High Noon in Blau
Lange galt Sonys Spielkonsole Playstation3 als der Blu-ray-Player mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis. Doch mittlerweile sind Standalone-Player auf dem deutschen Markt, die nicht nur wesentlich billiger sind als die Konsole, sondern nach Angaben ihrer Hersteller beim Thema Blu-ray endlich auch mehr zu bieten haben.
Als die Blu-ray Disc (BD) vor gut einem Jahr ihre Konkurrentin HD DVD im Kampf um die DVD-Nachfolge ausstach, blieb der Jubel bei den Herstellern von Stand-alone-Playern verhalten. Immerhin hatte die Blu-ray Disc Association (BDA) als Verband hinter dem HD-Disc-Format auf dem Weg zum Sieg so häufig Sonys Spielkonsole Playstation 3 (PS3) als preiswertesten Blu-ray-Player angepriesen, dass nur noch eingefleischte Heimcineasten überhaupt den Kauf eines anderen Geräts in Betracht zogen. Den Rest erledigten die Hersteller selbst – mit einer ersten Gerätegeneration, die der PS3 bei höchstens gleich gutem Bild und Ton bezüglich Funktionsvielfalt und Ladezeiten hoffnungslos unterlegen war.
Die aktuellen Stand-alone-Modelle versprechen nun eine Leistung, die die Blu-ray-Fähigkeiten der PS3 sogar übertreffen soll. Schnäppchenjäger wollen Hersteller und Einzelhandel wiederum über Preise, die teilweise recht deutlich unter dem der Konsole liegen, von der DVD zur BD zu locken. Und tatsächlich kann jeder Blu-ray-Player nicht nur auch DVDs wiedergeben, sondern soll die „alten“ Scheiben dank eingebautem Upscaling-Chip und digitaler Audio/Video-Schnittstelle HDMI (High-Definition Multimedia Interface) auf dem neuen Flachbild-Fernseher auch noch super aussehen lassen.
Die Strategie scheint bei den Kunden anzukommen: Mehr als 110 000 Stand-alone-Player für das Blu-ray-Format gingen bislang in Deutschland über die Ladentheke, knapp ein Drittel davon alleine im vergangenen Dezember. Grund genug, einmal in einem Vergleichstest zu klären, ob der Siegeszug der PS3 als Blu-ray-Player beendet ist. Wir bestellten dafür acht aktuelle Stand-alone-Player von Funai, Onkyo, Panasonic, Philips, Samsung und Sony in die Redaktion und ließen sie gegen die Playstation 3 antreten. Als Auswahlkriterium zogen wir dabei den jeweils aktuellen Straßenpreis heran, der den der PS3 nicht übersteigen sollte.
HD-Video
Blu-ray-Player lediglich als eine Art DVD-Player mit besserer Bild- und Tonqualität zu betrachten ist etwas zu kurz gedacht: Die neuen Video- und Audio-Codecs sorgen zusammen mit dem High-Definition Multimedia Interface in seinen verschiedenen Fassungen und einer ganzen Palette von möglichen Features für zahllose Ausstattungsvarianten.
Einige Fähigkeiten und Funktionen sind jedoch bei allen Modellen gleich: So muss jeder Blu-ray-Player die drei Videokompressionsverfahren MPEG-2, MPEG-4 AVC (H.264) und VC-1 verarbeiten können. Alle Geräte geben hochaufgelöste Filme zudem je nach Einstellung des Anwenders in zwei Auflösungen mit 1920 x 1080 oder 1280 x 720 Bildpunkten bei einer Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz aus, die alle europäischen HDTV-Fernsehgeräte mit HD-ready-Logo wiedergeben können. Erfolgt die Wiedergabe in Vollbildern (progressive), spricht man von 1080p- beziehungsweise 720p-Wiedergabe. 1080i (i für interlaced) bezeichnet die Halbbild-Ausgabe von Videos in der höchsten HD-Auflösung, einen entsprechenden Modus gibt es für die kleinere HD-Auflösung nicht. Wie bereits angesprochen, kann jeder Blu-ray-Player auch Video-DVDs wiedergeben, wobei er die in Standardauflösung vorliegenden Videos gewöhnlich auf die gewählte Auflösung 1080i/p oder 720p hochrechnet.
Nachdem die ersten Blu-ray-Player Filme von Blu-ray Discs über HDMI nur im Vollbildmodus 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde (1080p60) ausgeben konnten, bieten alle Testkandidaten auch die Weitergabe mit 24 Vollbildern pro Sekunde (24p, 1080p@24F oder 1080p24 genannt), also der Frequenz, in der Kinofilme auch aufgenommen werden. Viele moderne Flat-TVs können 24p-Material ruckelfrei auf ihre Displayfrequenz von 60 Hertz beschleunigen, während Player bei der 60p-Ausgabe bei bestimmten Szenen (vor allem langsame vertikale Schwenks über ruhige Szenen) ein sichtbares Ruckeln produzieren. Die 24p-Ausgabe mindert aufgrund einer niedrigeren Bitrate auch die Ansprüche an das HDMI-Kabel – weshalb sich in diesem Modus generell längere Strecken störungsfrei überbrücken lassen als bei der 1080p60-Ausgabe.
Videofilme (beispielsweise reine HDTV-Produktionen wie Konzertaufnahmen oder Dokumentationen) werden mit 60 Halbbildern pro Sekunde auf Blu-ray Disc gespeichert und lassen sich auch lediglich in 60 Halb- oder 60 Vollbildern pro Sekunde (1080i60/1080p60) ausgeben. Letzteres setzt ein De-Interlacing (Zusammenfügen der zeitlich voneinander getrennten Halbbilder zu Vollbildern) voraus, das die Player durchaus unterschiedlich gut beherrschen. Europäische DVDs geben die Blu-ray-Player gemäß der PAL-Spezifikation mit 50 (Halb- oder Voll-)Bildern pro Sekunde aus, nicht jedoch Blu-ray Discs, da die Speicherung von Videos mit dieser Bildfrequenz hier nicht spezifiziert ist.
Viele 24p-fähige Blu-ray-Player besitzen eine Automatik, mit der sie feststellen können, ob der angeschlossene Fernseher Videos im Format 1080p mit 24 Hertz entgegennehmen kann. Hierzu lesen sie über die HDMI-Verbindung die im Display-Chip des Fernsehers gespeicherten sogenannten EDID-Informationen (Extended Display Interface Data) aus. Da diese Angaben falsch sein können, ist es schön, wenn sich der Player auch zur 24p-Ausgabe zwingen lässt (Force-Modus genannt). Dies ist in der Tabelle auf Seite 130 für jedes Gerät aufgeführt. Die zwangsweise 60p-Ausgabe, die bei einem EDID-Fehleintrag in die andere Richtung notwendig wird, beherrschen alle Testkandidaten.
Video-Verkabelung
Die höchste Bildqualität gibt es über die HDMI-Verbindung. Alle getesteten Geräte besitzen zwar auch einen analogen YUV-Komponentenausgang, liefern Videobilder von Blu-ray Discs darüber aber höchstens mit der Halbbildauflösung 1080i – und das auch nur, wenn das Studio auf der abzuspielenden Scheibe nicht „aus Kopierschutzgründen“ das sogenannte ICT-Flag (Image Constraint Token) setzt. Video-DVDs geben die Player über den YUV-Ausgang nur in der progressiven Standardauflösung 576p (bei PAL-Discs) beziehungsweise 480p (bei NTSC-Scheiben) aus – auch wenn einige Geräte in ihrem Menü oder auf dem Display dabei beispielsweise „1080p“ anzeigen. Um aus den HD- und/oder DVD-Videos wirklich das letzte Bit Qualität herauszuquetschen, bieten einige Player (mehr oder minder wirksame) Bildverbesserungsfunktionen an – dazu mehr in den Einzelbesprechungen.
Wie viele DVD-Player bekommen auch Blu-ray-Player Schwierigkeiten, wenn man eine Film-DVD einlegt, die fälschlicherweise mit einem Video-Flag gekennzeichnet ist. Dass kommt nicht allzu oft vor, doch sind auch große Produktionen (Gladiator, Star Wars – Episode II, Mission to Mars) betroffen. Verlässt sich der Player auf diesen Marker (sogenannte „Flag Reader“), versucht er die vermeintlich zeitlich auseinanderliegenden Halbbilder durch De-Interlacing zusammenzubringen statt sie schlicht zu einem Vollbild zusammenzufügen. Das Ergebnis äußert sich vor allem bei Schwenks in zerrissenen Kanten und flirrenden Strukturen. Lösen können dieses Problem Player mit einem Videoprozessor, der die einzelnen Halbbilder miteinander vergleicht und so selbst herausfindet, ob ein Film oder eine Videoproduktion vorliegt – und Modelle, die sich einfach den Filmmodus aufzwingen lassen.
HD-Audio
Zu den von der DVD bekannten Surround-Sound-Verfahren Dolby Digital und DTS kommen bei der Blu-ray Disc die sogenannten „HD-Audio-Formate“ hinzu. Zum einen sind dies Dolby Digital Plus und DTS-HD High Resolution (HR), die zwar immer noch verlustbehaftet komprimiert sind, aber dank höherer Datenrate eine sanftere Kompression und damit einen besseren Sound versprechen. Für Audiophile wurden mit Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio (MA) zwei Surround-Formate eingeführt, die mit verlustfreier Kompression Studioqualität bieten. PCM-Ton, der sich auf DVD nur in einer Zweikanal-Fassung fand, gibt es hier schließlich in einer Mehrkanal-Variante. Obwohl PCM-Ton den „HD-Audio-Formaten“ qualitativ in nichts nachsteht, zählt ihn die BDA nicht dazu.
Darüber, ob ein in Mehrkanal-PCM oder in einem der HD-Audio-Formate kodierter Filmton hörbar besser klingt als einer in Dolby Digital oder DTS, lässt sich vorzüglich streiten. Fakt ist, dass in vielen Fällen die Investition in bessere Lautsprecher einen deutlicheren Zugewinn an Klangqualiät bringt als das Aufrüsten des Heimkinos mit HD-Audio-Zuspielern.
HD-Audio-interessierte Nutzer dürften sich fragen, ob und wie sie die neuen Surround-Formate überhaupt in ihrem Heimkino hörbar machen können. Am einfachsten ist es für Anwender, die einen Audio/Video-Receiver mit eigenen Decodern für die HD-Audio-Formate besitzen. In diesem Fall kann der Blu-ray-Player als reiner Zuspieler dienen, der die Soundtracks als Bitstream via HDMI an den Receiver weiterleitet. Letzterer kümmert sich dann auch darum, dass die Signale korrekt auf die einzelnen Boxen verteilt werden. Das klappt, wenn beide Geräte HDMI 1.3(a) unterstützen – wovon man bei A/V-Receivern mit eingebautem HD-Audio-Decoder ausgehen kann.
PCM-Ton mit bis zu 7.1 Kanälen kann man mit allen HDMI-fähigen Geräten ab Version 1.1 übertragen. Dieser Fähigkeit kommt umso mehr Bedeutung zu, wenn die direkte Bitstream-Übertragung der HD-Audio-Formate über HDMI nicht möglich ist, weil es dem A/V-Receiver an einem passenden Decoder mangelt oder der Blu-ray-Player keinen HDMI-1.3-Port besitzt. Dann lässt sich die HDMI-Verbindung jedoch nutzen, wenn der Player einen Decoder eingebaut hat, der das gewünschte HD-Audio-Format in einen Mehrkanal-PCM-Datenstrom wandelt und so per HDMI zum A/V-Receiver schickt. Leider sieht man einem Blu-ray-Player von außen nicht an, ob er einen Decoder zur Wandlung von HD-Audio-Formaten zu Mehrkanal-PCM an Bord hat – und welche HD-Audio-Formate dieser konkret verarbeiten kann. Hier hilft ein Blick in die Tabelle auf Seite 130.
An den sechs oder acht Cinchbuchsen auf der Rückseite sind hingegen Geräte zu erkennen, die einen Decoder eingebaut haben, um Surround-Formate in analogen Mehrkanalton zu wandeln, der nur noch verstärkt werden muss. Dekodierung und Digital-Analog-Wandlung überlässt man sinnvollerweise dem höherwertigen Gerät. Im Zweifel findet man das durch eigene Hörtests heraus.
Audio-Fallstricke
Da der Filmton üblicherweise über ein Satelliten-Subwoofer-System wiedergegeben wird, müssen sich die Größen der einzelnen Lautsprechergruppen (Frontlautsprecher, Center, Surroundboxen) festlegen und das (Nicht-)Vorhandensein eines Tieftöners irgendwo einstellen lassen. Andernfalls werden die Boxen mit Frequenzen beschickt, die sie eventuell nicht verzerrungsfrei wiedergeben können. Daneben sollten sich die Laufzeiten zwischen Front- und Surround-Boxen der jeweiligen räumlichen Gegebenheiten anpassen lassen. Sinnvollerweise nimmt man diese Einstellung am A/V-Receiver als Zentrale des Heimkinos vor. Viele Surround-Verstärker geben dem Anwender diese Möglichkeit jedoch nicht, wenn man den analogen Mehrkanal-Tonausgangs nutzt. Daher müssen sich im Decoder eines Blu-ray-Players mit analogem Mehrkanal-Tonausgang diese Parameter festlegen lassen. Zur Kür gehört die Möglichkeit, auch gleich die Pegel der einzelnen Lautsprecher im Player festlegen zu können; diese Anpassung kann man (global für alle Quellen) ansonsten auch am A/V-Receiver vornehmen.
Den vom DVD-Player gewohnten Digitalausgang (SPDIF) in optischer beziehungsweise elektrischer Ausführung findet man bei den Blu-ray-Playern weiterhin, transportieren lässt sich darüber allerdings lediglich Dolby-Digital-, DTS- und Stereo-PCM-Ton – was vielen Anwendern aber eben auch weiterhin reichen dürfte. Einen Stummfilm erlebt man bei der Blu-ray-Wiedergabe auf keinen Fall: Dolby-Digital-Plus- und Dolby-TrueHD-Tonspuren enthalten einen Dolby-Digital-, DTS-HD-Spuren (egal ob High Resolution oder Master Audio) stets einen Standard-DTS-Kern. Auf Blu-ray Discs mit Mehrkanal-PCM-Spur muss sich zwingend eine weitere Tonspur derselben Sprache befinden, die sich via SPDIF ausgeben lässt.
So sinnvoll es bezüglich der Abwärtskompatibilität war, die HD-Audio-Codecs mit einem aus den Grundformaten bestehenden Kern auszustatten, so problematisch ist diese Lösung, wenn es darum geht, wie im Player die Wandlung der Formate in mehrkanalige PCM-Datenströme vonstatten geht. Am Ausgabeformat lässt sich schließlich nicht erkennen, ob der eingebaute Decoder tatsächlich das HD-Audio-Format oder lediglich den Dolby-Digital- oder DTS-Kern in einen PCM-Stream umwandelt. Letztlich muss der audiophile Anwender bei dieser Angabe also dem Hersteller vertrauen. Tatsächlich sind auch deren Angaben nicht immer eindeutig. Hinzu kommt, dass sich der Decoder eines Players eventuell durch Updates auf neue HD-Audio-Formate hochrüsten lässt.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 06/2009. (nij)