der Redaktion kann sich sehen lassen. Neben den bekannten Stream- und Download-Angeboten der TV-Sender fördert sie interessante Kurzfilme, Special-Interest-Videoblogs und regionale Kanäle zutage. Tote Links finden sich kaum, dafür soll auch auf Dauer ein ständiger Qualitätscheck sorgen. „Die Sendungen müssen unterhaltsam sein und bestimmte Informationen für den Zuschauer transportieren“, umreißt Rüdiger Knopf aus der Redaktionsleitung von TV-Movie die inhaltlichen Selektionskriterien. Nicht-jugendfreie Beiträge würden zudem ausgeschlossen. (hob)
Kuckucks-Kunst
http://www.banksy.co.uk/menu.html
Der Graffiti-Sprayer und Guerrilla-Künstler Banksy sprüht Figuren versoffener Penner-Engel in Hauseingänge, verwandelt ein harmloses Straßenschild durch ein winziges Flugzeug in ein Piktogramm des elften September oder überzieht schon mal einen lebendigen Elefanten mit einem rot-goldenen Tapetenmuster.
Vor zwei Jahren erregte er Aufsehen, als er in renommierten Museen heimlich eigene Bilder an die Wand hängte - bis diese Kuckucks-Kunst auffiel, blieben die satirischen Arbeiten teilweise tagelang hängen. Banksys Webseite zeigt eine Auswahl seiner illegalen Sprühbilder und Installationen im öffentlichen Raum, vorbereitende Skizzen und Übermalungen von Fundstücken. Im „Shop“ kann man kostenlos Fotos einiger Bilder in hoher Auflösung als Bildschirm-Hintergrund oder zum Ausdrucken herunterladen.
Biographische Angaben oder gar ein Selbstporträt Banksys fehlen naturgemäß, da seine Art, Kunst zu machen, Anonymität voraussetzt. Dafür belegen ausgewählte Mails an den Künstler, wie emotional seine Arbeiten aufgenommen werden - neben wüsten Beschimpfungen zeigen Fotos Hautpartien von Banksy-Fans, die seine Motive als Tattoo-Vorlage benutzt haben. (pek)
Online-Zwitscherei
http://twitter.com
http://rareedge.com/twitteroo/
http://iconfactory.com/software/twitterrific
„To twitter“ lässt sich mit „zwitschern“ oder „schnattern“ übersetzen. Aufgeregt wird in der Blogosphäre gerade über Sinn und Unsinn des Web-2.0-Projekts Twitter geschnattert. Der kostenlose Dienst ist der neueste Coup der Ideenschmiede Obvious aus San Francisco. US-amerikanische Medien sehen bereits den nächsten Millionenverkauf eines User-Content-Portals dräuen.
Jeder aktive Nutzer von Twitter pflegt seine „Timeline“, eine Art reduziertes Blog. Die Einträge dürfen nur bis zu 160 Zeichen enthalten. Dafür kann man sie nicht nur per Web, sondern auch via Instant Messenger (momentan Jabber, Gtalk oder AIM) oder SMS einstellen. Ziel ist, dass jedes Mitglied der Twitter-Community ständig Auskunft über seinen momentanen Zustand gibt.
So erfährt der staunende Besucher also, dass sich Steve Marshall aus England heute weniger müde fühlt als noch gestern. Connie Reece schlürft gerade ihren Starbucks-Kaffee in Austin, Texas. John Edwards, Kandidat der Demokraten bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008, twittert aus dem Privatjet zwischen Houston und Council Bluffs. Wer sich da langweilt, kann diversen „Wer-mit-wem“-Tuscheleien lauschen.
Bisweilen reiben wir Europäer ja ob der Spielereien, auf die sich die US-Amerikaner unbedarft einlassen, erstaunt die Augen. Mehr noch als in Blogs lüften die Nutzer in Twitter begeistert ihre Vorhänge und machen ihr Privatleben öffentlich abrufbar - auf Wunsch auch als RSS-Feed! Wer mal mitschnattern will, dem sei als Alternative zum spröden Web-Frontend elegantere Software empfohlen: Twitteroo (Windows) beziehungsweise Twitteriffic (Mac OS). (hob)
Persönliche Klimabilanz
In der gegenwärtig heiß geführten Klimadiskussion erleben CO2-Rechner einen kleinen Boom. Bei einigen muss der Anwender aber Formulare ausfüllen, die eine Steuererklärung eher harmlos erscheinen lassen. Andere wiederum rechnen je nach Interessenlage des Urhebers bestimmte Bereiche schön und veranschlagen etwa für Flüge zu geringe Emissionen.
Einen gelungenen Kompromiss mit realistischen Zahlen präsentiert das Bayerische Landesamt für Umweltschutz: Der CO2-Rechner fragt nur die wichtigsten Eckdaten wie die Zahl der Personen im Haushalt, die Wohnfläche, den jährlichen Strom- und Gasverbrauch und die mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurückgelegten Kilometer ab und arbeitet ansonsten mit groben Kategorien, etwa ob man viel Tiefkühlkost verwendet oder wie hoch der Fleischanteil an der Ernährung ist.
Binnen weniger Minuten ist das Formular ausgefüllt, Änderungen schlagen sich sofort nach ihrer Eingabe in der Bilanz nieder, auch nachträglich lassen sich die Eingaben jederzeit anpassen. So lässt sich zügig feststellen, dass etwa die geplante Reise in die Südsee die ansonsten makellose persönliche Treibhausgas-Bilanz versauen würde. Die abschließende Analyse präsentiert nicht nur harte Fakten und einen Vergleich mit dem Durchschnittsdeutschen, sondern liefert gleich noch praxisnahe Spartipps. (uma)
Die Websites aus c't 07/2007