Scharf gesehen
Im c't-Labor müssen sich LCD-Monitore an Messgeräten und im Praxiseinsatz behaupten. Uns interessierte, wie Profi-Gamer die aktuelle Generation der schnellen Flachbildschirme einschätzen. Wir baten zum Testspielen in die Redaktion.
Für unsere Vergleichstests werten wir jede Menge Messdaten aus und beurteilen alle Geräte zusätzlich in der Praxis bei Office-, Foto- und Videoanwendungen. Und natürlich bespielen wir die Flachbildschirme auch. Am Ende sollten die Messergebnisse mit den subjektiven Eindrücken übereinstimmen – wenn nicht, gilt es den Grund dafür zu finden. So weit, so gut. Doch gerade bei Gaming-LCDs fragen wir uns zuweilen, ob ambitionierte Gamer unsere Einschätzung teilen würden. Was liegt da näher, als einmal die Leute zum Test zu bitten, die sich mit Spielen am PC auskennen.
Wir suchten Profi-Gamer für Spiele aus den Kategorien Echtzeit-Strategie (Warcraft 3, nicht zu verwechseln mit dem Online-Rollenspiel World of Warcraft (WOW)), Sport (FIFA 08) und First-Person-Shooter (Counter-Strike 1.6). Erste Kontakte auf den World Cyber Games (WCG) und den Intel Extreme Masters auf der CeBIT waren schnell geknüpft. Die Agentur Marschreiter und die Manager bekannter deutscher E-Sports-Teams zeigten sich aufgeschlossen für unser Vorhaben. Fujitsu Siemens stellte uns einige der PCs zur Verfügung, die auch auf den WCG 08 im Einsatz waren, Alienware steuerte Hochleistungs-PCs für die Hardware-hungrigeren Spiele bei (siehe Kasten) und Speedlink die notwendigen Tastaturen, Mäuse und Headsets.
Ausgewählt
Unsere Monitorauswahl fiel auf einige Gaming-LCDs aus unserem großen Vergleichstest (siehe S. 112 in c't 10/08), zwei LC-Displays, die mit besonderen Tricks die Darstellungsweise von Röhrenmonitoren nachahmen und ein weniger für schnelle Spiele prädestiniertes LCD (siehe Kasten). Weil die fürs Spielen vermeintlich relevanten technischen Eigenschaften im Testfeld repräsentiert sein sollten, zogen wir unsere zuvor ermittelten Messwerte zu Rate: Zwei Displays besitzen (fast) keine Latenz, zwei hinken der Grafikkarte um einen Frame hinterher, weitere zwei Monitore um bis zu zwei Frames. Die LCDs mit jeweils gleicher Latenz unterscheiden sich jedoch im Schaltverhalten – eines nutzt einen Overdrive zur Beschleunigung, das jeweils andere nicht. Diese Eigenschaft erreichten wir durch Abschalten des Overdrive im Monitormenü (zwei baugleiche LCDs von Asus), durch Wahl ähnlicher Displays des gleichen Herstellers mit und ohne Overdrive-Funktion (zwei 22-zöllige SyncMaster-LCDs) und mit zwei – abgesehen von ihrer gleichen Latenz – recht unterschiedlichen Geräten (26"-LCD von Fujitsu Siemens und 22"-Display von Dell).
Beim SyncMaster 245T versucht Samsung, durch Takten der Hintergrundbeleuchtung die Impulsdarstellung von Röhrenmonitoren nachzuahmen. BenQ möchte die schlierenfreie Impulsdarstellung im X2200W durch Einfügen von schwarzen Bildinhalten nach jedem aktiven Bild erzielen. Weil wir wissen wollen, was Gamer von diesen Techniken halten, stehen auch diese beiden Monitore in dem zum Testparcours umfunktionierten Konferenzraum.
Dort warten nun acht Monitore darauf, jeweils von acht professionellen Gamern bespielt zu werden. Alle Geräte haben wir zuvor mit schwarzen Blenden unkenntlich gemacht und neutral als Monitor A bis H bezeichnet. Das Urteil der Spieler soll schließlich nicht durch Äußerlichkeiten oder Markennamen beeinflusst werden. Wir wollen von den Gamern wissen, wie gut es sich auf den Monitoren spielen lässt, ob sie Beeinträchtigungen wie Schlieren oder Latenzen wahrnehmen und wie es generell um die Bildqualität der LCDs bestellt ist. Dazu liegt neben jedem Monitor ein Fragebogen, den die Gamer direkt nach dem Spielen an jedem LCD ausfüllen sollen.
Einmarsch der Gladiatoren
Während Daniel „Miou“ Holthuis seine mitgebrachte Tastatur und Maus anschließt, lümmelt sich Nicolas „Adonis“ Eleftheridis bereits vor einem der Monitore und spielt sich warm. Der mTw-Teamleader nutzt ein normales Gamepad zum Fußballspielen, Daniel „Hero“ Schellhase bevorzugt dagegen ebenso wie sein SK-Teamkollege Jannik „Era“ Huber ein Xbox-Pad. Hätten wir das geahnt … Zum Glück hat FIFA-Profi Daniel alle notwendigen Treiberdateien auf einem USB-Stick dabei. Also wandert Hero um die Konferenztische und installiert für sich und Era die passende Software, damit es gleich im Test rundgehen kann.
Lars Gerrit „Protois“ Reichelt hat ein eigenes Mousepad mitgebracht – viel größer als die von uns bereitgestellten. Für die Warcraft-Profis kann die Padfläche offenbar nicht groß genug sein. Der 19-jährige Protois bevorzugt zum Spielen LCDs, weil er es nervig findet, dass man das Bild eines Röhrenmonitors selbst justieren muss: „Der TFT macht das ja allein“. Er steuert die Flachbildschirme digital an. Auch Daniel Schellhase findet LCDs besser „weil die praktischer sind.“ Zu Haus nutzt Hero ebenfalls Flachbildschirme und mag deren Digitaleingang nicht mehr missen: „Die Qualität ist bei DVI einfach besser“. So ganz von der Röhre hat er sich aber wohl doch nicht verabschiedet, denn er bescheinigt den CRTs sehr gute Bildqualität.
Christopher „Tak3r“ Heil kommt mit LCDs und CRTs gleich gut zurecht. Er hat daheim zwei Flachdisplays. Seine Warcraft-Profilaufbahn hat der 23-Jährige kürzlich beendet, seine neue Leidenschaft, Pokern, klappt auch an einem langsamen Flachbildschirm. Tak3r weiß, dass es bei Shooter-Spielen zumindest früher arge Probleme mit LCDs gab, „die waren nicht schnell genug, das Bild hat nachgezogen.“ Die beiden Counter-Strike-Spieler David „Chef-Koch“ Nagel und Peter „Chucky“ Schlosser vom Team Alternate meinen, dass das auch heute noch zutrifft. Chucky hatte sich im vergangenen Jahr ein 2-ms-LCD angeschafft, weil er Flachbildschirme besonders für LAN-Parties enorm praktisch fand. „Zum Surfen und für Office-Arbeiten war der Monitor sehr entspannend, und er war auch noch für Need for Speed zu gebrauchen. Aber 3D-Shooter gingen gar nicht, ich konnte mit dem einfach nicht spielen. Ich hab ihn dann wieder verkauft.“ Stattdessen hat er sich kürzlich – wie auch Chef-Koch – eine gebrauchte Röhre gekauft, „neu gibt es die ja leider nicht mehr“, klagt der Teamleader.
Auf professionellen Turnieren wird Counter-Strike fast ausschließlich auf Röhrenmonitoren gespielt. Chef-Koch David berichtet, dass einige Spieler die Teilnahme an Turnieren schon mal absagen, wenn dort nur LCDs stehen. Den Trainingsvorteil durch jahrelanges Üben am CRT könne auch er auf einem Turnier mit einem lahmen LCD verlieren: „Das lohnt sich für mich nicht, da fahr ich nicht hin. Sehr gute, professionelle Counter-Strike-Events finden immer auf Röhrenmonitoren statt.“ Ähnlich kritisch ist auch Miou: Der Warcraft-3-Spieler aus Aurich trainiert am liebsten auf Röhrenmonitoren. Doch seinen CRT daheim hat er mittlerweile um ein LCD ergänzt, weil „die Umstellung von CRT zu Haus auf TFT auf dem Event zu schwer fällt.“ Bei WC3-Wettkämpfen kommen anders als bei CS-Turnieren heute fast ausschließlich LCDs zum Einsatz. Ein LC-Display, das ihn hundertprozentig zufrieden stellt, hat Miou bisher aber noch nicht gefunden. Mal sehen, ob das nach diesem Test anders ist.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 10/2008. (uk)