Auf den Spuren von HAL

Den extraterrestrischen Monolithen aus "2001: Odyssee im Weltraum" gibt es nun in Buchform. Zum GlĂĽck beantwortet er anders als in Kubricks Meisterwerk ein paar Fragen.

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Von
  • Robert Thielicke

Den extraterrestrischen Monolithen aus "2001: Odyssee im Weltraum" gibt es nun in Buchform. Zum GlĂĽck beantwortet er anders als in Kubricks Meisterwerk ein paar Fragen.

Seit der Zeit, in der Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" spielt, sind 14 Jahre vergangen. Eine Mondkolonie existiert nach wie vor nicht, den Jupiter hat noch immer kein Mensch besucht, auch unsere Kryokonservierung lässt auf sich warten. Wird es immer so bleiben? Vielleicht wäre die Antwort für viele ein klares Ja – wenn es im Film nicht die künstliche Intelligenz HAL 9000 gegeben hätte. Dann wäre Science-Fiction immer noch das eine und die Wirklichkeit etwas völlig anderes. Aber Kubrick wollte mit seinem Epos nicht nur eine spannende Handlung zeigen, sondern auch, "wie die Ingenieure und Wissenschaftler seiner Zeit die Zukunft sahen", schreibt Piers Bizony in "The Making of Stanley Kubrick's 2001: A Space Odyssey".

Wenn also Samsung sich im Patentstreit mit Apple auf Kubricks Film berief, um zu zeigen, dass die Kalifornier keineswegs den Touchscreen erfunden hatten, dann ist das einerseits eine nette Anekdote. Andererseits aber eben auch ein Zeichen für die Sorgfalt, die Kubrick auf technische Stimmigkeit legte. Bizonys Buch ist daher nicht nur ein Werk für Cineasten, sondern auch ein Ausflug in die Entstehung moderner Technologie – und in die Träume, die sich mit ihr verbinden.

Mit seinen 2,5 Kilogramm Gewicht ist es keine lockere Sofalektüre. Dafür gleicht der Inhalt die Mühen beim Blättern wieder aus. Bizony hat sich für eine üppige Bebilderung entschieden, mit zum Teil ausfaltbaren Fotos vom Set, Einblicken in die Spezialeffekte, Entwürfen der Raumschiffe und zahlreichen Szenenbildern. Seine Texte beschreiben die Entstehungsgeschichte, das erste Treffen zwischen Kubrick und Drehbuchautor Arthur C. Clarke und die Zusammenarbeit der beiden Exzen-triker. Wenn Bizony sich den Spezial-effekten am Set zuwendet, bleiben wohl nur Kinoliebhaber hängen. Alle anderen aber können wieder einsteigen, wenn er die Einflüsse der Technologen auf die filmische Umsetzung erklärt – und die Rolle großer Firmen bei den Dreharbeiten.

Heute würde man es als Product Placement bezeichnen, damals ging es noch als inhaltliche Zusammenarbeit durch. IBM beispielsweise lieferte das Design für den Bordcomputer, der zu diesem Zeitpunkt noch Athena hieß und keine spezielle Rolle im Drehbuch hatte. Dafür sollte das IBM-Logo im Film zu sehen sein. Doch das Drehbuch änderte sich, aus Athena wurde HAL. Aber ein übermächtiger Computer, der sich lästiger Menschen entledigt, wäre für IBM keine gute Werbung gewesen. Daher musste Kubricks Team dem Konzern eine Logo-Platzierung an anderer Stelle schmackhaft machen: nicht an Bord der Raumfähre Discovery One, die sich auf den Weg zum Jupiter macht. Sondern im Raumgleiter Orion III, der zwischen Erde und Raumstation pendelt – dafür aber "prominent".

In der Realität wurde aus Athena der Quizshow-Gewinner "Watson". Wir sind auf dem besten Weg, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Warum also sollte der Jupiter auf immer unerreichbar für Menschen bleiben?

"The Making of Stanley Kubrick's 2001: A Space Odyssey", Taschen, 2014, 562 Seiten, 59,90 Euro, englisch (Sammelausgabe einer mehrbändigen Collector's Edition) (rot)