Innenausbau

Prozessor zu lahm, Festplatte voll, Speicher zu klein? Es muss nicht gleich ein neues Notebook her, wenn das aktuelle den gewachsenen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Eine Runderneuerung wie bei Desktop-PCs ist zwar nicht möglich, aber einige Komponenten lassen sich einfach wechseln. Die Auswahl der passenden Bauteile gestaltet sich allerdings ähnlich kompliziert, die Beschaffung sogar teils schwerer.

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Inhaltsverzeichnis

Schon längst hat sich ein Markt für Notebook-Bauteile gebildet – jeder größere Händler hat Mobilprozessoren, Notebook-Speicher (SO-DIMMs), 2,5-Zoll-Festplatten und oft sogar exotischeres wie SlimLine-Laufwerke oder die kleinen WLAN-Kärtchen im Angebot. Die Anwender profitieren dabei vom Kostendruck auf die Notebook-Hersteller, der diese dazu zwingt, mehr auf Standards zu setzen. So sparen sie sich den Aufwand, proprietäre Techniken zu entwickeln und können schneller zwischen Zulieferern wechseln. Dieser Trend setzt sich fort: Als nächstes könnte die Verbindung zwischen Display und Grafikchip betroffen sein – die aktuelle LVDS-Schnittstelle ist nicht flexibel genug, als dass Panels ohne Weiteres zwischen verschiedenen Notebook-Modellen austauschbar wären.

Dieser Artikel beschreibt, welche Komponenten nach aktuellem Stand der Technik wechselbar sind, wie man die passenden Bauteile findet und welche Vorteile vom Umbau zu erwarten sind. Im Artikel ab Seite 96 (c't 14/08) zeigen wir ausführlich bebildert, wie Sie Ihr Notebook bis zur notwendigen Stufe zerlegen – und danach wieder zusammensetzen.

Die Aufrüstbarkeit stößt dort an ihre Grenzen, wo kein Industriestandard oder Formfaktor existiert, beispielsweise bei Hauptplatinen, Touchpads oder Tastaturen. Zudem wollen die Hersteller sich voneinander abgrenzen und das lukrative Zubehörgeschäft nicht der Konkurrenz oder Drittanbietern überlassen, sodass es wohl kaum Standards für Wechselschachtmodule, Docking-Stationen, Akkus, Netzteile oder Gehäuse geben wird.

Dass solche Teile dann manchmal doch zwischen unterschiedlichen Marken austauschbar sind, liegt daran, dass deren Anbieter beim gleichen Barebone-Produzenten (ODM) einkaufen. Doch die Intention der Hersteller liegt in der Kostenersparnis bei Design und Produktion, nicht in einem Wartungsvorteil fĂĽr die so fernen Endkunden, sodass letztere davon bestenfalls mit immenser Sachkenntnis profitieren.

Durch das Basteln am Notebook entsteht ein gewisses Risiko, Gewährleistungs- und Garantieansprüche zu verlieren. Zwar gibt es meist nur dann Probleme, wenn der Schaden, den man reklamieren möchte, mit einem unsachgemäßen Umbau zusammenhängt, doch gerade wer viel Geld in eine Garantieerweiterung gesteckt hat, sollte sich deren Bedingungen genau durchlesen.

Bei der gesetzlichen Gewährleistung, für die der Händler geradesteht, ist meist der Umbau von denjenigen Teilen unkritisch, die direkt unter einer Klappe zu finden sind oder deren Austausch im Handbuch beschrieben sind: hauptsächlich Speicher und Festplatte. Fällt beispielsweise das Display aus, muss der Händler auch dann für Ersatz sorgen, wenn der Anwender eigenen Speicher eingebaut hat – außer der Händler kann nachweisen, dass der Schaden gerade dadurch angerichtet wurde.

Den Rücktritt vom Kaufvertrag (Wandlung), im Allgemeinen nach drei fehlgeschlagenen Reparaturversuchen möglich, kann ein Händler allerdings verweigern, wenn sich das Notebook nicht im Originalzustand befindet, also wenn der Anwender die ausgetauschten Komponenten mittlerweile weiterverkauft hat. Möchte man sein frisch gekauftes Notebook selbst auf 4 GByte aufstocken, weil einem die Option beim Hersteller zu teuer ist, sollte man daher den Originalspeicher zumindest das erste halbe Jahr der Gewährleistung lang aufbewahren – die entnommene Mindestbestückung von 1 x 512 MByte wäre auf dem Gebrauchtmarkt eh nur noch ein paar Euro wert.

Anders sieht es jedoch bei der Garantie aus; diese kann der Hersteller an völlig frei gestaltete Bedingungen knüpfen. Weil die Garantieleistungen meist über die der Gewährleistung (alleine schon zeitlich) hinausgehen, schließen viele Hersteller Umbauten durch den Benutzer aus. Einige geben sich aber auch ähnlich kulant wie im Gewährleistungsfall: Sofern ein Schaden nicht in Zusammenhang mit einem Eigenumbau steht, wird das Notebook repariert. Oftmals finden sich entsprechende Passagen im Handbuch, manchmal unter dem Stichwort CRU (customer replaceable unit), spätestens aber in den Garantiebedingungen. Wer sich diese Unsicherheiten ersparen möchte – gerade im Hinblick auf die Sicherheit, die man sich ja durch Garantieerweiterungen kaufen möchte –, lässt die gewünschten Umbauten von einer Fachwerkstatt durchführen.

Damit umgeht man ein weiteres Problem des Notebook-Umbaus: Auch bei sorgfältiger Auswahl der neuen Komponenten kann es vorkommen, dass das eigene Notebook sie nicht mag. Zwar verbessert sich die Standardkonformität mit jeder Gerätegeneration, aber wie weit das eigene dabei schon fortgeschritten ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Ein Umtauschrecht sollte man mit dem Händler also vereinbaren oder direkt online bestellen und nach misslungener Umbauaktion das 14-tägige Rückgaberecht nutzen. Oder man beauftragt eben direkt eine Fachwerkstatt mit Kauf und Einbau der Komponenten. Einige Händler verkaufen beispielsweise schon gar keine einzelnen Notebook-Speichermodule mehr, bieten aber dafür den kostenlosen Einbau samt Test an.

Die in vielen Fällen einfachste und erfolgversprechendste Möglichkeit, ein älteres Notebook zu beschleunigen, ist der Einbau von mehr Hauptspeicher. Der Schritt auf 1 oder 2 Gigabyte macht sich deutlich bemerkbar, und wer umfangreiche oder gleichzeitig mehrere Anwendungen nutzt, profitiert auch von einem noch größeren Hauptspeicher.

Alle aktuellen Notebooks benötigen SO-DIMMs nach DDR2-Standard. Die Geschwindigkeitsstufe DDR2-800 (PC2-6400) wird erst von zukünftigen Bausteinen unterstützt, nämlich AMDs Anfang Juni vorgestelltem Turion X2 Ultra (Puma) und Intels für Juli erwarteten P45/G45-Chipsätzen (Montevina). Mit allen anderen Notebooks kann man bei DDR2-667 (PC2-5300) bleiben. Für ältere Systeme reicht DDR2-533 (PC2-4300), und auch neuere dürften damit kaum messbar langsamer laufen, aber der Preisvorteil ist marginal – momentan kostet 1 GByte 533er-Speicher sogar einen Euro mehr als 667er. Die jeweils schnelleren Module laufen auch bei niedrigerem Takt störungsfrei.

In einigen älteren Notebooks kommen noch DDR- beziehungsweise DDR1-SO-DIMMs zum Einsatz. Die Module sind inzwischen rund doppelt so teuer wie DDR2, doch untereinander austauschbar sind die Techniken nicht. Die meisten Notebooks mit Intels Pentium 4 benötigen DDR-Speicher, der Umschwung zu DDR2 geschah mit den Centrino-Geräten (Pentium M, Core, Core 2). In Notebooks mit AMD-Prozessor kam DDR-Speicher noch etwas länger zum Einsatz, auch ein paar Pentium-M-Notebooks mit DDR-Speichersockeln sind im Markt. Sogar einige Geräte mit der Vorgängertechnik PC133 dürften noch funktionsfähig sein. Allerdings kosten PC133-SO-DIMMs mittlerweile fast achtmal so viel wie DDR2-Module, sodass sich das Aufmöbeln dieser alten Kisten weniger lohnt.

Meist lässt sich per Software feststellen, welcher Speicher im Notebook steckt. Allerdings darf man sich nicht auf Windows-Bordmittel verlassen: Der Gerätemanager führt unter „Speichercontroller“ nur Festplatten-Controller auf, in der System-Sicht findet man nur die Menge des Hauptspeichers. Stattdessen geben Tools wie CPU-Z oder Everest (siehe Soft-Link) genauere Auskunft.

CPU-Z zeigt auf der Seite „SPD“ genau an, welches Modul in welchem Slot steckt, hier ein PC2-4300-Riegel (DDR2) mit 1 GByte. Auf der Seite „Memory“ steht – allerdings nicht zu 100 Prozent zuverlässig –, ob der Speicher im Interleave-Modus („Dual“) läuft oder nicht („Single“).

Letzte Zweifel beseitigt ein Blick auf die eingebauten Module. DDR2-Module tragen ein „PC2-“ vor der Geschwindigkeitsangabe (PC2-5300), DDR-Module heißen „PC2700“, nur „2100“ oder ähnlich. Vor dem Bestellen sollte man sein Notebook sowieso aufschrauben, denn erstens erkennt man nur so die in einigen Subnotebooks eingesetzten Mini- und Micro-SO-DIMMs (sie sind deutlich schmaler als die 6,7 cm breiten DDR- und DDR2-Module), und zweitens erfährt man die Position und Zahl der Steckplätze: In den allermeisten Notebooks findet man direkt unter einer Bodenklappe zwei Sockel; falls nicht, muss man die Tastatur abmontieren. Viele Subnotebooks haben nur einen Speicher-Slot, oftmals ist dann weiterer Speicher unerweiterbar aufs Mainboard gelötet. Einige wenige ältere 17-Zoll-Riesen haben vier Speichersteckplätze.

Im Allgemeinen sollte man zwar zwei identische Speichermodule einbauen – der Handel bietet DDR2-Kits in allen interessanten Größen an –, aber ein Dogma ist das nicht mehr. Viele Intel-Chipsätze und AMD-Prozessoren fahren beim Einsatz von zwei identischen Modulen automatisch einen Geschwindigkeit steigernden Interleave-Modus, doch fällt der Vorteil meist kaum messbar und nicht wahrnehmbar aus. Wenn ein Notebook mit Chipsatz-Grafik ein oder zwei Displays mit hoher Auflösung ansteuert und dabei speicherintensive Berechnungen oder 3D-Spiele durchführt, kann der Interleave-Modus eine leichte Beschleunigung bewirken. In allen anderen Fällen dürfte er aber während der Notebook-Lebensdauer weniger Zeit einsparen, als das Lesen dieses Artikels gedauert hat.

Je neuer das Notebook und je geringer die Modulkapazität sind, umso wahrscheinlicher arbeiten verschiedene Module (sogar mit unterschiedlicher Kapazität) einhellig nebeneinander. Die Kombination eines alten Originalmoduls mit einem nagelneuen könnte jedoch problematisch werden [1].

Die maximal einsetzbare Modulkapazität lässt sich nicht immer zweifelsfrei bestimmen. Einerseits sind mittlerweile Module auf dem Markt, die beim Erscheinen älterer Chipsätze und Notebooks nicht erhältlich waren, aber trotzdem funktionieren, sodass das Notebook doppelt so viel Speicher verträgt als in den Datenblättern angegeben. Andererseits sind für die Maximalbestückung mancher Chipsätze Module mit einem speziellen Aufbau notwendig, die vielleicht nicht mehr aufzutreiben sind. Die verfügbaren Module werden von diesen Systemen dann nur mit halber oder noch geringerer Kapazität erkannt.

Die bei einigen Händlern schon verfügbaren DDR2-SO-DIMMs mit 4 GByte dürften in vielen Notebooks mit dem Intel Mobile 965 oder ATI Radeon Xpress 1250 funktionieren. Mit zwei 2-GByte-Modulen laufen Intels 945-Chipsätze (außer den Sparversionen 945 GMS/GSE) sowie ATIs Xpress 1100 und 200M. Die Notebooks mit Intels 915- und 855-Chipsätzen sind auf 2 GByte (915 GMS: 1 GByte) beschränkt, noch ältere mit 815er-Chipsätzen auf 512 MByte.

Doch selbst die Kenntnis der theoretischen und praktischen Fähigkeiten des Speicher-Controllers führt nicht zu absoluter Sicherheit beim Modulkauf, denn ein nachlässiges Boarddesign oder unzureichende BIOS-Anpassungen können den Betrieb einiger Module verhindern. Bei AMD-Systemen sitzt der Speicher-Controller übrigens nicht im Chipsatz, sondern im Prozessor, aber die Unklarheiten sind ähnlich. Immerhin dürften die meisten Athlon- und Turion-Notebooks problemlos 4 GByte vertragen.

Nicht alle Konflikte äußern sich direkt in einem nicht startenden oder beim Booten abstürzenden Notebook, sodass nach einem Umbau Zuverlässigkeitstests unabdingbar sind. Dazu eignen sich spezielle Speichertest-Programme wie Memtest86+ (siehe Soft-Link). Sie finden zwar nicht mit absoluter Sicherheit alle Speicherfehler, aber wenn sie was finden, liegt irgendwas im Argen. Um vorhandene von neuen Konflikten zu unterscheiden, sollte man einen Testlauf vor dem Umbau durchführen.

Bei Problemen gibt es wenige Möglichkeiten zur Einflussnahme, weil praktisch kein Notebook im BIOS-Setup Parameter zum Einstellen der Speicher-Timings hat. Mehr als ein BIOS-Update einzuspielen und die Module zu vertauschen oder testweise einzeln einzubauen, kann man nicht tun.

Wer keine Lust auf diese Experimente hat, kauft Speichermodule entweder direkt beim Notebook-Hersteller oder bei einem Modulanbieter, der für einzelne Geräte validierte Module im Programm hat – eine riesige Auswahl bietet beispielsweise Kingston (siehe Soft-Link).

BestĂĽckungen mit mehr als drei Gigabyte funktionieren aufgrund der Eigenheit von PC-Systemen, den Bereich zwischen drei und vier Gigabyte fĂĽr PCI-Peripherie (einschlieĂźlich AGP-/PEG-Grafikkarten) zu reservieren, nur unter bestimmten Voraussetzungen: Speicher-Controller und BIOS mĂĽssen das Remapping des dort liegenden Hauptspeichers auf Adressen oberhalb von vier Gigabyte unterstĂĽtzen, ein 64-Bit-Betriebssystem muss installiert sein und der Prozessor muss die 64-Bit-Befehle kennen.

Von Intels Mobilprozessoren sind der Core 2 Duo, die 500er-Reihe des Celeron M und die T2300-Modelle des Pentium Dual Core 64-Bit-tauglich. Der Core Duo und der Pentium Dual Core T2000/T2100 kennen keine 64-Bit-Befehle. Das Memory Remapping beherrschen allerdings nur die aktuellen Intel-Chipsätze Mobile GM965 und Mobile PM965 (Santa Rosa).

Unabhängig vom Chipsatz unterstützen hingegen alle Notebooks mit den AMD-Prozessoren Athlon 64 und Turion 64 inklusive älterer Einkern-Varianten sowohl 64-Bit-Befehle als auch Memory Remapping – wenn das BIOS mitspielt. Der Mobile Sempron ist anders als sein Desktop-Verwandter auf 32 Bit beschränkt.

Auf Betriebssystemseite macht Mac OS X am wenigsten Probleme, weil auch auf Systemen mit weniger als vier Gigabyte der 64-Bit-Kernel mit installiert wird. Die 32-Bit-Versionen von Windows Vista und Linux lassen sich nicht auf 64 Bit umbauen, sondern erfordern eine Neuinstallation. Das klappt immerhin weitgehend problemlos, wie der Schwerpunkt in c't 8/08 gezeigt hatte. Ein 64-Bit-Vista der gleichen Geschmacksrichtung (Ultimate, Home etc.) wie die installierte 32-Bit-Version lässt sich zwar legal mit deren Produktschlüssel betreiben, aber derzeit gibt es keinen Weg, sich kostengünstig eine Installations-DVD zu beschaffen – man ist also auf 64-Bit-Pioniere im Bekanntenkreis angewiesen. Die Installation der 64-Bit-Version von Windows XP erscheint nicht ratsam.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 14/2008.

[1] Christof Windeck, Grenzüberschreitung, Desktop-PCs und Notebooks mit 4 GByte Hauptspeicher – und mehr, c't 8/08, S. 106

Soft-Link

"Notebook-Upgrading"
Artikel zum Thema "Notebook-Upgrading" finden Sie in der c't 14/2008:
Auswahl und Beschaffung der Komponenten S. 88
Notebooks auseinandernehmen und zusammensetzen S. 96

(jow)