Supernett-Books

Warum ist da eigentlich niemand vorher drauf gekommen? Notebooks, die fast so wenig wie Netbooks kosten, fast so praktikabel wie die klassischen, teuren Subnotebooks sind und fast so viel Ergonomie bieten wie größere Modelle. Diese neue Klasse mit Preisen ab 400 Euro fällt überraschend vielfältig aus, weil sich die Hersteller dem Problem von verschiedenen Seiten nähern.

vorlesen Druckansicht 13 Kommentare lesen
Lesezeit: 6 Min.

Die Netbooks haben den Notebook-Markt erfrischend durcheinandergewirbelt, doch ein vollwertiger Ersatz für ein Subnotebook sind sie nicht: zu winzig die Displays, zu fummelig die Tastaturen, zu lahm die Prozessoren, zu knauserig die Schnittstellenausstattung. Diese Lücke in ihrem Portfolio haben die Hersteller mittlerweile gestopft, sodass Interessenten zwischen mehreren Modellen mit 12- oder 13-Zoll-Display und Preisen meist von 400 bis 600 Euro wählen können.

Drei Arten von Geräten findet man, erstens aufgeblasene Netbooks (also Intels Atom-Plattform kombiniert mit größeren Panels) und zweitens weiter im Preis gesenkte, klassische Subnotebooks. Als dritte Lösung bieten AMD, Intel und sogar VIA neue Prozessoren an, die genau auf diese Geräteklasse – sie nennen sie meist Ultra-Thin- oder Thin-and-Light-Notebooks – zugeschnitten sein sollen. So richtig neu sind diese Prozessoren allerdings nicht. AMD verkauft unter dem Namen Athlon Neo eine abgespeckte Variante des bekannten Athlon Mobile und kramt zusätzlich den alten Embedded-Prozessor Sempron 210U heraus, VIA liefert die schon länger angekündigte Stromsparvariante eines älteren Designs aus. Intel senkt einfach die Preise von ein paar vormals teuren Stromsparprozessoren der ULV-Serie und nennt sie CULV – Consumer Ultra Low Voltage. Zusätzlich gibt Nvidia zu Protokoll, dass der Chipsatz Geforce 9400M in einer Ion genannten Variante sowohl mit Intels Atom wie auch CULV zusammenspielt.

Das klingt jetzt zwar komplizierter als es ist, doch die Wahl für einen der drei Lösungswege bestimmt ungewöhnlich viele Eigenschaften des Notebooks. Neun Geräte aller drei Strömungen erreichten uns für den Test: Netbooks mit großen Displays sind das Acer Aspire One 751 und das Lenovo Ideapad S12. Zu den günstigen Subnotebook-Klassikern zählen das Medion Akoya S2211 und das Toshiba Satellite U400. Die neuen Prozessoren stecken im Acer Timeline 3810T (Intel), Medion Akoya Mini E1312 (AMD), MSI X-Slim X340 (Intel), HP Pavilion dv2 (AMD) und Samsung NC20 (VIA).

Weitere Modelle werden in den nächsten Wochen erscheinen, waren aber für den Test nicht verfügbar. So soll Nvidias im Testfeld noch nicht vertretener Ion-Chipsatz in einer Variante des Lenovo S12 und einem Samsung-Notebook (vielleicht unter dem Namen N510) auftauchen. Asus hat sowohl ein 12-Zoll-Netbook wie auch ein CULV-Subnotebook angekündigt und Packard Bell will einen 12-Zöller mit AMD herausbringen. Weitere billige Klassiker sind sowohl angekündigt (beispielsweise das Dell Vostro 1220) wie auch schon vorhanden, teils als Restposten älterer Subnotebooks. So hatten wir zusätzlich das ab 500 Euro erhältliche Nexoc S626 im Haus, doch mit nur zweieinhalb Stunden Laufzeit, lautem Lüfter und Tastatur eher in Netbook-Größe erfüllte es nicht die Anforderungen an unseren Test.

Am schwersten und größten sind die zwei Klassiker Medion S2211 mit 12-Zoll-Display und Toshiba U400 mit 13,3-Zoll-Panel. Ihre Kühlsysteme vertragen Intels Core 2 Duo der T-Serie mit bis zu 35 Watt Abwärme, brauchen aber viel Platz und sind schwer. Doch man schleppt überflüssigen Ballast mit, denn die Preise um 600 Euro sind mit Intels Top-Prozessoren nicht realisierbar, sondern nur mit langsameren Varianten aus der Pentium Dual Core genannten Baureihe. Und die brauchen schon lange keine 35 Watt mehr, beim Medion haben wir eine maximale CPU-Abwärme von 25 Watt, beim Toshiba von 15 Watt gemessen. Doch weil es ums Billigsegment geht, spezifiziert weder Intel die Pentiums für eine niedrigere TDP (beispielsweise für die P-Serie mit 25 Watt), noch entwerfen die Hersteller kleinere Gehäuse. Im Vergleich zur Notebook-Mittelklasse empfindet man die beiden Klassiker mit fast vier Zentimetern Dicke und zwei Kilogramm Gewicht dann zwar als gut tragbar – aber nur, solange man nicht den Rest des Testfelds kennt.

Die sieben anderen Geräte wiegen zwischen 1,4 und 1,7 Kilogramm, was bis dato nur entweder mit der abgespeckten Netbook-Technik oder mit Subnotebooks weit über 1000 Euro erreichbar war. Die beiden 13-Zöller Acer Timeline und MSI X340 belegen eine etwas größere Grundfläche, sind aber überraschend flach. Am kompaktesten mit etwa DIN-A4-Grundfläche sind das Medion E1312 sowie die beiden Atoms, das Lenovo S12 und das (knapp kleinste) Acer 751. Etwas tiefer, aber noch sehr flach ist das HP dv2. Das Samsung NC20 hat ein recht dickes Hinterteil.

Keiner der neun Testkandidaten wirkt schlecht verarbeitet, übermäßig knarzig oder besonders empfindlich. Einige wie das MSI X340 oder HP dv2 haben sogar eine eher wertige Anmutung.

Am besten gefällt die Tastatur von Lenovo mit großen Tasten, angenehmem Anschlag und abgesetztem Cursorkreuz; gut sind auch die der beiden Acers und trotz etwas kleinerer Tasten die des Samsung NC20. Die Tastaturen im MSI X340 und Medion E1312 haben einen sehr flachen Anschlag und biegen sich etwas durch, auch die des Toshiba U400 sitzt nicht plan im Gehäuse. Wer nicht blind schreiben kann, bekommt beim Toshiba Schwierigkeiten, denn die Tastenoberflächen spiegeln stark; leicht glänzend sind auch die Tastaturen des Acer Timeline und HP dv2.

Auf dem Touchpad des dv2 hat man das Gefühl, wie auf Lack kleben zu bleiben – unangenehm. Beim MSI X340 und dem ebenfalls von MSI gefertigten Medion E1312 verstellt man während des Tippens oft versehentlich den Mauszeiger, weil man mit dem Handballen aufs Touchpad kommt – dem E1312 liegt ein guter Touchpad-Treiber mit regelbarer Empfindlichkeit und der Möglichkeit, den Touch-Klick abzuschalten, immerhin auf CD bei.

Alle neun Geräte haben spiegelnde Displays, mit einem zusätzlich spiegelnden Rahmen nerven das Acer 751, HP dv2, Lenovo S12, Medion E1312 und MSI X340. Besonders kontraststark oder farbkräftig sind sie allesamt nicht, aber zum Arbeiten reichts, auch für Fotos, wenn die Ansprüche an Farbtreue bescheiden bleiben. Immerhin erreichen sie alle gute bis sehr gute Helligkeiten, besonders das Acer Timeline und MSI X340 stechen mit gleichmäßiger hoher Helligkeit hervor.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 16/2009. (jow)