Bildende Kunst

Eine photokina in Kleinausgabe erwartet den fotoaffinen Besucher in Berlin: Fast alle namhaften Kamerahersteller sind auf der IFA vertreten - auch jene, die ihre CeBIT-Aktivitäten bereits ad acta gelegt haben. Die Trends in diesem Jahr: Gesichtserkennung, Weitwinkel- und Mega-Zooms (natürlich bildstabilisiert) und schwindelerregende ISO-Werte.

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Von
  • Carsten Meyer

Da sich die Kölner Messe noch nicht entschlossen hat, aufgrund der rekordverdächtigen Innovationszyklen in der Digitalfotografie-Branche eine jährlich stattfindende photokina einzuführen, weichen die Kamerahersteller gern auf die IFA aus - auch wenn deren Besucher vornehmlich aus privatem Interesse auf die Messe strömen. So wundert es nicht, dass der Schwerpunkt bei den ausgestellten Objekten auf Consumer-Kameras aller Couleur liegt.

Darunter finden sich einige Geräte, deren Vorteil gegenüber den inzwischen sogar halbwegs brauchbaren Handy-Kameras nicht so recht ersichtlich ist: Braucht man wirklich eine Kamera mit winzigem CMOS-Sensor und einer Lichtempfindlichkeit von maximal 160 ISO, wie sie Kodak in den USA bereits vorgestellt hat? Dort soll die Easyshare C513 für unter 100 Dollar zu haben sein. Immerhin: Ein Dreifach-Zoom findet man bei Handys selten, und der Hersteller hat versprochen, zur IFA auch gehobene Neuheiten aus der V- und der Z-Serie aus dem Hut zu zaubern; dem Vernehmen nach soll eines der Geräte auch HD-Video aufzeichnen können.

Am oberen Ende der Amateur-Leistungsskala platzierte Panasonic die neue Lumix DMC-FZ18 in direkter Konkurrenz zur ebenfalls aktuellen Canon PowerShot S5 IS (8 MP, 12-fach-Zoom): Die FZ18 ist eine Superzoom-„Bridge“-Kamera in Spiegelreflex-Aufmachung, aber mit LCD-Sucher (188 000 Pixel) und fest montiertem 18-fach-Zoom, einer recht lichtstarken (f/2,8-4,2) Leica-Konstruktion. Dank OIS-Bildstabilisator und erweitertem ISO-Bereich soll man die spektakuläre 500-mm-Telebrennweite auch tatsächlich sinnvoll nutzen können. Lobenswert: Der Weitwinkel-Bereich beginnt bei 28 mm und nicht erst bei den Digitalkamera-üblichen 35 mm, was im fotografischen Alltag deutliche Vorteile bringt. Der neue Bildprozessor „Venus Engine III“ soll selbst 6400-ISO-Bilder (im „High Sensivity“-Modus, normale ISO-Empfindlichkeit bis 1600) des für eine Bridge-Kamera winzigen 1/2,5-Zoll-Sensors noch schönrechnen können und unbegrenzte Aufnahmereihen ermöglichen. Er erkennt bis zu 15 Gesichter im Motiv und stellt Schärfe und Belichtung auf eine optimale Hauttonwiedergabe ein. Stromsparend ist der Prozessor obendrein: Panasonic verspricht 400 Fotos mit einer Akkuladung. Der HD-Modus erzeugt Bilder im TV-freundlichen Format von 1920 x 1024 Pixel, im Video-Modus ist allerdings nur WVGA (848 x 640) verfügbar. Weitere Neuerscheinungen aus dem Hause Panasonic: die 12-Megapixel-Kompaktkamera DMC-FX100 und das FX55-/FX33-Geschwisterpaar mit 8 Megapixeln. Alle drei Kameras sind mit 3,6-fachen Leica-Zooms und Bildstabilisatoren ausgerüstet, die Brennweite beginnt jeweils bei innenraumfreundlichen 28 mm.

Sanyo hat sich dagegen auf eine andere Art von Brücken-Kameras spezialisiert - Digitalkameras mit besonders leistungsfähigen Videofunktionen. Die 235 Gramm leichte und ultrakompakte Xacti HD2 (7 Megapixel, knapp 900 Euro teuer) nimmt Videoclips in 720p-HD-Qualität auf. Eine 4 GByte große SD-Karte speichert 85 Minuten Film in voller HD-Qualität (MPEG4-Kodierung AVC/H.264). Die ebenfalls neue Xacti Digital Movie CA65 (6 Megapixel, kein HDTV-Modus) ist sogar wasserdicht bis 1,5 Metern Tiefe.

Ein Stammgast in der Gerüchteküche, die Four-Thirds-Spiegelreflex von Panasonic, wird wohl zur IFA materielle Form angenommen haben: Das in Zusammenarbeit mit Olympus entwickelte Gerät wird mit getrennt erhältlichen Leica-Wechseloptiken ausgestattet, was auch Besitzer anderer Four-Thirds-Kameras interessieren dürfte. Die in der Gunst des Verbrauchers erstaunlich gestiegenen Spiegelreflexen wird es natürlich auch bei Canon (EOS-Reihe), Nikon (D40x, 10 MP), Olympus (E-410), Pentax (K10D mit 10 MP und K100D Super mit 6,1 MP) und Sony (Alpha DSLR-A100) zu sehen geben.

Zwölf Megapixel sind in der Kompaktkamera-Klasse indes keine Ausnahmeerscheinung mehr: Sony wird die Cyber-shot DSC-W200 zeigen, Casio die Exilim EX-Z1200SR. Auch „Vollsortimenter“ Samsung macht wie Sony und Panasonic den gestandenen Fotoapparate-Fabriken das Leben schwer: Die zeitlos-klassische NV-Serie hat man mit der NV20 nach oben erweitert - jetzt mit zwölf Megapixeln und wie die anderen NVs mit Schneider-Kreuznach-Objektiv, gesichtserkennendem Autofokus und Visitenkarten-Scan-Modus. Als „Multimedia-Kamera“ bezeichnet Samsung die ebenfalls neue i85 mit flacher Winkeloptik (5-fach-Zoom). Die 8-Megapixel-Kamera kann mit ihrem riesigen 3-Zoll-Display auch als portabler Media-Player und MP3-Spieler herhalten. Die Preise der Messeneuheiten wird man wohl erst vor Ort erfahren.

Canon Freigelände 2211
Casio Halle 17, Stand 101
Kodak Sommergarten
Nikon Halle 17, Stand 115
Olympus Halle 17, Stand 102 und Halle 7.2c, Stand 101
Panasonic Halle 5.2
Pentax Halle 17, Stand 109
Samsung Halle 20, Stand 101 und Halle 10.1, Stand 101
Sanyo Halle 26b, Stand 301
Sony Halle 7.2a, Stand 101
(cm)