Offener Schlagabtausch in HD

Nach der Kritik auf die Jubelmeldungen der HD-Disc-Lager zu Jahresbeginn, bei denen beide Seiten vor allem mit relativen Angaben jongliert hatten, versuchen die Kontrahenten nun, die tatsächlichen Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben - über den Preis.

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Was kann man als alleiniger Hersteller von Stand-alone-Playern für das HD-DVD-Format machen, wenn das Geschäft aufgrund des andauernden Formatstreits mit dem Blu-ray-Lager schleppend läuft? Und wie soll man darauf reagieren, dass das konkurrierende Lager mit Sonys Spielkonsole Playstation 3 gegenhält, die sich als Blu-ray-Player nutzen lässt?

Toshiba hat in eben dieser Situation auf beide Fragen einfache - wenn auch fĂĽr den Hersteller nicht gerade billige - Antworten gefunden: Das Unternehmen senkte im Mai zum einen in Nordamerika den Listenpreis fĂĽr den Stand-alone-Player HD-A2 von 399 auf 299 US-Dollar (umgerechnet rund 299 beziehungsweise 224 Euro) und legt noch kostenlos fĂĽnf HD DVDs (aus einer Auswahl von 15 Titeln) oben drauf. Weiterhin kĂĽndigte das Unternehmen an, ab dem kommenden Jahr HD-DVD-Laufwerke in alle seine Notebooks einzubauen - von denen die Firma im vergangenen Kalenderjahr nach Analystenangaben weltweit immerhin 9,2 Millionen StĂĽck absetzen konnte.

Die Strategie ging beim HD-A2 bereits auf: Der Player verkaufte sich bis zu zehnmal häufiger als zuvor. Als nach nur drei Wochen Toshibas US-Gesamtverkäufe bei HD-DVD-Playern die Marke von 150 000 Stück überschritt, feierte die HD DVD Promotion Group bereits den Sieg über die Blu-ray-Konkurrenz, die bis dahin nur rund 100 000 Stand-alone-Player habe absetzen können.

Trotz des Kampfpreises ist aber noch nicht sicher, ob Toshiba seine bereits von 1,8 auf 1 Million Stück reduzierte Verkaufsprognose für US-Geräte bis Jahresende erfüllt. Abzuwarten bleibt zudem, ob das Unternehmen auch den Listenpreis des hierzulande als „HD-E1“ (derzeit ab 350 Euro) erhältlichen Einstiegs-Players senkt. Jedenfalls revidierte es seine Vorhersage, bis März 2008 weltweit drei Millionen HD-DVD-Player zu verkaufen - mit Hinweis auf die „unsichere Entwicklung auf dem europäischen und japanischen Markt“.

Die Ausstattung aller hauseigenen Notebooks mit HD-DVD-Laufwerken wird sicherlich die Absatzzahlen für das HD-Disc-Format schönen, wirft aber dieselbe Frage auf wie bei Sonys PS3: Wie viele Käufer werden darauf tatsächlich HD-Filme gucken?

Laut Toshibas Senior Vice President Hisatsugu Nonaka möchten dies Konsumenten bevorzugt unterwegs tun - obwohl ein Test in der c't 13/07 zeigte, dass dies auf den aktuellen Modellen mit HD-DVD-Laufwerk aufgrund der geringen Akkulaufzeit gerade nicht klappt.

Sony als größter Blu-ray-Verfechter brachte im Gegenzug am 1. Juni für 500 Dollar (knapp 375 Euro) den bislang preiswertesten Stand-alone-Player BDP-S300 auf den US-Markt - und unterbot damit den ursprünglich avisierten Preis um 100 US-Dollar. Panasonic hält indes bei seinem seit Mitte Juni in den USA erhältlichen Player DMP-BD10A (eine aufgehübschte Variante des DMP-BD10) am im Mai angekündigten Listenpreis von rund 600 US-Dollar fest - „zumindest im Moment“, so Unternehmenssprecher Jeff Samuels.

Bis dato war die PS3 der preiswerteste Blu-ray-Abspieler auf dem Markt, weshalb nun spekuliert wird, Sony könnte den Listenpreis der Konsole von derzeit 600 US-Dollar nach unten anpassen. Das schloss Sony-Präsident Ryoji Chubachi in einem Interview nicht aus; allerdings dürfte sich die Firma nicht (nur) von den Entwicklungen bei den HD-Disc-Formaten leiten lassen, sondern (auch) von den Verkaufszahlen ihrer PS3, die bislang hinter den Erwartungen zurückblieben: Sony setzte weltweit schätzungsweise rund 3,4 Millionen Konsolen ab, davon knapp 1,5 Millionen Stück in Nordamerika und etwa 85 000 in Deutschland.

Während sich die Promotion Group freuen konnte, dass die gesteigerte Verkaufsrate des HD-A2 auch eine erhöhte Nachfrage nach Filmen auf HD DVD nach sich zog, kann die Gruppe zukünftig nicht mehr mit der exklusiven Unterstützung der europäischen Studios werben.

So will Kinowelt Home Entertainment mit „Million Dollar Baby“ und „Die Reise der Pinguine“ am 17. August seine ersten Blu-ray Discs auf den deutschen Markt bringen, für das Frühjahr ist die parallele Veröffentlichung der Horrorfilm-Reihe „Saw“ auf Blu-ray Disc und HD DVD geplant. Concorde Home Entertainment kündigte an, zur kommenden IFA im September seine ersten Filme - „12 Monkeys“, „Tomb Raider“, „Underworld“ und „Wir waren Helden“ - gleich in beiden HD-Disc-Formaten zu veröffentlichen. Auch Highlight will sein Versprechen, beide Standards zu bedienen, im Herbst bei den Filmen „Fantastic Four“, „Resident Evil“ und „Resident Evil: Apocalypse“ einlösen. Da einige amerikanische Inhalte-Lieferanten ausschließlich auf Blu-ray Disc oder HD DVD setzen, müssen sich die deutschen Studios für einige hiesige Fassungen selbst um das Authoring für das jeweils andere Format bemühen.

Ein Grund für den Schwenk zur Zweigleisigkeit dürfte in der vor einiger Zeit beschlossenen Senkung der Blu-ray-Lizenzkosten für kleinere Studios liegen. Zudem bewies Warner Home Video in den USA, dass sich die Veröffentlichung in beiden HD-Disc-Formaten lohnt: Das Studio verkaufte „The Departed“ (Unter Feinden) dort bislang insgesamt über 100 000-mal und nahm damit 2,8 Millionen Dollar ein. Zudem vertreibt es in den USA mit der BBC-Naturdokumentation „Planet Earth“ auch die bis dato umsatz-stärkste HD-Disc. Das 4-Disc-Set setzte bei einem Straßenpreis um 67 Dollar von Ende April bis Anfang Juni bereits 3,2 Millionen Dollar um.

Als cleveres Vehikel für den HD-DVD-Verkauf betrachteten deren Verfechter anfangs die sogenannte „Combo Disc“ mit einer HD-DVD- und einer DVD-Seite, die es für das Blu-ray-Format bislang nicht gibt. Unabhängige Analysen zeigen jedoch, dass sich Filme auf HD DVD in der Combo-Fassung generell schlechter verkaufen als reine HD-DVD-Versionen - nicht zuletzt, weil die Combo Discs fünf US-Dollar teurer sind. Nun kündigte Universal auch für den deutschen Markt mit dem Film „Smokin’ Aces“ (erscheint am 23. August) den ersten Titel in diesem Kombiformat auf HD DVD an. Dabei sagen Marktbeobachter in den USA bereits Universals Abkehr von den zweiseitigen Scheiben voraus, nachdem das Studio zunächst als Combo-Scheiben angekündigte Titel doch nur als reine (und preiswertere) HD DVDs in den US-Handel gebracht hatte. (nij) (nij)