Schnell ohne DSL

DSL ist hierzulande der mit großem Abstand beliebteste Internet-Zugang. Doch es gibt auch interessante Alternativen: Die Betreiber der TV-Kabelnetze haben kräftig aufgerüstet und bieten viel Bandbreite zu günstigen Preisen an. Internet via Satellit ist durch erschwingliche Zweiwegetechnik interessant geworden und funktioniert fast überall. Ebenfalls unabhängig von Leitungen macht Wimax, doch die Funktechnik ist bislang nur regional verfügbar.

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Inhaltsverzeichnis

Lange schienen Telefonleitung und Internet-Zugang via Modem, ISDN oder DSL eine sinnvolle Kombination zu sein. Doch mit VoIP hat sich dies geändert: Die Telefonleitung wird überflüssig, wenn man über den Internet-Zugang telefoniert.

Interessant für die Kunden ist dabei der Wegfall der Anschlussgebühr der Telekom. Schließlich kostet eine analoge Leitung 16,37 Euro im Monat, ein ISDN-Anschluss 24,57 Euro. Diesen Sockelbetrag zahlen alle Nutzer von T-DSL und den darauf aufsetzenden Resale-Angeboten. Dazu zählen laut Bundesnetzagentur 12,7 der rund 18,7 Millionen DSL-Anschlüsse. Die übrigen 6 Millionen werden über von der Telekom angemietete Teilnehmeranschlussleitungen (TALs), Line Sharing oder eigene Leitungen versorgt.

Erst rund 1,1 Millionen Breitbandanschlüsse sind mit anderer Technik als DSL realisiert. Dabei dominieren die TV-Kabelnetze, betrieben von Kabel Deutschland, Unitymedia in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie Kabel BW in Baden-Württemberg. Etwa die Hälfte aller deutschen Haushalte ist an ein TV-Kabelnetz angeschlossen.

Die Betreiber bauen ihre Netze mit Hochdruck rückkanalfähig aus, um darüber Internet und VoIP anbieten zu können. Kabel Deutschland will dafür bis März 2009 insgesamt 500 Millionen Euro investieren, um dann 90 Prozent seiner Anschlüsse umzurüsten. Aktuell können Kabel Deutschland und Unitymedia etwa zwei Drittel ihrer Kunden den Internet-Zugang anbieten. Kabel BW hat nach eigenen Angaben bereits 90 Prozent erreicht.

Breitbandanschlüsse müssen sich an DSL messen lassen; die wichtigsten Eigenschaften sind dabei Preis und Geschwindigkeit. Als Gebührenmodell für den Internet-Zugang daheim kommt nur die Flatrate in Frage. Gern genommen werden All-Inclusive-Preismodelle, die für eine monatliche Grundgebühr eine Telefonleitung, Internet-Zugang sowie unbegrenzten Datentransfer und Gespräche ins deutsche Festnetz ohne Sonderrufnummern abdecken. Im DSL-Bereich sind diese Angebote mit 2 MBit/s bei unter 30 Euro angekommen – natürlich nur, sofern kein Telekom-Anschluss mit Grundgebühr notwendig ist.

Die Kabelbetreiber orientieren sich mit Komplettangeboten ebenfalls an der 30-Euro-Marke, lassen aber mit Bandbreiten von 10 bis 20 MBit/s die Muskeln spielen. Für soviel Tempo muss man bei DSL-Providern noch etliche Euro drauflegen.

Und TV-Kabel kann noch schneller: 25 bis 32 MBit/s bieten die Kabelnetzprovider derzeit an, für 40 bis 50 Euro im Monat als Komplettpaket mit Internet und Telefon flat. Das ist der Bereich von VDSL (25 oder 50 MBit/s), die schnellste DSL-Variante, die die Telekom den Privatkunden in etlichen Großstädten und nur zusammen mit Fernsehempfang via IPTV für 70 bis 89 Euro im Monat anbietet. Bei Kabel Deutschland kostet ein digitaler TV-Anschluss (DVB-C) 16,90 Euro im Monat und liefert deutlich mehr Programme. Allerdings zwingt keiner der TV-Kabelnetzbetreiber seine Internet-Nutzer dazu, auch den Fernsehempfang über Kabel zu buchen.

In Senderichtung bieten die TV-Kabelbetreiber mit 1 bis 2,5 MBit/s gehobenes ADSL2+-Niveau, hier liegt VDSL mit 5 beziehungsweise 10 MBit/s (je nach Leitungslänge) deutlich vorne. Technisch hat die TV-Kabelinfrastruktur hier aber noch Reserven.

Teilweise sind es Vorurteile, die Kunden vom Wechsel von DSL zum TV-Kabel abhalten. Etwa die Vorstellung, dass sich mehrere Kunden am selben Kabelstrang (Shared Media) die beworbenen Bandbreiten teilen müssten. Das kann man mit technischen Argumenten widerlegen (siehe S. 156 in c't 5/2008). Bei unseren Tests und auch nach Erfahrungsberichten von Anwendern kommt es in den aktuellen Netzen nicht zu Engpässen. 2006 hatte Kabel Deutschland mit Kapazitätsproblemen und Ausfällen zu kämpfen, doch diese Anfangsschwierigkeiten sind überwunden.

Übrigens bestimmt nicht nur die Bandbreite die Geschwindigkeit, sondern auch die Laufzeit der Datenpakete (Latenz). Und die ist in der Praxis beim TV-Kabel sogar etwas kleiner als bei DSL. Das ist nicht nur für Online-Spiele wichtig, sondern beschleunigt auch das Surfen und kommt der Sprachqualität bei VoIP zugute. Die VoIP-Technik haben die TV-Kabelanbieter offenbar gut im Griff. Bei unseren Tests zeigte sich das gleiche positive Bild, von dem auch Kunden berichten: Weder bei Sprachqualität noch bei der Erreichbarkeit ist ein spürbarer Unterschied zum herkömmlichen Telefonanschluss festzustellen. Lediglich beim Einsatz von Faxgeräten kann es zu Problemen kommen (siehe S. 156 in c't 5/2008).

Insgesamt scheint die Zufriedenheit der TV-Kabelnutzer recht hoch zu sein. Die überaus wenigen Beschwerden, die unsere Hotline erreichen, betreffen überwiegend Unitymedia.

Obwohl die Versorgungsbereiche der DSL-Netze noch immer wachsen, wird es auch künftig Haushalte ohne DSL-Anschluss geben. Knapp 5 Prozent der deutschen Haushalte dürften noch ohne diese Breitbandtechnik auskommen müssen.

Für die meisten davon ist TV-Kabelanschluss keine Alternative. Denn leider wurde das TV-Kabelnetz vorzugsweise in dicht besiedelten Gebieten ausgebaut, in denen auch DSL angeboten wird. Wo dem nicht so war, hat die Telekom auch gerne mal investiert, um die Kunden zu behalten.

Wer in der DSL-Diaspora lebt, muss sich also nach anderen Lösungen umsehen. Denn ISDN ist selbst mit kanalgebündelten 0,12 MBit/s alles andere als breitbandig. Und auch nicht billig: Bei Arcor kostet die Arcor Internet by Call Flatrate mit Kanalbündelung für beliebige Anschlüsse 30 Euro, Anschluss- und Telefongebühren kommen noch dazu. Der Vertrag gilt in dem Monat, in dem man sich anmeldet. Wer zuviel Daten überträgt (wobei Arcor nicht sagt, wie viel zuviel ist), muss im folgenden Monat sogar die doppelte Gebühr bezahlen, sofern er sich wieder unter derselben Rufnummer anmeldet. Regelmäßigen Vielnutzern verweigert Arcor die Flatrate sogar ganz.

Da lohnt schon ein Blick auf die Mobilfunkprovider. Um über deren Netze allerdings in der Breitbandliga zu spielen, benötigt man schon die schnelle UMTS-Variante HSDPA, die mit 3,6 MBit/s in der Praxis etwa die Geschwindigkeit eines 2-MBit/s-DSL-Anschlusses bringt, allerdings mit erheblich längeren Latenzzeiten. Derzeit bauen Vodafone und T-Mobile HSDPA auf 7,2 MBit/s aus.

E-Plus hat mit dem HSDPA-Ausbau gerade erst begonnen. Das ist schade, denn Base bietet in diesem Netz die günstigste Daten-Flatrate für 25 Euro im Monat. Ein Mobilfunkmodem für den PC (USM mini Modem) gibt es für 1 Euro dazu. Mit 0,38 MBit/s ist das immer noch schneller als ISDN – sofern UMTS zur Verfügung steht; der Ausbau ist auch hier längst nicht flächendeckend.

Hier bietet T-Mobile zu seinem Datentarif web’n’walk@home 100, den man nur zu Hause nutzen darf, einen praktischen Service: Der T-Mobile@home Finder [1] zeigt an, welche Netztechnik in der betreffenden Zone installiert ist: GSM mit EDGE (0,23 MBit/s), UMTS ohne oder mit HSDPA. Allerdings ist web’n’walk@home 100 für 30 Euro im Monat keine echte Flatrate, doch die Beschränkung auf 100 Online-Stunden im Monat kann manch einer verschmerzen.

Abgesehen von E-Plus tun sich die Mobilfunkbetreiber mit Flatrates sehr schwer und setzen für 25 (O2) beziehungsweise 50 Euro (T-Mobile und Vodafone) im Monat eine Obergrenze bei 5 GByte. Spätestens nach mehrmaligem Überschreiten werden dann saftige Zusatzgebühren fällig. Das ist fürs Surfen daheim angesichts multimediagespickter Webseiten, übergewichtiger Treiber und Updates sowie anderer fetter Downloads zu knapp.

Moobicent bietet unbegrenztes Surfen über das Vodafone-Netz für 40 Euro im Monat. Allerdings behält sich der Anbieter eine Drosselung der Geschwindigkeit oder eine Sperrung vor bei einer über das übliche Maß hinausgehenden Nutzung. Nach Angaben von Kunden macht der Anbieter von dieser Möglichkeit auch Gebrauch. Eine Verfügbarkeitsabfrage auf der Homepage des Anbieters gibt Auskunft, ob man daheim HSDPA, Standard-UMTS oder weniger erwarten darf. Die Hardware ist allerdings etwas teurer: Ein USB-Modem kostet 150 Euro, die man auch per monatlicher Rate von 6,20 Euro bezahlen kann. Dann verlängert sich die Mindestvertragslaufzeit von 4 auf 24 Monate.

Eine Alternative zum Internet-Zugang via Mobilfunk ist Broadband Wireless Access mit standardisierter WIMAX-Technik (siehe S. 160 in c't 5/2008). Geräte dafür gibt es von zahlreichen Anbietern und die Bundesnetzagentur hat Frequenzen an potenzielle Betreiber vergeben, mit Auflagen für den Netzausbau bis Ende 2009. Bislang entwickelt sich der Ausbau allerdings noch langsam, die Betreiber scheinen sich auf die lukrative Anbindung von Firmenkunden zu konzentrieren.

Es gibt aber auch Angebote für Endkunden. So bietet Televersa in Südost-Bayern ein Komplettpaket aus Internet- und VoIP-Flatrate ins deutsche Festnetz mit 2 MBit/s (Upload: 384 kBit/s) für 41 Euro im Monat, 6 MBit/s kosten 4 Euro mehr.

Etwas happig sind die einmaligen Kosten für Einrichtung und Hardware samt Blitzschutzeinrichtung für die Außenantenne: Bei 24 Monaten addieren sie sich auf bis zu 356 Euro. Dafür erhält man schon eine Zweiwege-Satellitenanlage (siehe S. 154 in c't 5/2008), die – abgesehen von wenigen ungünstigen Lagen etwa in schmalen Tälern – in ganz Deutschland funktioniert. Das gilt sogar für abgelegene Ferienhäuser – oder solche in Spanien.

Früher benötigte eine solche Satellitenanlage für den Rückkanal, also zum Senden von Daten, einen ISDN- oder Modemanschluss, der extra bezahlt werden muss. Seit 2007 bietet Astra ein System an, bei dem der LNB in der Satellitenschüssel auch Daten in den Himmel sendet. Eutelsat hat ein ähnliches System fast fertig.

Filiago bietet die 1 MBit/s-Variante von Astra2Connect für 50 Euro im Monat; wer gleich zu Beginn der 24 Monate Mindestvertragslaufzeit alles bezahlt, erhält 10 Euro pro Monat nachgelassen. Das Hardwareset aus Schüssel, Sende/Empfangs-LNB und Modem kostet 320 Euro oder 10 Euro monatlich Miete. Hinzu kommen allerdings noch einmal 100 Euro Einrichtungsgebühr.

Je flexibler die Zugänge sind, desto mehr muss man bezahlen. Mit einmaligen Investitionen von bis zu 300 Euro und monatlichen Gebühren von bis zu 50 Euro sind alle hier vorgestellten Breitbandzugänge einigermaßen erschwinglich. Dennoch kann man noch lange nicht von Gerechtigkeit sprechen: Wer das Glück hat, zwischen DSL und TV-Kabel wählen zu können, fährt mit Abstand am günstigsten – und am schnellsten.

[1] T-Mobile@home Finder

"DSL-Alternativen"
Artikel zum Thema "DSL-Alternativen" finden Sie in der c't 05/2008:
Alternative Internet-Zugänge S. 152
Satellitenfunk mit Rückkanal S. 154
Das Netz aus dem TV-Kabel S. 156
Drahtlos surfen per Wimax S. 160

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