Umzugskiste
Wer im vorangegangenen Artikel seinen persönlichen Testsieger gefunden hat, steht womöglich vor einem Problem: Beim Wechsel des Mail-Programms gelingt die Mitnahme des Nachrichtenarchivs nicht immer reibungslos. Sind das alte und das neue Programm IMAP-fähig, so klappt der Umzug schnell und problemlos - man muss lediglich die Mails in einen Server packen.
Ein Mail-Client tut mehr als nur Nachrichten zu senden und zu empfangen. Er ist auch eine Datenbank, die Tausende von Mails verwaltet. Beim Transfer aus einer Datenbank in eine andere dürfen die Mails nicht verändert werden. Schickt man sie einfach an eine Mailbox, um sie dann mit dem neuen Client zu empfangen, ändert sich dadurch nicht nur das wichtigste Sortierkriterium, das Empfangsdatum, sondern auch die Absenderadresse.
Zwar existiert ein Standardformat zum Speichern von E-Mails (mbox), aber es genügt in vielen Fällen nicht, einfach die Dateien aus dem Verzeichnis des alten in das des neuen Mail-Clients zu kopieren. Oft sind es kleine Abweichungen im Format oder auch nur verschiedene Konventionen in der Dateibenennung, die den Umzug der Daten zur Sisyphos-Arbeit machen. Einige Programme wie Outlook Express benutzen gar ein proprietäres Format. Bietet das neue Programm dann keine Importfunktion für genau dieses Format, muss man nach speziellen Konvertern [1] suchen und hoffen, dass diese keine Nachricht verschlucken. Denn in der Praxis fehlen nach solchen Konvertierungsaktionen schon mal ein paar Nachrichten.
Zuverlässig und universell funktioniert der Mail-Umzug hingegen über die Standardschnittstellen, die jeder Client besitzt: die Protokolle IMAP, POP3 und SMTP. Am einfachsten klappt der Umzug mit IMAP: Einfach die im alten Programm abgelegten Nachrichten per Drag & Drop in eine Mailbox auf dem IMAP-Server verschieben und mit dem neuen Programm ebenso wieder zurückholen. Das Zurückholen funktioniert auch mit POP3.
Etwas problematisch ist das Senden der Nachrichten per SMTP auf den Server, über den der Tausch erfolgen soll. Beherrscht das alte Programm kein IMAP, muss man die Nachrichten per Bounce weiterleiten, um zumindest den Absender unverändert zu lassen. Diese Funktion ist längst nicht jedem Mail-Client gegeben (siehe Tabelle ab Seite 166 in c't 05/22); unter [2] finden Sie eine Beschreibung, wie man dennoch größere Mail-Mengen per Bounce auf einen SMTP-Server überträgt. Diesem umständlichen Weg ist eine Lösung mit Formatkonvertierung, Im- und Export oder Kopieren und Umbenennen von Dateien vorzuziehen.
Diene mir
Am schnellsten klappt der Umzug, wenn man den IMAP-Server lokal installiert, dann müssen die Mails nicht noch zweimal durchs Internet reisen. Unter Windows 95 bis XP bietet sich hierfür Mercury/32 (siehe untenstehenden Soft-Link) an. Der Server hat eine Download-freundliche Größe von nur rund 2,3 Megabyte. Zur Installation muss man Administratorrechte besitzen. Das Setup-Programm fragt einige spezielle Optionen ab: Auf NetWare-Support und Pegasus-Mail-Integration kann man verzichten, auch wenn Pegasus Mail an dem geplanten Umzug beteiligt ist.
Die einzelnen Protokolle sind beim Mercury-Server als Module realisiert, von denen nur die benötigten gestartet werden. Schon bei der Installation kann man auswählen, welche das sind; die Auswahl lässt sich später jederzeit ändern. Falls der alte und der neue Client IMAP beherrschen, reicht es, diesen Server auszuwählen. Andernfalls ist der POP3-Server die Alternative zum Abholen der Nachrichten mit dem neuen Mail-Programm und der SMTP-Server zum Abliefern mit dem alten - sofern man sich auf die umständliche Bounce-Aktion einlassen möchte.
Die Internet-Adresse für den lokalen Mail-Server lautet „localhost“. Damit ist die Installation abgeschlossen und der Server wird über den „Mercury-Loader“ im Programm-Menü gestartet. Unter XP Service Pack 2 mault dann die Windows-Firewall; im Warndialog räumt man dem Mercury-Server mit einem Mausklick auf „Nicht mehr blocken“ die notwendigen Rechte ein. Damit läuft der IMAP-Server und braucht nur noch die Information, für wen er eine Mailbox verwalten soll. Dazu legt man unter „Configuration/Manage local users“ einen Benutzer an, dessen „Username“ und „Mail password“ wichtig sind; mit diesen Daten müssen sich die Mail-Clients beim Server anmelden.
Auch im Client legt man ein neues E-Mail-Konto an. Der Servertyp für den Empfang ist IMAP (Port 143). Einige Clients wie Opera erwarten zusätzlich den Typ der Authentifizierung als Parameter; Mercury arbeitet mit „Nur Text“. Der neue Client kann wie erwähnt auch POP3 (Port 110) benutzen, um die zu übertragenden Mails anzunehmen.
Der Rest ist einfach: Zwar kann man keine ganzen Ordner auf den IMAP-Server verschieben, sondern muss diese von Hand dort anlegen, dann lassen sich aber sämtliche Nachrichten in einem Ordner markieren und per Drag & Drop auf den Zielordner verschieben. Alternativ ist es je nach Client über Haupt- oder Kontextmenü möglich, die Mails in den Zielordner zu kopieren, um die Original-Mailbox zu behalten - sicher ist sicher. Auf dem umgekehrten Weg gelangen die Nachrichten in den Ziel-Client. Soll der die Nachrichten mit POP3 abrufen, muss man entweder vorher Filterregeln definieren oder hinterher die Mails von Hand in Ordner einsortieren. Ist die Übertragung abgeschlossen, hat der Server ausgedient und kann wieder deinstalliert werden.
Literatur
[1] Murat Ă–zkilic, Umzugshelfer, E-Mails aus Outlook Express konvertieren, c't 22/03, S. 178
[2] Torsten Will, Mail-Bouncing, Archivierte E-Mails auf Server transferieren, c't 15/04, S. 158