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Von
  • Heiko Kothhöfer
Inhaltsverzeichnis

www.laut.fm

Wahre Freunde erwiesen sich früher meistens dadurch, dass sie das Vorspielen der neuesten Einkäufe aus dem Plattenladen klaglos über sich ergingen ließen. Wer seither die Gelegenheit vermisst hat, die Welt mit dem besten Musikgeschmack der Welt (dem eigenen) zu beglücken, für den kommt der Radio-Bausatz laut.fm gerade recht.

Nach kostenlosem Registrieren beginnt man damit, MP3-Dateien fĂĽr eine mindestens 60-minĂĽtige Sendung hochzuladen. Dabei ist der Nutzer nicht nur auf die eigene Musiksammlung angewiesen, sondern darf sich auch aus dem Fundus der bereits auf der Website gespeicherten Titel bedienen. Sobald genĂĽgend Musik zusammengetragen ist, kann man den eigenen Radiosender aktivieren und unter laut.fm/Nutzername abspielen. Netterweise sucht laut.fm noch passende Bilder, Info-Texte und Links heraus, die der Player beim Abspielen oder Einbinden auf der Website anzeigt. Bei Programmen unter drei Stunden wĂĽrfelt der Dienst die Reihenfolge der Titel aus.

Bleibt die Frage, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. laut.fm weist seine Nutzer darauf hin, dass sie nur legal erworbene, offiziell veröffentlichte und natürlich jugendfreie Musik hochladen dürfen. Über Verträge mit den einschlägigen Verwertungsgesellschaften bekommen die Künstler bei jedem Abspielen ihrer Werke Tantiemen, versichert der Betreiber. (heb)

www.hgis-germany.de

Ob man sich nun für deutsche Herrschaftshäuser im Speziellen interessiert oder für die wechselnden Außengrenzen des deutschen Reichs im Allgemeinen: Die Fachhochschule Mainz bietet mit ihrem Historisch-Geografischen Informationssystem (HGIS) eine gute Ergänzung zur einschlägigen Geschichtsliteratur an. Mit dem im Wesentlichen auf Kartenmaterial basierenden Lehrangebot vermittelt sie die deutsche Geschichte mit dem Schwerpunkt Politik zwischen 1820 und 1914.

Das Projekt HGIS entstand eigenen Angaben zufolge in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Europäische Geschichte Mainz und dem Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik (i3mainz) der Fachhochschule Mainz. Ziel war es, Informationen zu Raum und Zeit in einer übersichtlichen Darstellung miteinander zu verbinden. Als Kern fungiert eine Geo-Datenbank, in der die grundlegenden geografischen und historischen Informationen enthalten sind. Für die Web-Darstellung kommt der Map-Server und die Mapbender-Suite der University of Minnesota zum Einsatz.

Die Entwicklung der einzelnen deutschen Grenzen kann der Anwender mit einem Zeit-Schieberegler aufs Jahr genau aufgelöst verfolgen. Beim Navigieren durch das Kartenmaterial lassen sich geologische Informationen und Infrastrukturen wie Bahnstrecken ein- und ausblenden. Text- und Bildinformationen zu Städten und Regionen ergänzen den spannenden Zeitatlas. (Heiko Kothhöfer/hob)

www.telewebber.de

Zu TV-Großereignissen wie der Fußball-EM platzen die Blogs aus allen Nähten, der Moderationsstil von Delling und Netzer wird genauso live erörtert wie die Brillenform von Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. Es hat sich eine Art virtuelles Public Viewing etabliert: Jeder sitzt alleine vorm Fernseher, allerdings mit dem Notebook auf dem Schoß. Das Start-up Telewebber hat dafür nun eine eigene Chat-Plattform geschaffen.

Nachdem man sich auf dem Portal angemeldet hat, kann man sich durch die Senderliste hangeln und den Chat zu jener Sendung betreten, die gerade auf dem eigenen TV-Bildschirm läuft. Bisher sind allerdings nur einige große Sender vertreten, weitere sollen folgen. Der Chat selbst ist mit Flash realisiert und bietet viele kleine Nebenfunktionen. So kann man auf Mausklick seine Stimmung ausdrücken oder kleine Spielchen mit Chatpartnern starten.

Die quietschbunte Oberfläche ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Man merkt dem Projekt an, dass zwei der drei Gründer ehemalige Mitarbeiter des abgewickelten Web.de-Ablegers Combots sind, der ebenfalls auf knalligen Comicstil setzte. Als wir uns das Portal ansahen, herrschte dort gähnende Leere in den Chats. Wenn sich die Räume noch füllen sollten, könnte Telewebber eine prima Bereicherung für alle sein, die gezwungenermaßen den Abend allein vor der Glotze verbringen müssen. (hob)

www.wawerko.de

Eine iPhone-Hülle selbst nähen? Einen Stifthalter fürs Kinderzimmer aus alten 3,5-Zoll-Disketten basteln? Eine Serviette zu einem Stern falten? Bei Wawerko.de gibts Anleitungen für diverse Recycling-Ideen genauso wie abgefahrene Tipps fürs Fahrzeug-Tuning. In der neuen Community im Web-2.0-Gewand sollen Nutzer ihre kreativen Do-it-yourself-Anleitungen anderen zugänglich machen. Mitte August dieses Jahres waren immerhin bereits mehr als 200 Tipps zu finden.

Die Anleitungen sind in Schritt-für-Schritt-Abschnitte unterteilt. Sie geben außerdem Auskunft zum Schwierigkeitsgrad und zum ungefähren Zeitaufwand. Oft enthalten sie anschauliche Bilder, bisweilen sogar Videos. Wer selbst Tipps geben will, muss sich (kostenlos) anmelden. Geld wollen die Betreiber des Angebots mit in der Community geschalteter Werbung verdienen. Bevor man seine kreativen Ergüsse aber veröffentlicht, sollte man einen Blick in die Nutzungsbedingungen werfen: „Mit der Einstellung von Anleitungen auf dem Wawerko-Portal räumt der einstellende Nutzer der Wawerko GmbH das Verwertungsrecht an dem eingestellten geistigen Eigentum unentgeltlich, zeitlich unbegrenzt und unwiderrufbar ein“, heißt es dort. (hob)


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