Alternativ

In den letzten Monaten haben die Druckerhersteller die Preise für ihre Patronen kräftig erhöht und damit auch den Druck auf ihre Kunden, sich nach günstigeren Alternativen umzusehen. Die sind zwar zahlreich, nötigen dem Anwender jedoch oft Zugeständnisse bei Komfort und Qualität ab. Wir zeigen, welche Angebote sich trotzdem lohnen.

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Von
  • Tim Gerber
  • Stefan Labusga

Mit den Tintenpreise halten es die Druckerhersteller wie Banken mit den Leitzinsen: Erhöhungen gibt man an die Kunden weiter, sinkende Kurse verwandelt man lieber in eigene Gewinne. So haben auch die Druckerhersteller die kräftigen Steigerungen ihrer Patronenpreise Ende letzten Jahres mit dem gestiegenen Dollar begründet. Der ist längst wieder unten, doch die Preise der Druckerpatronen sind oben geblieben. Inzwischen kostet beispielsweise eine Standardseite nach ISO-Norm bei einfachen Druckern des Branchenprimus Hewlett-Packard über 18 Cent. Das ist viel Geld, wenn man bedenkt, dass auf so einer Normseite im Grunde kaum etwas drauf ist [1] und in der Praxis sehr viel höhere Druckkosten anfallen, besonders wenn Bilder, Grafiken oder Fotos gedruckt werden.

So hohe Preise lassen sich nur durchdrücken, wenn man quasi ein Monopol innehat. Das dürfte es in der Theorie der regulierten Marktwirtschaft zwar nicht geben, doch Theorie ist bekanntlich grau und wir sprechen hier von Farbe. In der Praxis gibt es aus den vielfältigsten Gründen für viele Drucker kaum Alternativ-Angebote. So konnte keiner der von uns gefragten Hersteller kompatible Produkte für Lexmarks Patronen Nummer 40 und 41 liefern, die wir gern getestet hätten, weil sie sich in vielen aktuellen Modellen des Herstellers finden. Die Ursache liegt wohl darin, dass Lexmark ausschließlich Tintenpatronen mit integriertem Druckkopf einsetzt. Die sind patentrechtlich geschützt, und den Tintenherstellern bleibt nur der Weg, leere Lexmark-Kartuschen einzusammeln und mit der eigenen Tinte wiederzubefüllen. Dies wiederum setzt voraus, dass geeignetes Leergut in ausreichender Zahl vorhanden ist – was bei Lexmark aufgrund des relativ kleinen Marktanteils nicht ohne Weiteres gegeben ist. Außerdem verpflichtet der Druckerhersteller seine Kunden per Kleingedrucktem, leere Kartuschen zurückzugeben. Kartuschen ohne Rückgabepflicht bietet Lexmark nur gegen Aufpreis an. Wer beim Drucken auf günstige Tintenalternativen spekuliert, sollte deshalb von solchen Druckern eher absehen. Dasselbe gilt für die ebenfalls von Lexmark stammenden Dell-Tintendrucker.

Bei den deutlich weiter verbreiteten Kombipatronen von Canon und HP – auch diese Patronen haben einen integrierten Druckkopf und sind per Patent vor Nachbau geschützt – ist das Angebot an wiederbefüllten Produkten aufgrund fehlenden Leerguts ebenfalls recht überschaubar. Für die getesteten Canon-Patronen mit der Bezeichnung PG-40 (Schwarz) und CL-41 (Farbe) konnten wir immerhin acht Anbieter finden. Für HPs Patronen 350 (Schwarz) und 351 (Farbe) fanden sich nur sechs Anbieter, die wiederbefüllte Patronen liefern. Wir haben für die HP-Patronen noch drei Tinten zum selbst Nachfüllen einbezogen. Refill-Tinte für die im Aufbau sehr ähnlichen Canon-Patronen haben wir bereits getestet [2].

Das größte Sortiment an Alternativen findet man für Canons Einzeltintentanks der Pixma-Serie mit der Bezeichnung BCI-8 (Farbe einschließlich Fotoschwarz) und PGI-5Bk (Textschwarz). Die Drucker und Multifunktionsgeräte mit den fünf separaten Patronen erfreuen sich zu Recht ausgesprochener Beliebtheit. Weniger beliebt sind allerdings die seit nunmehr vier Jahren eingebauten Füllstandschips, durch die günstige Patronen-Alternativangebote über lange Zeit erheblich behindert wurden. Erst vor ungefähr einem Jahr konnte die starke Verschlüsselung dieser Chips geknackt werden. Inzwischen wird eine recht erkleckliche Zahl von kompatiblen Patronen mit einem nachgebauten Chip angeboten. Zum Vergleich insbesondere der Kostenersparnis haben wir auch Patronen ohne eigenen Chip und einige Nachfülltinten in den Test aufgenommen.

Bei Canons jüngster Chippatronengeneration vom Typ 520, die sich in den aktuellen Pixma-Modellen (zum Beispiel dem iP4600) findet, scheint die Entwicklung eines kompatiblen Chips deutlich schneller zu gehen als bei der ersten Generation. Während des Testzeitraums waren dafür zwar noch keine kompatiblen Tintentanks zu finden, kurz vor Redaktionsschluss kündigte ein Anbieter jedoch an, schon in Kürze kompatible Patronen liefern zu können.

Epson hat schon vor sehr viel längerer Zeit Chips auf seinen Patronen eingeführt, im Gegensatz zu Canon jedoch auf eine Verschlüsselungstechnik verzichtet. So sind kompatible Patronen für Epson-Drucker relativ leicht zu entwickeln und das Angebot entsprechend breit. Aufgrund des recht komplexen Aufbaus der Patronen ist Selbernachfüllen hier faktisch ausgeschlossen, weshalb Nachfülltinte dafür auch nicht angeboten wird.

Gänzlich auf Chips verzichtet Brother bei seinen Tintenpatronen. Für den noch recht jungen Patronentyp LC-980 und LC-1100 fanden wir trotzdem nur ein einziges Angebot von kompatiblen Patronen. Dazu gesellen sich zwei Nachfülltinten-Sets. Das im Handel erhältliche, recht umfangreiche Sortiment an Ersatzpatronen für die Vorgängervarianten LC-970 und LC-1000 haben wir bereits in einem früheren Test unter die Lupe genommen [3].

Zum Test verwendeten wir für jeden Patronentyp ein gängiges Drucker- oder Multifunktions-Gerätemodell: Für Brother ein DCP-385C, Canons Kombipatronen mit Druckkopf (PG-40, CL-41) kamen in einen Pixma MP190, die Einzeltintentanks CLI-8 und PGI-5Bk in einem Pixma iP4500 zum Einsatz. Epson-Patronen testeten wir mit Exemplaren des Stylus Office B40W und die HP-Patronen wurden mit Hilfe des Photosmart C4480 geprüft.

Zur Qualitätskontrolle druckten wir eine Seite mit verschieden Text- und Grafikelementen, Schriftproben in normaler und besonders geringer Größe, Schmuckfonts, feine schräge Linien, graue Flächen und Verläufe. Fotodrucke in Farbe und Schwarzweiß fertigten wir auf dem jeweils vom Druckerhersteller empfohlenen Hochglanzpapier mit der höchsten Güte an. Die Bewertung erfolgte in insgesamt zehn Qualitätsstufen bezogen auf die vom jeweiligen Drucker mit der Tinte des Herstellers erreichten Ergebnisse. Letztere sind auf den Skalen jeweils mit Null angenommen, eine Bewertung mit Null bedeutet somit, dass die Qualität der des Originals entspricht. Die Bewertung erfolgte ausgesprochen streng: Schon feinste Streifen auf dem Foto oder ein leichter Farbstich im Grau führte – sofern er nicht auch im Original enthalten war – zu einer Abwertung um ein bis zwei Noten. Die Drucke sind aber insgesamt noch brauchbar. Erst ab einer Benotung von -3 und weniger treten die Fehler so deutlich zutage, dass die Ausdrucke nur noch bedingt – etwa für Konzepte – oder überhaupt nicht mehr taugen. In einigen wenigen Fällen erzielten wir mit den Alternativen sogar Fotodrucke, die um eine Notenstufe besser ausfielen als mit der Originaltinte. Absolut und nicht im Vergleich mit der Herstellertinte bewerteten wir die Wischfestigkeit beim Einsatz eines Textmarkers sowie die Beständigkeit der Farben nach einer Belichtung, die einem Jahr Sonneneinstrahlung hinter Glas entspricht.

Die Reichweiten der Patronen wurden in Anlehnung an die dafür bestehende Norm DIN/ISO 24711 mit dem dort vorgesehenen Dokument der Norm DIN/ISO 24712 getestet [1]. Bei Nachfülltinten ermittelten wir ebenfalls mit diesem Dokument den Verbrauch je Normseite in Millilitern. Die Ergebnisse haben wir in einen Ersparnisfaktor gegenüber den Patronen des jeweiligen Druckerherstellers umgerechnet und in den Tabellen in Prozenten ausgewiesen. Die Zeile für Schwarz repräsentiert den Anteil der schwarzen Tinten an den Gesamtkosten für den Druck des Normdokuments in Farbe und nicht etwa den Druck des Normdokuments nur mit schwarzer Tinte. Letzteres ist in der Norm für die Reichweitenermittlung bei Farbdruckern nicht vorgesehen. Die zweite Zeile für den Farbdruck repräsentiert somit den gesamten Tintenverbrauch für alle Farben einschließlich Schwarz. Der Eintrag für die Tinte des Druckerherstellers steht jeweils in der ersten Spalte der Tabelle. Hier sind die Druckkosten in Cent je Seite nach der genannten ISO-Norm angegeben, ebenfalls getrennt in die Gesamtkosten und den Kostenanteil für Schwarz.

Baugleiche Patronen mit höherer Kapazität funktionieren oftmals nicht in günstigeren Druckermodellen. Das betrifft in diesem Test beispielsweise das Brother-Pärchen LC-980/LC-1100, die Canon-Patronen PG-40/CL-41 und deren Pendants mit höherer Füllmenge PG-50/CL-51, in früheren Tests auch die HP-Patronen Nummer 21, 22 und 56, 57 [5]. Bei der Berechnung des Sparpotenzials haben wir deshalb immer die Patronen mit der niedrigeren Füllmenge zugrunde gelegt, da sie in alle im Kasten aufgelisteten Drucker passen. Für die getesteten HP-Patronen 350/351 bietet der Hersteller XL-Varianten mit höherer Füllmenge an, die in jedes Gerät passen. Da sich bei den XL-Patronen der Spareffekt durch Alternativtinte verringert, haben wir das Sparpotenzial hier im Vergleich zu beiden HP-Patronenvarianten angegeben.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 12/2009.

Literatur

[1] Johannes Schuster, Leerauftrag, Neue Norm zur Reichweitenmessung bei Tintendruckern, c't 7/07, S. 238

[2] Tim Gerber, Sparmaßnahmen, Alternativen für Canons „verdongelte“ Patronen, c't 17/06, S. 178

[3] Tim Gerber, Stefan Labusga, Abgewogen, Ersatztinte fĂĽr Brother, Canon, HP und Lexmark, c't 17/07, S. 132

[4] Tim Gerber, FĂĽll mich!, Wann sich WiederbefĂĽllen an einer Tintentankstelle lohnt, c't 18/06, S. 158

[5] Tim Gerber, Gestochen, NachfĂĽlltinte fĂĽr HP-Patronen, c't 20/04, S. 190 ()