Bürokräfte
Zwar reicht die Performance vieler Billig-PCs für Büroanwendungen aus, doch ein wirklich guter Bürocomputer bietet mehr: Er ist sparsam, leise, zuverlässig und wartungsfreundlich. Wir zeigen, was man von der aktuellen Business-PC-Generation erwarten darf.
Auf der Europalette im Elektronikmarkt oder beim Lebensmitteldiscounter findet man Desktop-Rechner, die viel Leistung und Ausstattung fürs Geld bieten. Im Vergleich zu solchen Heimrechnern wirken die unscheinbaren Kästen, die abermillionenfach auf und unter den Schreibtischen in Firmenbüros stehen, schlapp und teuer. Der Schein trügt, denn sie sind bloß optimal an das Biotop Büro angepasst und deshalb Spezialisten in Sachen Zuverlässigkeit, Sparsamkeit und Langlebigkeit. Viele Office-Rechner sind auch leise und besonders wartungsfreundlich. Manche beherrschen Sonderfunktionen, die das Leben von Administratoren erleichtern: BIOS-Setup-Einstellungen lassen sich speichern, der komplette PC auch aus der Ferne per LAN konfigurieren und warten.
Außer CPU, Mainboard, Hauptspeicher, Netzteil, Festplatte und optischem Laufwerk steckt wenig im Gehäuse typischer Bürocomputer - was nicht da ist, schluckt keinen Strom und geht nicht kaputt. Netzwerkchip und Grafikprozessor sind auf dem Mainboard integriert, was die Zahl von fehlerträchtigen Steckverbindungen niedrig hält. Einige Hersteller bauen nahezu identisch bestückte Mainboards in verschiedene Gehäusetypen ein, weshalb unterschiedlich ausgerüstete Rechner mit gleichem BIOS, gleichen Treibern und derselben Betriebssystem-Installation funktionieren. Durch dieses Stable-Image-Konzept lassen sich große Stückzahlen von Rechnern flott einrichten.
Profi-PCs sind meistens monatelang in derselben Konfiguration lieferbar, damit Firmen problemlos Geräte nachkaufen können. Zumindest gegen Aufpreis gibt es Garantiefristen von bis zu fünf Jahren, auch Ersatzteile sind oft so lange lieferbar - wer will schon Windows neu installieren müssen, weil das Mainboard nicht mehr zu beschaffen ist?
Dieser Vergleichstest stellt die aktuelle Generation von Business-PCs mit Dual-Core-Prozessoren von AMD und Intel vor. Diese CPUs sind vergleichsweise sparsam und gleichzeitig günstig; die Kraft ihrer zwei Kerne verspricht ausreichend Schub auch für zukünftige Programmpakete. Alle Geräte kommen mit vorinstalliertem Windows Vista Business, sind aber in ähnlicher Ausstattung auch noch mit Windows XP zu haben und laufen meist auch unter Linux.
Ein DVI-Anschluss für digitale Monitore ist im Sinne optimaler Bildqualität unverzichtbar; dabei braucht der Grafikchip selbst nicht viel Wumms, sollte aber Vista Aero Glass unterstützen. Mit 1 GByte Speicher kommt man im Büro meistens aus, das RAM lässt sich aber ebenso leicht erweitern wie die Festplattenkapazität. Letztere spielt beim Einsatz im Netzwerk mit zentralem Server keine tragende Rolle, solange die Festplatte zuverlässig läuft.
Neben den im Business-PC-Segment seit langem etablierten Marken Dell (OptiPlex 740), Fujitsu Siemens Computers (FSC Esprimo P5916), Hewlett-Packard (HP Compaq dc5750) und Lenovo (ThinkCentre M55p) sind auch der schnell wachsende taiwanische Hersteller Acer (Veriton 6900Pro) und die kleineren deutschen Firmen Maxdata (Favorit Stable A) und Wortmann (Terra-PC Business M 6450) im Test vertreten. Wir haben sowohl Geräte mit Intels aktueller Hardware-Empfehlung für Profi-Rechner (Core 2 Duo/vPro-Chipsatz Q965) als auch mit AMDs Konkurrenzangebot (Athlon 64 X2/Chipsätze von AMD/ATI und Nvidia) berücksichtigt. Die Intel-Systeme bieten Active Management Technology (AMT), also Fernwartungsfunktionen, die wir im nachstehenden Artikel ausführlich beschreiben. Bei der Bauform haben wir Minitower bevorzugt, denn in kleineren Firmen ist das noch immer die häufigere Wahl; außerdem ist ein Rechner, der unterm Tisch steht, nicht so laut zu hören und stört optisch auch weniger als auf dem Schreibtisch.
Optionitis
Viele PC-Hersteller fahren zweigleisig und unterscheiden zwischen Heim- und Firmenrechnern. Je nach aktuellem Geschäftskonzept betonen oder verwischen die einzelnen Marken diese Grenzen allerdings. Dell beispielsweise ordnet die Baureihe OptiPlex klar ins Corporate-Segment ein und zielt mit Inspirons und XPS-Rechnern auf Privatleute. Beim Dimension kann sich Dell hingegen nicht entscheiden - er taucht mal hier, mal dort auf. Bei Acer heißt die Profi-Serie Veriton, die Heimrechnerfamilie Aspire. FSC unterscheidet zwischen Esprimo (Business) und Scaleo (privat), HP zwischen „HP Compaq dc“ und „HP Pavilion“. Lenovo baut erst allmählich wieder ein Heim-PC-Geschäft auf, hier sind offenbar sowohl die eher günstige Baureihe 3000 als auch die teilweise exorbitant teuren Geräte unter dem etablierten IBM-Brand ThinkCentre für gewerbliche Käufer gedacht.
Alle im Test vertretenen PC-Hersteller konfigurieren Firmenrechner nach Wunsch, denglisch Build-to-Order (BTO) genannt. Während Großfirmen mit separat ausgehandelten Projekt- und Rahmenverträgen fast jeder Wunsch erfüllt wird, sind die Wahlmöglichkeiten für Abnehmer kleiner Stückzahlen eingeschränkt. Besonders Privatkunden können oft nur zwischen einigen festen Hardwarekombinationen wählen. BTO-Sonderwünsche können allerdings die Lieferzeit auch drastisch verlängern oder stark preistreibend wirken, weshalb letztlich vorkonfigurierte Rechner doch oft attraktiver erscheinen, vor allem mit Rabatt. Solche Offerten tragen häufig Zusatzbezeichnungen wie „Express“.
Die vermeintliche Built-to-Order-Freiheit leidet nicht selten unter dem Preispunkt-Gestaltungswillen der Verkäufer. Das Dell-Angebot ist dafür ein Musterbeispiel. Oft ist es schier unmöglich, eine spezielle Systemkonfiguration aus einem Werbeprospekt über die Dell-Webseite zu bestellen. Verwirrende Rabattoptionen, die häufig an weniger flexibel konfigurierbare Geräteausführungen gekoppelt sind, machen das Einkaufen in dem eigentlich recht übersichtlich gestalteten Online-Shop von Dell zum Geduldsspiel. Manchmal wirkt es völlig willkürlich, dass bestimmte Konfigurationen nicht zu haben sind. Deshalb auch ist der OptiPlex 740 der einzige Kandidat im Testfeld, der im Desktop-Gehäuse steckt: Bei der Minitower-Variante war ein DVI-Ausgang zum Beschaffungszeitpunkt ausschließlich mit gesteckter Grafikkarte zu haben, den optionalen DVI-Anschluss für die Onboard-Grafik gab es nur im kompakten „DT“-Gehäuse. Laut Dell soll es die DVI-Karte aber bei telefonischer Bestellung auch für Minitower geben.
Technik
Seit Intel im vergangenen Jahr den Core 2 Duo vorgestellt hat, wirken die AMD64-Prozessoren - obwohl nicht weniger schnell und deutlich billiger als zuvor - viel weniger attraktiv. Im Vergleich zu Intels „NetBurst“-Prozessoren Celeron D, Pentium 4 und Pentium D, die übrigens zurzeit verramscht werden, waren Sempron, Athlon 64 und Athlon 64 X2 meistens schneller und fast immer sparsamer. Mit der von Notebook-Prozessoren abstammenden Core-Mikroarchitektur, die übrigens au-ßer im Core 2 Duo auch im Pentium Dual-Core (nicht Pentium D) und der Celeron-400-Baureihe steckt, wurden die Intel-Prozessoren aber unter Volllast sparsamer als die Athlons. Lediglich im Leerlauf haben die AMD-Prozessoren noch einen kleinen Vorteil durch ihre gute Stromspartechnik.
Der Leerlaufzustand bei ruhendem Windows- oder Linux-Desktop (auch On/Idle-Modus genannt) bestimmt maßgeblich den Energiebedarf von Bürorechnern, weil sie typischerweise nur kurzzeitig unter Volllast arbeiten. Deshalb begrenzt die neue Energy-Star-Richtlinie 4.0 auch die Leistungsaufnahme im Leerlauf, bei Rechnern mit Dual-Core-Prozessoren und Onboard-Grafik auf 65 Watt. Diesen Grenzwert schaffen alle Prüflinge locker. Dennoch bekäme keiner das neue Energy-Star-Logo, denn dazu brauchen PCs jetzt auch besonders effiziente Netzteile, die bei 20, 80 und 100 Prozent Last höchstens 20 Prozent Verluste aufweisen. Erste Systeme mit 80-Plus-Netzteilen tauchen allmählich auf, konkret angekündigt haben sie Dell, FSC und HP.
Weil ATX-Netzteile bei geringer Last weniger effizient arbeiten, sparen optimal dimensionierte Netzteile Energie. Deshalb hat keiner der getesteten Computer ein Netzteil mit mehr als 350 Watt nomineller Ausgangsleistung. Die eingesetzten Prozessoren sind mit maximal 65 Watt spezifiziert, dazu kommen sparsame Onboard-Grafik (maximal etwa 30 Watt für den Mainboard-Chipsatz), der Hauptspeicher und eine Festplatte (circa 10 Watt); rechnet man für optisches Laufwerk, Tastatur, Maus und USB-Geräte sowie die Verluste der Onboard-Spannungswandler noch pauschal 50 Watt Reserve, dann würden sogar 160-Watt-Netzteile reichen. Solche gibt es aber schon gar nicht mehr, selbst die 230- bis 300-Watt-Geräte in den Business-PCs sind im Einzelhandel kaum zu beschaffen. Das bedeutet einerseits, dass bei Defekten nur vom Hersteller Ersatz zu haben ist, andererseits sind die Systeme eben auch sparsamer als PCs vom Händler um die Ecke oder aus dem Supermarkt.
Alle im Test vertretenen Rechner arbeiten mit Onboard-Grafik, in den Mainboard-Chipsätzen stecken also integrierte Grafikkerne, die einen Teil vom Hauptspeicher mitnutzen. Den Grafikprozessor im Chipsatz Q965 nennt Intel Graphics Media Accelerator 3000 (GMA 3000). Er ist eng mit dem des G965 (GMA X3000) und dem des aktuellen Notebook-Chipsatzes GM965 (GMA X3100) verwandt. Eine Besonderheit der Intel-Grafikkerne ist Dynamic Video Memory Technology (DVMT): Anders als die Konkurrenten belegen sie bis auf ein Minimum von 1 oder 8 MByte keinen festen Anteil des Hauptspeichers, sondern je nach Bedarf bis zu 384 MByte.
Intels GMAs unterstützen seit der Version GMA 950 DirectX 9, sind also uneingeschränkt tauglich für die Aero-Glass-Oberfläche von Windows Vista. Das gilt auch für die Konkurrenzprodukte für AMD64-Prozessoren, den Radeon Xpress 1150 der AMD-Sparte ATI sowie den Quadro NVS 210S von Nvidia, die Business-Version des technisch identischen GeForce 6150 & MCP430.
Hinsichtlich ihrer 3D-Beschleunigsungsleistung unterscheiden sich die drei im Test vertretenen Grafiklösungen zwar durchaus, doch im Vergleich selbst zu Billigst-Grafikkarten mit aktuellen Chips (GeForce 7100, Radeon X1050) ist Onboard-Grafik immer lahm. Deshalb muss man beim Kauf die klare Entscheidung treffen, ob 3D-Performance wichtig ist oder nicht. Für eine gesteckte Grafikkarte können aber auch spezielle Anforderungen sprechen, etwa Bedarf an zwei DVI-Ausgängen, Dual-Link-DVI für Monitore mit mehr als 1920 x 1200 Bildpunkten Auflösung oder mehr als einer Grafikkarte - Vista Aero Glass funktioniert nur dann, wenn alle Grafikchips im System mit demselben Treiber arbeiten. Für die meisten Büro-Einsatzfälle wird aber Onboard-Grafik mit DVI-Ausgang völlig ausreichen.
Den DVI-Ausgang realisieren einige PC-Hersteller übrigens über eine sogenannte ADD2-Karte, die im PEG-Slot steckt; bei den Intel-Chipsätzen mit integrierter Grafik und PCIe-x16-Port teilen sich beide Funktionen die Ausgangsleitungen. FSC schafft es sogar, eine ADD2-Karte mit zwei DVI-Ausgängen zu bestücken.
Manchmal muss man eine gesteckte Grafikkarte ordern, wenn man DVI will - doch das steigert die Leistungsaufnahme. Eine Grafikkarte mit ATI Radeon X1300 Pro ist zwar schneller als GeForce-6150- oder GMA-3000-Grafik, taugt aber ebenfalls nicht richtig für Spiele und führt dazu, dass der Rechner rund 20 Watt mehr zieht.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 16/2007.
| "Business-PCs" | |
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| Wartungsfreundliche Business-PCs im Test | S. 124 |
| Intels Fernwartungstechnik vPro | S. 134 |
(ciw)