Maxi-Mobile
Die Leistungsfähigkeit von PC-Komponenten wächst schneller als die Anforderungen der meisten Programme – warum also nicht statt eines Desktop-PC ein etwas leistungsschwächeres Notebook kaufen? Die größten Vertreter mit 18,4-Zoll-Displays haben fast so viel Schirmfläche wie die gängigen 19-Zoll-Monitore und versprechen gleichzeitig Mobilität und wenig Kabelsalat.
Den ersten Riesen-Notebooks mit Bildschirmgrößen jenseits der gängigen 17 Zoll Bilddiagonale war kein Erfolg beschert, die 19- und 20-Zöller [1] sind inzwischen vom Markt verschwunden. Erst die im Frühjahr 2008 eingeführte Größe von 18,4 Zoll [2] konnte punkten: Da solche Panels ein filmfreundlicheres Seitenverhältnis von 16:9 haben, sind die Gehäuse damit bestückter Notebooks nicht wesentlich tiefer als die von 17-Zoll-Geräten mit 16:10-Displays, sondern nur ein paar Zentimeter breiter – trotzdem bieten sie eine über zehn Prozent größere Schirmfläche.
Allerdings scheinen die älteren Fehlschläge mit Maxi-Notebooks etliche Hersteller abgeschreckt zu haben, denn derzeit, etwa ein Jahr nach dem Erstling, gibt es nur eine Handvoll an 18,4-Zöllern – wir haben alle erhältlichen hier versammelt. Von Pionier Acer sind die Aspire-Modelle 8530G und 8930G vertreten, von Fujitsu Siemens die beiden Amilo Li 3910 und Xi 3650. Medion schickte das Akoya P8610, Sony das Vaio VGN-AW21M/H. Toshibas Qosmio G50 schließt das Testfeld ab. Die Preise der sieben Kandidaten unterscheiden sich stark: Das günstige Amilo Li 3910 kostet gerade mal 650 Euro, wohingegen es Varianten des VGN-AW21 für 3500 Euro gibt. Die hier getestete Konfiguration kostet jedoch nur 1170 Euro; das restliche Testfeld liegt im Rahmen von 800 bis 1650 Euro.
Gerne hätten wir auch HPs Pavilion HDX18 getestet, doch das Notebook befand sich zum Testzeitpunkt bereits im Abverkauf; bei Erscheinen dieses Hefts dürfte es nur noch Restposten geben. Ein Nachfolger ist laut HP noch nicht in Sicht. Die Notebooks Acer Aspire 8730, Asus W90Vp und Clevo M980NU (das hierzulande in Kürze von einigen kleinen Notebook-Anbietern unter eigenen Namen vertrieben wird) waren hingegen noch nicht lieferbar.
Bedienung
Die breiten Gehäuse bieten genug Platz für normalgroße Tastaturen samt Ziffernblock. Die Tasten von Medions Akoya P8610 messen in der Breite allerdings nur 18,5 Millimeter statt den üblichen 19 Millimetern und der Ziffernblock ist nur dreispaltig ausgeführt – gewöhnungsbedürftig. Dafür sitzt die Tastatur hier so weit rechts, damit sich die Leertaste fast mittig vor dem Display befindet. Bei den anderen Geräten sitzt man beim Tippen dagegen vor der linken Bildschirmhälfte statt der Mitte – besonders seitenlastig sind das Aspire 8530G und das AW21M/H.
Immerhin stören dabei keine allzu groben Farbverfälschungen, denn alle Displays zeigen beim Blick von der Seite noch ein recht ordentliches Bild. Beim Blick von oben oder unten werden die Bildschirminhalte aber grundsätzlich deutlich blasser oder erscheinen invertiert – selbst der billigste Desktop-Monitor ist wesentlich blickwinkelstabiler. Dort kann man sich zudem auf Wunsch für ein Modell mit matter Oberfläche entscheiden; die hier getesteten Notebooks haben hingegen ausschließlich Spiegeldisplays.
Die Panels im Amilo Xi 3650 und im Qosmio G50 stellen dank Wide Color Gamut besonders kräftige Farben dar – weit mehr als im normalen sRGB-Farbraum enthalten sind. Da kann es einem ohne Kalibrierung schon mal zu bunt werden – mehr dazu ab Seite 164. Die Panels der beiden Acer-Geräte zeigen ziemlich genau den sRGB-Farbraum, was bei externen Monitoren normal, bei Notebooks aber noch die Ausnahme ist. Die restlichen drei Kandidaten haben Notebook-typisch blasse Farben.
Ausstattung
Der Turion-Ultra-Prozessor im Aspire 8530G und der Pentium Dual-Core im Amilo Li 3910 rechnen etwas langsamer als die Core-2-Duo-Prozessoren in den anderen Testgeräten, doch für Büroarbeiten und Multimedia-Aufgaben reichen auch sie aus – zumal es sich ebenfalls um Doppelkerne handelt. Der Vierkernprozessor im Aspire 8930G liefert dagegen in herkömmlichen Single-Thread-Anwendungen nicht mehr Rechenleistung als ein ebenfalls mit 2 GHz getakteter Core 2 Duo und unterliegt sogar den höher getakteten Doppelkernen – wer aus seinen vier Kernen Profit schlagen möchte, benötigt angepasste Software. Solche ist noch rar und beschränkt sich auf Spezialgebiete wie Bildkonvertierung oder Videoschnitt, nicht mal die sonst so ressourcenhungrigen 3D-Spiele laufen damit schneller.
Für Spiele sind alle hier getesteten Notebooks sowieso eher schlecht als recht gerüstet, denn die Darstellung detailreicher 3D-Welten in den hohen Bildschirmauflösungen überfordert die vertretenen Mittelklasse-Grafikchips [3]. Ruckelfreie Bildwiederholraten gibt es nur, wenn man den Detailgrad herunterschraubt oder die Bildschirmauflösung reduziert – in beiden Fällen sieht die Grafik deutlich schlechter aus als auf den Werbe-Screenshots der Spielehersteller. Die Chipsatzgrafik im Amilo Li 3910 ist selbst dafür zu langsam.
Das Aspire 8530G, das Amilo Xi 3650 und das Akoya P8610 können ihre 3D-Chips abschalten und die Grafikausgabe an die Chipsatzgrafik übergeben. Beim Amilo und beim Akoya spart das Strom, doch beim Aspire konnten wir keine Unterschiede bei geringer Systemlast messen.
Eingeschränkte Mobilität
Mit um die drei Stunden Laufzeit bei auf 100 cd/m2 abgedunkelten Displays schlagen sich alle Testkandidaten wacker – das reicht aus, um der Verwandtschaft beim Kaffeeklatsch die neusten Familienfotos zu zeigen. Zusatzakkus wie bei kleineren Notebooks, die die Laufzeit auf arbeitstagtaugliche fünf bis zehn Stunden bringen, gibt es für die 18,4-Zöller aber nicht, und für Zug oder Hörsaal sind sie einfach zu groß. Auch das Gewicht spricht gegen einen echten mobilen Einsatz: Das Amilo Li 3910 ist mit seinen 3,3 Kilogramm bereits ein Leichtgewicht, üblich sind um die 4 Kilogramm und das Qosmio G50 bringt noch eines mehr auf die Waage.
Sein Gewicht kommt nicht von ungefähr, denn es hat eine TV-Karte, einen Spezialprozessor zur Videobearbeitung und (wie auch das Amilo Xi 3650) gleich zwei Festplatten an Bord. Bei den beiden Acers und Sonys AW21M/H gibt es zwei Platten in anderen Ausstattungsvarianten; in den anderen getesteten Konfigurationen steckt jeweils nur eine. Die leeren Schächte lassen sich leider nicht ohne Weiteres mit einer zweiten Platte bestücken, denn die nötigen Befestigungsrahmen fehlen – und manchmal sogar die SATA-Anschlüsse selbst.
32-Bit-Limit
Obwohl fast alle Kandidaten die Fertigungshallen mit 4 GByte Arbeitsspeicher verließen, kann man davon nur rund 3 GByte nutzen, weil die Hersteller nur 32-Bit-Betriebssysteme installiert haben. Wer mehr will, muss Vista in einer 64-Bit-Version installieren, was nicht immer gelingt. Während Medion seinem Notebook vorbildlicherweise Recovery-DVDs für 32 und 64 Bit mitliefert, muss man sich die Medien bei den anderen Herstellern erst selbst brennen – hier gibts dann natürlich nur 32 Bit. Selbst wer bereits eine normale 64-Bit-Vista-DVD besitzt, kann Windows zwar mit der 32-Bit-Seriennummer installieren und legal nutzen, doch nur Acer und Fujitsu Siemens (nur Amilo Xi 3650) stellen auch die benötigten 64-Bit-Treiber auf ihren Webseiten zur Verfügung.
Bis auf das Amilo Li 3910 haben alle Testkandidaten außer einer VGA-Buchse auch einen HDMI-Anschluss, der Video- und Audiosignale verlustfrei, weil digital, an Flachbildfernseher überträgt. Das Aspire 8930G bietet zusätzlich eine modernere DisplayPort-Schnittstelle, mit der sich auch große 30-Zoll-Monitore ansteuern lassen. Das Qosmio G50 hat den kaum noch zu findenden klassischen analogen TV-Out an Bord.
Alle Geräte übertragen digitale Audiodatenströme per optischen SPDIF. Außer bei Sony und Toshiba lassen sich die Klinkenbuchsen zur analogen Ausgabe von 5.1-Sound umkonfigurieren.
Die Lautsprecher in den Notebooks von Medion, Sony und Toshiba sind das Beste, was man derzeit in Notebooks findet, denn die Satelliten-Boxen zwischen Tastatur und Display werden von kleinen Subwoofern an der Unterseite unterstützt. Bässe wummsen deshalb ganz ordentlich, und die maximalen Lautstärken reichen selbst für einen Videoabend in geselliger Runde locker aus. Die Lautsprecher des Aspire 8950G und des Amilo Xi 3650 können sich ebenfalls hören lassen, wohingegen die im Aspire 8530G leiser und etwas blechern klingen. Das Schlusslicht ist das Amilo Li 3910: Es tönt arg blass und leise, Bässe fehlen.
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 9/2009.
[1] JĂĽrgen Rink, Wachstumsgrenze, Riesen-Notebooks mit 20-Zoll-Breitbild-Display, c't 2/2007, S .94
[2] Florian MĂĽssig, Breitmaul-Multimedia, 16- und 18,4-Zoll-Notebooks mit 16:9-Displays, c't 11/2008, S. 98
[3] Florian MĂĽssig, Zocker-Immobilien, Notebooks fĂĽr Gamer, c't 5/2009, S. 152
"Notebook statt PC?"
| Artikel zum Thema "Notebook statt PC?" finden Sie in der c't 09/2009: | |
| Notebooks mit 18,4-Zoll-Bildschirm | S. 88 |
| 17-Zoll-Notebooks mit Workstation-Ausstattung | S. 96 |
(mue)