Bedingt begeisternd

Die Organisatoren der Computex feierten die zweitgrößte IT-Messe der Welt, wie kaum anders zu erwarten, als vollen Erfolg. Die Besucher mussten allerdings mit weniger Neuheiten als erhofft vorlieb nehmen, durften dafür aber auch einige eher schräge Trends zur Kenntnis nehmen.

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Von
  • Georg Schnurer
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Neues gab es vor allem rund um die von Intel neu vorgestellten Chipsätze der 3er-Serie. Nahezu jeder Board-Hersteller zeigte entsprechende Boards. Konkurrent AMD konnte sich weniger gut in Szene setzen - nur wenige Hersteller zeigten Boards mit dem offiziell noch gar nicht verfügbaren 790er-Chipsatz. Dafür lieferten sich die Netzteilhersteller eine regelrechte Schlacht ums Leistungsstärkste Netzteil, und so manche Kuriosität sorgte für ein Schmunzeln oder gar heftiges Kopfschütteln bei den Besuchern.

Aus Sicht der Veranstalter war die Computex 2007 natürlich noch größer, prächtiger und erfolgreicher als im Vorjahr. Entsprechend begeistert feierten Taitra (Taiwan External Trade Development Council) und TCA (Taipei Computer Association) den Zuwachs bei Ausstellern und Besuchern. So fanden dieses Jahr insgesamt 136 000 Besucher den Weg in die vier Messehallen. Das entspricht einem Anstieg von gerade mal zwei Prozent. Doch besonders wichtig war den Veranstaltern der zehnprozentige Zuwachs bei den ausländischen „Buyers“, wie man die Fachbesucher hier gerne tituliert. Als handelsorientierte Messe seien diese 33 000 Besucher das wesentliche Kapital der Computex. So betonte Walter Yeh, Executive Vice President der Taitra, die klare Arbeitsteilung zwischen dem Rivalen CeBIT in Hannover und der Computex in Taiwans Hauptstadt Taipeh: Auf der CeBIT würde man die neuen Produkte sehen, auf der Computex tätige man dann die Abschlüsse, weil die Produkte jetzt marktreif seien.

Bildete die letzte Computex noch die Arena für einen spannenden Wettkampf zwischen AMD und Intel, so blieb das Feld dieses Mal Intel allein überlassen. Eine neue Chipsatz-Familie, die sogenannte „Series 3“ beziehungsweise „Bearlake“, und die Proklamation einer neuen Klasse von Mobilgeräten, den sogenannten MIDs (siehe S. 22 in c't 14/07), reichte aber aus, um AMD weitgehend die Show zu stehlen. So bestimmten denn auch vor allem Mainboards mit Intels P35-, G33- und X38-Chipsätzen das Bild auf den Ständen der großen Hersteller. So richtig neu waren aber längst nicht alle gezeigten Boards: Vor allem Modelle mit Intels P35-Chipsatz kann man bereits kaufen.

So hat Intel nur einen recht geringen Aufwand bei der Präsentation der Chipsätze aufgefahren, vor allem im Vergleich zum Vorjahr: Damals litt die Chipsatz-Abteilung unter ernsten Lieferschwierigkeiten und stand unter massivem Druck von ATI und Nvidia, sodass Chipsatz-Chef Richard Malinowski eine aufwendige Pressekonferenz im 85ten Stockwerk des Taipei 101 hielt, um sein „we are back“ zu promoten. Dieses Jahr war das 85te der Ultramobile-Plattform vorbehalten und Malinowski kam mit einer nach der Präsentation sofort wieder abgebauten Tribüne auf dem Cafédeck des 101-Einkaufszentrums aus.

Als lieferbare Chipsätze präsentierte er den P35 und G33 - wenig aufregend, weil Boards damit schon länger erhältlich sind. Den X38, eine Art P35 mit mehr PEG-Lanes und Übertaktungsmöglichkeiten, der ähnlichen Nvidia-Chipsätzen das Kühlwasser abgraben soll, gab es offiziell hingegen immer noch nicht. Geschickterweise umgab Intel den Chipsatz auch gar nicht erst mit einem eher aufmerksamkeitssteigernden NDA, sondern erlaubte allen Herstellern, die Boards auszustellen - und zeigte sogar selbst vom ersten Tag an eines. Doch auch das Reverse-NDA konnte nicht verheimlichen, dass es noch Stabilitätsprobleme gibt: Der X38 ist einfach noch nicht fertig.

Ähnlich ergeht es dem G35 mit seinem Direct3D-geeigneten Grafikkern GMA X3500: Intel versucht mit gespielter Gleichgültigkeit zu kaschieren, dass der Chipsatz nicht fertig ist und die Treiber schon für die älteren Grafikkerne nicht stabil laufen. Auch eine detaillierte Liste der Unterschiede zwischen den Grafikkernen GMA 3100, GMA X3000, GMA X3100 und GMA X3500 zeigt in erster Linie, was Intel alles noch zu tun hat.

Folglich fanden sich P35-Modelle in vielen Ausstattungsvarianten, die eher auf die Mittelklasse zielen, fast alle arbeiteten mit DDR2-Speichermodulen. Nur wenige hochpreisige Modelle von Asus oder MSI haben zusätzliche DDR3-Slots - doch für die echte Oberklasse wartet alle Welt auf den X38. Immerhin gehen einige Hersteller sogar über Intels Board-Spezifikation hinaus und ersetzen nicht nur wie dort gefordert die Flüssig-Elektrolyt-Kondensatoren der Spannungswandler durch die robusteren „Solid-Cap“-Typen, sondern vermeidet generell die billigen und bei alten Boards oft ausfallgefährdeten Elkos.

Erfreulich war auch, dass mehr und mehr G33-Boards mit Onboard-DVI oder -HDMI aufwarten, sodass auch große Displays ein brauchbares Signal bekommen, ohne dass die weiter erhältlichen ADD2-Riser-Cards mit Digitalausgang notwendig wären, kosten sie doch meist mehr als eine billige Grafikkarte mit DVI.

Intel überall? Na ja, einige Aufmerksamkeitspunkte konnte AMD immerhin mit dem noch längst nicht lieferbaren 790-Chipsatz einheimsen. Passende Boards mit dem Prozessorsockel AM2+ und PCIe-2.0-Slots waren bereits auf etlichen Ständen zu sehen.

So mancher Besucher zeigte sich enttäuscht vom Angebot auf der diesjährigen Computex. „Hab ich doch schon auf der CeBIT gesehen“, war denn auch ein oft gehörtes Besucherstatement. Für das Stimmungstief bei einigen Besuchern mag freilich auch das hundsmiserable Wetter verantwortlich gewesen sein. Völlig Jahreszeit-untypisch regnete es beinahe ununterbrochen. So geriet der Weg von einer Ausstellungshalle zur anderen oft genug zum unfreiwilligen Vollbad.

Andere Besucher zeigten sich durchaus zufrieden mit dem Angebot auf der Messe, was möglicherweise auch an den vielen aufgebotenen Show-Girls liegen könnte. Die Stimmung bei den Ausstellern, die dieses Unterhaltungsprogramm bezahlen mussten, war zwar nicht gerade euphorisch, aber man zeigte sich zufrieden mit den erzielten Abschlüssen.

Und bei genauerem Hinsehen entdeckte man auf der Computex 2007 auch durchaus interessante Neuheiten. Angefacht durch Vorstöße von Intel und Microsoft zeigten viele Hersteller mit Flash-Chips bestückte Solid-State-Disks (SSD) und übertrumpften sich gegenseitig mit Kapazitätsankündigungen: Während SanDisk bescheiden 64-GByte-Versionen vorstellte - immerhin im 1,8- und 2,5-Zoll-Format -, wollen A-Data und SuperTalent 128 GByte erreichen. Auf Apacers 2,5-Zoll-SSD klebt schon ein ebensolches Typenschild, und PQI hatte sogar eine 256-GByte-Version angekündigt. Mit Angaben zur Verfügbarkeit hielten sich die Firmen allerdings zurück, Preise waren schon gar nicht zu erfahren. Apacer will 64-GByte-Versionen im dritten und 128-GByte-Versionen im vierten Quartal ausliefern, 2008 soll die Transfergeschwindigkeit auf 200 MByte/s steigen. SanDisk will erste Muster der 64-GByte-Version im dritten Quartal ausliefern, die Massenproduktion soll im vierten Quartal beginnen. SuperTalent will mit der Auslieferung der 64-GByte-Version schon begonnen haben. PQI hatte die 64-GByte-Version schon zur CeBIT für marktreif erklärt. Doch die tatsächliche Lieferbarkeit sieht anders aus: Etwas Größeres als die 32-GByte-Versionen ist in keiner Preissuchmaschine aufzutreiben.

Eine nette Idee steuerte der Backup- und RAID-Spezialist Stardom bei. Er zeigt eine Flash-Disk im Selbstbau: Das kleine, noch namenlose Kästchen im 2,5-Zoll-Format mit SATA-Anschluss hat zwei Pfostenleisten für CompactFlash-Karten, die Treiber sollen in der Lage sein, die Karten als RAID-Array zu betreiben. Zu Preisen und Verfügbarkeit konnte der Hersteller noch nichts sagen, die ersten Muster seien erst vor wenigen Tagen fertig geworden. Auch Apacer zeigte ein ähnliches Modell, konnte aber zur Lieferbarkeit ebenfalls nichts sagen.

Noch vor wenigen Jahren stapelten sich auf der Computex die Mini-Barebones: Die kompakten, aus Gehäuse, Netzteil, Board und Kühlsystem bestehenden PCs zum Selbstkomplettieren fehlten auf kaum einem Stand. Inzwischen ist es ruhiger um diese PC-Gattung geworden. Gut im Rennen ist eigentlich nur noch Marktführer Shuttle: Er zeigte auf der Computex gleich sechs neue Mini-Barebones in drei Baureihen. Allen Neulingen gemeinsam ist das OASIS getaufte Kühlsystem für den Chipsatz und die MOSFETs im CPU-Spannungsregler. Zwei Heatpipes sowie Kupferlamellen sollen hier für geringere Temperaturen sorgen. Shuttle verspricht eine längere Lebenszeit der Bauteile und einen knapp 20 Prozent geringeren Energieumsatz. Das wiederum soll helfen, die neuen Barebones deutlich leiser zu machen als ihre bereits recht leisen Vorgänger.

Als Media-Center-PC soll sich das SG33G5M Deluxe aus der Serie „D’VO“ eignen, in dem ein LGA775-Mainboard mit Intels neuem G33-Chipsatz steckt; Shuttle hat auch einen HDMI-Ausgang vorgesehen. Weitere Besonderheiten sind der hinter der Frontblende versteckte Fingerabdruck-Scanner und die sogenannte Speed-Link-Software. Letztere soll eine direkte PC-PC-Kopplung via USB erlauben: Einer der beiden hinter dem Frontpanel untergebrachten USB-Ports kann dazu mit einem Schalter in den Transfermodus versetzt werden, sodass keines der speziellen, bisher nötigen USB-Kabel zur PC-Kopplung nötig sein soll. Die Festplatte des SG33G5M Deluxe erscheint dann auf dem Zielrechner als USB-Wechselmedium. Treiber müssen auf dem Zielsystem nicht installiert werden, was den Datentransfer erheblich erleichtert.

Besonders viel Leistungspotenzial spricht Shuttle den beiden LGA775-Barebones der Prima-Serie zu, dem SX38P3 Deluxe und dem SP35P3 Deluxe. Alle LGA775-Boards sind noch für DDR2-SDRAM ausgelegt. Beide Geräte liefert Shuttle mit einem neuen Netzteil aus, das der „80-Plus“ Spezifikation folgt, also über einen weiten Leistungsbereich einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent aufweist (siehe S. 52 in c't 14/07).

Die Geräte der Glamor-Serie gibt es in drei Gehäuse-Versionen (G2, G5 und das neue G6), die mit einer glitzernden Zierleiste versehen sind. Im SN68PTG6 Deluxe setzt Shuttle den brandneuen Nvidia-Chipsatz nForce 630/GeForce 7050 PV (MCP68) für AM2- und AM2+-Prozessoren ein, der ebenfalls einen HDMI-Ausgang anbindet; im SN68SG2 steckt dessen billigerer Bruder GeForce 7025 und im SG33G5 wiederum der Intel G33.

Doch nicht nur mit neuen Barebones will Shuttle seine Kunden begeistern. Auch wer bereits ein älteres Shuttle-Barebone der XPC-Serie besitzt, soll bei der Stange gehalten werden. Deshalb bietet Shuttle nun eine ganze Reihe verschiedener Upgrade-Boards mit Intels P35- und G33- sowie Nvidias GeForce 7025-Chipsatz an.

Da sich „Erlkönige“ auf einer Messe immer gut machen, präsentierte Shuttle in seinem Showroom abseits der Messehallen im Einkaufszentrum „New York New York“ auch noch Designstudien für kommende Mini-Barebones. Geht es nach dem Willen der Shuttle-Designer, erwartet uns 2008 die Mystery-Serie in Form eines recht flachen, leicht nach hinten geneigten Systems. 2009 will man uns dann mit der „Fantasy“-Reihe beglücken, die starke Ähnlichkeiten mit aktuellen Booksize-PCs aufweist. Na, und 2010 heißen wir möglicherweise den Einkaufstaschen-PC willkommen, dem Shuttle den vielsagenden Titel „Subversion“ verpasst hat.

1000-Watt-Netzteile sind geschmolzener Schnee von gestern: Viele taiwanische Netzteilhersteller setzen auch in diesem Jahr den Trend fort, sich mit immer höheren Leistungsangaben gegenseitig zu übertrumpfen. Schon die Kilowatt-Klasse ist für 99,99 Prozent aller PCs weit überdimensioniert, das gilt erst recht für die jetzt auf der Computex gesichteten 1500-Watt- und gar 2000-Watt-Modelle. Angesichts des mieserablen Wirkungsgrads, den diese Boliden im Arbeitsalltag aufweisen entsteht der Eindruck, als sei die Klimadiskussion noch nicht bei allen Herstellern auf der Insel angekommen.

So zeigen beispielsweise Fourchannel und Thermaltake Netzteile der 1,5-kW-Klasse, die wegen ihrer zu hohen Gehäusetiefe nicht immer in Standardeinbauplätze von ATX-Gehäusen passen. Thermaltake rundet bei der Leistungsangabe auch noch generös auf: Die Leistungen der einzelnen Spannungsschienen des Toughpower 1500W summieren sich auf „nur“ 1375 Watt. Im auf der Messe gezeigten Anwendungsbeispiel gehen davon nur rund 670 Watt an das PC-System mit Doppelgrafik, die restlichen 700 Watt sollen andere Verbraucher wie Kfz-Audioendstufen aufzehren.

Gleich ums Eck setzt die Firma Highpowersupply, die in Europa unter Sirtec firmiert, sogar noch eins drauf: Stolze 1600 Watt soll das Modell HPC-1600-G14C in den PC bringen. Liefertermin? Preis? Oder gar ein Datenblatt? Fehlanzeige. Reicht die Leistung noch nicht? Kein Problem, Thermaltake hilft da gern mit dem Modell Toughpower 2000W aus. Wann und zu welchem Preis, das behält man für sich. Wer gar nicht genug bekommen kann, der darf das Netzteil auch gern neben den PC stellen: Etliche Netzteilproduzenten bieten externe Netzteile mit Leistungen im 2-kW-Bereich an, die überall, nur nicht im klassischen ATX-Netzteileinbauplatz untergebracht werden dürfen. Den üblichen Platz fürs Netzteil belegt dann eine Breakout-Box: Zwei fette Kabelstränge verbinden diese mit dem eigentlichen Netzteil. Damit die Leistung auch ja irgendwo bleibt, bietet das zum Rechnerinneren ausgerichtete Ende der Box viel Platz für Modulstecker, von denen dann noch einmal reichlich Kabel zu Mainboard und Co. führen. Leitungs- und Übergangswiderstand lassen grüßen.

Cable Management oder modulare Verkabelung findet sich ohnehin allerorten bei den potenteren Netzteilen: Sie reduzieren zwar das Kabelgewirr im PC, weil man nicht benötigte Anschlüsse weglassen kann. Andererseits bringen die Systeme mit zusätzlichen elektrischen Kontakten eine neue Fehlerquelle ins Spiel, denn auch diese können korrodieren oder wackeln. Vor allem die Ausführungen mit Schraubsteckern erhöhen abermals die Einbautiefe des Netzteils. Der Vorteil solchen Kabelmanagements ist deshalb eher fraglich. Spricht man die vereinzelt auf den Messeständen aufzutreibenden Entwickler auf dieses Dilemma an, so erntet man eigentlich nur verständiges Nicken. Doch was solls, der Kunde will es angeblich haben.

Klar ist indes, dass niemand ein derart potentes Kleinkraftwerk für seinen PC wirklich braucht. Denn schon um nur ein ordentliches 800-Watt-Netzteil auszureizen, muss man in teure Hardware investieren: Sein Leistungsvermögen reicht für einen Quad-Core-PC inklusive zwei High-End-Grafikkarten vom Schlage einer AMD Radeon HD 2900 XT in Crossfire-Konfiguration locker aus. Dabei schluckt die 3D-Grafik mit bis zu 450 Watt den Löwenanteil, allerdings auch nur in kurz dauernden Leistungsspitzen.

Zum Glück traf man auf der Computex aber auch Firmen, die den Watt-Wahnsinn nur sehr zögerlich mitmachen und sich stattdessen auf wirklich wichtige Dinge konzentrieren. FSP etwa legt bei den neuen Netzteilmodellen vor allem Wert auf einen guten Wirkungsgrad über einen möglichst weiten Lastbereich. Zudem will man in Europa demnächst die Garantie auf drei Jahre erweitern und denkt über einen Vorab-Austauschservice nach.

Auch Seasonic steigert die Effizienz der eigenen Netzteile: Alle neuen Modelle bis hinauf zu 700 Watt sollen einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent aufweisen. Modulare Stecker verbaut man allerdings beim Modell M12 auch - auf Druck der Kunden, heißt es.

Zu den positiven Überraschungen in Sachen Netzteilen gehört auch der Stand von Enermax. Dort demonstriert man nicht nur, was die neuen Infinity-Modelle leisten können, sondern ist besonders stolz darauf, dass auch das 400-Watt-Liberty-Modell ohne weiteres AMDs Tests für das „DXX-ready“-Logo bestanden hat. Andere Unternehmen, so betonte Firmenchef Steven Su, würden das nur mit 500- oder gar 550-Watt-Modellen schaffen. Mit einer Demo entlarvte Enermax zudem die Unsinnigkeit des Wattgeprotzes: Ein unrealistisch aufgemotztes System, bestehend aus zwei Xeon-Prozessoren (2 GHz Dual-Core), eine Sapphire X1950PRO Dual (zwei ATI Radeon X1950 Pro, 1024 MByte Grafikspeicher), 2 GByte Speicher und als Krönung ein SATA-RAID aus 18 7200er-Platten (Seagate Barracuda 7200.10, 250 GByte) lief angetrieben von einem Netzteil der Infiniti-Reihe mit lediglich 720 Watt Nennleistung.

Für eine weitere Überraschung sorgten die Odin-Netzteile von Gigabyte: Dass ausgerechnet ein Newcomer in Sachen Netzteile seine Modelle mit einer via USB an den PC angekoppelten Controller-Platine ausstattet, die es dem Anwender erlaubt, in Betrieb Daten wie etwa den aktuellen Wirkungsgrad, die Auslastung einzelner Spannungspfade, die Temperatur und vieles mehr auszulesen, dürfte manch Etabliertem sicher unangenehm aufstoßen.

Weiten Raum auf der Computex nahm auch der Bereich Displays ein. Hier bot sich dem Besucher vor allem bei den digitalen Bilderrahmen ein teils attraktives, teils aber auch gruseliges Angebot dar. Besonders auffällig war hier das geradezu barock anmutendes 10,2"-Modell DFP102 von AboCom: Der kleine Flachbildschirm steckt hier in einem verschnörkelten silberfarbenen Rahmen. Die dargestellten Bilder stammen entweder von einem USB-Stick oder von CF-, SD-, XD-, MMC-Karten beziehungsweise einem Memory-Stick. Damit die Bilder hell erstrahlen, ist allerdings auch noch ein 12-Volt-Netzteil erforderlich. Der Bilderrahmen muss also „verkabelt“ werden, was dem Gesamteindruck an der Wand sicher einigen Abbruch tut.

Ohnehin war so manches Ausstellungsstück gut für ein Schmunzeln. Wie wäre es etwa mit einer Web-Cam, versteckt in einem Plastikhündchen oder in kleinen Kerlen, die an Playmobil-Männchen erinnern? Passendes hatte zum Beispiel Aamax im Programm. Besuchern aus dem USA könnte das Grinsen möglicherweise im Gesicht einfrieren, wenn sie den neuen passiven Chipsatz-Kühler von Zaward erblicken. Er besteht aus zwei aufragenden, unterschiedlich langen Heatpipes, die mit Lamellen befächert sind. Das Unternehmen, das als weltweiter Vertriebsbeauftragter der Globefan Technology auftritt, hat den Kühler äußerst einfühlsam „Twin Towers“ getauft. (gs)