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Von
  • Herbert Braun
Inhaltsverzeichnis

http://pixsta.com

Die überwiegend männlichen c't-Leser werden vielleicht noch nicht bemerkt haben, dass einige Modesites neuerdings eine Produktsuche anbieten, welche die Handtaschen- und Schuhkäuferin ebenso beglückt wie den Technik-Aficionado: Die Suchmaschine von Pixsta analysiert Bilder nach Formen und Farben und sucht die dazu ähnlichsten heraus. In Deutschland ist das unter anderem auf der Website der Gala zu sehen.

Auf einem Gebiet, bei dem es in erster Linie um das Aussehen geht, ergibt eine visuelle Suche natürlich mehr Sinn als eine nach Begriffen. In dem vergleichsweise homogenen Umfeld von Produktfotos bringt es Pixsta denn auch auf ordentliche Ergebnisse, vor allem in Kategorien mit großer Auswahl – auch wenn sich der Dienst ebenso wie jede andere Suchmaschine den einen oder anderen Lapsus leistet: Warum die pinkfarbene Handtasche und die klobige Damenuhr dem Bikini-Unterteil ähneln sollen, wissen wohl nur die Entwickler. Murks ist dagegen die in die Site eingebettete Textsuche. Als Nächstes will der Londoner Online-Dienst seine Aktivitäten auf andere Produktkategorien ausdehnen und auch Videos auswerten. (heb)

http://goosh.org

Es kommt einem fremd und vertraut zugleich vor: schmuckloser Text in Schreibmaschinen-Type und ein blinkender Cursor, der auf die Eingabe wartet. Nur, dass das nicht die Unix-Shell oder die Windows-Eingabeaufforderung ist, sondern eine Website. Und statt Verzeichnisse zu wechseln, Dateien zu löschen oder Prozesse zu killen hilft goosh Tastaturfreunden beim Schnellzugriff aufs Web.

Das ist eine hübsche Technikspielerei, aber zugleich auch eine innovative Anwendung mit praktischem Nutzen. Gesteuert von einigen kurzen Kommandos zapft die Google-Shell die diversen Funktionen der Suchmaschine an und öffnet die Trefferseiten. Etwa zwei Dutzend Anweisungen hat der Benutzer zur Verfügung, die sich (wie es sich für eine echte Shell gehört) per „h“ oder auch „man“ auflisten lassen.

Die Ajax-Anwendung von Stefan Grothkopp hat übrigens mit Google nichts zu tun. Geplant ist die Veröffentlichung einer unkomprimierten Version des JavaScripts, mit deren Hilfe externe Entwickler leichter Erweiterungen für goosh schreiben können. (heb)

http://280slides.com
http://s5project.org

Bunte Diagramme mit Umsatzprognosen und Marketing-Sprechblasen sind nicht länger auf PowerPoint angewiesen: 280Slides bringt die Erfolgsfolien in den Browser. Bietet dieser einen Vollbild-Modus, kann die 280Slides-Präsentation durchaus neben dem Microsoft-Klassiker bestehen.

Anders als Eric Meyers S5, das Webseiten mit Hilfe von etwas CSS und JavaScript in Bildschirmpräsentationen verwandelt, übernimmt 280Slides auch das Editieren der Dokumente. Eine Gemeinsamkeit mit S5 ist leider die fehlende Unterstützung von Opera, aber Internet Explorer, Firefox und Safari editieren und zeigen die Präsentationen klaglos.

Die Textkästen und Vektorformen (darunter die beliebten Flussdiagramm-Pfeile) lassen sich durch Fertig-Hintergründe, Bilder und Videos aufpeppen. Dafür zapft der Dienst auch die Online-Schätze von Flickr und YouTube an.

Die fertigen Argumentationshilfen exportiert 280Slides im PowerPoint-Format oder hostet sie online, von wo man sie auch auf anderen Websites einbinden kann. Sympathischerweise ist die kostenlose und sehr knappe Registrierung erst beim Speichern erforderlich. Fehlen eigentlich nur noch die Social-Web-Funktionen fĂĽrs kollektive PowerPoint-Karaoke. (heb)

http://wordle.net

Sind Tag-Wolken als Navigationshilfen nützlich? Keine Ahnung, aber sie sehen gut aus. Wordle lässt das mit dem Navigieren lieber gleich ganz weg und setzt dafür Maßstäbe bei der visuellen Gestaltung solcher Wortwolken. Das Rohmaterial dafür kommt von einem eingegebenen Text, aus dem Wordle nach dem Ausfiltern von Stoppwörtern (Artikel, Pronomen und dergleichen) die häufigsten Begriffe herausfischt; alternativ taugen als Quelle die Tags, die der Nutzer in seinem del.icio.us-Benutzerprofil vergeben hat.

Bei der Aufbereitung hat man die Wahl zwischen zwei Dutzend Schriftarten und etlichen Farbschemata. Vor allem aber stehen die Begriffe nicht einfach hintereinander wie in einer typischen Tag-Wolke, sondern können sich in Kombinationen von horizontal und vertikal oder in beliebige Richtungen anordnen.

Sein philosophisch nutzfreies Wortkunstwerk kann der Anwender in einer Galerie speichern und in seine Website einbinden. Über die Druckfunktion ist auch der Export als PostScript möglich, was der Wortwolke zum Beispiel den Weg aufs eigene T-Shirt eröffnet. Das Projekt eines IBM-Mitarbeiters kennt auch Listen von persischen Stoppwörtern oder hebräische Schriftzeichen – und entkräftet ganz nebenbei das Vorurteil, Java-Applets seien langsam und sähen altbacken aus. (heb)

http://stockflock.de

Nachher haben es alle schon vorher gewusst. Die Prognosen der Börsengurus bringen manchen Kleinanleger dazu, sein Sparschwein zur Bank zu tragen. Doch wie zuverlässig sind die Aktien-Vorhersagen von Profis und Laien?

Stockflock gleicht die Prognosen von gestern mit den Kursen von heute ab – mit nicht immer schmeichelhaften Ergebnissen für die Investmentbanker. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit macht der Dienst auf einen Blick sichtbar. Details der Analyse helfen dem Anwender dabei, sich künftig den richtigen Berater für seine Investitionen auszusuchen.

Das muss nicht unbedingt ein Profi sein: Auf Stockflock darf jeder Analyst spielen und auf Kursentwicklungen wetten. Als echte Web-2.0-Site bietet der Dienst User-generated Content und Social Networking. Wenn sich aber der Aktienpreis ganz anders entwickelt als erwartet, könnte freilich ganz schnell Schluss sein mit der Online-Freundschaft unter Hobby-Börsianern. (heb)


Die Websites aus c't 14/2008