Wohnzimmer-WettrĂĽsten
Schrankwand raus, Fernseher rein: Auf der Berliner IFA geht der Trend klar in Richtung Riesen-TV – schließlich sollen Full-HD-Auflösungen auch adäquat zur Geltung kommen. Bei den Projektoren stehen voluminöse HD-Goliaths klitzekleinen LED-Davids gegenüber.
Anders als US-Amerikaner sind Europäer traditionell nicht davon überzeugt, dass ein Riesenfernseher den Mittelpunkt des Wohnzimmers darzustellen hat – in der alten Welt scheint man es dezenter zu mögen. Die Hersteller sehen das natürlich anders und versuchen auch ihre europäischen Kunden davon zu überzeugen, Schrankwände durch Bildwände zu ersetzen.
Mit größeren Schirmflächen geht auch eine höhere Auflösung einher. Galt in den vergangenen beiden Jahren auf der IFA das HD-ready-Logo als das Maß der Dinge, haben die Marketingprofis mit der Unterstützung von 1080 Bildzeilen den Begriff „Full HD“ aus dem Hut gezogen. Bei den Flachmännern mit LCD-Technik kommen mittlerweile bei den meisten Herstellern ab Größen von 37 Zoll Full-HD-Panels zum Einsatz. Und während man unter den Plasma-TVs bislang wenige Full-HD-Geräte antraf, finden sich dieses Jahr in den Berliner Hallen gleich mehrere Hersteller, die Geräte mit 1080 Zeilen im Gepäck haben.
So stellt Hitachi mit dem P60RX01 einen 60-Zoll-Plasma-Fernseher auf der IFA vor – hier hat man es also mit einer Diagonale von über anderthalb Metern zu tun. Wer nun glaubt, so etwas passe nur in Wohnzimmer mit Sporthallen-Dimensionen, hat sich laut Hitachi getäuscht: Der Hersteller schreibt in einer Pressemitteilung zumindest über den nur wenig kleineren 50-Zoll-Boliden P50T01, dass er sich auch für kleinere Räume eignet: „Schon mit einem Sichtabstand von nur 1,8 Metern hat der Anwender die gleichen Sichtverhältnisse wie im Kino.“ Bei Preisen von rund 6500 beziehungsweise 2200 Euro dürften die meisten Normalverdiener indes einen herkömmlichen Kinobesuch bevorzugen. Gut betuchten Kunden, denen ein 60-Zöller – trotz guten Zuredens von Hitachi – zu groß ist, können noch auf Plasmas mit 42 Zoll Diagonale zurückgreifen. Alle Geräte haben einen sogenannten „Picture Master“-Prozessor eingebaut, der für natürliche Hauttöne sorgen soll.
Sony legt noch eine Schippe drauf und wagt sich mit einem 70"-Modell in bislang für LCDs unübliche Dimensionen: Mit 178 Zentimetern Diagonale wird der KDL-70X3500 bei TV-Fans für Begeisterung sorgen. Sein Full-HD-Panel ist anstelle von Cold-Cathode-Fluorescent-Lampen (CCFL) mit LEDs beleuchtet, wodurch der Fernseher kräftigere und natürlichere Farben anzeigen soll. Leider konnte Sony bis Redaktionsschluss nicht mitteilen, wie viele Monatsgehälter die interessierte Kundschaft investieren muss.
Garantiert günstiger fallen mit Preisen zwischen 3000 und 5000 Euro die anderen Geräte der X3500-Serie in den Größen 52, 46, und 40 Zoll aus. Jedoch brilliert nur das 70er-Flaggschiff mit LED-Backlight. Die kleineren TVs stattet Sony mit speziellen CCF-Lampen aus, die damit laut Hersteller trotzdem einen erweiterten Farbraum bei einer Farbtiefe von 10 Bit erreichen.
Auch bei Samsungs F9-Serie erhellen Leuchtdioden statt Röhren den Schirm. Der Full-HD-fähige 52-Zöller soll mit seinem LED-Backlight bewegte Bilder mit einem dynamischen Kontrastumfang von maximal 500 000:1 anzeigen.
Groß, aber kleiner: Toshiba versucht sich an der Quadratur des Kreises und stellt das „Picture Frame“-Designkonzept vor. Die Japaner haben mit der XF-Serie Fernseher im Programm, deren Rahmen nur halb so breit ausfallen wie die anderer Geräte. Resultat: Größeres Display auf kleinerem Raum. So ist das 46-Zoll-Picture-Frame-Modell nur in etwa so groß wie ein 42"-Toshiba-Gerät mit herkömmlichem Gehäuse. Sowohl der XF-Serie als auch der Z3030-Serie spendiert Toshiba „Wide-Color-Gamut“-Panels und HDMI-1.3-Schnittstellen.
Ruckeln ade
Unterdessen erkennt die umworbene Schar potenzieller Kunden, dass hohe Auflösungen und große Bildflächen nicht automatisch auch knackig scharfe Bilder garantieren. Gerade bei der sauberen Darstellung schneller Bewegungen hatten die Flachmänner der früheren Generationen so ihre Probleme: Mitunter sahen die Kanten bewegter Objekte verwaschen aus. Schuld daran ist der menschliche Sehapparat: Bei Flachbildfernsehern bleibt das Bild (im Unterschied zu alten Röhrengeräten) für die gesamte Dauer eines Frames auf dem Schirm, während das Auge jedoch unbewusst der Bewegung folgt. Wie bei einem verwackelten Foto leidet darunter die Schärfe der Objekte. Zudem arbeiten LCD-TVs intern mit einer Bildwiederholrate von 60 Hz. Die mit 50 Hz übertragenen Fernsehbilder müssen sie auf 60 Bilder pro Sekunde umrechnen. Patzt der Flachmann dabei, ruckeln bei Kameraschwenks die Bilder wie bei einem schlechten Daumenkino über den Schirm.
Für beide Probleme präsentieren die verschiedenen Hersteller auf der IFA unisono eine Lösung: Bei der 100-Hz-Technik errechnen die Fernseher synthetische Zwischenbilder und fügen sie zwischen den gesendeten Bildern ein. Durch die Verdopplung der Bildwiederholrate lassen sich Bewegungssequenzen flüssiger darstellen, sodass matschige Kanten und Ruckeln bei langsamen Kameraschwenks nun der Vergangenheit angehören.
Neben Herstellern wie Philips, Samsung, Sharp, Sony und Toshiba ist natürlich auch Grundig beim 100-Hertz-Trend mit dabei: Ab Oktober ist der 37 Zoll große Lenaro 100 Hz für 2000 Euro erhältlich, dessen LCD-Panel eine Auflösung von 1366 x 768 schafft. Das ebenso große Full-HD-Modell Tharus 37 FHD ist für 2300 Euro zu haben.
Auch Loewe setzt auf 100-Hertz-Technik: Die Xelos-Fernseher mit Bildschirmdiagonalen von 80, 84 und 106 Zentimetern (32, 37 und 42 Zoll) bringen dank integrierter HDTV-Tuner zudem hochaufgelöste Bilder ohne externe Receiver auf den Schirm. Ab Werk verstehen sie sich auf digitales Kabelfernsehen (DVB-C) und auf terrestrische Übertragungen (DVB-T). Ein Empfangsmodul für digitales Satelliten-TV (DVB-S) ist optional erhältlich. Für den Empfang verschlüsselter Pay-TV-Kanäle besitzt die Xelos-Serie zudem einen Common-Interface-Schacht, der Entschlüsselungsmodule (CAM, Conditional Access Module) nebst Abokarten aufnimmt. Je nach Ausstattung kostet die Xelos-Serie zwischen 2300 und 3500 Euro.
Für Freunde der HD-Disc-Formate Blu-ray Disc und HD DVD haben Sony, Philips, Samsung, Pioneer, LG und Toshiba zusätzlich die 1080p24-Unterstützung im Programm. Mit den designierten DVD-Nachfolgern bekommt man zwar hochaufgelöste und detailreiche Bilder auf den Schirm - bei Kameraschwenks trüben mitunter Ruckler den HD-Genuss, da die Filme wie beim Kino-Original mit 24 Bildern pro Sekunde gespeichert sind. Dank „Film Judder Canceller“ (Toshiba), „24p-True-Cinema-Modus“ (Sony) und „Movie Plus“ (Samsung) sollen die HD-Blockbuster der neuen Videoscheiben nun ohne Stakkatobilder auf dem Schirm landen.
Darf’s etwas mehr sein?
Für Full-HD-Freunde präsentiert Loewe den Individual 52 Compose mit einer Diagonalen von 132 Zentimetern und einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Auch bei diesem 52-Zöller soll die 100-Hz-Technik für ruckel- und schlierenfreie Bewegtbilder sorgen. Mit seinem Hybrid-Tuner empfängt der flache Riese Analog- und Digitalfernsehen wahlweise über Kabel oder terrestrische Übertragung. Ein Doppeltuner für Sat-Empfang ist auf Wunsch zusätzlich erhältlich. Wie auch bei den kleineren Xelos-Geschwistern lassen sich SD- und HD-Sendungen auf Festplatte aufzeichnen. Der Preis des 52"-Boliden steht bislang noch nicht fest.
Auf integrierte Festplatten setzt auch Metz mit dem Linus HDTV 100 und dem Linus HDTV 100 R. Letztgenannter besitzt ab Werk eine Festplatte mit einer Kapazität von 160 GByte, die bis zu 200 Stunden in PAL-Auflösung oder maximal 30 Stunden für HDTV-Aufnahmen fasst. Beim Linus 32 HDTV kann man die Platte nachrüsten. Außer auf die eigentliche Aufnahmefunktion verstehen sich die Festplatten-TVs auf zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift). Dank ihrer Dual-Tuner lässt sich Time-Shift sogar dann nutzen, wenn gleichzeitig eine weitere Aufzeichnung läuft. Für den Empfang verschlüsselter Sender besitzen die beiden 32-Zöller zwei Common-Interface-Einschübe. Weitere HD-Zuspieler oder moderne Spielkonsolen lassen sich an die drei HDMI-Eingänge anschließen. Die Preise der Festplatten-TVs standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Freunde der in Europa bisher ein Schattendasein fristenden Rückprojektionsfernseher kommen bei JVC auf ihre Kosten: Dort gibt es Rückpros mit Diagonalen von 147 und 165 Zentimetern (58 und 65 Zoll) zu sehen. Beide Fernseher verstehen sich auf die Anzeige der HD-Auflösungen 720p, 1080i und 1080p - jeweils mit 50 oder 60 Hertz.
Im Inneren der Projektionsfernseher werkelt Beamertechnik, die die Bilder eben nicht auf eine Leinwand, sondern von hinten auf die Bildfläche wirft. JVC verwendet beim HD-65DS8 und dem HD-58DS8 die LCoS (Liquid Crystal on Silicon)-Technik, die das Unternehmen „D-ILA“ nennt.
Im Unterschied zu herkömmlichen LCD-Projektoren wird bei den LCoS-Geräten das LCD-Panel nicht durchleuchtet, sondern das Licht fällt auf den Flüssigkristall, wird reflektiert und von dort zur Displayoberfläche gelenkt. Der von DLP-Chips bekannte „Regenbogeneffekt“ bleibt bei D-ILA-Technik aus. In Sachen Kontrast sollen die LCoS-Fernseher mit einem Umfang von 10 000:1 herkömmliche LCD-Projektoren und -Fernseher in den Schatten stellen.
Die Zeiten, in denen Rückprojektionsfernseher aufgrund ihrer üppigen Tiefe im Wohnzimmer ebenso dekorativ wirken wie ein Altkleidercontainer, sind glücklicherweise vorbei: Der 65-Zöller bringt es gerade einmal auf eine Tiefe von knapp 30 cm, der 58-Zöller auf rund 27 cm. Die schlanken Riesen bietet JVC mit Rack für 4300 und 5500 Euro an.
Mit 119 und 107 cm Diagonalen (47" und 42") fallen JVCs Neuerungen bei den LCD-Fernsehern etwas handlicher aus - und mit 2500 und 3400 Euro auch preiswerter. Für scharfe und ruckelfreie Bewegtbilder sorgt beim LT-47DV8BG und beim LT-42DV8BG 100-Hz-Technik. Ein von JVC auf den Namen „DynaPixHD“ getaufter Bildverarbeitungsprozessor soll zudem in Abhängigkeit des Bildinhaltes den Kontrast und die Farbsättigung optimieren.
Pioneer hat sich mit den Plasma-TVs der achten Generation ebenfalls dem Kontrastumfang gewidmet. Durch eine verbesserte Struktur der Plasmazellen und des Oberflächenfarbfilters sollen die Plasma-Fernseher deutlich satteres Schwarz sowie leuchtende und satte Farben anzeigen. Durch diese Frischzellenkur sollen die Fernseher einen Kontrast von maximal 20 000:1 erreichen. Die 8G-Plasma-Modelle in den Größen von 42, 50 und 60 Zoll (106, 127 und 152 cm) besitzen Full-HD-Panels und können auch 1080p24 verarbeiten und HD-Filme im Kinoformat ruckelfrei anzeigen.
Gleiches gilt für LGs LCD-Serie LT85 und die Plasma-TVs der PT85-Serie. Außer der 24p-Unterstützung besitzen sie Hybrid-Tuner für DVB-T und analoges Kabelfernsehen sowie integrierte Festplatten (160 GByte), deren Aufnahmekapazität für bis zu 86 Stunden reicht. Die Kristalldreher bietet LG in 32 bis 42 Zoll an. Wer es größer mag, findet unter den Plasma-Fernsehern Geräte in den Größen 42 und 50 Zoll (106, 127 cm), die es auf einen Kontrast von 15 000:1 bringen sollen.
Bezahlbares Sofakino
Übersichtlicher geht es im Projektoren-Bereich zu: Die Modellvielfalt hält sich hier in Grenzen, zumindest einen Heimkino-Projektor stellen jedoch die meisten Unterhaltungselektronik-Hersteller vor. Oft handelt es sich hier um Geräte, die bereits im Handel sind. Brandneue Projektoren gibt es unter anderem bei Toshiba und Epson zu sehen - allerdings hüllt man sich hier in Schweigen, um was genau es sich handelt. Epson verspricht lediglich „vier Weltpremieren“.
Was sich allerdings abzeichnet: Full-HD-fähige Projektoren kommen langsam in bezahlbare Regionen: Optoma wird den bereits erhältlichen DLP-Beamer HD80 zeigen, der inzwischen für weniger als 2900 Euro zu haben ist, ebenso wie der HC5000 von Mitsubishi. In wahrscheinlich noch günstigeren Preisgefilden wird sich der neue Mitsubishi HC 4900 bewegen, der Bilder mit einem Kontrastverhältnis von 7500:1 auf die Leinwand bringen soll. Für den ebenfalls neuen HC 6000 verspricht Mitsubishi ein Kontrastverhältnis von 12 000:1. Die neuen Mitsubishi-Geräte projizieren wie der HC5000 in LCD-Technik und haben eine Auto-Iris-Funktion.
Bildwerfer-Briketts
Während im Heimkino-Bereich voluminöse Stromfresser vorherrschen, lässt sich parallel ein anderer Trend ablesen: Immer mehr Hersteller schicken kleine LED-Beamer ins Rennen. Neben Mitsubishi, Samsung, Toshiba und Voigtländer, die bereits Bildwerfer-Winzlinge auf dem Markt haben, will jetzt auch LG mit dabei sein: Ihr Miniprojektor HS101 soll bereits kurz vor der IFA in die Geschäfte kommen. Für weniger als 800 Euro bietet das 750 Gramm leichte Gerät zwar nur 100 Lumen, dafür ist es extrem leise und soll auf 20 000 Stunden Lampenlebensdauer kommen - bei LCD- und DLP-Projektoren sterben die Lampen gewöhnlich nach 2000 bis maximal 5000 Stunden den Alterstod.
Nicht ganz so kompakt wie ein LED-Beamer ist der MovieTime DV11, den Optoma vorstellt. Dafür hat er ein eingebautes DVD-Laufwerk, 5-Watt-Lautsprecher - und sieht aus wie ein Ufo. Das kompakte Multitalent gehört zu einer Gerätekategorie, für die sich Marketingleute den Namen „Instant Theater“ ausgedacht haben. Der futuristisch anmutende DLP-Beamer bringt eine Auflösung von 800 x 600 Pixeln auf die Leinwand. Im Unterschied zum Vorgängermodell DV10 ist der neue Projektor mit Slot-In-Laufwerk ausgestattet, außerdem schafft er nun zumindest PAL-Auflösung, die ältere Variante konnte nur 854 x 480 Bildpunkte darstellen.
Acer Halle 26c, Stand 102
Epson Halle 21b, Stand 103
LG Halle 11.2, Stand 101
Mitsubishi Halle 26a, Stand 201/202
Grundig Halle 23, Stand 101
Hitachi Halle 23, Stand 106
JVC Halle 5.2, Stand 104
Loewe Halle 6.2/101, Halle 7.2c/10
Metz Halle 21b, Stand 102
Optoma Halle 26c, Stand 123
Philips Halle 22, Stand 101
Pioneer Halle 1.2, Stand 101
Samsung Halle 20, Stand 101
Sharp Halle 3.2, Stand 101
Sony Halle 7.2a, Stand 101
Toshiba Halle 21a, Stand 101
(spo)