Katzensprung
Seit Januar bemüht sich Microsoft, Vista unter die Leute zu bringen, und streicht dabei vor allem dessen Vorzüge gegenüber Windows XP heraus. Doch die Resonanz bleibt lau. Immer öfter hört man Stimmen von frustrierten Anwendern, die Microsoft beim nächsten anstehenden PC-Wechsel den Rücken kehren wollen. Apples runderneuertes Mac OS könnte für sie die zeitgemäße Alternative darstellen.
- Andreas Beier
- Hajo Schulz
Für viele ist beim Kauf eines neuen Rechners klar: Ein Windows-PC muss es sein. Doch warum eigentlich nur Windows? Die Computer mit dem Apfel-Logo haben nicht nur schicke Gehäuse - auch die inneren Werte können sich sehen lassen: Apples Systemarchitektur ist zu den PCs anderer Hersteller weitgehend kompatibel, in einigen Aspekten dank Intels Unterstützung sogar technisch führend. Mac OS X, gerade in Version 10.5 alias Leopard erschienen, hat Boot Camp bereits integriert: Diese Erweiterung verwandelt jeden aktuellen Apple-Rechner in einen vollwertigen Windows-PC. Zu verlieren gibt also nichts - doch was gibt es zu gewinnen?
Microsoft kämpft dagegen mit seinem Windows Vista seit einem Dreivierteljahr um Marktanteile, und die Neuerungen stoßen auf ein geteiltes Echo bei den Anwendern. Der Vorgänger XP hat mittlerweile sechs Jahre auf dem Buckel. Wer nach etwas Modernerem sucht, für den ist womöglich Mac OS X tatsächlich einen zweiten Blick wert. Die folgenden Artikel stellen vor, was an beiden Betriebssystemen neu ist, und loten die diversen Argumente aus, die bei einer Entscheidung für das eine oder andere eine Rolle spielen: Welche Features versprechen die Hersteller? Wie bewähren sie sich in der Praxis? Wo liegen überhaupt Unterschiede?
Mac OS X 10.5
Mit Mac OS X 10.5 alias Leopard hat Apple sein bisher größtes System-Update fertiggestellt. Mehr als 300 Innovationen sollen zukünftig das Arbeiten noch einfacher machen. Dazu haben die Entwickler dem Mac OS und den mitgelieferten Anwendungen nicht nur mehr Funktionen spendiert, sie haben auch das Aussehen der Bedienoberfläche Aqua optimiert.
So verbindet unter Leopard ein sanfter Grauverlauf die Titelzeile eines Fensters mit einer darunter angesiedelten Werkzeugleiste. Ein ringsherum laufender Schatten hebt das aktive Fenster deutlicher als bei älteren Versionen hervor. Bei inaktiven Fenstern verblassen Titel und Werkzeugleiste in schwachem, einheitlichem Grau.
Das Dock, zentraler Programmstarter und Aufbewahrungsort geöffneter Fenster am unteren Bildschirmrand, wirkt in Leopard eleganter als im bisherigen Mac OS. Die Programm- und Fenstersymbole schweben auf einer leicht nach hinten gekippten transparenten Milchglasscheibe, auf der sich nicht nur die Symbole spiegeln, sondern alles, was in die Nähe gerät. Ein blauer Leuchtpunkt markiert gestartete Programme.
Hinzugelernt hat das Dock bei der Handhabung dort abgelegter Ordner. Auf einen Klick scheint bei weniger als neun Elementen eine Schnur die Symbole aus dem Ordner zu ziehen („Fächer“), bei mehr Objekten oder auf Wunsch liegen sie in Reih und Glied auf einer Rauchglasplatte („Gitter“). Ein Klick auf ein Objekt öffnet es, Fächer oder Gitter verschwinden dann. Das Symbol eines Ordners erstellt das Dock dynamisch, indem es die Symbole der darin enthaltenen Objekte in der Reihenfolge der eingestellten Sortierung übereinander legt - deshalb heißen Ordner im Dock auch Stapel. Die Ordner „Downloads“ und „Dokumente“ packt Apple bei der Installation ebenso ins Dock wie die gängigsten Programme.
Spaces heißt der neue Desktop-Manager. Maximal 16 virtuelle Desktops lassen sich damit verwalten, aufgeteilt in vier Zeilen à vier Spalten. Per Hotkey - standardmäßig ist F8 eingestellt - erhält man eine verkleinerte Übersicht der angelegten Desktops mit den darauf sichtbaren Fenstern. Fenster lassen sich mit Drag & Drop beliebig zwischen den Desktops hin- und herbewegen. Per Hotkey kann man einen Desktop direkt aufrufen oder zwischen den Desktops wechseln. Anwendungen lassen sich koppeln, sodass sie beim Starten immer auf einem bestimmten Desktop erscheinen.
Alles im Blick
Den Finder, Dreh- und Angelpunkt für den Umgang mit Dateien, hat Apple gründlich überarbeitet. Die Seitenleiste - sie erscheint bei eingeblendeter Symbolleiste links in jedem Finder-Fenster - ist nun in vier Bereiche unterteilt, die sich einzeln auf- und zuklappen lassen. Unter „Geräte“ tauchen alle im Zugriff befindlichen Festplatten nebst Apples Internet-Festplatte iDisk auf. Als „Freigaben“ trägt der Finder nicht nur diejenigen ein, bei denen sich der Anwender bereits angemeldet hat, sondern auch alle, die per Bonjour ihre Dienste im lokalen Netz offerieren. Verzeichnisse darf man für den schnellen Zugriff unter „Orte“ ablegen. „Suche“ dient als Sammler für gespeicherte Suchanfragen, sie heißen beim Mac auch intelligente Ordner. Auf besondere Sachverhalte, etwa mit welchem Konto man sich mit einer Freigabe verbunden hat, weist ein schwarzer Balken am oberen Rand des Fensterinhalts hin.
Mit „Cover Flow“ hat der Finder eine weitere Darstellungsvariante gelernt. Damit können Anwender ihre Dokumente durchblättern - wie die Bilder der CD-Hüllen in iTunes. Von Dateien in gängigen Formaten wie PDF, Word, Excel oder JPEG, aber auch von mit Microsoft Office 2007 erstellten Docx-Dokumenten oder ODF-Dateien von OpenOffice zeigt der Finder dabei eine Vorschau an.
Reicht die Cover-Flow-Darstellung nicht aus, zeigt „Quick Look“ mehr Details. Selbst komplexe PDF-Dateien erscheinen ohne spürbare Zeitverzögerung im Vorschaufenster. Man kann die Vorschau bis hin zur Vollbilddarstellung vergrößern, in PDF- oder Textdokumenten blättern, Videos abspielen, Bilder zur iPhoto-Bibliothek hinzufügen und im zugehörigen Programm öffnen. Die Technik funktioniert nicht nur in jeder Finder-Darstellung, sondern in jedem Programm, das sie unterstützt, etwa Apple Mail.
Führt die visuelle Inaugenscheinnahme nicht zum Ziel, hilft die Spotlight-Suche weiter. Der systemweite Dateienschnüffler weiß mittlerweile mit verknüpften Suchanfragen umzugehen und schränkt auf Wunsch seine Suche auf spezielle Datenfelder ein. So untersucht Spotlight mit der Angabe „HTML erstellt:gestern Leopard“ nur HTML-Dateien, die gestern angelegt wurden, auf das Wort „Leopard“.
Zeitreise
Mit „Time Machine“ hält eine automatische Datensicherung Einzug. Es reicht aus, in den Systemeinstellungen ein Volume auszuwählen, auf das Time Machine sichern soll - fertig. Die Software überwacht automatisch alle Partitionen; direkt nach dem Aktivieren legt sie zuerst eine Komplettsicherung an. Danach speichert Time Machine im Stundenrhythmus nur noch die Änderungen am Dateisystem - welche Dateien neu angelegt, welche gelöscht wurden. Laufwerke, Verzeichnisse oder Dateien, die übergangen werden sollen, kann man in eine Ausnahmeliste eintragen.
Für jeden Lauf legt Time Machine ein eigenes Verzeichnis an (benannt mit Datum und Uhrzeit), das den kompletten Inhalt der Originaldaten mit identischer Verzeichnishierarchie widerspiegelt. Sie liegen in Originalform auf dem Ziel-Laufwerk. Für Dateien, die sich seit der letzten Sicherung nicht geändert haben, setzt Time Machine sogenannte Hardlinks. Die unterscheiden sich - anders als Aliase - im Finder nicht vom Original. Für die letzten 24 Stunden bewahrt Time Machine alle stündlichen Sicherungen auf, für den letzten Monat ein Backup pro Tag, für länger zurückliegende Zeiträume nur noch eines pro Woche.
Um eine gelöschte oder ältere Version einer Datei aus den Sicherungen herauszuziehen, blättert man vor einem bildschirmfüllenden Weltraumhintergrund mit sanft animiertem Sternenwirbel durch perspektivisch angeordnete Finder-Fenster. Über Vor- und Rückwärtspfeile oder einen Zeitstrahl am Rand bestimmt man, von welchem Zeitpunkt Dateien restauriert werden sollen. Das Programm fährt automatisch in der Zeit so weit zurück, bis es einen Treffer findet. In den Finder-Fenstern hat man wie gewohnt Zugriff auf die verschiedenen Darstellungen oder kann per Spotlight nach Dateien suchen. Ein Klick auf „Wiederherstellen“, und Time Machine restauriert die aktuell ausgewählten Dateien. Alternativ kann man aber auch mit dem Finder in den gesicherten Daten stöbern.
Komplette Systeminstallationen lassen sich nach Start von der System-DVD im Installationsprogramm über die Funktion „System von der Datensicherung wiederherstellen“ zurückspielen - Plattencrashes verlieren damit ihren Schrecken. Besonderer Clou an Time Machine: Wenn Anwendungen die Technik unterstützen, klappt auch das Zurückholen darin gelöschter Daten. Apple Mail und das systemweite Adressbuch beherrschen das bereits. Zur Auswahl der zu restaurierenden Daten zeigt Time Machine die Originalfenster vom Adressbuch und von Apple Mail.
Cupertinoer Allerlei
Der Finder gestattet es, Zugriffsrechte über Access Control Lists (ACL) zu vergeben, was in 10.4 nur per Kommandozeile möglich war. Die Benutzerverwaltung kennt nun sogenannte „Sharing-Anwender“, die sich nur übers Netzwerk anmelden dürfen.
Die Firewall ist in den Systemeinstellungen von „Sharing“ in den Bereich „Sicherheit“ umgezogen. Sie soll auch für einzelne Anwendungen eingehende Verbindungen blockieren. Sie erkennt automatisch, wenn eine Applikation auf Verbindungen wartet, und fragt beim Anwender nach, ob er dies erlauben will. Das Anschalten von Server-Diensten über „Sharing“ sorgt dafür, dass sich die Firewall passend öffnet.
Die Kindersicherung kann über die Benutzungszeiten wachen. Dabei lässt sich sowohl der Zeitraum einschränken, mit getrennten Limits für die Zeit vor Schultagen und schulfreien Tagen, als auch die Dauer, separat für Werktage und Wochenenden. Zudem protokolliert die Kindersicherung akribisch, welche Webseiten ein Kind besucht hat, welche Programme es gestartet hat und was in Text-Chats gesagt wurde.
Hilfe bei der Installation von Windows XP oder Vista und der passenden Partitionierung der Festplatte leistet der „Boot Camp Assistent“. Er trägt in Leopard die Versionsnummer 2. Anders als die bisher verfügbaren Beta-Versionen enthält er kein Disk-Image mit den Mac-spezifischen Windows-Treibern mehr. Apple hat die Leopard-DVD stattdessen als Hybrid-DVD ausgelegt, von der Windows beim Einlegen automatisch die Treiber-Installation starten kann.
Weit gestreut
Auch bei den mitgelieferten Anwendungen hat sich einiges getan. Ein paar Beispiele: Der Webbrowser Safari kann Fenster-Tabs via Drag & Drop umsortieren, schließt Fenster mit mehreren Tabs auf Wunsch nicht mehr ohne Rückfrage und hebt bei der Textsuche auf einer Webseite alle Fundstellen deutlich mit einer weißen Markierung auf der abgedunkelten Seite hervor. Safari verrät neben dem Eingabefeld für den Suchbegriff die Anzahl der Treffer, über Links- und Rechts-Symbole kann man jede einzelne Fundstelle anspringen, sie wird leuchtend gelb gekennzeichnet.
Neu ist auch eine Funktion in Safari, die beliebige Teile einer Webseite in ein Widget für das Dashboard überführt. Dazu muss man nur auf das Widgetier-Symbol klicken, den gewünschten Teil der Webseite markieren und auf „Hinzufügen“ klicken - fertig. Das funktioniert mit der Übernahme von Bildern und Tabellen ebenso wie bei komplexen Eingabemasken, etwa der Fahrplanauskunft der Bahn.
Apple Mail hat den Umgang mit RSS-Feeds dazugelernt. Über sogenannte Datendetektoren versucht das Programm obendrein Datumsangaben oder Telefonnummern zu erkennen, die sich dann in den Terminplaner iCal oder das Adressbuch übernehmen lassen. Apple Mail verwaltet nun auch Notizen und Aufgaben. Letztere lassen sich aus Texten in E-Mails erstellen und auf Wunsch mit Termin in iCal eintragen. Apple Mail produziert optional mit Vorlagen ansprechend gestaltete E-Mails, etwa für Geburtstage oder Einladungen. Diese HTML-Nachrichten definieren Textbereiche, in die Anwender nur noch ihren Text eingeben. Verändern lassen sich die Vorlagen nicht.
iChat kann nun mehrere Text-Chats gleichzeitig führen. Bei Video-Chats können die aus Photo Booth bekannten Spaßeffekte in Echtzeit sowie eigene Hintergründe eingesetzt werden. Audio- und Videokonferenzen nimmt iChat auf Wunsch sogar auf. Chatter können einander Diashows, Keynote-Präsentationen und Videos und alles, was Quick Look darstellen kann, vorführen. Über das mit Leopard neu eingeführte Screen-Sharing - dahinter verbirgt sich das bekannte VNC - können Chat-Teilnehmer gemeinsam einen Mac steuern.
Der PDF-Reader „Vorschau“ kommt beim Ausfüllen von Formularen nicht mehr ins Straucheln und packt für Notizen in PDFs nun nur noch ein kleines Symbol direkt ins Dokument. Die eigentliche Notiz landet in einem separaten Seitenbereich. Ferner ermöglicht Vorschau einfache Farbkorrekturen und Größenänderungen bei Fotos. Endlich: Das Festplatten-Dienstprogramm legt ohne Datenverlust neue Partitionen an und verkleinert und vergrößert vorhandene - auch im Vorfeld der Installation.
Unter der Haube
Umfangreiche Änderungen haben auch unter der Aqua-Oberfläche stattgefunden. Das Betriebssystem steht nun laut Apple komplett auf 64-Bit-Füßen. Programme, auch solche mit grafischer Bedienoberfläche, dürfen daher mehr als 2 GByte Speicher für sich beanspruchen. 64 Bit bedeutet jedoch keinen Abschied von vorhandener 32-Bit-Software; sie läuft weiterhin problemlos. Sogar auf Treiberebene koexistieren 32- und 64-Bit-Programme friedlich. 64-Bit-Applikationen sind allerdings noch rar. Selbst Speicherfresser wie Adobe Photoshop oder Maxon Cinema4D, die vom größeren Adressraum profitieren könnten, liegen vorerst nur 32-bittig vor. Für Anwender ist zunächst wichtig, dass sie sich nicht entscheiden müssen: Egal, welchen Typ aktueller Mac-Software ein Hersteller ihnen vorsetzt, sie läuft unter Leopard.
Mehrkernprozessoren nutzt Leopard besser als seine Vorgänger. Durch das Aufteilen von Aufgaben in kleinere Häppchen (Threads) kann das System die vorhandenen CPU-Kerne gleichmäßiger auslasten, so etwa im Netzwerkbereich. Als Ergebnis erscheint der ungeliebte bunte Wasserball-Cursor unter Leopard viel seltener als unter Tiger.
Auf ein neues Dateisystem mĂĽssen Umsteiger vorerst verzichten. In Aussicht steht das von Sun stammende Dateisystem ZFS (Zettabyte Filesystem), das unter anderem mehrere Festplatten elegant zu einer verbinden kann. Noch kann Leopard nur lesend darauf zugreifen. Eine von Apple fĂĽr Entwickler angebotene Kernel-Erweiterung beherrscht zwar auch das Schreiben, aber nur auf der Kommandozeile. Die Integration in das Festplatten-Dienstprogramm fehlt noch.
Windows Vista
Über die Neuerungen in Microsofts bislang letztem Desktop-Betriebssystem gab es - auch in c't - schon eine ganze Menge zu lesen. Immerhin ist Windows Vista bereits seit einem Dreivierteljahr auf dem Markt, nachdem es zuvor - anfangs noch unter dem Namen Longhorn - eine ungewöhnlich lange Phase von Vorab- und Beta-Versionen hinter sich gebracht hat. Eine umfassende Liste der Vista-Innovationen finden Sie in [1], daher haben wir im Folgenden nur noch die auffälligsten Änderungen zusammengetragen, auf die XP-Anwender beim Umstieg stoßen.
Die Bonbonoptik von Windows XP ist in Vista einer eher sachlichen, kontrastärmeren Farbgebung gewichen. Eine aktuelle Grafikkarte vorausgesetzt, scheint der Hintergrund durch Fensterrahmen und Titelleisten hindurch. Zum Umschalten zwischen Fenstern kann man statt der gewohnten Tastenkombination Alt+Tab auch Win+Tab benutzen. Das daraufhin erscheinende „Windows-Flip-3D“ stellt die Fenster in einem dreidimensionalen Stapel dar, durch den man per Tastatur oder Mausrad blättern kann. Die Fenster behalten dabei ihren dynamischen Inhalt; sogar Videos spielen in der 3D-Ansicht weiter.
Den rechten Rand des Desktops ziert die Sidebar, ein zwei Finger breiter Bereich, in dem man Miniprogramme - sogenannte Gadgets - dauerhaft auf der Arbeitsfläche festpinnen kann. Zum Lieferumfang von Vista gehören unter anderem eine Uhr, ein Kalender, eine Diashow und ein Feed-Reader; weitere Gadgets vom Taschenrechner bis zu kleinen Spielchen findet man kostenlos im Internet.
Das Startmenü befindet sich nach wie vor links unten auf dem Desktop; es wurde aber deutlich überarbeitet. Durch verschachtelte Ordner muss man sich hier nur noch selten hangeln: Zum einen enthält das Startmenü ein Eingabefeld für eine Suchanfrage, die nicht nur installierte Programme, sondern auch Ordner und Dateien findet - um ein Programm zu starten oder ein Dokument zu öffnen, genügt hier in der Regel die Eingabe der ersten paar Zeichen des Namens beziehungsweise eines enthaltenen Stichworts. Zum anderen merkt sich das Startmenü, welche Programme der Anwender häufig benutzt, und führt sie in einer dynamisch aktualisierten Liste auf der obersten Menü-Ebene auf.
Auch der Explorer enthält jetzt ein Suchfeld, das allerdings keine Programme, sondern nur Dateien und Ordner innerhalb des aktuellen Verzeichnisses samt Unterordnern sucht. In ausgewählten Ordnern wie den eigenen Dateien unterhält Vista dazu einen Index, der nicht nur Dateinamen und -informationen, sondern auch Inhalte erfasst. Innerhalb der indizierten Bereiche liefert die Suche daher sehr schnell Ergebnisse.
Den gewohnten Ordnerbaum links im Explorer muss man erst von Hand einblenden. Standardmäßig enthält dieser Bereich nun die sogenannten Linkfavoriten, über die man häufig verwendete Ordner mit einem Mausklick erreicht. Auch die Adresszeile hat sich geändert: Die einzelnen Elemente des dort angezeigten Pfades lassen sich einzeln per Mausklick ansteuern und kleine Pfeile öffnen eine Liste mit den jeweiligen Nachbarordnern auf gleicher Ebene. Erst wenn man neben den Text klickt, erscheint der aktuelle Pfad in gewohnter Schreibweise.
Schließlich hat auch das Listenfeld hinzugelernt: Stellt man die Dateien als Symbole dar, kann man deren Größe stufenlos von 16 x 16 bis 256 x 256 Pixel einstellen, was insbesondere bei Bildern oder Videos praktisch ist, von denen der Explorer standardmäßig eine Vorschau anzeigt. Die bislang nur in der Detailansicht angezeigten Spaltenköpfe stehen in allen Ansichten zur Verfügung und können zum schnellen Sortieren der Dateien angeklickt werden. Ein Popup-Menü dient zum Filtern oder Kategorisieren der Dateien nach dem jeweiligen Kriterium.
Selbstschutz
Spätestens wenn man zum ersten Mal ein eigenes Programm installieren will, springt einem eine der auffälligsten Vista-Neuerungen ins Gesicht, die einen erheblichen Sicherheitsgewinn darstellt: die sogenannte Benutzerkontensteuerung, englisch User Account Control oder kurz UAC. In früheren Windows-Versionen war es ja durchaus möglich - wenn auch nicht empfehlenswert -, ständig mit Administratorrechten angemeldet zu sein. Damit ist nun Schluss, denn selbst Administratoren genießen unter Vista zunächst nur die Rechte eines normalen Benutzers. Vor jeder Aktion, die uneingeschränkten Zugriff auf das System erfordert, meldet sich die UAC und bittet um Erlaubnis, um dem Anwender dann genau für diesen einen Vorgang volle Rechte zu gewähren.
Schadprogramme können sich durch dieses Vorgehen selbst dann nicht mehr unerkannt ins System einnisten, wenn sie das unter einem Admin-Konto versuchen: Entweder die UAC meldet sich zu Wort, was Misstrauen erwecken sollte, oder sie scheitern an den eingeschränkten Rechten.
Was auf den ersten Blick wie eine gute Idee von Microsoft aussieht, geht einem als Anwender allerdings ziemlich schnell auf den Wecker. Gerade in den ersten Tagen nach der Betriebssysteminstallation, wenn man seine Programme einrichtet und die Systemeinstellungen an seine Vorlieben anpasst, nerven die zusätzlichen Mausklicks doch ziemlich - vor allem weil der Explorer bei Aktionen in Systemordnern gelegentlich bis zu drei Mal nachfragt, bevor er sie ausführt. Der Versuchung, die UAC abzuschalten, sollte man aber trotzdem widerstehen: Im Laufe der Zeit reduzieren sich ja die administrativen Aufgaben, und beim normalen Arbeiten merkt man von der UAC praktisch nichts mehr.
Auf ältere oder schlampig programmierte Anwendungen, die stillschweigend davon ausgehen, dass sie volle Rechte in ihrem Installations- oder im Windows-Ordner genießen, reagiert Vista gutmütig: Statt wie in XP Schreibzugriffe an fehlenden Rechten scheitern zu lassen, leitet Vista sie in einen speziellen Bereich des Benutzerprofils um. Diese virtualisierten Daten bekommt nur der Anwender zu sehen, der sie erzeugt hat - andere Benutzer bleiben dadurch von unerlaubten globalen Änderungen unbehelligt.
Zu den weiteren Neuerungen, die die Sicherheit von Vista-Rechnern verbessern sollen, gehört der Windows-Defender, ein Spyware-Jäger, dessen Signaturen Microsoft regelmäßig per Windows Update aktualisiert. Die eingebaute Firewall kann nun sowohl ein- als auch ausgehende Verbindungen überwachen.
Der Systemverwalter kann minderjährige Benutzer unter den Schutz des Jugendfilters stellen und ihnen begrenzte Nutzungszeiten verordnen. Der Internet Explorer von Vista trägt die Versionsnummer 7 und schützt nicht nur Jugendliche, sondern alle Benutzer vor Boshaftigkeiten im Internet: Sein Phishing-Filter warnt vor gefälschten Seiten und stützt sich dazu auf eine Whitelist harmloser Seiten sowie eine Heuristik. Kommen diese beiden Verfahren zu keinem eindeutigen Ergebnis, kann er die Adresse zur weiteren Analyse auf Wunsch auch an Microsoft schicken. Als Schutz vor Malware läuft der IE7 unter Vista standardmäßig in einem „geschützten Modus“, einer Art Sandbox: JavaScript und ActiveX-Module auf Webseiten können damit nicht mehr mit anderen laufenden Anwendungen kommunizieren und ohne Bestätigung durch den Anwender nicht mehr in andere Festplattenbereiche als die temporären Internetdateien schreiben.
Etliche Neuerungen gibt es nur in bestimmten der insgesamt fünf relevanten Ausstattungsvarianten von Vista: das überarbeitete Media Center, die „Complete PC-Sicherung“, die ein Image des Systemlaufwerks und weiterer Platten erzeugen und im Fall der Fälle zurückspielen kann, die Systemwiederherstellung auf Basis sogenannter Schattenkopien, mit der man bei Bedarf ältere Version einer geänderten Datei wiederherstellen kann, die Laufwerksverschlüsselung namens Bitlocker, die komplette Partitionen chiffriert.
Erstes Fazit
Die Entwicklung von Mac OS X und Windows verläuft verblüffend ähnlich: 3D-Effekte, Sicherheit, Sicherung, Jugendschutz und Suchfunktionen sind derzeit die Hauptthemen. Die Technik rückt in den Hintergrund: Klar beherrschen beide Threads, trennen Prozesse in eigenen Adressräumen strikt voneinander, stürzen nicht ab, wenn ein Programm zickt, unterscheiden mehrere Nutzer, helfen auf mobilen Geräten mit der Energie hauszuhalten et cetera. Mehr denn je aber zählt die Bedienbarkeit. Im folgenden Artikel lesen sie, welche Komfortvorzüge eingefleischte Nutzer ihrem System attestieren.
Literatur
[1] Axel Vahldiek, Vistas Reize, Was Neues in Windows Vista steckt, c't 22/06, S. 120
| "Mac statt Vista?" | |
| Artikel zum Thema "Mac statt Vista?" finden Sie in der c't 23/2007: | |
| Mac OS X 10.5 (Leopard) kontra Vista | S. 92 |
| Windows und Mac OS im Systemvergleich | S. 96 |
(adb)