Anwendungsplattform Blackberry
Blackberrys sind bestens bekannt als Mobiltelefone mit Pushmail. Wie man sie auch fĂĽr andere mobile Anwendungen nutzen kann, diskutierten ĂĽber 700 Teilnehmer auf der ersten Blackberry-Entwicklerkonferenz.
Mobile Anwendungen jenseits des Webbrowsers bilden einen Markt, den bisher niemand dominiert. Etabliert sind die Plattformen Blackberry, Palm OS, Symbian, Windows Mobile sowie Java-Anwendungen auf einfacheren Mobiltelefonen – und das mit recht unterschiedlichen Marktanteilen je nach geografischer Region. Apples iPhone schickt sich zudem seit vergangenem Jahr an, den Markt aufzumischen; und Googles Android möchte ebenfalls demnächst ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Um gegen diese vielgestaltige Konkurrenz die Blackberry-Plattform zu fördern, hat der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM) erstmals eine dreitägige Entwicklerkonferenz veranstaltet, die über 700 Teilnehmer anlockte.
Das herausragende Interesse galt dabei dem ersten Blackberry ohne Tastatur und mit berührungsempfindlichem Bildschirm, den RIM ankündigte, aber noch nicht ausliefert. Auf dem Storm genannten Gerät läuft die Version 4.7 des Betriebssystems; RIM hat eine dazu passende Entwicklungsplattform inklusive Gerätesimulator als Betaversion veröffentlicht.
StĂĽrmisch
Die Blackberry JDE 4.7 enthält eine Reihe von Erweiterungen, etwa ein Touch-API, mit dem Anwendungen Gesten des Benutzers registrieren können. Der Beschleunigungssensor des Geräts lässt sich nicht nur für die Rotation des Bildschirminhalts nutzen, sondern stellt alle Richtungsänderungen in drei Achsen zur Verfügung. Eine Anwendung kann zudem für jede einzelne Ansicht bestimmen, ob die virtuelle Tastatur des Storm angezeigt wird.
Um die Vermarktung von Anwendungen zu unterstützen, folgt RIM dem Beispiel von Apple und Google und wird gleich zwei neue Vertriebswege anbieten: einen Online Store und eine Katalog-Software auf dem Blackberry selbst. Beim Blackberry Storm oder besser mit dessen Gerätesoftware 4.7 läuft direkt auf dem Gerät ein sogenanntes Application Center, aus dem heraus sich Software über das Netz oder den PC installieren lassen. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des aktuellen Virtual Preload, bei dem Mobilfunkanbieter Anwendungs-Icons als Platzhalter vorsehen, die bei der ersten Aktivierung eine Installation der Software anbieten.
RIM eröffnete den Netzbetreibern damit eine Möglichkeit, ihren Kunden auch nach dem Kauf des Gerätes noch weitere, meist kostenpflichtige Dienste anzubieten. Statt nun den Home-Bildschirm mit Icons zuzupflastern, verbirgt sich der Anwendungskatalog hinter dem Icon des Application Center. Auch wenn sich für die Anwendungsentwickler hier eine neue Vertriebsschiene ergibt, wollen diese natürlich nicht den Carriern ausgeliefert sein. RIM wird deshalb voraussichtlich im März 2009 neben dem Partnervertrieb einen zusätzlichen Application Store eröffnen, der allen Blackberry-Entwicklern offenstehen soll. Ähnlich dem Vertriebsmodell im iTunes Store kann jeder selbst den Verkaufspreis bestimmen und behält 80 Prozent der Einnahmen. RIM wird mit PayPal zusammenarbeiten, um möglichst schnell eine große Basis potenzieller Kunden zu erreichen. Apple tut sich hier leichter, weil sie bereits über den Verkauf von Musiktiteln Millionen von Kundenbeziehungen haben.
Die neuen Vertriebskanäle sollen vor allem den Verkauf sogenannter Lifestyle-Anwendungen fördern, die sich erst durch die Öffnung der Plattform hin zum sogenannten Prosumer, dem professionellen Konsumenten, etablieren können. Im eher trockenen Firmenkundengeschäft dagegen zählen eher Anwendungen, die normale Geschäftsprozesse auf das Gerät bringen. In diesem Marktsegment wird kaum ein Kunde Software mit der Kreditkarte oder Paypal erwerben. Unternehmen, die einen Blackberry Enterprise Server betreiben, behalten natürlich die Kontrolle über ihre Anwender. Mittels Policies lässt sich festlegen, ob und welche Software die Nutzer installieren dürfen.
Belebt
Dass Business-Anwendungen keineswegs dröge sein müssen, zeigte RIM in zahlreichen Sessions auf der Konferenz. Neben einführenden Vorträgen ging es dabei vor allem um die neuartigen Funktionen, die sich mit den aktuellen Blackberrys auftun. Das Konzept „komplette Tastatur, Pushmail, lange Batterielaufzeit“ ist in den letzten beiden Jahren erheblich ausgeweitet worden, mit Kamera, GPS, Multimedia-Funktionen und nun auch Touchscreen und Beschleunigungssensor.
Mit den Blackberry Web Signals sollen Softwareentwickler in die Lage versetzt werden, Informationen vom Server auf das Endgerät zu senden, ohne dass das Gerät beim Server anfragen muss. Damit öffnet RIM die Technik, mit der Pushmails übertragen werden, auch für Anwendungen von Drittanbietern. Als Beispiel dient AccuWeather, das sein Icon je nach Wetterlage am Heimatort wechselt.
Der mit der Gerätesoftware 4.5 eingeführte Browser unterstützt endlich eine zeitgemäße Entwicklung mit JavaScript. 2009 will RIM ein neues Plug-in für Eclipse und eine überarbeitete Version für Visual Studio ausliefern, um die Entwicklung von Web-Anwendungen zu vereinfachen. Ebenfalls 2009 wird RIM auch Googles Gears unterstützen, das Anwendungen mit lokalem Cache, Datenbank und JavaScript eine Laufzeitumgebung auch für den Offline-Betrieb bietet.
Auf der neu gestalteten Developer Site www.blackberry.com/developers kann man sich kostenlos als Entwickler registrieren, Entwicklungswerkzeuge herunterladen und erhält Zugriff auf Tutorials und Videos. Das Bugtracking hat RIM um typische Komponenten sozialer Netzwerke erweitert und will die Entwickler damit mehr an die Plattform binden. (jk)