Klein, leicht, gĂĽnstig
Das Netbook-Fieber hat die ganze Branche ergriffen: Mittlerweile umfasst das neue Segment der billigen und besonders kleinen Notebooks mit abgespeckter Hardware ein Dutzend Geräte, Tendenz steigend. Wie sich die unterschiedlichen Konzepte bewähren, müssen hier alle derzeit erhältlichen Netbooks zeigen.
Anno 2005 versetzte Nicolas Negroponte die IT-Welt in Aufruhr: One Laptop per Child (OLPC) schob die Entwicklung des kleinen Notebooks XO an, das nur 100 US-Dollar kosten sollte. Auch wenn das OLPC-Notebook für Ausbildungszwecke in Entwicklungs- und Schwellenländern konzipiert war, heute knapp 200 US-Dollar kostet und nur schwer erhältlich ist, hat der ganze Medienrummel deutlich gezeigt, dass auch in den Industrieländern ein Bedarf an kleinen, billigen Mini-Notebooks besteht, der von herkömmlichen günstigen 15,4-Zoll-Geräten nicht befriedigt wird.
Es sollte über zwei Jahre dauern, bis aus dieser Idee ein Produkt wurde, auch wenn sich hinter den Kulissen einiges tat. So versucht VIA schon lange, mit den eher leistungsschwachen C7-Prozessoren interessante Produkte zu entwerfen. Auch waren immer mal wieder Notebook-ähnliche Kleingeräte mit AMDs noch langsamerem Geode zu sehen. Besonders Intel kam die Entwicklung gerade recht: 2006 fiel die Entscheidung, Xscale zu verkaufen und die x86-Plattform so weit abzuspecken, dass die Prozessoren sich für Smartphones eignen, was aber frühestens 2009 passieren dürfte. Die kleinen Notebooks waren dann der ideale Markt, nach den eher glücklosen Ultra Mobile PCs (UMPC) und vor den noch unausgereiften Mobile Internet Devices (MID).
Doch zunächst steckte in Mini-Notebooks nur alte, lahme Hardware. Der Ruhm für das erste marktreife Produkt gebührt Asus für den Eee PC, ein (mehr oder weniger) vollwertiges Notebook für 299 Euro. Er wurde zum Synonym für diese Geräteklasse und zog viel Interesse auch aus unerwarteten Käuferkreisen auf sich. Weil zum Zeitpunkt der Vorstellung im Sommer 2007 den Herstellern schon klar war, dass Intel speziell für diese Art von Notebooks die Atom-Plattform entwickelte – Asus nutzte für seinen Erstling eine Celeron-CPU –, hielten die meisten Konkurrenten die Füße still, sodass nur einige VIA-Notebooks am Eee-Boom teilnahmen.
Erst im Frühjahr 2007 veröffentlichte Intel Details zu Atom und führte den Namen Netbook für diese Gerätekategorie ein. Der Begriff, obwohl von Intel nur für Geräte mit Atom-Prozessor gedacht, etablierte sich schnell als Gattungsbezeichnung auch für Geräte mit VIA C7-M, AMD Geode oder Intel Celeron M. Atom-Netbooks erschienen dann sogar erst im Sommer dieses Jahres, als Asus schon beim zweiten Eee PC angelangt war und bereits die zweite Generation der VIA-Netbooks erschien. Danach ging es Schlag auf Schlag.
Wir haben alle verfügbaren Netbooks hier versammelt: Asus ist mit den Eee-PC-Modellen 701 4G (mitunter auch nur 701 oder nur 4G genannt), 900 und 901 vertreten; One stellt mit den Modellen A110, A120 und A450 ebenso drei Geräte. Medions Akoya Mini E1210 ist wie das nahezu baugleiche MSI Wind U100 im Test; Packard Bell schickte sein schon letztes Jahr verkauftes EasyNote XS. Mit dem Acer Aspire One A110L (nicht zu verwechseln mit dem ähnlich bezeichneten A110 von One) nimmt zudem das erste Netbook eines Top-5-Notebook-Herstellers teil.
Konzeptvielfalt
Bislang musste man für ein unter drei Pfund leichtes Subnotebook weit über 1000 Euro bezahlen. Ein Gerät für 300 Euro zu bauen, gelingt nur durch Abspecken der Hardware: kleinere Displays mit geringerer Auflösung, schwache Akkus, langsame Prozessoren, kleine Festplatten oder Flash-Speicher, weniger Schnittstellen und knappe Zubehörpaletten. High-End-Subnotebooks haben daher weiterhin ihre Daseinsberechtigung für Anwender, die deren Vor züge benötigen.
Obwohl sich die Mini-Notebooks auf den ersten Blick ähneln, entwickelte jeder Hersteller in eine etwas andere Richtung. Der Eee PC 4G von Asus und Acers Aspire One A110L zeigen dem Nutzer eine auf einfache Bedienung optimierte Oberfläche. Nahezu ohne Vorkenntnisse kann man mit einem Klick auf die großen, selbsterklärenden Symbole loslegen; vom darunter arbeitenden Linux-Betriebssystem bekommt man wenig mit. In eine Handvoll Kategorien unterteilt findet man Webbrowser und Mail-Client oder Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Eine paar einfache Spiele sowie Medien-Software für Bilder, MP3s und Videos sind ebenfalls an Bord. Ohne tief gehende Linux-Kenntnisse kann man allerdings keine Programme nachrüsten. Diese beiden Netbooks eignen sich für Anwender, die mit der gebotenen Software-Ausstattung auskommen.
Auf dem One A110 läuft ebenfalls Linux, doch anders als bei Acer oder Asus fehlt eine eigene Bedienoberfläche. Linux verhilft diesem Netbook lediglich zu einem besonders günstigen Preis von 200 Euro. Das freut den Linux-Anwender, da er keine Windows-Lizenz bezahlen muss, enttäuscht aber Otto Normalnutzer, der sich nun in die Linux-Welt samt anders aussehendem Desktop einarbeiten muss.
Auf allen anderen hier getesteten Netbooks läuft Windows XP – und nicht etwa Vista, weil das die Kleinen überfordern würde. Microsoft hat den Trend zu Netbooks mit langsamer Hardware zu spät erkannt. Statt ein darauf angepasstes Vista anzubieten, bleibt dem Software-Riesen nur die eher peinliche Notlösung, den geplanten Verkaufsstopp von XP für diese Geräteklasse wieder aufzuheben, um nicht das gesamte Marktsegment kampf- und ideenlos der Linux-Konkurrenz zu überlassen. Gegenwärtig sieht es so aus, als ob Microsoft einfach abwartet, bis die Geräte schnell genug für Vista sind.
Einschränkungen
Die Netbooks der ersten Generation haben ein nur 7 Zoll kleines Display mit 800 x 480 Bildpunkten, zu sehen im Asus Eee PC 4G, One A110 und A120 sowie im Packard Bell EasyNote XS. Das schränkt den Nutzer sehr ein: Schon bei kurzen Texten oder kleinen Tabellen gehört Scrollen zum Tagesgeschäft und auch viele Webseiten sind für mehr Schirmfläche mit mehr Pixeln ausgelegt. Zudem sind Windows XP und Linux sowie viele Anwendungen nicht an diese Auflösung angepasst: Viele Dialogfenster sind höher als 480 Pixel, sodass man nicht einmal die Schaltflächen am unteren Ende des Fensters erreichen kann.
Die zweite Generation, zu der die restlichen Netbooks im Testfeld gehören, hat angenehmere Displays mit 8,9 und 10,2 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 1024 x 600 Punkten. Damit gelingt zum Beispiel die Darstellung vieler Webseiten ohne horizontales Scrollen, wenngleich man aufgrund der geringen Displayhöhe häufig blättern muss.
Alle Displays zeigen die Notebook-übliche Blickwinkelabhängigkeit, unterscheiden sich aber in der Helligkeit. Die Bildschirme der Eee PCs von Asus mit nur rund 100 cd/m2 eignen sich vorwiegend für den Betrieb in Innenräumen, die Panels der anderen Testkandidaten leuchten hell genug für einen Betrieb bei Tageslicht. Nur beim Acer Aspire One A110L muss man mit Spiegelungen auf der glatten Display-Oberfläche leben, alle anderen Netbooks haben matte Bildschirme.
In den kompakten Gehäusen stecken kleine Tastaturen, deren Tastenraster unter den bei Desktop- und Notebook-Tastaturen üblichen 19 mm x 19 mm liegt. Bei den 10,2-Zoll-Netbooks Medion Akoya Mini und MSI Wind U100 messen die Tasten 17,5 mm x 16,5 mm; nach einer kurzen Eingewöhnungszeit lassen sich auch längere Texte zügig schreiben. Im Acer Aspire One A110L sind die Tasten mit 17 mm x 16 mm nur geringfügig kleiner, doch flüssiges Tippen fordert eine ungleich höhere Konzentration – wie auch beim One A450 mit Tasten im 15,8-Millimeter-Raster.
Die noch kleineren Tippbrettchen in den drei Eee PCs, den A100-Netbooks von One und dem EasyNote XS eignen sich mit rund 16 mm x 13,5 mm zum Eingeben von URLs und kurzen Nachrichten, etwa im Chat; doch selbst Personen mit schlanken Fingern werden an längeren Schreibarbeiten keine Freude haben.
Die Lautsprecher stecken mal im Deckel, mal oberhalb der Tastatur oder an der Unterseite. Allen gemein ist ein leiser, blecherner und bassarmer Klang – für Spaßvideos von YouTube reichts, zum Filmeschauen oder Musikhören steckt man lieber Kopfhörer oder externe Lautsprecher an.
Audio-AnschlĂĽsse hat jedes Netbook genauso wie mindestens zwei USB-Ports, LAN- und Monitor-Anschluss (VGA, nur EasyNote XS hat DVI). ExpressCard und CardBus fehlt den Kleinen genauso wie HDMI und FireWire. WLAN ist bei allen an Bord, manchmal sogar die schnelle Draft-N-Variante, Bluetooth haben nur Packard Bell EasyNote XS, MSI Wind U100 und Asus Eee PC 901.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 18/2008.
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(mue)