Websites aktuell
- Heiko Kothhöfer
Jenseits von Torten und Balken
www.infosthetics.com
www.visualcomplexity.com
http://simile.mit.edu/timeline/examples
www.edwardtufte.com/tufte
www.swivel.com
Die verbreiteten Torten-, Balken- und Liniendiagramme bringen Übersicht in Zahlenkolonnen. Doch diese Diagrammtypen haben sich aufgrund ihrer häufigen Anwendung zu sehr abgenutzt.
Um ihren Arbeiten zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, arbeiten Designer ständig an neuen Diagrammformen. Information Aesthetics berichtet im Blog-Stil in loser Folge über die interessantesten Neuerungen im Bereich der grafischen Informationsvermittlung.
Einen engeren Schwerpunkt auf Grafiken, die umfangreiche Daten mittels Linien und Netzen vermitteln, setzt Visual Complexity. Nach einem Klick auf eines der Thumbnails auf der Startseite erläutert die Seite den jeweiligen Lösungsansatz mit Detailgrafiken und einer Projektbeschreibung.
Webdesigner dürften sich mehr für die Zeitleisten-Beispiele des Smile-Projekts am MIT interessieren, die schlichte Tabellen mustergültig zu interaktiven Web-Präsentationen aufwerten. Eher am Print-Bereich orientiert zeichnet Edward Tufte seine klassisch anmutenden Grafiken. Beide Sites zeigen, wie unterschiedlich Zeitleisten aussehen können.
Nicht ganz auf dieser Höhe bewegt sich Swivel, doch kann der Anwender hier aus seinen eigenen Daten Diagramme erzeugen. Nach einer kostenlosen Registrierung akzeptiert Swivel sowohl hochgeladene CSV-Dateien als auch eingetippte Tabellen.
Die Gestaltungsmöglichkeiten bewegen sich in engen Grenzen, führen aber zu passablen Ergebnissen jenseits der Excel-Einöde und sorgen dafür, dass die Diagramme übersichtlicher sind als die bisweilen verwirrende Navigation auf der Website. Diverse Hilfstexte erleichtern die Arbeit. Zu den eingegebenen Daten schlägt der Dienst ein passendes Flickr-Bild als Hintergrundgrafik vor.
Die erzeugten PNG-Grafiken lassen sich herunterladen, per Mail versenden oder direkt ins eigene Blog exportieren. Für vertrauliche Daten eignet sich der vom Web 2.0 inspirierte Dienst nicht: Die Diagramme bleiben öffentlich verfügbar und werden von den Nutzern eifrig kommentiert und weitergegeben. (Heiko Kothhöfer/heb)
Saurier, Schokolade und Kosmos
Während manch ein Museum online bestenfalls Öffnungszeiten und Eintrittspreise bekannt gibt, nehmen andere ihre Mission der Informationsvermittlung auch im Web ernst - zum Beispiel das American Museum of Natural History in New York. Eine Fülle an Materialien verführt den Besucher dazu, bequem vom heimischen Sofa aus unterhaltsame Exkursionen in verschiedene Wissensgebiete zu unternehmen.
Nicht nur die aktuellen Ausstellungen wie die Geschichte des Goldes oder der Schokolade wurden locker aufbereitet. Die Bandbreite der Site reicht von prähistorischen Monstern über die Evolution, die Relativitätstheorie und - mit Unterstützung der NASA - bis in den Weltraum. Umfangreichere Wissensabschnitte sind in knapp, aber locker geschriebene Einzelseiten aufgeteilt.
Im Online-Fundus bewahrt das Museum außerdem begleitendes Material zu beendeten Ausstellungen auf, die teilweise mit kurzen Videos, Panoramabildern oder DVD-Trailern ausgestattet sind. Die Perlen eines älteren Webauftritts lassen sich - wenn auch etwas mühsam - über die Sitemap aufspüren, zum Beispiel eine kurze Geschichte über das viel zu frühe Ableben der Dodos. (Heiko Kothhöfer/heb)
Heimatkunde
http://jvsc.jst.go.jp/earth/guide/english
Auch wenn letztens die Meldung über den erdähnlichen Planeten GJ 436 b die Hoffnung auf außerirdisches Leben aufkeimen ließ, sollte man den Blick von unserem Heimatplaneten nicht abwenden. Einiges an grundsätzlich Wissenswertem über die Erde findet sich auf der aus Japan stammenden, aber englischsprachigen Website Earth Guide.
Mit aufwendigen Flash-Animationen beantworten die Autoren acht in W-Form gehaltene Fragen. Zum Teil überraschen die interaktiven Anwendungen mit liebevollen Details - etwa wenn die Steighöhe eines Papierdrachens und eines Space-Shuttles als Vergleichsgrößen zur Atmosphärenausdehnung herhalten. Als zweiter Weg der Wissenserschließung dient ein Stichwortverzeichnis, welches aber leider nur auf den Anfang einer der acht Fragen-Animationen verlinkt. Eine simple, aber effektive Navigation erschließt die Inhalte. (Heiko Kothhöfer/heb)
Die Macht der Anschauung
http://demonstrations.wolfram.com
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - umso mehr, wenn man dran drehen kann. Der Hersteller des Computer-Algebrasystems Mathematica hat im Rahmen des Wolfram Demonstrations Project ĂĽber 1600 kleine, in Mathematica entwickelte Demo-Programme zusammengetragen, die zum Herumspielen einladen. So kann man einen Parabolspiegel verformen und dabei das reflektierte Licht beobachten, Vektorpfeile und ihre Bilder bewegen und so spielerisch die Eigenvektoren einer Matrix entdecken, ein Pendel zwischen Magneten herumeiern lassen und vieles mehr.
Thematisch reicht die Bandbreite von Mathematik und Physik über Informatik, Astronomie und Biologie bis hin zu Puzzles und optischen Täuschungen. Kleiner Wermutstropfen: Interaktiv wirds erst nach dem Download des 80 MByte großen Mathematica Player, ansonsten bekommt man nur vorgefertigte Flash-Videos zu sehen. (bo)
Die Websites aus c't 18/2007