Will ich Billig?

Die Preise von Notebooks fallen weiter: Inzwischen bekommt man schon ab 330 Euro vollwertige Rechner mit 15,4-Zoll-Bildschirm und normal groĂźer Tastatur. Doch wie steht es um Rechenleistung, Verarbeitung und Laufzeit?

vorlesen Druckansicht 67 Kommentare lesen
Lesezeit: 13 Min.
Inhaltsverzeichnis

Die Einstiegspreise für Notebooks fallen seit Jahren kontinuierlich. Kosteten Billig-Notebooks anno 2006 etwa 700 Euro, so gab es Ende 2007 eine ähnlich große Auswahl schon um 500 Euro – und für diesen Test haben wir acht Kandidaten unter 450 Euro gefunden.

Acer stellt das Extensa 5220, Asus ein X51RL. Von Dell erreichte uns ein Vostro 1510; im Test sind auch HPs 530 und Lenovo 3000 N200. Medion schickte das Akoya MIM2310, MSI das Megabook VR610. Zeptos Titan A15 rundet das Feld ab und ist gleichzeitig mit 329 Euro das günstigste Gerät im Test. Die meisten anderen kosten um 400 Euro.

Mit den Netbooks gibt es Rechner, die noch günstiger sind; ihre Preise starten bei 200 Euro [1–4]. Diese schwachbrüstigen Mini-Notebooks eignen sich eher für die gelegentliche Nutzung unterwegs; unsere Billigklasse hier macht dagegen auch auf dem Schreibtisch eine gute Figur. Die großen 15,4-Zoll-Bildschirme der Testgeräte zeigen allesamt 1280 x 800 Bildpunkte, was zum täglichen Arbeiten wesentlich angenehmer ist als die kleinen, niedrig auflösenden Displays der Netbooks. Zudem sind die Tasten so groß wie bei Desktop-Tastaturen.

Die Testgeräte repräsentieren nur eine Auswahl der für unter 450 Euro erhältlichen Notebooks: Es sind die, die über einen etwas längeren Zeitraum erhältlich sind. Im selbem Preisrahmen findet man auch Abverkäufe auslaufender Notebook-Modelle namhafter Hersteller oder Aktionsposten wie die des norddeutschen Händlers One, doch dieses Angebot ändert sich quasi stündlich: Wenn ein Händler die Palette abverkauft hat, gibt es das Gerät auch nicht mehr.

Andere Bildschirmgrößen als 15,4 Zoll sind selten, sowohl kleinere als auch größere Notebooks kosten etwas mehr. Einzig Dell kann mit seinem 13,3-Zoll-Notebook Vostro 1310, dem kleinen Bruder des hier getesteten 1510, die Schwelle von 450 Euro unterbieten [5].

Die im Testfeld vertretenen Einkern-Prozessoren AMD Sempron und Intel Celeron M erreichen zwar nicht die Rechenleistung eines Turion 64 X2 oder eines Core 2 Duo, doch für alltägliche Büroarbeiten und das Abspielen von Musik und Videos genügen sie. Auch anspruchsvollere Aufgaben wie Raw-Foto-Konvertierung oder das Herunterrechnen einer Video-DVD sind möglich, doch dafür sollte man mehr Zeit einplanen. Doppelkern-Prozessoren, denen so etwas deutlich schneller von der Hand geht, findet man üblicherweise erst in teureren Notebooks, doch mit Dells Vostro 1510 und Medions Akoya MIM2320 sind zwei Notebooks vertreten, die Dual-Core-Performance für 449 Euro bieten. Alle anderen Testgeräte gibt es ebenfalls mit Doppelkern-Prozessoren, natürlich für mehr Geld. Dann gibt es auch mehr Speicherplatz: In den billigsten Geräten stecken SATA-Platten mit lediglich 80 GByte, die immerhin nicht langsamer sind als solche mit höheren Kapazitäten.

Während Spiele mit 2D-Grafik wie Solitaire oder Moorhuhn auf allen Notebooks laufen, überfordern solche mit 3D-Grafik das Testfeld. Die Chipsatzgrafik ATI Radeon Xpress 1100/ 1200 und aktuelle Varianten von Intel stellt ältere Titel wie World of Warcraft bei heruntergeregelten Details ruckelfrei dar, den veralteten Artgenossen SiS Mirage 3 (Zepto) oder VIA Chrome 9 (Medion) gelingt hingegen nicht mal das. Kein Chipsatz kann die Prozessoren bei der Dekodierung von HD-Videos unterstützen – was aber kein Beinbruch ist, denn Blu-ray-Laufwerke findet man in der Billigklasse nicht mal gegen Aufpreis. Für aktuelle Spiele mit detail- und effektreichen 3D-Welten braucht man zwingend einen separaten Grafikchip; damit ausgestattete Notebooks kosten je nach Anspruch und Ausstattung den zwei- bis zehnfachen Preis der hier getesteten Geräte.

WLAN nach IEEE 802.11b/g gehört inzwischen zur Grundausstattung eines jeden Notebooks, die schnellere Draft-N-Versionen oder Bluetooth zum drahtlosen Koppeln eines Handys hingegen nicht. Digitale Monitorausgänge, eingebautes UMTS und das schnelle eSATA für externe Festplatten sucht man im Testfeld vergeblich, FireWire fehlt bei der Hälfte. HP und Medion halten auch einen Speicherkartenleser für verzichtbar; die in den anderen Notebooks zeigen deutliche Geschwindigkeitsunterschiede. Acers Extensa 5220 hat sowohl einen CardBus- als auch einen neueren ExpressCard-Schacht für Erweiterungskarten; bei allen anderen Notebooks gibt es jeweils nur einen der beiden. Die digitale Ausgabe von Audio per SPDIF beherrscht nur MSIs Megabook VR610.

Normalerweise werden Notebooks nur zusammen mit brauchbaren Betriebssystemen ausgeliefert, aber nicht so hier: Bei Lenovo und Zepto waren die Festplatten völlig leer. Bei anderen fanden wir das Feigenblatt-Betriebssystem FreeDOS, das nach dem Starten nur einen schwarzen Bildschirm mit blinkender Eingabeaufforderung zeigt – zum Arbeiten unbrauchbar. Medion liefert sein Notebook immerhin mit Vista Home Premium aus; Dell lässt alternativ auch Windows XP zu. Unsere Testkonfiguration von Acers Extensa 5220 erreichte uns mit Vista Home Basic, es gibt aber auch Varianten mit Windows XP. Das Modell mit Linpus-Linux-Installation ist so untauglich wie ein FreeDOS-Gerät.

Zusätzlich zu den Gerätekosten müssen Käufer, die Windows nutzen wollen, also je nach Notebook weitere 70 Euro oder mehr für eine System-Builder-Version des gewünschten Betriebssystems ausgeben – ein beträchtlicher Aufpreis von 15 bis 20 Prozent. Wer dieses Geld sparen möchte und keine alte Lizenz recyceln kann [6], der kann sein Glück mit einem kostenlosen, vollwertigen Linux inklusive grafischer Oberfläche versuchen: Der Artikel ab Seite 94 zeigt, wie sich die Testkandidaten unter dem freien Betriebssystem schlagen und wie man Klippen umschifft.

Wir haben die meisten unserer Benchmarks unter Windows Vista Ultimate mit Service Pack 1 ausgeführt. Bei einigen Geräten, die ohne Betriebssystem verkauft werden, stellt die Windows-Installation bereits die erste Hürde dar, denn nur Asus, Dell, MSI und Zepto legen Treiber-CDs bei. HP und Lenovo gehen hingegen davon aus, dass der Käufer einen Internetzugang besitzt und sich die Treiber herunterladen kann.

Zumindest bei Lenovo ist dies komfortabel gelöst, denn man muss lediglich das Hilfsprogramm System Update installieren, welches anschließend eigenständig die Server nach passenden Treibern und weiteren Hilfsprogrammen durchsucht und alle automatisch installiert. Bei HP muss man hingegen mühselig jeden Treiber einzeln von Hand herunterladen und einspielen. Die Treiber für die Netzwerkkarten sind zumindest in Vista enthalten, sodass man keinen anderen Rechner zum Herunterladen benötigt – auch wenn wir aus Sicherheitsgründen empfehlen, das Notebook erst ans Internet zu hängen, wenn eine Firewall und ein aktueller Virenscanner darauf installiert sind.

Zusätzlich installierten wir auf allen Notebooks auch Windows XP Professional mit Service Pack 2 und aktualisierten diese Installation mit dem Service Pack 3. Die Installation von XP legt einen entscheidenden Stolperstein mehr in den Weg, denn im Unterschied zu Vista fehlt XP die AHCI-Unterstützung, sodass die Installationsroutine je nach Notebook und Chipsatz mitunter die SATA-Platte nicht findet – und nicht immer lässt sich der AHCI-Modus im BIOS abschalten. Weiterführende Hilfestellung zu diesem Problem finden Sie in [7].

Vista hat mit dem zu den Editionen Home Premium und Ultimate gehörenden Media Center eine Abspielsoftware für Video-DVDs an Bord; bei anderen Editionen und bei Windows XP benötigt man zusätzliche Software. Asus und MSI legen ihren Notebooks Abspielsoftware auf CD bei. Bei Acer gehört sie nur zur Vorinstallation: Den Modellen des Extensa 5220 ohne Betriebssystem fehlt sie, denn Datenträger liefert der Hersteller grundsätzlich nicht mit. Bei HP und Lenovo kann der Käufer eine DVD-Player-Software von den Support-Webseiten laden, bei Zepto für drei Euro Aufpreis mitbestellen.

Beim Abspielen von Video-DVDs hielten die Notebooks unter Windows XP etwas länger durch als unter Vista – mit XP bekommt man also mitunter das Ende des Films noch mit, während man mit Vista hektisch eine Steckdose suchen würde. Bei geringer Prozessorlast konnten wir hingegen keine Unterschiede in der Laufzeit mit den beiden Betriebssystemen messen. Acers Extensa 5220 und Dells Vostro 1510 liefen unter Windows XP allerdings eine halbe Stunde länger als unter Vista; bei MSIs Megabook VR610 war es umgekehrt.

Dells Vostro 1510 sticht mit einer Laufzeit von fast fünfeinhalb Stunden unter Vista und knapp sechs Stunden unter Windows XP aus dem Testfeld hervor – über zwei Stunden länger als das nächstbeste Lenovo 3000 N200. Im Leerlauf bei auf 100 cd/m2 gedimmtem Bildschirm verbraucht das Vostro weniger als 11 Watt, bei voller Display-Helligkeit unter 13 Watt – so geringe Leistungsaufnahmen haben sonst nur Subnotebooks.

Die Geräte von HP und Lenovo genehmigen sich die für 15,4-Zoll-Notebooks üblichen 16 bis 17 Watt, die meisten anderen liegen einige Watt darüber. Der Akku des HP 530 fasst allerdings nur 30 Wh, weshalb das Notebook mit weniger als zwei Stunden nur etwa halb so lange durchhält wie das 3000 N200 mit seinem 57-Wh-Akku. Die denkbare schlechteste Kombination, nämlich eine hohe Leistungsaufnahme bei gleichzeitig geringer Akkukapazität, hat Medion: Das Akoya MIM2320 hält maximal eineinhalb Stunden durch.

Mit 2,5 (HP) bis 2,9 Kilogramm (Asus) Gewicht ohne Netzteil sind die Testgeräte generell eher für den Schreibtisch als für unterwegs gedacht, zumal die Notebooks von Asus und MSI im Akkubetrieb nicht die volle Rechenleistung zur Verfügung stellen. Bei Asus lässt sich die Drosselung beheben, indem man im hauseigenen Stromspar-Hilfsprogramm Power4Gear das Profil High Performance wählt; beim Megabook VR610 von MSI dagegen nicht – unter Vista reicht die Rechenleistung dann nicht mal zum Abspielen einer DVD aus.

Sämtliche Displays zeigen die Notebook-typisch starke Blickwinkelabhängigkeit, schon beim Blick von der Seite invertieren dunkle Farbtöne. Bis auf das Zepto-Gerät sind die Panels aber nicht viel schlechter als bei der Notebook-Mittelklasse. Das Display im Medion-Gerät genügt mit einer maximalen Helligkeit von 126 cd/m2 nur für Innenräume; das Asus-Notebook ist nur im Netzbetrieb heller. Nur Acer und Dell verwenden matte Displays, bei den anderen Geräten stören Reflexionen der Umgebung auf den glatten Panel-Oberflächen. Das Display in Zeptos Titan A15 zeigte ein flirrendes Bild und war zum täglichen Arbeiten unbrauchbar.

Externe Monitore passen an den VGA-Port; die Signalqualität der Testgeräte reicht von gut (Asus) bis sehr schlecht (Lenovo und MSI). Die analogen Audiobuchsen liefern hingegen durchgängig gute bis sehr gute Pegel und hohe Lautstärken – im Gegensatz zu den Lautsprechern, die bei den meisten Kandidaten leise und grundsätzlich bassarm klingen. Viele Boxen sitzen in der Front und strahlen nach unten ab; je nach Unterlage ändert sich so das Klangbild.

Acer, Dell, HP und Lenovo verkaufen ihre günstigsten Notebooks nur mit einem Jahr Garantie statt der üblichen zwei Jahre. Man kann den Garantiezeitraum zwar kostenpflichtig erweitern, doch der Aufpreis dafür, aber auch die Kosten einer Reparatur außerhalb des Garantiezeitraums sind verglichen mit dem Geräteneupreis immens hoch – da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber bei der Standardgarantie bleibt und sich im Falle des Falls nach dem Garantiezeitraum stattdessen ein neues Notebook kauft.

Den besten Service bietet laut unserer jährlichen Service-Umfrage Dell, schlecht haben dagegen Asus und Medion abgeschnitten [8]. Bei der Verarbeitung und den verwendeten Materialien gibt es bei den Testgeräten nichts zu meckern; auch sieht keines übermäßig billig aus – was kaum verwundert, da alle auch in teureren Konfigurationen erhältlich sind.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 16/2008.

[1] JĂĽrgen Rink, Mini-Notebook fĂĽr 299 Euro, Der Asus Eee PC kommt nach Deutschland, c't 24/07, S. 22

[2] Jörg Wirtgen, Der große Mini, Asus Eee PC mit größerem Display und Windows XP, c't 15/08, S. 68

[3] Jörg Wirtgen, Immer dabei, Mini-Notebook Medion Akoya Mini E1210, c't 15/08, S. 34

[4] Florian MĂĽssig, Mini-Billigst-Notebook, Die Eee-PC-Konkurrenten One A110 und A120, c't 14/08, S. 110

[5] Florian MĂĽssig, Gehobelter Klotz, Dells 13,3-Zoll-Notebooks Vostro 1310 mit Slot-in-Laufwerk, c't 14/08, S. 70

[6] Peter Schmitz, Billig, aber legal?, Risiken vermeintlicher Windows-Superschnäppchen, c't 15/08, S. 108

[7] Christof Windeck, Treiber-Implantation, SATA-AHCI-Treiber bei Windows XP nachrĂĽsten, c't 23/05, S. 210

[8] JĂĽrgen Rink, Vertrauensfrage, Service und Support aus der Sicht der Notebook-Nutzer, c't 8/08, S. 122

"Die Billig-Notebooks"
Artikel zum Thema "Die Billig-Notebooks" finden Sie in der c't 16/2008:
Billige Notebooks S. 84
Linux auf Notebooks S. 94

(mue)