Flash-Magie
Lange ließ Adobe die Anwender auf die erste Vorabversion des aufsehenerregenden Entwicklungswerkzeugs Flash Catalyst warten. Außerdem präsentiert der Software-Konzern Betas des Flex 4 SDK und des in „Flash Builder“ umbenannten Flex Builder 4.
- Herbert Braun
Als Adobe im Herbst 2007 zum ersten Mal ein Konzept namens „Thermo“ öffentlich vorführte, klappte bei etlichen der anwesenden Flash-Experten die Kinnlade herunter – schließlich trat das Programm mit dem Anspruch an, aus gewöhnlichen Grafiken mit ein paar Mausklicks funktionierende Flash-Anwendungen zu zaubern.
Ganz leicht scheint sich Adobe mit der Magie nicht getan zu haben, denn bis aus den ersten Demos eine erste öffentliche Beta wurde, sind immerhin eindreiviertel Jahre und zwei Umbenennungen (erst in „Catalyst“, jetzt in „Flash Catalyst“) vergangen – und dass die finale Version noch dieses Jahr fertig wird, möchte im Augenblick noch niemand versprechen. Flash Catalyst (Adobe-Kürzel Fc) soll als Bindeglied zwischen den Gestaltungswerkzeugen und dem Flex-Framework fungieren. Damit übernimmt es eine ähnliche Rolle wie Expression Blend bei Microsofts XAML/Silverlight-Technik, allerdings auf ganz andere Weise.
Die Anwendung kann Grafiken im Photoshop- (PSD) und Illustrator-Format (AI) importieren und erkennt die dort definierten Layer. Eigene Gestaltungswerkzeuge fehlen; für die Nachbearbeitung einzelner Layer holt ein Doppelklick darauf das zuständige Grafikprogramm auf den Schirm. Wichtigster Arbeitsschritt ist die Kennzeichnung der interaktiven Bereiche, beispielsweise als Schaltfläche, Texteingabefeld oder Liste.
Auch die Verknüpfung von interaktiven Elementen ist möglich – so lässt sich eine Balkengrafik als Scrollbar (inklusive Balken, Leiste und Pfeiltasten) klassifizieren und einer Liste zuordnen. Je nach Art des Elements kann der Benutzer Zustände dafür definieren, zum Beispiel für Hover-Effekte. Auch die Anwendung selbst kann unterschiedliche Zustände haben, in der etwa Teile der Bedienoberfläche ausgeblendet sind und Bedienelemente mit Ereignis-Handlern für den Übergang versehen werden.
Flash Catalyst kann SWF-Dateien exportieren. Gedacht ist das Werkzeug aber weniger als Konkurrenz zu Flash Professional, sondern eher zum Erstellen von interaktiven Prototypen und Dummys, die sich über das FXP-Format in Flex Builder importieren und weiterbearbeiten lassen. Flash Catalyst kann zwar keine Datenbankanbindung herstellen, simuliert diese jedoch auf Knopfdruck mit Beispieldatensätzen. Das Programm wendet sich in erster Linie an Webdesign-Studios, in denen bisher der Entwickler die Entwürfe des Designers nachbauen muss.
Flex zu Flash
Eine Umbenennung und eine neue Version gibt es beim Flex Builder zu verzeichnen. Die auf Eclipse basierende Entwicklungsumgebung wird künftig „Flash Builder“ heißen; der Name Flex bleibt nur noch für das kostenlose SDK. Damit gibt es drei Entwicklungswerkzeuge, die alle „Flash“ im Namen tragen: Flash Builder, Flash Catalyst und das traditionsreiche Flash Professional.
Nach wie vor gemeinsam haben das Flex SDK und der Flash Builder (der ja auch das SDK enthält) die Versionsnummer: Adobe bietet nun Betas von Flex SDK 4 und Flash Builder 4 zum Download an.
Das Flex SDK 4, Codename „Gumbo“, macht es den Entwicklern künftig wesentlich einfacher, das Aussehen der Anwendung zu ändern: Mit Hilfe von ActionScript-Klassen, die per CSS in den MXML-Dateien verankert sind, lassen sich die Design-Informationen austauschen.
Mehr Neuheiten gibt es beim Flash Builder zu verzeichnen. So gehören zu den Programmierhilfen nicht nur die auch vom Builder unterstützten Templates, sondern auch Ereignis-Handler, Getter- und Setter-Methoden, welche die IDE beim Anzapfen von Online-Quellen über die im Framework integrierten Datendienste LiveCycle Data Services und BlazeDS automatisch generiert. Auch Code-Gerüste für serverseitige Anwendungen kann Flash Builder erzeugen.
Besonders praktisch ist der Formulargenerator, der ausgewählte Daten eines Webservice als editierbare Formularfelder oder als formatierten Text ausgibt. Per Drag & Drop lassen sich Anwendungskomponenten für die Ausgabe an die Benutzeroberfläche binden, etwa für Diagramme oder Datentabellen. In der Summe dürften diese Neuerungen Flex-Entwicklern die Verbindung von serverseitigen Techniken mit ihrer RIA erheblich vereinfachen – ein wichtiges Argument vor allem für Business-Anwendungen.
Dokumentation von importierten ActionScript-Klassen erscheint im Flash Builder als Tooltip. Mit Unit Tests, Builds von der Kommandozeile aus (sodass sich Werkzeuge wie Ant verwenden lassen) und verbesserten Debugging- und Refactoring-Möglichkeiten passt sich die IDE noch mehr den Bedürfnissen professioneller Programmierer an. Ein Netzwerk-Monitor erlaubt dem Entwickler, die online empfangenen Rohdaten einzusehen.
Die drei Betaversionen stehen unter http://labs.adobe.com/technologies/flash zum kostenlosen Download bereit. Finale Versionen von Flex Framework und Flash Builder sind noch fĂĽr dieses Jahr geplant. ()