Sparkurs
Das TF560 A2+ von Biostar spart dank ĂĽberarbeitetem Nvidia-Chipsatz Strom und ist bereits fĂĽr AMDs kommende Prozessorgeneration Phenom gerĂĽstet.
- Benjamin Benz
Still und heimlich hat Nvidia die Brot-und-Butter-Chipsätze der nForce-Familie abgespeckt und überarbeitet. Die vier neuen Chipsätze nForce 570LT SLI, 560, 520 und 520LE entstanden unter den Codenamen MCP65 und gerüchteweise auch MCP61. Gegenüber den MCP55-Vorgängern (nForce 570 Ultra/SLI, 590 SLI) hat Nvidia an einigen Details geschraubt. Statt drei SATA-Controller für je zwei Laufwerke gibt es nur noch einen für vier Platten; dazu später mehr. Auch einer der beiden Gigabit-LAN-Ports wurde wegrationalisiert und mit ihm gleich ein paar mehr oder weniger überflüssige Netzwerk-Features wie das „Teaming“ oder die TCP/IP-Beschleunigung. Die Anzahl der PCIe-Lanes sinkt von 20 (nForce 570 Ultra) auf 19, und die MCP65-Chips verwalten auch nur noch vier PCIe-Geräte. Alle MCP65-Varianten sind übrigens Singlechip-Lösungen.
Der MCP65P (nForce 570LT SLI) kann entweder eine PEG-Karte mit 16 oder im SLI-Betrieb zwei Karten mit je acht PCIe Lanes versorgen. Der MCP65GT (nForce 560) beherrscht die Kopplung zweier Grafikkarten per SLI hingegen nicht. Dem nForce 520 (MCP65S) fehlt auĂźerdem noch die UnterstĂĽtzung fĂĽr RAID 5, dem nForce 520LE sogar die fĂĽr kombiniertes RAID 0+1. Auch bietet Letzterer nur acht USB-Ports und zwei SATA-Schnittstellen.
Die größeren anstehenden Umbauten wie PCI Express 2.0 oder HyperTransport 3.0 will Nvidia erst mit dem MCP72 in Angriff nehmen. Dieser dürfte dann auch als erster Nvidia-Chipsatz AMDs neue Phenom-Prozessoren im Sockel AM2+ voll ausreizen. Die MCP65-Familie soll die neuen Prozessoren immerhin schon unterstützen. Allerdings müssen diese dann ihren HyperTransport-3.0-Link mit 1,0 statt 2,6 GHz laufen lassen.
Ein anderes ursprünglich lautstark beworbenes Feature hat Nvidia klammheimlich wieder aus allen Chipsätzen entfernt: Linkboost sollte die PCIe-Verbindung zu einer Nvidia-Grafikkarte automatisch übertakten. Nach eigenen Angaben war Nvidia der Testaufwand für alle Kombinationen von Grafikarten, BIOS-Versionen und Chipsätzen zu groß.
Biostar TF560 A2+
Neben dem neuen Chipsatz fällt am Biostar TF560 A2+ hauptsächlich auf, dass es AM2+-Prozessoren nach einem BIOS-Update aufnehmen soll. Dieses wird dem Chipsatz HyperTransport 3.0 aber nicht beibringen können. Ob das Board bereits die geteilte Spannungsversorgung für CPU-Kerne und Speicher-Controller beherrscht, konnte uns Biostar bis zum Redaktionsschluss nicht definitiv mitteilen. Allerdings fällt optisch ein relativ großer Spannungswandler auf, der sich von den übrigen dreien unterscheidet.
Die meisten der Einschnitte bei Nvidias Chipsatz kommen unserer Beobachtung nach der elektrischen Leistungsaufnahme zugute. Auch der sehr kleine Chipsatzkühler auf dem TF560 A2+ weist darauf hin, dass der nForce 560 nicht allzu viel Strom schluckt. Fast 20 Watt verheizt das TF560 A2+ unter Volllast weniger als ein MSI K9N Platinum mit nForce 570 Ultra. Ohne Last beträgt der Unterschied immer noch 15 Watt. Wie viel davon der Chipsatz einspart, lässt sich nicht sagen: Genaue Daten zur Leistungsaufnahme des Chipsatzes will Nvidia auch auf Nachfrage nicht veröffentlichen.
Ein weiteres - für Mainboards mit Nvidia-Chipsätzen - neues Detail verrät das BIOS-Setup. Bisher mied Nvidia Intels AHCI-Modus für moderne SATA-Platten. Einzelne Funktionen aus dem AHCI-Paket wie das Native Command Queing hatte Nvidia per Treiber implementiert. Nun bietet Biostar im BIOS-Setup eine Option namens „MCP Storage Config“, unter der man zwischen „IDE“, „RAID“ und „AHCI“ wählen kann. Auf Nachfrage bestätigte Nvidia, dass man nun AHCI 1.1 unterstütze - Intel ist übrigens bereits bei AHCI 1.2 angelangt.
Bei der Performance zeigt sich in den meisten Benchmarks kaum ein Unterschied zwischen nForce 560 und 570. Lediglich der Linux-Kernelbench und der BAPCo Sysmark 2004SE können minimal vom neu eingeführten AHCI-Modus profitieren. Die Preview des Sysmark 2007 für Windows Vista reagiert hingegen beim Office-Productivity-Test, der hauptsächlich das MS-Office-Paket nutzt, sensibel auf AHCI. Die dort gestellten Aufgaben bewältigt der neue Chipsatz um rund 30 Prozent schneller als sein Vorgänger. In der Praxis dürften diese Zuwächse jedoch kaum bemerkbar sein.
Unter dem Strich handelt es sich weder beim nForce 560 noch beim Biostar TF560 A2+ um spektakuläre Neuerungen, sondern eher um Modellpflege. Wer plant, einen Phenom-Prozessor zu kaufen, sollte auf echte AM2+-Boards mit HT 3.0 (und PCI Express 2.0) warten. (bbe) (bbe)