Volles Bild
Bislang gab es Flachbildfernseher mit 80 Zentimetern Diagonale nur mit Standard-HD-Auflösung. Seit kurzem stehen die ersten Geräte mit voller HD-Auflösung in den Läden.
Klar ist: HD-Fernsehen wird kommen. Unklar ist nach wie vor, welche Auflösungen sich durchsetzen werden. Premiere HD sendet mit 1080er-Auflösung, allerdings im Zeilensprungverfahren (interlaced). Auch das HD-Programm von Arte, das in diesem Sommer starten wird, soll im 1080i-Format ausgestrahlt werden. ARD und ZDF planen dagegen nach wie vor 2010 ihre HD-Sendungen mit 720p zu starten. HD-Videos werden wiederum mit 1080p und 24 Bildern pro Sekunde auf Blu-ray Disc gebannt.
Bei Flachbildfernsehern setzt sich die volle HD-Auflösung vor allem ab Bildschirmdiagonalen mit 94 Zentimetern (37 Zoll) zunehmend durch. Bei kleineren Fernsehern mit 80 Zentimetern Diagonale (32 Zoll) – in Deutschland die meistverkaufte Größe – herrscht bislang das WXGA-Format vor. Mit seinen 1366 x 768 Bildpunkten passt es allerdings nicht so richtig in die Fernsehlandschaft. Standard-PAL- und Standard-DVD-Material muss die Elektronik hochskalieren, Full-HD-Filme dagegen von 1080 auf 768 Zeilen herunterrechnen – für WXGA gibt es im Videoumfeld keine hundertprozentig passende Auflösung.
Nun sind die ersten 80-Zentimeter-LCD-Fernseher mit voller HD-Auflösung erhältlich. Wir haben uns die bislang verfügbaren Geräte – den Panasonic TX-32LZD85, den 32PFL9603D von Philips, Samsungs LE32A659A1F, den LC-32X30E von Sharp sowie Sonys KDL-32E4000 – in die Redaktion geholt, um zu untersuchen, ob sich die hohe Display-Auflösung bezahlt macht oder ob man ebenso gut bei der niedrigeren Auflösung bleiben kann.
Umgerechnet
Schließt man von der Anzahl der Bildpunkte des Gesamtbildschirms – der Auflösung – auf die Größe des einzelnen Bildpunktes, ergibt sich bei den Standard-80-cm-Displays eine Pixelgröße mit 0,51 Millimetern Kantenlänge. Bei Full-HD-Fernsehern beträgt sie dagegen nur noch 0,36 Millimeter. Rein theoretisch verringert sich damit der minimale Betrachtungsabstand, aus dem das menschliche Auge das Pixelmuster der Panels gerade nicht mehr wahrnimmt von 1,7 auf 1,2 Meter. Aber aus dieser kurzen Distanz dürfte kaum jemand einen Kinofilm schauen wollen – sitzt man gemütlich im Sessel, würden die Füße bereits unter den Bildschirm reichen.
Fürs Familienfernsehen benötigt man also kaum die hohe Pixeldichte der kleinen Full-HD-Fernseher. Doch es gibt andere Argumente, die für eine hohe Auflösung sprechen: Füttert man den Fernseher tatsächlich mit hochauflösendem Material vom HD-Receiver oder Blu-ray-Player, muss die Elektronik die eingehenden Bilder nicht mehr auf eine andere Auflösung umrechnen, sondern kann die eingehenden Daten 1:1 weiterverarbeiten – vorausgesetzt, der eingesetzte Bildprozessor ist leistungsfähig genug.
Letzteres ist nicht selbstverständlich, denn viele der in Full-HD-Fernsehern eingesetzten Bildprozessoren waren bislang nicht in der Lage, sämtliche Bildoptimierungen mit voller Auflösung zu rechnen. So wird beispielsweise die für die 100-Hz-Technik notwendige Zwischenbildberechnung teilweise nicht mit der vollen, sondern nur mit kleineren Auflösungen wie 720p durchgeführt. Solche „Mogeleien“ brauchen den Zuschauer aber nur dann zu stören, wenn sie sich sichtlich auf die Bildqualität auswirken, also etwa zu Unschärfe, Ruckeln oder Artefakten führen.
Im Anschnitt
Als mehr oder weniger großes Ärgernis bei Flachbildfernsehern gilt der Overscan: Trotz digitaler Eingangssignale blähen die meisten Fernseher das Bild etwas auf, um es vor der Ausgabe rundum um etwa fünf Prozent zu beschneiden – die einen mehr, die anderen weniger. Besonders unschön wird die Maßnahme, die noch aus vordigitaler Zeit stammt, wenn das Bild dabei unsymmetrisch skaliert wird, sodass es zu einer verzerrten Darstellung kommt und beispielsweise kreisrunde Senderlogos oval erscheinen.
Bei allen fünf getesteten Modellen lässt sich der Overscan zumindest bei Videosignalen, die der physikalischen Auflösung des Displays entsprechen, abschalten. Panasonic ermöglicht es dem Anwender, den Overscan im Systemmenü grundsätzlich abzuschalten. Alle anderen Testkandidaten aktivieren die Abschaltoption nur bei Einspeisung von HD- oder PC-Signalen und verbergen sie hinter Namen wie Vollpixel, Punkt für Punkt, nicht skaliert oder Underscan.
Bei Anschluss an einen PC können sich ebenfalls Vorteile durch die höhere Display-Auflösung ergeben. Mit WXGA-Signalen vom PC, die mit 1360 x 768 Bildpunkten um sechs Spalten schmaler ausfallen als die tatsächlich Auflösung der Fernseher (1366 x 768), kamen viele Geräte in der Vergangenheit nicht klar, sodass sich letztlich nur ein 4:3-Format mit 1024 x 768 Bildpunkten sinnvoll nutzen ließ. Bei den Full-HD-Modellen sollte man solche Probleme nicht vermuten, zumal sie die 1920 x 1080 vom Blu-ray-Player klaglos im Vollbildmodus entgegennehmen. Die Praxis sieht weniger rosig aus: Bei analoger Einspeisung akzeptiert nur der Samsung-Bildschirm die 1080er-Auflösung. Immerhin bekommen am digitalen HDMI-Port alle Kandidaten ein Bild zustande – allerdings teils nur mit gutem Zureden und nicht alle in überzeugender Qualität.
Kaum Spielfreude
Die hohe Auflösung lädt obendrein dazu ein, den großen Bildschirm zum Spielen am PC zu verwenden. Bei eingeschalteter Bildoptimierung entstehen jedoch Latenzen bis zu einigen Hundert Millisekunden, die kein schnelles Spielen zulassen. Man rutscht dann durch die Spiellandschaften, als bewege man sich auf Eis. Als wichtigste Voraussetzung zum Spielen gilt es deshalb, sämtliche Bildoptimierungen abzuschalten, um solche Verzögerungen zu minimieren. Trotzdem kommt bei keinem Fernseher richtige Spielfreude auf. Kanten ziehen bunte Fahnen hinter sich her und wichtige Details verwischen bei der kleinsten Bewegung. Lediglich auf dem Modell von Panasonic lässt es sich ansatzweise flüssig spielen.
Wir konfrontierten die Testkandidaten mit HD-Videosignalen in 1080i, 1080p sowie 1080p/24 und PC-Signalen; zusätzlich fütterten wir sie mit Standard-DVD-Bildern. Alle getesteten Modelle sind mit einem analogen Kabel- und einem digitalen DVB-T-Tuner ausgestattet. Sonys KDL-32E4000 bietet darüber hinaus einen DVB-C-HD-Empfänger fürs digitale Kabel. Grundsätzlich ist die Bildoptimierung der Fernseher inzwischen so gut, dass viele Unzulänglichkeiten wie starkes Rauschen und übertriebene Farben von den Fernsehern weitgehend ausgemerzt werden. Gegen Klötzchenartefakte bei schnellen Kameraschwenks im DVB-T-Betrieb sind sie aber machtlos, diese treten im Gegenteil mit aller Deutlichkeit zu Tage.
Wir überprüften auch die Audioeigenschaften der Geräte. In dieser Größenklasse sollte man schon ein gewisses Klangvolumen erwarten können, das den Kanonendonner der karibischen Piraten nicht einfach wirkungslos verpuffen lässt und die Atmosphäre eines Madonna-Konzertes nicht in einen Schuhkarton verfrachtet.
Als Sonderausstattung besitzen die Fernseher von Philips, Samsung und Sony einen USB-Port, an den sich ein externes Speichermedium – USB-Stick oder -Festplatte – anschließen lässt, um Bilder, Musik oder sogar MPEG-Videos wiederzugeben. Der Panasonic TX-32LZD85F besitzt hierfür einen SD-Kartenschacht. An der Rückseite des 32PFL9603D von Philips befindet sich zudem ein Ethernet-Anschluss, über den sich der Fernseher zum Abspielen von Bildern, Musik und Videos ins Heimnetz einbinden lässt.
Dass der Energieverbrauch der Geräte an Bedeutung gewinnt, spiegelt sich sogar in den Menüs wider, die teilweise bereits Maßnamen zum Energiesparen anbieten. Im Normalbetrieb verbrauchen die 32-Zöller je nach Gerät und Helligkeitseinstellung zwischen 80 und 130 Watt. Mindestens ebenso wichtig ist der Verbrauch im Standby sowie im ausgeschalteten Zustand. Erfreulich: Die Werte im Standby lagen nahezu durchweg unter einem Watt und im ausgeschalten Zustand teils sogar deutlich darunter (siehe Balkendiagramm auf Seite 122 in c't 13/08).
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 13/2008. (pen)