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Jedem sein Radiosender
Ein Telefon – mehr benötigt man nicht, um einen eigenen Radiosender zu betreiben. Bei 1000Mikes kann jedermann live on air gehen. Es fallen nur die Kosten für ein Gespräch ins Festnetz an. 1000Mikes überträgt die Sendungen live, die Beiträge stehen anschließend auch im Archiv als MP3-Datei zum Herunterladen bereit – per default nur für Freunde; der Betreiber einer Radiostation kann sein Sendungsarchiv aber auch für die Allgemeinheit freigeben.
Der Bürgerfunk hat den Charme des Amateurhaften – Fans besprechen die Spiele ihrer Fußballvereine oder bloggen bei sehr bescheidener Tonqualität übers Handy. Musikwiedergabe verbietet 1000Mikes, außer, der Nutzer erklärt ausdrücklich, dass er über die Rechte für die Ausstrahlung verfügt. (jo)
Denkwolke
Man kennt das: Plötzlich handelt das Gespräch von einem Thema, das kilometerweit von seinem Ausgangspunkt entfernt ist. Erinnert man sich an die wackligen Assoziationsbrücken, die vom einen zum anderen führten, bleibt oft nur Staunen über die wunderlichen Wege des menschlichen Gehirns.
Human Brain Cloud formt aus solchen Assoziationen eine riesige Matrix. Der Anwender tippt einfach nur ein englisches Wort ein, das ihm zu einem zufällig aus dem bisherigen Bestand ausgewählten Begriff einfällt. Die Ergebnisse hat Entwickler Kyle Gabler mittels Flash hübsch als vernetzte Gummibälle animiert, die das Springen durch die Assoziationsketten zum Vergnügen machen. Schließlich handelt es sich bei der Human Brain Cloud nicht um Wissenschaft, sondern, so Gabler, um ein simples Online-Spiel. (heb)
Das Anti-Nazi-Portal
Nazis erkannt man heute nicht mehr unbedingt an Springerstiefeln und Bomberjacken. Auch artikulieren sie sich nicht mehr nur in Form dumpfer Parolen, sondern kaschieren ihr ausländerfeindliches und antisemitisches Gedankengut mit pseudowissenschaftlichen Begriffen wie „Ethnopluralismus“. So ist es für rechtsradikale Gruppen einfacher, in Sportvereine oder die Feuerwehr einzutreten – derzeit eine Strategie der NPD, um neue Mitglieder zu werben.
Dieser schleichenden Unterwanderung der Gesellschaft stellt die Wochenzeitung „Die Zeit“ die Website Netz-gegen-Nazis.de entgegen. Gewissermaßen als eine Art permanent aktualisiertes Lexikon erklärt die Site „Was sie denken“, „Wie sie sich organisieren“, aber auch, wie man Dresscodes und Zeichen der Rechten erkennt. Eine tägliche Presseschau fasst Aktuelles zusammen.
Der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche FuĂźball-Bund, die Deutsche FuĂźball-Liga und der Deutsche Feuerwehrverband mitsamt der Jugendfeuerwehr unterstĂĽtzten Netz-gegen-Nazis.de als Mitinitiatoren. Als Fernsehpartner fungiert das ZDF, im Internet werben die sozialen Netzwerke studiVZ, schĂĽlerVZ und meinVZ fĂĽr das Vorhaben. (jo)
Doppel-Karten
http://geo.topf.org/comparison
Auf der Website von Jochen Topf finden sich verschiedene Darstellungen der freien weltweiten StraĂźen- und Radwanderkarten aus dem OpenStreetmaps-Projekt. Es gibt auch eine herunterladbare Version zum Betrachten, wenn man einmal keinen Internetzugriff hat. Ein wahres Highlight leuchtet hinter dem Link Comparing Maps: Dort kann man in zwei Ausschnitten dasselbe Areal mit zwei Karten-Programmen betrachten; zur Auswahl stehen dabei nicht nur verschiedene Renderer fĂĽr OpenStreetmaps, sondern auch die StraĂźen- und Luftbild-Ansicht von Google Maps.
In einem der beiden Frames kann man navigieren wie gewohnt, der andere synchronisiert seinen Anzeigebereich automatisch per JavaScript. Interessant ist dabei nicht nur der Konkurrenzvergleich zwischen den Datenquellen, sondern die Erkenntnis, dass sich diese mitunter gut ergänzen, etwa beim Vorbereiten einer Radtour. (hps)
Ăśben und spenden
Bei Freerice kann man seine Englischkenntnisse aufpolieren und etwas Gutes dabei tun. Die vom UN World Food Programme (WFP) unterhaltene Website enthält ein Vokabelquiz, bei dem Teilnehmer automatisch Reis für Hungerregionen spenden: Bei Multiple-Choice-Fragen zu englischen Wörtern klickt der Teilnehmer eine von vier möglichen Antworten an. Stimmt die Antwort, so hat er 20 Reiskörner erspielt. Sponsoren, die auf der Website werben, finanzieren die Spenden. (jo)
Dummgeschwätz-Spiel
Buzzword Bingo ist die kleine Rache der genervten Seminar-, Workshop- und Meeting-Beiwohner an Vortragenden, die das Inhaltsvakuum ihrer langatmigen Beiträge mit hohlen Phrasen zu füllen versuchen: „Lösungen“ müssen „nachhaltig“ sein, „Konzepte strategisch“, Mitarbeiter „100% committed“ und so weiter. Buzzword Bingo hilft, dem Geschwätz doch noch etwas abzugewinnen: Man verteile einschlägige Floskeln zufällig in einem 4x4-Raster auf Handzettel und gebe diese an Teilnehmer aus. Bei UniBingo kann man sich solche Zettel mit individuellen Schlagwörtern generieren lassen.
Die Teilnehmer streichen Phrasen auf ihrem Spielzettel durch, die während des Vortrags fallen. Wer zuerst vier Treffer in einer Reihe hat, gewinnt und ruft laut „Bingo!“. Je nach Veranstaltung sollte man allerdings ein diskreteres Zeichen vereinbaren – bei einer Präsentation des Chefs könnte sich der Ausruf negativ auf die Karriere auswirken. (jo)
Die Websites aus c't 11/2008