Das Optimum rausholen
Den PC in null Komma nix schneller machen – wer will das nicht, strapaziert doch selbst bei schnellen PCs schon der Start von Betriebssystem und Anwendungen täglich die Geduld. Kein Wunder also, dass PC- und Windows-Tuning schon fast einen Volkssport darstellt, mit dem sich jeder schon mal beschäftigt hat. Doch wo lohnt sich ein Optimieren wirklich? Welche Tipps fahren den eingesetzten Zeitaufwand später wieder ein?
- Thorsten Leemhuis
Selbst bei überaus leistungsfähigen PCs fragt man sich gelegentlich: „Kann das nicht noch ein wenig schneller gehen? Andauernd muss ich auf das Ding warten!“. Kein Wunder also, dass sich im Internet, Büchern oder Zeitschriften haufenweise Tipps finden, die Hard- und Software auf Touren bringen sollen.
Einige teilweise sogar ganz einfach umsetzbare Tipps schaffen das auch tatsächlich – die Hardware-spezifischen unter ihnen finden Sie auf den folgenden Seiten, während sich der auf Seite 92 in c't 1/09 startende Artikel mit dem Ausreizen und Optimieren von Windows Vista beschäftigt. Beide Abhandlungen entlarven auch falsche Tipps, die auf modernen Systemen wirkungslos oder kontraproduktiv sind.
Wir haben uns daher einige landläufige Tipps und Tricks näher angesehen und auf ihre Praxistauglichkeit untersucht – dabei spielte auch der Umsetzungsaufwand eine Rolle, denn der soll ja nicht mehr Zeit kosten, als die Optimierung später einfährt. Neben den unter anderem im BIOS-Setup angesiedelten Stellschrauben für die Hardware-Konfiguration kommen dabei auch Umbaumaßnahmen wie mehr Speicher oder das Einrichten eines RAID nicht zu kurz, denn auch um solche geschwindigkeitssteigernde Maßnahmen ranken sich Legenden.
Hardware ausreizen
Im BIOS-Setup der Hautplatine des PC sowie an anderen, teilweise gut versteckten Stellen lassen sich für die Performance eines Systems wichtige Faktoren beeinflussen. Doch während man vor zehn Jahren praktisch jedes System von Hand feinjustieren musste, konfigurieren moderne Boards und deren BIOSe so gut wie alles automatisch. Das funktioniert auch in 99 Prozent aller Fälle zuverlässig und entlockt den Bauteilen nach Laden der „(Optimized) Defaults“ auch die optimale Leistung innerhalb der spezifizierten Parameter. Schlaue Ratschläge zur richtigen BIOS-Setup- und Hardware-Konfiguration finden sich aber auch heute noch reichlich [1].
Ganz offensichtlich korrekt ist der oft gehörte Tipp, die Festplatte mit dem Betriebssystem im BIOS-Setup als erstes Boot-Device einzustellen, damit das BIOS beim Startvorgang nicht Zeit mit der Suche auf anderen Datenträgern vertrödelt. Das spart durchaus zwei bis fünf Sekunden bei jedem Hochfahren. Und wenn man doch mal von CD, DVD oder USB-Stick starten will, gelingt das bei fast alle neueren PCs und Mainboards problemlos mit dem BBS (BIOS Boot Select) genannten Instant-Boot-Menü, das je nach Mainboard beim Betätigen der Tasten F8, F11 oder F12 erscheint.
Ausgetrickst
Keinen Vorteil bietet hingegen bei heutigen Komponenten der auch schon mehrfach in c't abgedruckte Tipp, die an den vom Mainboard-Chipsatz betreuten Parallel-ATA-/IDE- und Serial-ATA-Anschlüssen hängenden Laufwerke im BIOS-Setup fest vorzugeben – also Festplatten oder DVD-Laufwerke als solche zu konfigurieren und Ports zu deaktivieren, an denen keine Geräte hängen. Das soll angeblich den BIOS-Selbsttest (POST/Power-On Self-Test) um einige Sekunden beschleunigen – bei den allermeisten modernen Hauptplatinen ist das aber nicht der Fall. Folgt man dem Rat dennoch, rächt sich das nicht selten Wochen, Monate oder Jahre später beim Anschließen eines neuen Laufwerks, das das BIOS dann aus unerfindlichen Gründen nicht oder nicht richtig erkennt – dabei macht es doch nur das, was man ihm irgendwann mal vorgeschrieben hat.
Ähnliche Gefahren bringen auch andere Änderung am BIOS-Setup mit sich. Bei nennenswerten Vorteilen lohnt es sich aber, solche Risiken einzugehen. So verbringen viele BIOSe beim Booten fünf oder zehn Sekunden mit dem Selbsttest und der Überprüfung der auf vielen Mainboards zusätzlich verbauten ATA-Chips, die sich um RAID-Funktionen, Parallel-ATA (PATA/IDE) oder weitere (e)SATA-Ports kümmern. Sind jedoch alle Laufwerke an den vom Mainboard-Chipsatz betreuten ATA-Anschlüssen angeschlossen, legt man die zusätzlichen ATA-Chips am besten lahm und umgeht so diese Verzögerung. Die dafür zuständigen Einstellungen finden sich im BIOS-Setup bei den „Integrated Peripherals” oder unter „Onboard Devices Configuration”.
Einige wenige BIOS-Setups bieten auch die Möglichkeit, nur die Firmware von zusätzlichen ATA-Chips und den Netzwerk-Baustein zu deaktivieren und das Initialisieren der Chips dem Betriebssystem zu überlassen – die Einstellung heißt meist „Disable Boot-ROM“ oder ähnlich. Dadurch arbeiten die Chips und die über sie angebundenen Laufwerke weiter, verzögern aber den BIOS-Selbsttest nicht – das Booten eines Betriebssystems gelingt vom Netz oder den vom ATA-Chip angebundenen Laufwerken allerdings nicht mehr.
Schnellplatte
Einen Haufen Tipps ranken sich auch um den optimalen Betriebsmodus des ATA-Adapters. Welches der „beste“ ist, hängt stark vom Betriebssystem, dem auf dem Mainboard verbauten Chipsatz und den eigenen Ansprüchen ab; c't hat dem komplexen Thema daher bereits einen Artikel gewidmet [2].
Die wichtigsten Punkte in Kurzform: Wer das Betriebssystem bereits installiert hat, sollte die zuständigen BIOS-Setup-Einstellungen etwa mit der Digitalkamera dokumentieren und besser nicht verändern, da es sonst unter Umständen nicht mehr startet. Mehr Freiheiten hat, wer die Einstellungen vor der Betriebssysteminstallation vornimmt. Den RAID-Modus aktiviert etwa, wer früher oder später einen Festplattenverbund aufzubauen gedenkt. Wer das nicht will und sich an der längeren Boot-Zeit durch die RAID-Firmware stört, schaltet stattdessen den AHCI-Modus ein, in dem die meisten, aber nicht alle Boards ohne spezielle Firmware auskommen. Windows Vista und neuere Linux-Distributionen unterstützen AHCI von Haus aus; Windows XP muss man hingegen beim Installieren einen passenden AHCI-Treiber unterjubeln – der ist gelegentlich schwer zu beschaffen.
Am wenigsten Scherereien macht der im BIOS-Setup oft voreingestellte Native-/Legacy-IDE- oder Enhanced-Modus. Moderne Festplatten sind dann bei den meisten Boards allerdings anders als im AHCI- oder RAID-Modus nicht in der Lage, die anstehenden Aufgaben per NCQ (Native Command Queuing) neu zu sortieren, der die Abarbeitung in der schnellstmöglichen Reihenfolge erlauben würde. Das steigert den Durchsatz insbesondere, wenn mehrere parallel laufende Programme gleichzeitig quer über die Festplatten verstreute Daten anfordern.
Das Gesamtergebnis der Benchmark-Suite BAPCo SYSMark 2007 Preview legte bei einem von uns aufgesetzten Testsystem mit Core 2 Duo E6400 durch NCQ von 98 auf 105 Punkte zu. Das ist im wesentlichen dem Testabschnitt „Productivity“ zu verdanken, der WinZIP und Anwendungen von Microsoft Office 2003 nutzt und nach Aktivieren von NCQ ein um 20 Prozent besseres Ergebnis liefert; die anderen Testabschnitte profitieren von NCQ hingegen so gut wie gar nicht.
Da das AHCI-Modus keine größeren Nachteile mit sich bringt, empfiehlt er sich bei der Neuinstallation des Betriebssystems. Größere Umbauarbeiten zum nachträglichen Aktivieren von NCQ – etwa risikoreiche Modifikationen in den Tiefen des aufgespielten Betriebssystems oder gar dessen Neuinstallation – lohnen sich aber allenfalls, wenn man weiß, dass die eigenen Anwendungen stark von NCQ profitieren. Bei Office-Anwendungen wird das nur der Fall sein, wenn diese sehr große Datenmengen von Platte lesen oder schreiben, wie es beim SYSMark der Fall ist.
Schnell oder leise?
Größeren Einfluss auf die Geschwindigkeit beim Lesen kleiner oder verstreuter Daten hat auch das von vielen Festplatten angebotene Automatic Acoustic Management (AAM). Es entscheidet, wie stark die Schreib/Leseköpfe beim Positionieren beschleunigen. Ändern lässt sich der AAM-Wert mit Windows-Programmen wie WinAAM oder dem Hitachi/HGST-Feature-Tool, die sich in der zur c't 26/08 gehörenden Software-Kollektion finden. Stellt man etwa den höchsten Wert 254 ein oder deaktiviert AAM komplett, dann bewegen sich die Schreib/Leseköpfe so schnell, wie sie können. Mit niedrigeren Werten wie 128 beschleunigen und bremsen sie hingegen sanfter; das senkt aber nicht nur die Festplatten-Performance ein wenig, sondern reduziert die beim Positionieren entstehenden Klackgeräusche hörbar. Die „optimale“ Einstellung hängt somit davon ab, ob man es lieber leise oder schnell haben will. Auch spielt die eingesetzte Festplatte eine große Rolle, denn manche Platten werden auch in der leisen Einstellung nur unwesentlich langsamer; in einigen Praxistests mit der Samsung HD642JJ etwa ließ sich kein nennenswerter Unterschied feststellen.
Weiter senken lässt sich die Geräuschentwicklung durch Einschalten der Lüfterregelung für den CPU-Kühler und Gehäuselüfter, die bei vielen im Einzelhandel verkauften Mainboards in den Voreinstellungen des BIOS-Setup deaktiviert ist. Ob die Regelung aber tatsächlich funktioniert, hängt nicht zuletzt von den verbauten Lüftern ab. Performance-Nachteile durch Aktivieren der Regelung muss man bei korrekt konfigurierten Systemen nicht fürchten.
Damit die Regelung die Lüfterdrehzahl und somit die Geräuschentwicklung auch so weit wie möglich senkt, darf die CPU nicht mehr Wärme als unbedingt notwendig entwickeln – dazu sollte man Cool’n’Quiet, Enhanced Intel Speedstep (EIST) oder den C1E-Modus im BIOS-Setup und im Betriebssystem aktiviert lassen. Das von einigen Tuning-Tipps empfohlene Ausschalten dieser und anderer Stromspartechniken kann zwar tatsächlich die CPU-Rechenleistung ein wenig steigern; der Performance-Vorteil ist aber nach den Tests im c't-Labor in der Regel zu vernachlässigen und gerade bei modernen CPU höchstens mess,- aber nicht spürbar, denn sie schalten in Sekundenbruchteilen in den schnellsten Modus hoch, sobald ein größerer Batzen Arbeit ansteht.
Zahlreiche Tipps in Zeitschriften und Internetforen beschäftigen sich mit der Frage, ob man das von zahlreichen Pentium-4- oder den brandneuen Core-i7-CPUs unterstützte Hyper-Threading (HT) ein- oder ausschalten soll. Da Systeme mit Pentium 4 nach unseren Tests mit aktiviertem HT mindestens genauso schnell, häufig sogar schneller laufen, sollte man es dort einschalten – nach einigen hausinternen empirischen Tests verbessert sich dadurch nicht nur die messbare Geschwindigkeit, sondern vor allem auch das Reaktionsverhalten. Beim Quad-Core-Prozessor Core i7 hingegen erreichen einige Benchmarks bei deaktiviertem HT höhere Werte; dieser Unterschied war aber nicht spürbar. Einzelne Anwendungen, die durch Hyper-Threading langsamer arbeiten, kann man zudem mit dem c't-Tool lauch.exe (siehe untenstehenden Soft-Link) an einzelne CPU-Kerne binden, um optimale Performance zu erzielen.
Weitere Produktbesprechungen und Testergebnisse finden Sie in c't 1/2009.
Literatur
[1] Thorsten Leemhuis, Schaltzentrale, BIOS-Setup optimal einstellen, c't 8/08, S. 174
[2] Thorsten Leemhuis, ATAvismus, SATA-Hostadapter moderner Chipsätze richtig konfigurieren, c't 20/07, S. 176
| "Tuning, aber richtig" | |
| Artikel zum Thema "Tuning, aber richtig" finden Sie in der c't 1/2009: | |
| Hardware und Konfiguration optimieren | S. 84 |
| Tuning-Tools und -Tipps fĂĽr Windows | S. 92 |
(em)