Evolution

Sowohl AMD als auch Intel versprachen bei den Starts ihrer aktuellen Notebook-Plattformen außer den obligatorischen Geschwindigkeitszuwächsen etliche Neuerungen wie eSATA und DisplayPort. An den Notebook-Herstellern liegt es nun, diese umzusetzen.

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Zwar gibt es brauchbare Notebooks mit 15,4-Zoll-Display schon für 450 Euro zu kaufen, doch erst ab etwa 800 Euro bekommt man einen schnellen 3D-Chip, eine lange Laufzeit und moderne Schnittstellen wie eSATA und einen digitalen Monitorausgang. Für so viel Geld darf man dann auch einen flotten Doppelkernprozessor, eine schnelle Festplatte mit hoher Kapazität und viel Arbeitsspeicher erwarten. In diesem gehobenen Preissegment findet gerade ein Generationswechsel statt: Im Sommer haben AMD und Intel neue Prozessoren und Chipsätze vorgestellt.

Die meisten Notebooks im Testfeld verwenden Intels Centrino-2-Plattform (siehe auch Kasten). Acers TravelMate 5730G hat eine ergonomisch gebogene Tastatur, die von Asus’ M50VM einen separaten Ziffernblock. Bei Bullman kann man sein V-Klasse 9 frei konfigurieren. Dell hat seine Latitude-Familie samt Zubehörprogramm komplett überarbeitet und lieferte das Latitude E6500; HPs Business-Notebook Compaq 6730b nutzt als einziges im Test die Chipsatzgrafik GMA 4500MHD. Fujitsu Siemens versieht neuerdings alle Privatkundengeräte mit einem einheitlichen schwarzweißen Design, so auch das Amilo Pi 3540. Lenovos Thinkpad T500 bietet Hybridgrafik, Samsungs R560 arbeitet besonders leise. Sonys Vaio VGN-FW11S bietet ein 16,4-Zoll-Display im filmfreundlichen 16:9-Format; in Toshibas Qosmios F50 stecken zwei Festplatten und ein Spezialprozessor zur Videobearbeitung. AMDs Puma-Plattform ist mit HPs Pavilion dv5-1030eg vertreten.

Im Gros der getesteten Notebooks stecken Bildschirme mit glatter Oberfläche. Um die Reflexionen zu überstrahlen, muss die Hintergrundbeleuchtung möglichst hell leuchten. Sonys Vaio VGN-FW11S erreicht weit über 300 cd/m2; damit ist trotz Spiegeldisplay ein Arbeiten im Freien möglich. Die Bildschirme der anderen Spiegel-Notebooks sind mindestens 100 cd/m2 dunkler; hier bleiben Spiegelungen nur in Innenräumen in einem erträglichen Rahmen. Am stärksten stören sie bei Toshibas Qosmio F50, dem Amilo Pi 3540 von Fujitsu Siemens und HPs Pavilion dv5-1030eg.

Die Displays von Acers TravelMate 5730G, Dells Latitude E6500, HPs Compaq 6730b und Lenovos Thinkpad T500 haben dagegen eine matte Oberfläche. Das Thinkpad erreicht im Akkubetrieb nur eine maximale Helligkeit von 100 cd/m2, weshalb man unter freiem Himmel kaum noch etwas auf dem Bildschirm erkennen kann. Die drei anderen sind mit rund 160 cd/m2 (HP) bis 300 cd/m2 (Dell) außentauglich.

Das Panel von Sonys FW11S brilliert mit extrem knackigen Farben; seine Grundfarben stellen einen größeren Farbraum auf als bei Notebooks üblich. Weiße Flächen erscheinen leicht grünstichig; bei allen anderen Notebooks liegt der Weißpunkt stärker im Bläulichen. Die Bildschirme der meisten Kandidaten zeigen auch beim Blick von der Seite ansehnliche Farben, nur beim Blick von oben und unten erscheinen die Farben sichtbar blasser beziehungsweise invertiert.

In den 15,4-Zoll-Notebooks kommen Bildschirme mit Auflösungen von 1280 x 800 (98 dpi), 1440 x 900 (110 dpi) und 1680 x 1050 (129 dpi) zum Einsatz; der 16,4-Zöller von Sony zeigt 1600 x 900 Punkte (112 dpi). Bei den Notebooks von Dell, HP und Lenovo sind je nach Konfiguration und Kundenwunsch verschiedene Panels bis hin zu 1920 x 1200 (147 dpi) möglich. Während Cineasten am liebsten in die Vollen greifen, um Filme in voller HD-Auflösung zu genießen (Blu-ray-Laufwerke haben das M50VM, das Amilo Pi 3540 und das FW11S), sind so fein auflösende Panels zum Arbeiten eher unpraktisch, weil die Standardschriften von Windows kaum lesbar sind.

Wer hauptsächlich 3D-Spiele zocken möchte, sollte zu Notebooks mit einer Bildschirmauflösung von 1280 x 800 Punkten tendieren, denn etliche 3D-Chips haben schon in dieser Auflösung Probleme mit einer ruckelfreien Darstellung [1]. Bei höher auflösenden Panels muss man die Spielauflösung reduzieren; dann leiden Bildqualität und -schärfe aufgrund der Interpolation auf die volle Schirmfläche.

Auch bei einer geringen Bildschirmauflösung erfordern aktuelle Spiele mit detailreichen 3D-Welten mindestens einen Mittelklasse-Grafikchip wie den GeForce 9600M GT oder den Mobility Radeon HD3650; zu finden in den Notebooks von Acer, Asus, Bullman, Lenovo, Samsung und Toshiba. Die Low-End-Chips in den Notebooks von Dell, Fujitsu Siemens, HP (Pavilion dv5-1030eg) und Sony reichen hingegen nur für ältere 3D-Spiele mit anspruchslosen Landschaften. Die Chipsatzgrafik GMA 4500MHD des Intel-Chipsatzes im HP Compaq 6730b ist selbst dafür zu langsam.

Lenovo stattet sein Thinkpad T500 mit Hybridgrafik aus. Der Mittelklassechip Mobility Radeon HD 3650 lässt sich zum Stromsparen abschalten, dann übernimmt der Chipsatz-Grafikkern GMA 4500MHD. Der Wechsel geschieht anwenderfreundlich ohne Neustart, muss aber manuell veranlasst werden; Lenovo sieht nicht einmal einen automatischen Wechsel beim Abziehen oder Anstecken des Stromkabels vor. Mit Chipsatzgrafik hielt das Thinkpad T500 beim DVD-Abspielen zwar fast drei statt knapp zweieinhalb Stunden durch, doch unter geringer und voller Rechenlast waren die Gewinne im einstelligen Minutenbereich – vernachlässigbar.

Grundsätzlich ergibt Hybridgrafik nur Sinn für Spieler, die ihr Notebook sowohl am Schreibtisch als auch unterwegs benutzen. Wer es nur von A nach B transportiert, aber nicht mobil nutzt, kann getrost zu einem Modell greifen, bei dem der 3D-Chip immer aktiv ist – diese sind deutlich billiger. Wer nicht spielen möchte, dem reicht auch ein Chipsatz-Grafikkern.

Bei Notebooks der getesteten Preisklasse darf man einen digitalen Monitorausgang erwarten; im Testfeld fehlte er nur bei HPs Compaq 6730b. Dells Latitude E6500 und Lenovos Thinkpad T500 sprechen externe Monitore bereits über die neue DisplayPort-Schnittstelle an. DisplayPort steuert von Haus aus 30-Zoll-Monitore mit 2560 x 1600 Punkten an; bei DVI und HDMI ist dies nur über Umwege und neuere Revisionen möglich. Die HDMI-Buchsen der Testkandidaten lieferten maximal 1920 x 1200 Bildpunkte – was für Monitore unter 30 Zoll Diagonale, alle Flachbildfernseher und Heimkino-Beamer völlig ausreicht.

HDMI überträgt an sich außer Video- auch Audiodaten, was im Test bei allen funktionierte. Die DisplayPort-Spezifikation sieht ebenfalls das Übermitteln von Audiosignalen vor, doch weder Dells noch Lenovos Gerät gaben am Testmonitor (Dell 3008WFP) einen Ton aus.

An der Rechenleistung der Prozessoren hat sich mit den neuen Plattformen kaum etwas verändert: Intels Core 2 Duo erhielt mit Centrino 2 den FSB1066, der gegenüber dem bisherigen FSB800 die Bandbreite zum Chipsatz und damit auch zum Speicher erhöht, was aber nur in Spezialfällen spürbare Verbesserungen bringt. AMDs Turion X2 Ultra rechnet bei gleichem Takt exakt so schnell wie ein bisheriger Turion 64 X2 und damit auf dem Niveau eines einige 100 MHz niedriger getakteten Core 2 Duo. Da alltägliche Aufgaben wie Textverarbeitung oder Internet-Surfen moderne Prozessoren unterfordern, rentieren sich die schnellsten CPUs des Portfolios nur für Nutzer, die häufig rechenintensive Aufgaben wie Raw-Foto- oder Video-Konvertierung durchführen. Manche Spiele fordern ebenfalls schnelle CPUs, doch bei den meisten stoßen stattdessen die Grafikchips an ihr Leistungslimit.

Intel hat bei Centrino 2 den Stromverbrauch der CPUs reduziert und eine Stromsparklasse mit lediglich 25 Watt maximaler Leistungsaufnahme eingeführt; bisher waren 35 Watt üblich. Die Neuen sind an einem „P“ in der Modellnummer zu erkennen. Da die Hersteller ihre Notebooks auch in Konfigurationen mit den weiterhin erhältlichen 35-Watt-Prozessoren (Modellnummer mit „T“) anbieten und die Kühllösungen daher für die höhere Abwärme ausgelegt sind, bleiben die Lüfter der meisten Testkandidaten mit P-Prozessor sehr leise. Besonders geräuscharm arbeitet Samsungs R560, welches selbst bei Volllast nur 0,2 Sone erzeugt – man hört es nur in sehr ruhigen Umgebungen. Viele andere bleiben nur so leise, wenn Prozessor und Grafikchip Däumchen drehen; unter Rechenlast rauschen die Lüfter dann mit hörbaren 0,6 Sone. Bullmans V-Klasse 9 erzeugt eine dreimal so laute Geräuschkulisse (1,9 Sone); Sonys Vaio VGN-FW11S wird mit bis zu 1,1 Sone ebenfalls deutlich hörbar – und das, obwohl es den Prozessor sogar im Netzbetrieb drosselt.

Im Akkubetrieb beschränken auch die Notebooks von Asus, Dell, Fujitsu Siemens und Samsung den Prozessortakt. Mit einem anderen Energieprofil für Vista lässt sich die Bremse bei Asus, Dell und Samsung lösen, nicht aber bei Fujitsu Siemens und Sony – beide haben aber noch genug Leistung, um etwa Blu-ray Discs abzuspielen.

Auch AMD hat die Stromspareigenschaften seines Turion X2 Ultra verbessert, doch bei HPs Pavilion dv5-1030eg merkt man davon nicht viel: Selbst bei geringer Rechenlast genehmigt es sich gut 20 Watt. Sein Lüfter befördert die Abwärme immer hörbar und bei Rechenlast mit lauten 1,9 Sone aus dem Gehäuse.

Die Festplatte hat einen weitaus stärkeren Einfluss auf die gefühlte Systemgeschwindigkeit als der Prozessor. Nur Sony entschied sich für eine langsame Platte mit 4200 Umdrehungen pro Minute, die lediglich rund 40 MByte/s liefert; in den anderen stecken flottere Modelle.

Solid State Disks mit Flash-Speicher statt Magnetplatten schaffen ebenfalls Transferraten von 60 MByte/s (die in Kürze erhältlichen SSDs von Intel gar bis zu 270 MByte/s) und punkten mit schnellen Zugriffzeiten sowie einer Unempfindlichkeit gegenüber Stößen. Sie speichern allerdings maximal ein Drittel der Datenmenge und kosten teilweise so viel wie ein ganzes Notebook. Bullman bestückt das V-Klasse 9 auf Kundenwunsch mit einer SSD; Dell und HP haben SSDs für ihre Business-Notebooks der Latitude- und Compaq-Serien angekündigt.

In den Notebooks von HP und Lenovo stecken Erschütterungssensoren, die Stürze erkennen und die Schreib-/Leseköpfe der Festplatte rechtzeitig vor dem Aufprall parken sollen. Dell und Bullman bauen auf Kundenwunsch spezielle Festplatten mit integrierten Fallschutzsensoren ein. Stürzt ein Notebook, so erhöhen die Sensoren die Chance, dass man die Daten auf der Festplatte danach noch retten kann. Die Festplatte in HPs Pavilion dv5-1030eg ist zusätzlich in Gummipuffern gelagert; auch Lenovo und Acer schützen die Platten mit Gummirahmen vor harten Stößen.

Dells Latitude E6500 bietet mit Intels Rapid Recovery eine Backup- und RAID-Funktion für Windows-Systeme [2]. Es sichert alle Sektoren der internen Festplatte auf eine per eSATA angebundene externe. Unterwegs kann man ohne die eSATA-Platte arbeiten; die Änderungen werden beim nächsten Anschließen automatisch übertragen. Allerdings benötigt Rapid Recovery eine als RAID-Volume konfigurierte interne Platte, was bei unserem Testgerät nicht der Fall war; ein Konvertierungsversuch endete mit totalem Datenverlust.

Zu Intels Centrino-2-Plattform gehören die zwei WLAN-Module WiFi-Link 5100 und 5300. Letzteres steckt nur im Lenovo Thinkpad T500 und bietet Draft-N-Geschwindigkeiten mit bis zu 450 MBit/s statt den bislang üblichen 300 MBit/s, aber mangels passender Access Points kann man die hohen Raten derzeit nicht nutzen. Dennoch hat es einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem WiFi-Link 5100: Es bietet drei Antennenanschlüsse und verrechnet deren Signale für einen besseren Empfang miteinander.

Dies konnte auch schon der Vorgänger 4965AGN, doch beim 5100 verzichtet Intel auf die dritte Buchse – und viele Notebook-Hersteller dementsprechend auf eine dritte Antenne. Bei unseren Tests über 20 Meter Entfernung durch Büroräume schnitten die Notebooks mit 5100 am schlechtesten ab. Dells Latitude E6500 und HPs dv5-1030eg erreichten dagegen problemlos Transferraten weit über 802.11g-Niveau: In ihnen stecken Draft-N-WLAN-Module von Atheros und Broadcom, die mit zwei Antennen deutlich besser klarkommen.

Bluetooth fehlte nur beim Amilo Pi 3540; alle anderen Notebooks hatten den Kurzstreckenfunk eingebaut. Dells Latitude E6500 und HPs Compaq 6730b sind bereits für interne UMTS-Modems vorbereitet, im getesteten Thinkpad T500 ist ein solches bereits eingebaut. Das dort verwendete Kombimodul enthält gleichzeitig einen GPS-Empfänger – ein Novum bei Notebooks.

Intels 4er-Chipsätze können außer DDR2-Speicher auch Module nach dem neueren DDR3-Standard ansprechen. Solche sind noch teurer als DDR2-Riegel und bringen in den derzeit verfügbaren Geschwindigkeiten keinen Performance-Vorteil. Im Testfeld setzen nur Lenovo und Samsung DDR3-Module ein.

Acht der getesteten Notebooks werden mit 4 GByte Arbeitsspeicher verkauft, doch nur bei Bullman und Dell kann man ein dafür nötiges 64-Bit-Betriebssystem mitbestellen. Mit einem 32-Bit-Vista, welches Acer, Asus, HP, Fujitsu Siemens, Samsung, Sony und Toshiba ihren 4-GByte-Notebooks mitgeben, lassen sich nur rund 3 GByte nutzen. Die restlichen Speicheradressen bis zur 4-GByte-Grenze sind durch BIOS und Treiber für PCI- und Plug’N’Play-Ressourcen reserviert.

An der Qualität der Tastaturen gibt es nichts auszusetzen. Bei allen liegen die Tasten in einem 19-Millimeter-Raster und sind damit so groß wie bei Desktop-Tastaturen. Die in Asus’ M50VM bietet einen separaten, dreispaltigen Ziffernblock, ohne dass die Tastenbreite darunter leiden würde – vorbildlich.

Acer ordnet die Tasten des TravelMate 5730G in einem leichten Bogen an, was eine ergonomischere Handhaltung beim Schreiben erlaubt. Dank einer Tastaturbeleuchtung kann man mit den Notebooks von Dell und Lenovo auch in dunklen Umgebungen schreiben: Dell beleuchtet die Tasten von unten; Lenovo platziert eine LED oberhalb des Displays.

Die Lautsprecher sind allesamt laut genug, um ein Zimmer zu beschallen. In Qosmio F50 sorgt ein Mini-Subwoofer an der Unterseite für hörbare Bässe, doch bei maximaler Lautstärke kommen die Höhen nicht mehr mit – es klingt arg dumpf. Das FW11S gibt Töne bei maximaler Lautstärke verzerrt wieder. Die anderen Notebooks erzeugen einen ordentlichen, wenn auch bassarmen Klangteppich.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 23/2008.

[1] Florian MĂĽssig, 3D-Antrieb, Grafik im Notebook: Chipsatz, 3D-Chip oder Hybrid? c't 21/08, S. 116

[2] Jörg Wirtgen, Stückwerk, Zwei 14-Zoll-Notebooks mit Centrino 2 im Praxistest, c't 22/08, S. 164 (mue)