Kraftzwerge

Sobald man auf die allerschnellste Mobiltechnik verzichtet, bekommt man erstaunlich winzige Notebooks, die einem auch als ständige Begleiter kaum zur Last fallen. Man hat die Wahl zwischen Modellen, die kompromisslos auf hohe Mobilität optimiert sind, und solchen, die dann doch Zweikernprozessor, optisches Laufwerk oder gar einen spieletauglichen 3D-Grafikchip mitbringen. Bei knapp unter 1400 Euro geht der Spaß los, wenn auch die meisten Modelle um 1900 Euro kosten.

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Inhaltsverzeichnis

Die Mini-Notebooks mit spürbar unter zwei Kilogramm Gewicht eignen sich nicht nur für Technikverliebte, sondern auch für mobile Anwender, die zu möglichst jeder Gelegenheit ihren elektronischen Helfer dabeihaben wollen. Sie lassen sich zwischen Schreibblock und Zeitschriften in den Rucksack quetschen und sie passen auch dann auf den Flugzeugtisch, wenn der Vordermann ein Nickerchen hält. Auf dem Bistrotisch bleibt genug Platz für Espresso und Handy, auf dem Kneipentisch für Bier und Currywurst. Und wenn kein Tisch in der Nähe ist, sind die Minis leicht und klein genug, um notfalls auch mal auf den Knien ihren Dienst zu tun.

Ultramobile PCs (UMPCs) sind zwar noch kompakter, haben aber bestenfalls ein Viertel der Displayfläche und quälen den Schreiber mit mikroskopischen kleinen Tasten, falls sie überhaupt eine Tastatur haben. Noch kleiner sind Smartphones und PDAs mit nochmals weniger Bildschirmfläche, für Vielschreiber völlig ungeeigneten Tastaturen und in fast jeder Hinsicht eingeschränkten Betriebssystemen.

Demgegenüber schränken die Mini-Notebooks den Anwender ergonomisch weniger ein und sind damit die flexibleren, aber auch deutlich teureren Begleiter. Ihre Displays messen zwischen 10,6 und 12,1 Zoll und zeigen mindestens 1280 x 768 Punkte. Die meisten Tastaturen sind etwas kleiner als von anderen Notebooks gewöhnt. Die Festplatten fassen maximal 100 GByte, optische Laufwerke fehlen bei einigen Modellen.

Das Testfeld bestand aus den sechs Kandidaten Asus U1, Dell Latitude D420, HP Compaq nc2400, LG Electronics A1, Samsung Q40 und Sony Vaio VGN-TX5. Einige spannende Modelle nahmen nicht teil: Fujitsu Siemens konnte das zur CeBIT vorgestellte Lifebook P7230 noch nicht liefern, den Vorgänger P7120 haben wir in c't 10/06 getestet. Eine Übersicht von älteren, teils noch erhältlichen Sub- und Mini-Notebooks wie dem Acer Travelmate 3040 und Ferrari 1000 steht in c't 7/07. Ab etwa 900 Euro gibt es Subnotebooks wie das Fujitsu Siemens Amilo Pro V3205 (c't 10/07) und das fast baugleiche, ohne DVI, aber mit besserer Konfiguration erhältliche Gigabyte W251U. Sie wiegen allerdings um 1,8 Kilogramm und sind damit spürbar schwerer als die Testkandidaten. Apple hat als einziger Top-10-Hersteller kein leichtes Notebook im Angebot, das MacBook wiegt mehr als das Doppelte der Minis.

Das Testfeld teilt sich auf in die drei um 1,1 Kilogramm wiegenden Asus U1, LG A1 und Samsung Q40, das mit optischem Laufwerk faszinierend leichte Sony TX5 (1,3 Kilogramm) und die beiden, na ja, Schwergewichte Dell D420 (1,5 Kilogramm) und HP nc2400 (1,6 Kilogramm); bei letzterem rechtfertigt immerhin der eingebaute DVD-Brenner das Gewicht. Den Notebooks ohne eingebautes optisches Laufwerk liegt ein externer DVD-Brenner bei.

Die Breitformat-Displays kommen in drei Größen: 10,6 Zoll beim LG A1, 11,1 Zoll beim Asus U1 und Sony TX5 sowie 12 Zoll beim Dell D420, HP nc2400 und Samsung Q40. Weil die Displays mit unterschiedlichen Auflösungen arbeiten, resultiert das in nur zwei Punktdichten: Mit engen 141 dpi beanspruchen das Asus U1, das LG A1 und das Sony TX5 die Augen des Anwenders stark, etwas angenehmer lesen sich die 124 dpi der drei 12-Zoll-Displays.

Anders als bei größeren Notebooks können die matten Displays im Dell D420 und HP nc2400 keinen ganz so deutlichen Vorteil gegenüber den spiegelnden herausspielen, weil der Anwender einen Großteil der kleinen Fläche abdeckt und so weniger Reflexionen entstehen. Zudem leuchten die vier spiegelnden Panels deutlich heller als die matten.

Besonders die Displays des Asus U1 und Sony TX5 machen das Arbeiten trotz Spiegelungen und engen Pixeln angenehm: Sie sind leicht entspiegelt, was den Reflexionen einen dezenten violetten Ton verleiht, zudem leuchten sie mit über 200 cd/m2 angenehm hell und zeigen kräftige Farben. Das LED-Hintergrundlicht sorgt für eine außergewöhnlich gleichmäßige Ausleuchtung.

Einen allzu breiten Blickwinkel bietet keines der sechs Displays, schon bei kleinen Bewegungen verändern sich die Farben oder lässt die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung nach. Für den mobilen Arbeitsalltag reicht die Qualität, aber man sollte beispielsweise keine Fotos löschen, weil einem die Farben schräg oder ungleichmäßig vorkommen.

Externe Monitore lassen sich nur per VGA anschließen. Lediglich das Asus U1 zeigte dabei leichte Schatten, alle anderen erzeugen ein scharfes Bild, das allerdings bei vertikalen Strichen etwas kontrastarm wird. Insgesamt bekommt man mit allen Testkandidaten an 20-Zöllern ein noch brauchbares, zum längeren Arbeiten geeignetes Bild.

Wer regelmäßig Monitor, Tastatur und weitere Peripherie anschließen möchte, fährt mit einer Docking-Station gut: Das Dell D420 und das Samsung Q40 passen an die der jeweiligen Familie, die auch einen DVI-Ausgang unterstützen. Das HP nc2400 und das Sony TX5 benötigen modellspezifische Docking-Stationen, die kein DVI und auch sonst recht wenige Schnittstellen bieten - das ist nur bedingt nützlich, die Notebooks eignen sich daher wie auch die Dock-losen Asus U1 und LG A1 eher als Zweitgerät denn als (langsamer) Ersatz für einen Desktop-PC.

HP schafft es, eine Tastatur im üblichen Raster von 19 mm x 19 mm einzubauen, Anschlag und Layout sind einwandfrei. Die anderen Notebooks haben kleinere Tasten, was bei Dell und Samsung kaum, bei Asus, LG und Sony aber deutlich auffällt. Immerhin hat kein Hersteller schmalere Umlauttasten oder unpraktische Anordnungen eingebaut, selbst die auf den ersten Blick unglückliche Positionierung der Umschalt- und Pfeil-Hoch-Taste beim Asus U1 erweist sich als halbwegs praktikabel. So kommen auch Vielschreiber auf allen Tastaturen mit passabler Geschwindigkeit voran. Separate Tasten für Seite auf und ab findet man bei Dell, Samsung sowie - unpraktischer untergebracht - LG und HP. Bei Asus und Sony muss man dafür die Fn-Taste bemühen, was nur zweihändig gelingt.

Die geringe Leistungsaufnahme führt bei allen sechs zu einer angenehm niedrigen Geräuschkulisse. Die Lüfter bleiben meist aus oder rotieren nur leise. Unter hoher Rechenlast bleiben vier Notebooks unter 0,5 Sone, die beiden anderen (LG und Sony) lassen sich per Flüstermodus ebenfalls zum leisen Betrieb überreden.

Die mit Abstand längste Laufzeit erreicht das Sony TX5: Über acht Stunden hält der mitgelieferte Akku, der etwa 314 Euro teure Zusatzakku dürfte für 13 Stunden reichen - faszinierend. Mit einem 200 Euro teuren Zusatzakku schafft das HP nc2400 ebenfalls acht Stunden, der serienmäßige reicht für weit über fünf. Der Standardakku des Dell D420 kommt auf dreieinhalb Stunden, für 69 Euro Aufpreis oder 163 Euro zusätzlich zum Standardakku kann man einen mit fünfeinhalb Stunden Laufzeit kaufen.

Asus, LG und Samsung legen zwei Akkus bei, der jeweils kleinere reicht nur für weniger als drei Stunden. Die stärkeren Akkus ermöglichen bei Asus und Samsung ordentliche Laufzeiten von über fünf Stunden, das LG A1 bleibt aufgrund des stromhungrigen Grafikchips allerdings knapp unter vier Stunden. Die Hochkapazitätsakkus erhöhen das Gewicht der Notebooks um 150 bis 200 Gramm. Will man beide Akkus verwenden, muss man zum Akkutausch die Notebooks ausschalten oder in den Ruhezustand versetzen - Überbrückungsbatterien fehlen. Auch zum Laden muss man die Akkus auswechseln.

Die Laufzeiten haben wir wie üblich mit einer Display-Helligkeit von 100 cd/m2 durchgeführt. Weil die Zwerge wohl häufiger im Freien ihr Können beweisen müssen, haben wir zusätzlich eine Laufzeit mit maximaler Display-Helligkeit gemessen. Hier zeigen die LED-Hintergrundbeleuchtungen im Asus U1 und Sony TX5 ihre Stärke: Für die doppelte Helligkeit brauchen sie nur ein Watt mehr; das LG A1 kommt sogar mit 0,6 Watt zusätzlich aus, erreicht aber auch nur eine etwas geringere Helligkeit. Die klassischen Kaltkathodenlampen bei Dell, HP und Samsung ziehen zwei Watt mehr, ohne dafür auch nur annähernd die doppelte Helligkeit zu liefern.

Die Rechenkraft aller sechs kommt nicht an die von größeren Notebooks oder gar Desktop-PCs heran. Sie nutzen die mit maximal 1,3 GHz laufenden ULV-Versionen von Intels Core-Prozessoren mit 2 MByte L2-Cache - größere Notebooks laufen mit bis zu 2,33 GHz und besitzen 4 MByte Cache. Immerhin sind Asus U1, Dell D420, HP nc2400 und LG A1 serienmäßig oder wahlweise mit einem Zweikern-Prozessor erhältlich, die in entsprechenden Anwendungen zumindest den AMD Sempron und Intel Celeron hinter sich lassen - der Core Solo im Samsung Q40 und Sony TX5 muss sich hingegen in einigen Benchmarks selbst diesen Billigprozessoren geschlagen geben. Anwendungen, die den zweiten Kern nicht nutzen, laufen wiederum aufgrund des etwas höheren Takts auf den Einkernprozessoren etwas schneller. Austauschbar ist der Prozessor nirgends, denn die ULV-Versionen sind allesamt aufgelötet oder nicht zugänglich.

Fünf Notebooks nutzen zur Displayansteuerung Intels Chipsatzgrafik GMA950, die für alle Büro-, Grafik- und Videoanwendungen schnell genug ist, sofern mindestens 1 GByte Hauptspeicher im Rechner steckt. Für ältere oder eher geruhsame Spiele reicht der GMA950 ebenfalls.

Das LG Electronics A1 hat einen separaten Grafikchip, den Nvidia GeForce Go 7300. Damit fallen die Punktzahlen der 3D-Benchmarks rund zwei- bis dreimal höher aus und ein paar mehr 3D-Spiele laufen ruckelfrei. Zudem erkennt man auf dem kleinen Display sowieso nicht alle Feinheiten, sodass man weitere Spiele durch Abschalten der Detailtiefe beschleunigen kann. Doch mobile Mittelklasse-Chips wie der GeForce Go 7600 und AMD Radeon X1700 liefern die zwei- bis dreifache Leistung.

Die bei Notebooks sonst üblichen 2,5-Zoll-Festplatten kommen nicht zum Einsatz, sondern die kleineren mit 1,8 Zoll, die es mit maximal 100 GByte gibt. Im LG A1 und Sony TX5 sind sie nur mit aufwendigen, für Anwender nicht empfehlenswerten Schraubarbeiten zugänglich. HP und Sony integrieren einen Bewegungssensor, der versucht, die Köpfe der Platte bei Stößen und Stürzen rechtzeitig zu parken.

Auch beim Speicherausbau sind dem Anwender engere Grenzen als bei anderen Notebooks gesetzt: Alle sechs Kandidaten haben nur einen SO-DIMM-Steckplatz. Bei Asus, Dell, Samsung und Sony ist zusätzlicher Speicher fest aufs Board gelötet, bei LG ist ein Micro-SO-DIMM eingebaut. Den Einsatz eines 2-GByte-Moduls validieren Asus, LG, Samsung und Sony gar nicht, Dell nur beim Abschalten des internen Speichers. Somit sind die Hauptspeicher bis bestenfalls 2 GByte erweiterbar.

Während ein Speicherkarten-Slot bei größeren Notebooks nur angenehmes Beiwerk ist, mag er beim Subnotebook entscheidender sein: Wer unterwegs seine Digicam entleeren oder seinen MP3-Player befüllen möchte, will wohl kaum zusätzlich einen Kartenleser oder ein USB-Kabel mitschleppen. Ganz ohne Kartenunterstützung kommt das HP nc2400, alle anderen können zumindest mit SD-Karten umgehen, manche auch mit den in deutlich weniger Geräten zum Einsatz kommenden MMCs, xD Picture Cards und Sonys Memory Sticks. Ungewöhnlich: Das LG A1 und das Samsung Q40 besitzen einen Slot für die älteren, noch oft benutzten Compact-Flash-Karten; beide sind nur für Module vom Typ I geeignet - die dickeren Typ-II-Exemplare, beispielsweise Microdrives, passen nicht.

SD-Karten sind offiziell nur bis 2 GByte spezifiziert, unsere 4-GByte-Karte von Transcend ignorierte aber nur das Samsung Q40. Der neue SDHC-Standard erweitert diese Beschränkung und ist bis 32 GByte ausgelegt, die Karten sind aber nicht zu alten Lesegeräten abwärtskompatibel. Einige Geräte wie Nikons Digitalkamera D80 unterstützen schon SDHC. Den hier erstmals und zukünftig immer durchgeführten Test mit einer SDHC-Card (4 GByte, Class 6, A-Data) bestand nur das Asus U1, alle anderen konnten mit der Karte nichts anfangen.

Per Cardbus- oder ExpressCard-Schacht lassen sich das Asus U1, das Dell D420, das HP nc2400 und das Sony TX5 um beliebige Kartenleser erweitern - und um andere Karten wie eSATA-Adapter, TV-Tuner oder UMTS/HSDPA-Modem. Direkt mit integriertem UMTS/HSDPA sind nur das Dell D420 und das Samsung Q40 lieferbar.

Den vollständigen Artikel mit Produktbesprechungen und Testergebnisse finden Sie in c't 11/2007. (jow)