ProzessorgeflĂĽster

Intel hat die erwartet guten und AMD die erwartet schlechten Bilanzen fürs erste Quartal des laufenden Jahres präsentiert. AMD will sich jetzt umstrukturieren und von „Non-Core“-Bereichen trennen. Der Wett-bewerb in der Szene wird noch härter und der Ton auch, etwa der vom Nvidia-Chef Huang gegen Intel.

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Von
  • Andreas Stiller

Zwar musste Intel im Vorfeld die Erwartungen etwas herunterschrauben und konnte mit 1,44 Milliarden Dollar Nettogewinn nicht an das Vorjahresquartal anschließen, wo man 12 Prozent mehr einfuhr, aber in die Bilanz sind diesmal größere Aktienrückkaufaktionen sowie die Kosten für die Abspaltung der Flash-Sparte eingeflossen. Ende März nahm die gemeinsam mit STMicroelectronics gegründete NOR-Flash-Tochter Numonyx offiziell die Arbeit auf.

Rein operativ legte Intel um satte 25 Prozent zu, und das bei einem um 9 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar gestiegenen Umsatz. Intels Portemonnaie ist also gut gefüllt, und so kann es sich die Corporation leisten, in diesem Jahr 6 Milliarden in die Forschung und 5,2 Milliarden in Fertigungsanlagen zu stecken. Und wer lang hat – der kann der Konkurrenz auch noch mit Dumpingpreisen einheizen. So hat Intel jetzt erst einmal zahlreiche Prozessorpreise massiv um bis zu 50 Prozent gesenkt – auf alles, bis auf Tiernahrung.

Angesichts solcher Zahlen kann Mitbewerber AMD nur staunen, liegen hier doch die „Gewinne“ sowohl total als auch operativ weiterhin deutlich mit 358 respektive 256 Millionen US-Dollar im Roten. Aber immerhin: verglichen mit dem ersten Quartal des Vorjahres konnte man den Umsatz um 22 Prozent steigern und den Verlust von damals 611 Millionen deutlich verringern. Zwar hatte man in Sunnyvale noch etwas bessere Ergebnisse erwartet, aber bedingt durch die langen Verzögerungen bei den Quad-Core-Prozessoren war einfach nicht mehr drin.

Man wolle sich nun von „Non-core“-Bereichen trennen und sich ganz auf das Kerngeschäft konzentrieren, so AMD-Chef Hector Ruiz in seiner Stellungnahme zur Quartalsbilanz. Rund 25 bis 50 Millionen Dollar pro Quartal wolle man durch die Umstrukturierungen und die angekündigten Entlassungen einsparen. Das Ziel sei, im dritten Quartal wieder im Schwarzen zu sein.

Was genau Ruiz mit seinen Non-Cores meinte, bleibt vorerst unklar, denn viel Unkerniges ist bei AMD/ATI nicht mehr aufzutreiben. Wahrscheinlich trifft es zunächst den Bereich der Unterhaltungselektronik, der stark defizitär arbeitet. Andererseits braucht das Kerngeschäft deren Komponenten für das AMD-Live-Konzept.

Dresden, so Werkschef Hans Deppe, sei von den Entlassungen indes nur wenig betroffen. Man muss zwar auch hier einsparen, aber betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Allerdings würden zeitlich befristete Arbeitsverträge nicht verlängert und freiwerdende Stellen intern besetzt. Nach wie vor werde am Zeitplan für den Umbau der Fab 30 zur Fab 38 im Jahre 2009 festgehalten.

Derweil verlassen nebst manchem Nagetier schon diverse Matrosen und Offiziere das angeschlagene AMD-Schiff, darunter auch Chief Technology Officer Phil Hester. AMD könnte nun über die Klippe fallen – so hört man schon die Unkenrufe von Szenekennern wie dem Chefredakteur von fabtech.org, Mark Osborne.

Andererseits gibts auch positive Meldungen, etwa vom Marktforschungsunternehmen Context Research, das eine Studie über die Notebook-Märkte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien veröffentlich hat. Danach konnte der Mobile Turion X2 immerhin 21 Prozent des Marktes bei den Privatkäufern erobern.

Eine weitere Studie desselben Instituts zeigt jedoch, dass die Intel-Xeons bei den Servern ihre Vormachtstellung in Ruhe weiter ausbauen konnten. Jetzt seien schon 46 Prozent des Marktes Xeon-Quad-Cores. Die Xeon-Dual-Cores liegen bei 34 Prozent; der Anteil der Opteron-Dual-Cores sei von 12 auf 9 Prozent gesunken. AMDs Quad-Core Barcelona ist offenbar noch nicht mit nennenswertem Anteil dabei – das will AMD nun mit den TLB-Bug-bereinigten Vierkernen ändern.

Und Investoren zeigt man die gut ausgebaute Roadmap: Neben dem Quad-Core Shanghai in 45 nm, vorgesehen für Ende des Jahres, findet man da auch Istanbul – so heißt der für Anfang 2009 geplante native Hexa-Core, zuweilen auch K10,5 genannt. Und wie man so hinter den Kulissen hört, plant AMD zudem, zwei Instanbul-Dice in einem Multichipmodul zu einem Zwölfkerner zu verbinden – vielleicht mit einem asiatischen und einem europäischen Teil. Das hochgeheime Stück heißt bislang allerdings nicht Bosporus, sondern recht schlicht „G34“, warum auch immer.

AMD verliert aber nicht nur Offiziere, von Zeit zu Zeit kommen auch ein paar neue hinzu, wie vor ein paar Monaten der ehemalige CTO von MIPS, Mike Uhler. Der hat sich „Fusion“ auf seine Fahnen geschrieben, die Chip-Vereinigung von CPU und GPU, von AMD und ATI, die aus beiden Welten das Beste zusammenbringen soll. AMDs Position in diesem Kombinationsbereich wird von den Analysten recht hoch eingeschätzt.

Intel traut man einfach keine wirklich performante integrierte Grafik zu. Zudem hat sich das Prozessorhaus bislang mit DirectX-10-Treibern nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nun kommt hinzu, dass der A2-Step der auf der CeBIT hochgelobten Chipsatzgeneration G45 wohl noch Macken mit dem H.264-Decoder hat. Das dĂĽrfte die MarkteinfĂĽhrung wohl um ein paar Monate verschieben, so kann AMD/ATI unterdessen mit seinem HD-tauglichen 780G-Chipsatz brillieren.

Und ATIs Erzkonkurrent Nvidia hat keinerlei Fusionschip von x86-CPU und GPU auf der Roadmap, jedenfalls noch nicht – wiewohl man immer wieder Gerüchte hört, Nvidia habe vor, ins x86-Prozessorgeschäft einzusteigen oder sich mit VIA zu verbünden. Inzwischen hat Nvidia erkannt, dass Intel mit besser integrierter Grafik hier und Larrabee-Prozessor da auf breiter Front im Visual Computing angreifen will. Mitgründer und CEO Jen-Hsun Huang – der einst mal bei AMD Mikroprozessoren designte – hat sich auf recht heftigen Konfrontationskurs zu Intel begeben. Auf einem Analysten-Termin sparte er nicht mit harten Worten. „Alles nur falsche Behauptungen“, die werden mit ihrer integrierten Grafik gegen unsere diskreten Grafikkarten „blass aussehen“. Zudem seien Marktzahlen geschönt, rund 73 Millionen integrierte Chipsatzgrafikchips lägen brach, weil die Benutzer stattdessen eine ordentliche Grafikkarte eingesteckt haben. Zum Abschalten gut, wäre also gewissermaßen das Motto der aktuellen Intel-Chipsatzgrafik. (as) (as)