Schön geleitet
Als Führer durch den Straßen-Dschungel leisten Navis ganze Arbeit, doch das Datenmaterial beschränkte sich bislang auf Straßennetze und rudimentäre Point-of-Interest-Datenbanken. Auf der IFA zeigen Navi-Hersteller Lösungen, die nicht nur schneller zum Ziel führen, sondern auch als Reiseführer dienen.
- Daniel LĂĽders
- Peter Röbke-Doerr
Wer im Urlaub durch die Landschaft kurvt, möchte nicht von Ort zu Ort hetzen, sondern die Sehenswürdigkeiten genießen, an Gaststätten Halt machen und etwas über die Gegend erfahren. Hierbei waren Navis bislang nur begrenzt hilfreich, weil sie eben nur die Aufgabe haben, den Autofahrer möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Aktuelle Geräte besitzen zwar eine Datenbank, in der Hotels, Restaurants und andere Points of Interest verzeichnet sind, verschweigen aber beispielsweise Preisniveau, Klasse oder Einschätzung. Hierfür musste man bislang einen Reiseführer in Buchform zur Hand nehmen. Auf der IFA wollen einige Navi-Hersteller zeigen, wie man mit neuer Technik schöner und entspannter unterwegs sein kann.
Der Travel-Guide-Verleger Merian will mit seinem Scout Navigator Reiseführer und Navigationsgerät zusammenführen. Auf einem VGA-4,3"-Bildschirm zeigt das Navi nicht nur Informationen zu Stadt, Land und interessanten Orten an, sondern liest die Inhalte auf Wunsch vor oder zeigt das Interieur von Gaststätten und Unterkünften. Bevor die Reise losgeht, kann der Urlauber bequem auf dem Sofa seine Route planen, sich über die Sehenswürdigkeiten informieren und Hotels auswählen. Im Auto lässt er sich dann an den schönsten Orten entlang per GPS leiten.
Die Bedienung soll einfacher als bei den meisten anderen Navis vonstatten gehen. Hierfür besitzt der Merian Scout Navigator einen kapazitiven Touchscreen, der nicht mehr gedrückt, sondern lediglich berührt werden muss und außerdem Finger-Gesten erkennt. So viel Luxus hat allerdings auch seinen Preis: Knapp 780 Euro verlangt Merian für den Urlaubshelfer, der ab Oktober erhältlich sein soll. Als Datenbasis enthält das Gerät ab Werk Reiseinfos über Deutschland.
In Feld, Wald und Flur
Viele Benutzer von Personal Navigation Assistants (PNA) wollen ihren Pfadfinder auch gern außerhalb des Autos als Wanderführer gebrauchen und um eigene Karten erweitern. Solche topografischen Kartenprogramme liefen bislang aber ausschließlich auf PDAs. Saugnapf-Navis, die ausschließlich navigieren können, blieben bislang außen vor.
Die Entwickler des Wanderkartenprogramms MagicMaps zeigen als erster Anbieter mit der Zusatzsoftware „MagicMaps Scout“ eine Software, die auf den PNAs der Falk-E- und -N-Serien läuft. Es spielt die topografische Karte 1:25 000 von den Landesvermessungsämtern auf, wenn auf dem heimischen PC „MagicMaps - das interaktive Kartenwerk“ oder „MagicMaps to go“ vorhanden ist. MagicMaps will ein Bundle bestehend aus der Scout-Software mit einer Freizeit-Karte 1:100 000 für ganz Deutschland, der MagicMaps-PC-Software mit einer topografischen Karte für ein Bundesland nach Wahl im Maßstab 1:25 000, einer Fahrrad-Halterung für das Falk-Navi sowie einer Akku-Erweiterung für knapp 100 Euro anbieten.
Freifahrtfinder
Um Staus und Baustellen auszuweichen, enthalten viele Navis einen Empfänger für TMC-Verkehrsinformationen. Je besser die Empfangsleistung, desto genauer gibt das Navi Auskunft über die aktuelle Verkehrslage und kann den Autofahrer stressfrei zum Ziel leiten. Die Firma Avanteq präsentiert auf dem Stand von Holux ein TMC-Modul, das mit ausgefeilter Antennentechnik und neu entwickelter Signalverarbeitung wesentlich schneller Verkehrsinformationen empfangen soll als herkömmliche Staumelder. Das Modul namens Vio dockt an jeden gebräuchlichen PNA an und spielt mit den Navi-Programmen von Destinator, Navigon, Map&Guide und Igo zusammen. Eine zusätzliche Treiber-Installation soll nicht nötig sein. Mit dem Verkauf des Moduls will das Unternehmen nach der IFA starten, ein Preis steht noch nicht fest.
Neue Wege
Auch die etablierten Navi-Hersteller Garmin, Navigon und TomTom arbeiten an neuen Techniken, die ihre Lösungen für spezielle Nutzergruppen attraktiver machen sollen. Längst haben sie nicht mehr nur den Autofahrer im Visier, sondern offerieren zugeschnittene Lösungen für Motorrad, Sport und Wanderungen. Allerdings fehlt den Herstellern hierfür noch das passende vektorisierte Kartenmaterial. Die beiden einzigen Vektor-Kartenhersteller Navteq und TeleAtlas bedienen zurzeit lediglich die Straßennetze. Karten mit eingezeichneten Wander- und Radwegen oder auch nur Radstraßen muss sich der interessierte Nutzer bislang noch mühsam selbst erstellen. Doch der Bedarf diktiert die baldige Schließung dieser Lücke. Auf der diesjährigen IFA werden die ersten Ergebnisse gezeigt, doch bis eine vollständig vom Straßennetz unabhängige Navigation mit Fahrrad und Wanderkarten auf den Markt kommt, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen.
Avanteq bei Holux Halle 4.2, Stand 108
Garmin Halle 8.1, Stand 113
MagicMaps bei Mio Halle 4.2, Stand 113
Merian, Halle 8.1, Stand 117
Navigon AG Halle 8.1, Stand 111
TeleAtlas bei Mio Halle 4.2, Stand 113
TomTom International Halle 8.1, Stand 102
(dal)