Blickfang

Ultrahochauflösende Displays, selbstleuchtende OLEDs und biegsame Schirme zogen auf der internationalen Displaykonferenz die Blicke auf sich. Angesagte Technik konnten die Besucher hautnah an berührungsempfindlichen Großbildschirmen und im 3D-Kino erleben.

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Das Seminar- und Konferenzprogramm der Society for Information Display (SID) war gespickt mit Fachvorträgen zur Flüssigkristalltechnik, zu organischen Displays und zu E-Paper-Varianten. Im Fokus standen hier die Fertigungsmöglichkeiten für sehr dünne und vor allem biegsame Schirme. Während das Konferenzprogramm noch einige Beiträge zur Plasmatechnik bereithielt, suchte man die großen Plasmaschirme in der begleitenden Ausstellung vergeblich. Auch über Feldemissionsdisplays wurde in der Konferenz referiert, doch anders als im vergangenen Jahr glänzten Vertreter der FED-Technik wie die Sony-Ausgliederung Field Emission Technologies und auch Canon diesmal mit Abwesenheit.

Dafür präsentierten alle großen Displayhersteller mehr oder weniger große organische Displays. So protzte Samsung mit seinem 32-zölligen OLED-TV, das es aber lediglich in Ausstellungen zu bewundern gibt – kaufen kann man das gute Stück bislang nirgends. Auch Chi Mei Optoelectronics (CMO) wartete mit einem großen OLED auf, doch auch dieser Schirm ist noch nicht erhältlich. Wann die OLED-Technik mit größeren Diagonalen durchstartet, gehört zu den aktuellen Rätseln der Displayindustrie. Anstrengungen in diese Richtung sind indes unübersehbar: Sony will über 200 Millionen US-Dollar investieren, um endlich die 11"-Schirme für seinen Fernseher XEL-1 in Massen produzieren zu können, und CMO legte gerade 21 Millionen US-Dollar bei seinem auf OLEDs spezialisierten Tochterunternehmen CMEL nach.

Zu den ganz Großen unter den Herstellern organischer Displays gehört auch Samsung SDI, der auf der SID-Konferenz diverse Prototypen mit kleineren OLEDs vorstellte. Bei den kleineren Schirmen aus organischen Leuchtstoffen scheinen die Hersteller entscheidende Fortschritte erzielt zu haben: Die organischen Displays mit Transistoransteuerung – Aktiv-Matrix-OLEDs – bis knapp fünf Zoll (12 cm) Diagonale sollen demnächst in größeren Stückzahlen auf den Markt kommen und in Mobilgeräten als Anzeige dienen. Der große Vorteil der OLEDs: Sie sind selbstleuchtend und benötigen deshalb in dunkler Umgebung keine leistungshungrige Hintergrundbeleuchtung. Außerdem sind sie normalerweise extrem dünn und leicht, was sie ebenfalls für Mobilgeräte empfiehlt.

In Sache Displaydicke machen die Flüssigkristallschirme den OLEDs allerdings zunehmend Konkurrenz. In der Ausstellung bestachen große und kleine LCDs durch enorm geringe Tiefe. Dies erzielten die Hersteller mit Hintergrundbeleuchtungen aus LEDs. Die lichtstarken LEDs nehmen deutlich weniger Platz im Schirmrücken ein als herkömmliche Kaltkathodenstrahler (CCFL, Cold Cathode Fluorescense Light).

Außerdem kann man mit Mikrorasterfolien im Panel und einigen technischen Ansteuertricks die Leistungsaufnahme der LED-hinterleuchteten LC-Displays erheblich reduzieren. Indem das Hintergrundlicht je nach Bildinhalt gedimmt wird – an dunklen Stellen heruntergeregelt, an hellen Bildstellen aufgedreht –, lässt sich die Energiebilanz des Displays stark verbessern. So konnte LCD-Hersteller CMO die Leistungsaufnahme eines 42-zölligen LCD-TV durch Nachregeln der Hintergrundbeleuchtung je nach Filminhalt um 40 bis 60 Prozent drosseln. Das Backlight bestand hier aus 3000 RGB-LEDs, die in 200 Zonen gruppiert waren und sich separat nach Farben ansteuern ließen.

Auch Dolby Labs setzt auf gedimmtes Backlight, zielt mit seinem Sim2-Display aber weniger auf eine reduzierte Leistungsaufnahme, sondern vielmehr auf einen größeren Kontrastumfang ab, die sogenannte High Dynamic Range (HDR). Das gezeigte 46-zöllige Display nutzt 1838 weiße LEDs mit einer Lichtleistung von je 80 Lumen/Watt, die bei voller Aussteuerung (weißer Schirm) eine Leuchtdichte von 4000 cd/m2 erzielen und 0 cd/m2 bei kompletter Dimmung (schwarzer Schirm) – im realen Videoeinsatz liegt der Schwarzwert darüber, da eigentlich nie sämtliche LEDs ausgeschaltet werden. Der so erzielte Bildkontrast war dennoch beeindruckend. Der taiwanische Panelhersteller AU Optronics (AUO) stellte eine vergleichbare Lösung vor; hier lag der Fokus aber wie bei CMO auf der Energieeinsparung.

Energiebewusstsein wurde auf der SID-Tagung überhaupt groß geschrieben. In seiner Keynote zur Eröffnung der Konferenz legte etwa Paul Shuang-Lang Peng von LCD-Hersteller AU Optronics beispielhaft Zahlen über den Energieverbrauch während der Panelfertigung vor und zeigte auf, wie sich die Energiebilanz mit neueren Fabs verbessern lässt. Welche Auswirkung das Display auf den Energiehunger tragbarer Geräte hat, machte Mary Lou Jepsen zum Thema ihrer Keynote: Die Pixel-Qi-Gründerin und Mitinitiatorin des OLPC (One Laptop per Child) schilderte ihren Weg von der Idee, die Bildungssituation mit einem Notebook für jedes Kind weltweit zu verbessern, bis zur Serienfertigung des XO Laptops. Um das Mobilgerät in Gebieten ohne sichere Stromversorgung oder gar Netzanbindung sinnvoll betreiben zu können, hatte sie das Pixeldesign in Kooperation mit CMO komplett überarbeitet und so die Leistungsaufnahme des Notebooks auf ein Minimum reduzieren können (vgl. c't 7/07, S. 138). In ihrer Firma Pixel Qi arbeitet sie nun an einer weiter verbesserten Displayvariante mit Touch-Oberfläche.

Berührungsempfindliche Displays konnte man in der SID-Ausstellung massenhaft bewundern. Samsung und LG forderten die Besucher auf, sich am Riesenschirm zu betätigen: Bilder verschieben, zoomen, puzzeln oder mit den Fingerspitzen in Goolge Earth navigieren – so sollten sie die Möglichkeiten der Touch-Technik erfassen können. Bei den großen Displays mit sogenanntem Multitouch – die Bedienung kann mit mehreren Fingern gleichzeitig erfolgen – werden die Berührungspunkte meist optisch von kleinen Kameras in den Displayecken erkannt; alternativ kommen auch Wärmesensoren zum Zuge. Kleinere Displays integrieren die Berührungssensoren teilweise direkt im Pixel. So stellte LG ein 7-zölliges Display vor, das 800 x 480 Pixel besitzt und pro vier Pixel einen optischen Sensor integriert. Berührt man den Schirm mit dem Finger oder einem beliebigen Gegenstand, werden die Sensoren am Berührungspunkt abgeschattet, wodurch dieser eindeutig erkannt wird. Diese Touch-Technik nutzt auch Toshiba Matsushita Displays (TMD).

Eine für Werbetreibende hochinteressante Touchscreen-Variante stellte die britische Zytronic vor: Deren Touch-Folie wird von Innen auf Schaufensterglas aufgebracht und erkennt Berührungen durch die Scheibe hindurch – dank kapazitiv optischem Touch vom nackten Finger ebenso wie vom behandschuhten. Das Ganze soll bis zu einer Bilddiagonalen von etwa zwei Metern und einer Scheibendicke bis 20 Millimeter funktionieren. Das gewünschte Bild projiziert ein LCD-Beamer von hinten auf die Folie, die direkt mit dem PC verbunden ist. Die Folie lässt sich nach Abschluss einer Aktion von der Scheibe abziehen, aufrollen und an einen anderen Ort verfrachten. Zytronic arbeitet derzeit daran, die Folie komplett transparent, also für den Betrachter unsichtbar zu machen.

Die sogenannten E-Paper-Displays sind hinlänglich bekannt dafür, mit extrem wenig Energie auszukommen. Sie funktionieren normalerweise reflektiv, nutzen also das Umgebungslicht zur Bildwiedergabe. Typische Vertreter sind die Elektrophorese-Schirme, bei denen schwarze oder weiße Kügelchen im elektrischen Feld gezielt an die Displayoberfläche gezogen werden und so einen dunklen oder hellen Bildpunkt erzeugen. Die meisten Geräte mit elektronischer Tinte nutzen die Electrophorese-Technik von E-Ink. Die vor zwei Jahren erstmals auf der SID-Konferenz vorgestellten Puderdisplays von Reifenhersteller Bridgestone haben sich inzwischen enorm herausgemacht – Newcomer Bridgestone wird bereits mit zu den führenden E-Paper-Entwicklern gezählt.

Bunte Bilder bringen die Hersteller elektronischer Tinte bislang durch Farbfolien ins Display. Bridgestone zeigte zwar Prototypen mit farbigem Puder, die Bilder werden hier allerdings nur segmentweise eingefärbt. Für Aufsehen sorgte die mögliche Flexibilität auch größerer E-Paper-Displays: LG zeigte ein gebogenes E-Paper mit A4-Format, das mit 1280 x 900 Pixeln (130 ppi) sehr fein auflöst und immerhin vier Graustufen unterscheiden kann – das reicht für die Wiedergabe von Schwarzweißfotos in Tageszeitungsqualität. Der Hersteller brachte die elektronische Tinte dazu auf einen dünnen Metallträger aus rostfreiem Stahl auf. Das gleiche Trägermaterial nutzte LG auch für vierzöllige OLEDs, um sie „in Form“ zu bringen.

Epson zeigte stattdessen extrem hochauflösendes E-Paper, darunter ein 13,4-zölliges Display mit 3104 x 4128 Pixeln, mithin 385 ppi, und ein 6,7"-Display mit 300 ppi. Zum Einsatz kamen auch hier die elektronischen Tinten der Firma E-Ink. Da die Bilder im elektronischen Papier nur sehr langsam aufgefrischt werden können – ein Refresh dauert je nach Bildgröße und Technik bis zu einer halben Sekunde –, eignet sich das E-Paper bislang nicht für bewegte Bildinhalte.

Sehr bewegt ging es dagegen am dritten Konferenztag zu: Das Symposium zum Thema 3D musste wegen des enormen Besucherandrangs in einen größeren Saal verlegt werden. Der illustre Kreis der Vortragenden reichte von Inhaltehersteller Dreamworks über den Postproduction-Spezialisten Quantel bis zum 3D-Projektor-Ausrüster Real D. Neben informativen Beiträgen über die Tücken der 3D-Produktion wurde am praktischen Beispiel gezeigt, welche negativen Auswirkung beispielsweise eine leicht abweichende Farbinformation für jedes Auge, ungleichmäßige Helligkeiten pro Auge oder ein übertriebener Geometrieversatz haben. Und natürlich konnte das Publikum Ausschnitte aus aktuellen 3D-Produktionen wie U2 3D oder Beowulf bewundern – alle Anwesenden wurden dafür am Saaleingang mit Pappbrillen ausgestattet.

Für die in US-amerikanischen Kinos am weitesten verbreitete 3D-Projektionsart mit zirkular polarisierten Stereoskopiebildern lassen sich bestehende digitale Kinoprojektoren mit einem Polarisationsvorsatz erweitern. Dieser wechselt die Polarisation der projizierten Bilder im Takt mit der Signalquelle, wobei das Stereobild für jedes Auge mit 72 Hz aufgefrischt wird. Wann sich 3D auch fürs Heimkino durchsetzen wird, hängt nach Einschätzung der Spezialisten von den Inhalten ab: Wenn die verfügbaren 3D-Filme besser sind als deren 2D-Version, werden die Anwender auch daheim Filme dreidimensional genießen wollen. Erste autostereoskopische Großdisplays konnte man in der Ausstellung bewundern, beispielsweise ein 3D-LCD mit 1,30 Meter Diagonale am Stand von Samsung. Die TV-Übertragung in 3D liegt für die Protagonisten des Symposiums allerdings noch in weiter Ferne: Es scheitere derzeit an fehlenden Standards und nicht zuletzt an der verfügbaren Bandbreite. (uk)