Sparer-Schlacht
AMD führt ein neues Prozessor-Benennungsschema und zwei sparsame Doppelkerne ein, Intel hält mit billigeren Core-Prozessoren dagegen.
AMD bringt zwei Spar-Doppelkerne heraus, die mit 45 Watt Leistungsaufnahme auskommen sollen. Gleichzeitig debütiert ein neues Benennungsschema, bei dem AMD den Verweis auf die x64-Technik und die seit 2001 verwendete QuantiSpeed-Einstufung weglässt: Der Athlon X2 BE-2350 entspricht einem Athlon 64 X2 4000+ mit 65-Nanometer-(Brisbane-)Kern (2,1 GHz, 2 x 512 KByte L2-Cache), der Athlon X2 BE-2300 dem Athlon 64 X2 3600+ (1,9 GHz). Mit OEM-Einkaufspreisen von 91 und 86 US-Dollar zielen die neuen AMD64-Doppelkerne auf preiswerte und leise Rechner.
Genau auf diesem Gebiet konnte Intel bisher nicht so leicht kontern: Ein billiger Pentium D 925 oder 935 zieht zu viel Strom, ein Core 2 Duo E4300 ist zu teuer. Mit Pentium Dual-Core E2140 und E2160, die in der Boxed-Version fĂĽr 80 bis 90 Euro zu haben sind, ersetzt Intel nun die alten NetBurst-Doppelkerne. Auch in der neuen Celeron-400-Baureihe steckt Core-Mikroarchitektur; die Einzelkernprozessoren kosten ab etwa 45 Euro.
Wie die Core-2-Duo-E4000-Baureihe laufen die E2000-Pentiums nur mit FSB800 und man muss auf die Virtualisierungsfunktion VT-x verzichten (anders als bei AMD), außerdem ist der von beiden Kernen nutzbare (shared) L2-Cache mit 1 MByte nur halb so groß wie bei einem Core 2 Duo E4000. Die Taktfrequenzen liegen indes nahe beieinander: Der E2160 läuft wie der E4300 mit 1,8 GHz, der E2140 ist eine Taktstufe langsamer (1,6 GHz).
Während die Prozessor-Kampfhähne AMD und Intel ihr Prestige mit teuren Highend-Prozessoren pflegen, findet das Ringen um die Marktmacht vor allem im unteren Preisbereich statt. Weil Intel mit Kampfpreisen für die Baureihe Pentium D 900 den Athlon 64 X2 unter Druck setzt, kosten die alten Einzelkern-Schlachtschiffe Athlon 64 und Pentium 4 kaum noch mehr als die Ultra-Billig-Prozessoren Sempron und Celeron D.
Eigentlich hatte AMD den Intel-Preiskampf mit der Stromspar-Baureihe „Energy Efficient“ (EE, 65 Watt Thermal Design Power/TDP) und „Small Form Factor“ (EE SFF, 35 Watt TDP) kontern wollen, doch dieser Trumpf stach nicht: Vom Core 2 Duo erwiesen sich sowohl die schnelleren E6000-Varianten und erst recht die billigeren E4000-Typen als sparsam. Dank Cool-and-Quiet-Technik konnte AMD64 lediglich im unbelasteten Betriebszustand punkten, doch auch dabei hat sich der Abstand mittlerweile verringert, weil Intel sparsamere Kern-Steppings und mit dem G33 auch einen genügsameren Chipsatz im Rennen hat - bei Systemen mit separater Mittelklasse-Grafikkarte schluckt jene im Leerlauf mehr als aktuelle Prozessoren. Aus den EE-Versionen der Prozessoren konnte AMD jedenfalls kein zusätzliches Kapital schlagen, sie kosten durchweg dasselbe wie ihre stromdurstigeren Verwandten. Die meisten der 65-Nanometer-Doppelkernprozessoren von AMD (Revision G/Brisbane) begnügen sich mit 65 Watt, die Einzelkerne (Lima) mit 45 Watt. AMD plagte noch ein weiteres Problem: Die EE-SFF-Supersparer sind kaum lieferbar. Das wird bei den neuen 45-Watt-Doppelkernen hoffentlich anders.
Wir haben einen Athlon X2 BE-2350 mit seinem Verwandten Athlon 64 X2 4000+ verglichen, aber auch mit den Intel-Konkurrenten Pentium Dual-Core E2160, Pentium D 925 und Core 2 Duo E 4300. Als Mainboards kamen das MSI K9AGM2-FIH (AMD-690G) und das Gigabyte GA-G33-D3R (Intel G33) mit jeweils integrierter Grafik zum Einsatz. Die beiden Chipsätze mit integrierten DirectX-9-Grafikkernen dürften häufige Partner der günstigen Doppelkerne sein.
Wie AMD verspricht, ist der BE-2350 unter Volllast sparsamer als der 4000+, läuft aber genauso schnell. Im Leerlauf liegen beide Chips dank Cool-and-Quiet gleichauf. Es ist geradezu verblüffend, wie dicht die Leistungsaufnahme der aktuellen AMD- und Intel-Doppelkerne beieinander liegt - hier dürften auch die verschärften Forderungen des Energy Star 4.0 eine Rolle spielen.
Bei der Rechenleistung liegt mal der Athlon X2 BE-2350, mal der Pentium Dual-Core E2160 vorne. Der teurere Core 2 Duo E4300 führt nicht in allen Benchmarks, der veraltete Pentium D 925 disqualifiziert sich selbst als vergleichsweise lahmer Energieschlucker. Die 3D-Benchmarks sind nicht allzu aussagekräftig, weil die integrierte Chipsatzgrafik von G33 und 690G ohnehin zu langsam ist für die meisten aktuellen 3D-Titel - Windows Vista Aero Glass läuft aber problemlos.
Wer einen gĂĽnstigen und sparsamen Doppelkern-Prozessor sucht, wird sowohl bei AMD als auch bei Intel fĂĽndig. Weil viele AM2-Mainboards aber wesentlich weniger kosten als jene mit Intels G965 oder G33 und den billigen Intel-Prozessoren die Hardware-UnterstĂĽtzung fĂĽr Virtualisierungsfunktionen fehlt, wirken die Dual-Core-Athlons letztlich attraktiver.
| Billig-Doppelkerne | |||
| Prozessor | Taktfrequenz/L2-Cache | Leistungsaufnahme (TDP) | Listenpreis |
| Athlon X2 BE-2350 | 2,1 GHz/2 x 512 KByte | 45 Watt | 91 US-$ |
| Athlon X2 BE-2300 | 1,9 GHz/2 x 512 KByte | 45 Watt | 86 US-$ |
| Athlon 64 X2 4000+ EE | 2,1 GHz/2 x 512 KByte | 65 Watt | 104 US-$ |
| Athlon 64 X2 3800+ EE | 2,0 GHz/2 x 512 KByte | 65 Watt | 83 US-$ |
| Athlon 64 X2 3600+ | 1,9 GHz/2 x 512 KByte | 65 Watt | 73 US-$ |
| Core 2 Duo E4400 | 2,0 GHz/2 MByte shared | 65 Watt | 133 US-$ |
| Core 2 Duo E4300 | 1,8 GHz/2 MByte shared | 65 Watt | 113 US-$ |
| Pentium Dual-Core E2160 | 1,8 GHz/1 MByte shared | 65 Watt | k. A. |
| Pentium Dual-Core E2140 | 1,6 GHz/1 MByte shared | 65 Watt | k. A. |
| Pentium D 935 | 3,2 GHz/2 x 2 MByte | 95 Watt | 84 US-$ |
| Pentium D 925 | 3,0 GHz/2 x 2 MByte | 95 Watt | 74 US-$ |
(ciw)