Sonnenaufgang
Mit OpenSolaris hat Sun seine erste Distribution vorgestellt. In unserem Test tritt das freie Solaris gegen die jetzt in neuer Version erschienenen Linux-Distributionen Ubuntu 8.04 und Fedora 9 an.
- Andrea MĂĽller
- Thorsten Leemhuis
Eine einfache Installation, umfangreiche Software-Ausstattung und die gute Unterstützung gängiger Hardware versprechen fast alle Linux-Distributionen, so auch Fedora 9 und Ubuntu 8.04. Das Versprechen will auch OpenSolaris 2008.05 halten, die erste Version des Projekts Indiana, mit dem Sun Linux-Nutzern einen leichteren Zugang zu Solaris ermöglichen will.
Trotz der gemeinsamen Zielsetzung unterscheiden sich die drei Systeme sehr. Während Ubuntu, das vor allem Wert auf Stabilität und Benutzerfreundlichkeit legt, mit seinen Releases sowohl End- als auch Firmenkunden ansprechen will, handelt es sich bei Fedora um das Community-Projekt von Red Hat, das regelmäßig aktualisierte Programme und Kernel erhält und sich strikt auf freie Software beschränkt. Alle zwei bis drei Jahre wird dann von Fedora eine neue Enterprise-Distribution abgeleitet. OpenSolaris dagegen ist das Ergebnis von Suns ersten Schritten mit einem freien Betriebssystem, und am wichtigsten ist es der Firma zurzeit, die OpenSolaris-Community auszubauen und weitere freie Entwickler zu finden, die Code zu dem Projekt beisteuern. Da OpenSolaris sich bei der Systemverwaltung sehr von Linux unterscheidet, finden Sie ab Seite 140 eine Einführung in die Solaris-Systemkonfiguration, die unter anderem zeigt, wie man dort Dienste verwaltet, das Netzwerk einrichtet und zusätzliche Paketquellen hinzufügt.
Alle drei Systeme setzen auf die Desktop-Umgebung Gnome; Fedora und Ubuntu in der aktuellen Version 2.22, OpenSolaris verwendet Version 2.20. Daher ähneln sich auch die Desktops und Default-Anwendungen: Gthumb kümmert sich um den Import der Fotos von der Digitalkamera und verwaltete die Bilder, mit dem IM-Client Pidgin chattet man, Nautilus zeichnet den Desktop und verwaltet Dateien, Totem spielt Videos ab und 3D-Effekte lassen sich bequem im Kontrollzentrum aktivieren. Einen Unterschied gibt es beim voreingestellten Mail-Client: Ubuntu und Fedora bieten Evolution im Panel an, OpenSolaris dagegen Thunderbird.
Testumgebung
Wir wollten wissen, wie komfortabel die Installation abläuft, wie umfangreich die Software-Ausstattung der Systeme ist, wie leicht man die Pakete einspielen und Paketquellen verwalten kann und wie sich die Systeme im Zusammenspiel mit unterschiedlicher Hardware schlagen. Bei der Software haben wir in der Tabelle Software-Ausstattung die Pakete berücksichtigt, die entweder auf dem Installationsmedium mitgeliefert oder aus offiziellen Paketquellen des Distributors nachinstalliert werden können.
Beim Multimedia-Support hat uns interessiert, mit welchen Formaten die Systeme out of the box zurechtkommen. Die Installation haben wir sowohl auf einem System mit 200 GByte großer Festplatte getestet, die komplett von einer NTFS-Partition mit Windows Vista belegt wurde, als auch auf einem Rechner, auf dem sich neben Windows noch mindestens ein anderes Linux befand. Bei beiden Versionen haben wir uns die Vorschläge des Partitionierungs-Assistenten angesehen und getestet, welche anderen Betriebssysteme der Installer in die Bootmanager-Auswahl aufnimmt.
Mit verschiedenen PCs, Notebooks und PC-Peripherie durften die Testkandidaten ihre Hardware-Kompatibilität unter Beweis stellen. Zum Einsatz kam unter anderem das in c't 10/08 getestete Lenovo ThinkPad T61 6460-8SG – ein Core-2-Duo-Notebook der derzeit noch aktuellen Centrino-Generation („Santa Rosa“) mit Nvidia-Grafik und 965-Chipsatz. Etwas mehr abgehangen ist die Hardware des in c't 7/07 vorgestellten Pentium-Dual-Core-Notebooks Toshiba Satellite A100, das auf die in Intels 945GM integrierte Grafik zurückgreift und einen Atheros-WLAN-Chipsatz verwendet. Ferner setzten wir verschiedene PCs mit aktuellen Komponen-ten auf; darunter Mainboards mit AMD 780G, Intel G33 und Nvidia GeForce 8200, die wir mit Dual- oder Quad-Core-CPUs bestückten.
Bei den beiden Linux-Distributionen sind die meisten Treiber Bestandteil des Kernels. Da Fedora auf die neuere Kernel-Version 2.6.25 setzt, bringt es teilweise etwas neuere Treiber mit als Ubuntu, das den knapp drei Monate älteren Kernel 2.6.24 enthält. Ubuntu erweitert den Kernel allerdings stärker als Fedora über Patches und integriert etwa den von Linus Torvalds aus Qualitätsgründen zurückgewiesenen Patch, der das Nachladen einer modifizierten ACPI-DSDT aus der Initrd ermöglicht. Ubuntu installiert zudem zahlreiche Kernel-Module, die der offizielle Kernel oder Fedora nicht mitbringen; darunter der Madwifi-Treiber, verschiedene proprietäre Treiber für AVM-Hardware, Ndiswrapper, die Webcam-Treiber Gspca und Quickcam sowie Acx, Prism2_usb, Snd-bt-sco und Acer_acpi. Fedora hingegen pflegt nur wenige Treiber zusätzlich ein; etwa At76, Atl2, Uvcvideo oder Lirc, die sich alle auch bei Ubuntu finden.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 12/2008.
Literatur
[1] Update-Anleitung fĂĽr Ubuntu
[2] NTFS-Dateisystem-Treiber fĂĽr OpenSolaris
[3] Installationsanleitung fĂĽr die Solaris-NTFS-Treiber
| "Solaris kontra Linux" | |
| Artikel zum Thema "Solaris kontra Linux" finden Sie in der c't 12/2008: | |
| Fedora 9, OpenSolaris 2008.05 und Ubuntu 8.04 im Test | S. 132 |
| Erste Schritte mit OpenSolaris | S. 140 |
(amu)