Schnell geschickt
Die Provider überbieten sich gegenseitig mit immer schnelleren Downstream-Angeboten. ADSL-Bandbreiten bis in den zweistelligen MBit/s-Bereich reichen auch für kleine Firmen, doch Profis benötigen oft mehr Bandbreite im Upstream, eine bessere Ausfallsicherheit und zusätzliche Funktionen wie feste IP-Adressen. Auch Privatkunden können in den Genuss einer schnellen und zuverlässigen Verbindung kommen, wenn sie etwas tiefer in den Geldbeutel greifen.
Otto Normalsurfer merkt meist wenig davon, dass der Upstream im Vergleich zum Downstream recht mager ausfällt, denn große Datenmengen fallen viel häufiger beim Herunterladen als beim Verschicken an. Wenn aber Abzüge für Urlaubsfotos versendet werden müssen oder ISO-Dateien zum Brennen von CDs oder DVDs zum Versand anstehen, beginnt das lange Warten, denn die Daten müssen sich über den langsamen Upstream quälen. Das kann durchaus mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Mit der Dauer steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Upload abbricht - anders als beim Download muss man dann in aller Regel wieder von vorne beginnen. AuĂźerdem sorgt der vollgestopfte Upstream dafĂĽr, dass Downloads gebremst werden, falls dafĂĽr kein Traffic-Shaping zum Einsatz kommt, das sogenannte ACK-Pakete zur Quittierung von empfangenen Download-Daten bevorzugt auf den Weg bringt.
Wenn aber die Druckvorlagen fĂĽr einen Prospekt an die Druckerei ĂĽbermittelt werden sollen, ein neues Video auf den Webserver geladen werden muss oder die Daten fĂĽr die Werbe-CD online ans Presswerk gehen, ist Zeit oft ein kritischer Faktor. Wenn fĂĽr diesen Vorgang statt 1 MBit/s ein Mehrfaches bereitsteht, spart man eine Menge Ăśbertragungszeit.
Symmetrisch statt asymmetrisch
Schon seit geraumer Zeit bieten nahezu alle ADSL-Provider für ihre Geschäftskunden auch symmetrische Bandbreiten für Up- und Downstream, an. Von den 16 MBit/s eines ADSL2+-Anschlusses sind solche Angebote mit üblicherweise 2 MBit/s aber weit entfernt. Gegenüber der maximalen Geschwindigkeit eines ADSL2+-Anschlusses bedeutet das aber bereits eine Verdopplung der Bandbreite im Upstream, allerdings zu deutlich höheren Kosten.
Einige Provider nutzen SDSL bereits, um mehr potenzielle Kunden zu gewinnen. In der Gegend von Freiburg etwa bietet Breisnet auch Privatkunden einen SDSL-Anschluss mit 800 kBit/s im Down- und Upstream an, wenn die Telefonanschlussleitung (TAL) länger als 4,7 Kilometer und damit für ADSL nicht mehr geeignet ist. Für die Telefonie greift Breisnet dann auf VoIP zurück.
Der Provider QSC setzte von Anfang an auf SDSL. Auch das Privatkundenangebot mit 2 MBit/s verwendet diese Technik. Freilich bremst QSC den Datenverkehr per Traffic-Shaping so, dass nur asymmetrische Bandbreiten möglich sind. Die Verteilung zwischen Down- und Upstream kann der Kunde einmal am Tag umstellen. Zur Auswahl stehen die Varianten 2048/512, 1536/1024 und 512/2048. Damit ist also im Upstream immerhin schon die doppelte Bandbreite von ADSL2+-Angeboten zu erreichen - für pauschal 39 Euro monatlich. Für Geschäftskunden kommt dieses Produkt allerdings nicht in Frage: In den AGB ist eindeutig festgelegt, dass es ausschließlich privat genutzt werden darf.
Der Blick in die Preisliste schafft schnell Klarheit, warum das so ist. Der für Geschäftskunden vorgesehene symmetrische 2-MBit/s-Anschluss inklusive Flatrate kostet bei QSC monatlich 149 Euro und damit fast das Vierfache des Privatkundenangebots. Dafür fällt die Bandbreitendrossel weg, die 2 MBit/s sind im Up- und Downstream verfügbar.
ADSL-Anwender klagen häufig über Verbindungsabbrüche und -ausfälle. SDSL-Kunden hingegen sind durchweg hochzufrieden. Das Bild täuscht aber möglicherweise, nutzt doch die große Masse der Kunden im privaten wie geschäftlichen Bereich ADSL. SDSL-Anbieter verzichten durchweg auf die lästige Zwangstrennung alle 24 Stunden, die bei ADSL-Anbietern Standard ist.
Wie groß die Auswahl an verschiedenen SDSL-Providern ist, hängt vom Wohnort ab. In Großstädten buhlen die Provider gleich dutzendweise um die Kunden und picken sich damit die Rosinen aus dem Kuchen. Je kleiner der Ort, desto kleiner wird die Auswahl. Das ist aber kein Grund, gleich die Flinte ins nahegelegene Kornfeld zu werfen. Die Telekom-Geschäftskundentochter T-Systems versorgt nach eigenen Angaben alle Kunden, die ADSL bekommen können, auch mit SDSL. Andere Anbieter wie etwa CNT werben gar mit einer hundertprozentigen Abdeckung.
Multi-DSL
Die enorme Preisdifferenz zwischen SDSL- und ADSL-Anschlüssen hat dazu geführt, dass eine neue Angebotsvariante entstanden ist. Ein SDSL-Anschluss kostet rund das Fünf- bis Fünfzehnfache eines ADSL-Anschlusses, bietet aber nur die zwei- bis vierfache Bandbreite im Upstream, verglichen mit einem 6- oder 16-MBit/s-ADSL-Anschluss. Wer seinen Datenverkehr auf zwei bis vier ADSL-Anschlüsse verteilt, erhält also einen größeren Upstream zum günstigeren Preis. Der Downstream erreicht dann als angenehmer Nebeneffekt Werte, wie man sie nur mit den noch teureren Standleitungen auf Glasfaserbasis erreicht. Technisch und praktisch ist das relativ einfach zu bewerkstelligen, sofern das vom Provider unterstützt wird, siehe S. 132. Eine einfache Lastverteilung hingegen bekommt man auch ohne Providerhilfe hin, siehe S. 126.
Ganz so gĂĽnstig, wie es auf den ersten Blick scheint, kommt man dann aber doch nicht davon. Denn die Multi-DSL-Anbieter gehen von einer kommerziellen Nutzung aus - und passen ihre Angebote fĂĽr den Datentransfer dem in diesem Bereich teureren PreisgefĂĽge an (siehe Tabelle). Obendrein muss der Anwender einen speziellen Router einsetzen, der ADSL-Verbindungen bĂĽndeln kann.
Zusätzliche ADSL-Anschlüsse sind jedoch erschwinglich und im Allgemeinen binnen weniger Werktage nach Beauftragung geschaltet. T-DSL-Anschlüsse benötigen zwar zusätzlich einen Anschluss fürs Telefon, ob man den nun brauchen kann oder nicht, viele Firmen nutzen aber ohnehin bereits mehrere ISDN-Anlagenanschlüsse. Die sind eine ideale Grundlage für mehrere DSL-Anschlüsse, denn auf jeden Telefon- kann ein zusätzlicher DSL-Anschluss geschaltet werden. Das funktioniert aber nur bei sogenannten S0-Anschlüssen mit zwei B-Kanälen. Primärmultiplex-(PMX-)Anschlüsse mit 30 B-Kanälen erlauben keine zusätzliche Nutzung der Anschlussleitung durch DSL, da der ISDN-Dienst bereits das gesamte für ADSL benötigte Frequenzspektrum belegt.
Wer eine Leitungsbündelung plant, sollte zuerst einmal feststellen, wie viele Anschlüsse tatsächlich machbar sind. Praxis- oder Kanzleiräume in typischen Wohnhäusern etwa sind oft nur mit zwei Adernpaaren erschlossen, was folgerichtig nur zwei DSL-Anschlüsse zulässt. Die nachträgliche Verlegung zusätzlicher Leitungen vom Hausverteiler kann sehr aufwendig werden. Ein weiterer Engpass ist der Hausverteiler: Wenn dort schon alle Leitungen zur Vermittlungsstelle belegt sind, müsste man die Telekom zum Legen neuer Leitungen überreden - ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Im Zweifelsfall lässt sich mit der Telekom klären, wo wie viele Anschlüsse noch brachliegen, denn das Unternehmen hat darüber recht genaue Aufzeichnungen. Im Zweifelsfalle kann ein Techniker der Telekom den Hausverteiler in Augenschein nehmen. Mit den möglicherweise erforderlichen hausinternen Installationen hingegen kann man jede Elektrofirma beauftragen.
Turbo-DSL
Der Königsweg für einen satten Upstream zu geringen Kosten ist ein VDSL-Zugang von T-Home. Zwar ist in den AGB aufgeführt, dass sich das Angebot „an Kunden mit privatem Nutzungsprofil“ richtet, in den Beispielen werden aber nur kommerzielle Telefondienstleister als Ausschlusskriterium genannt. Offensichtlich möchte man bei T-Home lediglich verhindern, dass sich Telefonmarketing-Firmen der günstigen Festnetz-Flatrate bedienen. Auch der Ausschluss der „dauerhaften Vernetzung oder Verbindung von Standorten“, für die VDSL laut den AGB „keine Anwendung findet“, dient wohl eher dem Haftungsausschluss seitens der Telekom, falls es doch einer macht und die Leitung dann ausfällt.
Der Upstream ist satt bemessen: Je nach Anschlussqualität sind bis zu 5 oder 10 MBit/s erreichbar, Letzteres für 5 Euro monatlichen Aufpreis. Vom Preis/Leistungsverhältnis ist das nicht zu schlagen, denn der VDSL-Anschluss kostet gerade einmal 70 Euro monatlich. VDSL ist aber derzeit gerade einmal in zwölf Städten verfügbar, in deren Speckgürteln nur vereinzelt. Zwar wird der Ausbau weitergehen, es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis die Mehrheit der Kunden auf die schnellen Angebote zurückgreifen kann. Der VDSL-Ausbau der Telekom-Konkurrenten lässt noch auf sich warten - über Absichtserklärungen sind sie bislang nicht hinausgekommen.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 18/2007.
| "Wenn ADSL nicht reicht" | |
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| [utitel]Lösungen für mehr Stabilität und Upstream-Bandbreite [/utitel] | S. 120 |
| KanalbĂĽndelung mit DSL-AnschlĂĽssen | S. 126 |
| Internet-Leitungen per Multipath-Routing koppeln | S. 132 |
(uma)