Preissturz bei Notebooks
Im heiß umkämpften Notebook-Markt sind die Preise für Einsteigermodelle in den letzten Monaten drastisch gefallen: Die billigsten Notebooks kosten derzeit nur 300 Euro. Sie sind aber aufgrund der einfachen Ausstattung nicht uneingeschränkt empfehlenswert.
- Dr. JĂĽrgen Rink
- Jörg Wirtgen
Noch vor einigen Monaten galt ein 500-Euro-Notebook als Schnäppchen, mittlerweile hat der preisbewusste Kunde die Auswahl aus mehr als einem Dutzend Modellen für nur 300 bis 400 Euro. Wohlgemerkt handelt es sich hier vorwiegend um aktuelle Modellserien, Restposten machen nur einen kleinen Teil aus. Vor allem der Wettbewerb im Billigsegment und der für das Euroland in dieser Hinsicht günstige Dollarkurs drückten die Preise auf dieses bislang unerreicht niedrige Niveau. Händler und Hersteller mögen über den ruinösen Preisverfall klagen, der Kunde profitiert davon – sofern er weiß, worauf er sich einlässt.
Die Notebook-Billigklasse besteht aus Geräten mit 15,4-Zoll-Display, einem Einkernprozessor mit etwa 1,8 GHz, einer Festplatte ab 80 GByte, einem Chipsatz mit integrierter Grafik, DVD-Brenner und manchmal Windows. Im letzten Test (c't 25/07, S. 130) hat sie sich bemerkenswert gut geschlagen, sofern man darauf achtet, 1 GByte Hauptspeicher zu bekommen – mit 512 MByte fühlt sich Windows XP zäh und Vista kaum bedienbar an.
Da die meisten Modelle fĂĽr 300 bis 400 Euro jedoch nur 512 MByte vorweisen und zudem nur mit unbrauchbarem Feigenblattbetriebssystem wie FreeDOS oder Linpus Linux kommen, fallen weitere Kosten an: Das 1-GByte-Modul kostet derzeit knapp unter 20 Euro, eine Systembuilder Windows XP Home Edition gibts fĂĽr 65 Euro. Der Notebook-Gesamtpreis liegt damit zwischen 385 und 480 Euro, was immer noch ein Hunderter weniger ist als vor einem halben Jahr. Wer Linux einsetzen will, kann die 65 Euro fĂĽr das Windows sparen, denn brauchbare Distributionen gibts kostenlos aus dem Netz.
Prozessor und Chipsatzgrafik sind Büro-Anwendungen gewachsen. Lediglich 3D-Spiele, OpenGL-Anwendungen oder Programme, die Prozessor-Funktionen wie Virtualisierung, 64-Bit-Befehle oder SSE3 voraussetzen, scheitern. Die 80 GByte dürften für viele Foto- und Musiksammlungen zu wenig sein, immerhin lässt sich die Festplatte leicht aufrüsten.
Unter den 15,4-Zoll-Notebooks tut sich derzeit unter anderem Zepto mit der Ankündigung hervor, ab Ende April das Titan für 319 Euro (inklusive Versand) verkaufen zu wollen. Da Zepto im Webshop zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten anbietet, kann man leicht 1 GByte RAM und Windows dazukaufen für einen Gesamtpreis von immer noch weniger als 400 Euro. Das Fujitsu Siemens Esprimo Mobile V5535 Edition11 kostet 400 Euro, 1 GByte RAM und vorinstalliertes Vista Home Basic bereits inklusive. Doch dessen SiS-Chipsatzgrafik dürfte vielen Anwendern nicht reichen. Um 440 Euro kosten das HP Pavilion 530, Acer Extensa 5220-100508 und One Notebook A5612[3425] mit Intel-Chipsätzen, die Zusatzkosten für 1 GByte RAM und Windows XP Home wurden bereits aufgeschlagen.
Asus hat mit dem für 299 Euro erhältlichen Eee PC den Wettbewerb im Billigsegment weiter verschärft. Die kleine Flash-Platte, die fummelige Tastatur und das 7-Zoll-Display mit geringer Auflösung schränken ein, doch dieses Notebook unterschritt als erstes die 300-Euro-Grenze. Für die 15,4-Modelle stellt es allerdings keine Konkurrenz dar, sondern richtet sich mit niedrigem Gewicht und kompaktem Gehäuse eher an Käufer, die eine billige Alternative zu Subnotebooks suchen oder zu Hause ein Mobilgerät zum gelegentlichen Surfen wollen, beispielsweise auch als Gäste-Notebook.
Der Preisrutsch fällt bei den Budget-Notebooks besonders drastisch aus, er wirkt sich aber auch in den anderen Notebook-Klassen aus. Für teils deutlich unter 1000 Euro findet man Modelle mit zusätzlicher Ausstattung wie Digitalausgang (HDMI oder DVI), höherer Display-Auflösung (1680 x 1050) oder spieletauglichen Grafikchips wie dem ATI/AMD Radeon Mobility HD 2600 und Nivida GeForce 8600M GT (c't 3/08, S. 78). Einen Test der Geräte mit Top-Ausstattung finden Sie auf Seite 90 in c't 10/08.
Branchen-Insider rechnen damit, dass manche Notebook-Anbieter den Preiskampf nicht ĂĽberleben werden. Wegen geringer Margen muss gespart werden, und das betrifft unter anderem den Service. Nach unserer letzten Service-Umfrage (c't 8/08, S. 122) nehmen von den groĂźen Anbietern Dell, Lenovo, HP, Toshiba und Fujitsu Siemens den Service ernst, bei HP gilt das allerdings nur fĂĽr die Business-Serien, nicht aber fĂĽr die Pavilion-Serien.
Obwohl auch zukünftig Notebooks wohl noch günstiger werden, sollte man mit dem Kauf nicht warten, sondern dann zuschlagen, wenn man das Mobilgerät braucht. Die Branche ist zu schnelllebig und zu wenig abschätzbar, um den optimalen Kaufzeitpunkt zu finden. Direktverkäufer wie Dell und One ändern ihre Preise nahezu täglich – sowohl nach oben als auch nach untern. Das gilt auch für die Komponenten: Lithiumionenakkus sind heute teurer als vor einigen Wochen, die Preise für 2,5-Zoll-Festplatten fielen dagegen so drastisch wie selten: Eine 320-GByte-SATA-Platte kostet nur noch einen Hunderter.
Für Liebhaber von Subnotebooks für weniger als 500 Euro dagegen könnte sich das Warten lohnen, denn der Eee PC wird nicht mehr lange allein auf weiter Flur sein. HP hat den 2133 Mini-Note PC angekündigt, MSI sein Wind (siehe S. 23 in c't 10/08) und der derzeit nicht lieferbare Packard Bell EasyNote XS kostet 500 Euro. (jr)