Drohne mit Leine

Ein neues Fluggerät soll eine erhebliche Einschränkung bisheriger Drohnen verschwinden lassen: Die Drohne Parc ist mit einem extrem dünnen Kabel mit dem Boden verbunden – und kann deshalb fast unbegrenzt lange in der Luft bleiben.

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Von
  • Will Knight

Ein neues Fluggerät soll eine erhebliche Einschränkung bisheriger Drohnen verschwinden lassen: Die Drohne Parc ist mit einem extrem dünnen Kabel mit dem Boden verbunden – und kann deshalb fast unbegrenzt lange in der Luft bleiben.

Drohnen könnten sehr nützlich für Überwachung und Remote-Monitoring in vielen Branchen werden und irgendwann vielleicht auch Amazon-Bestellungen vor Ihre Haustür liefern. Noch aber gibt es dabei eine wichtige Einschränkung: Mit einer Akkuladung können sie nur eine begrenzte Zeit lang in der Luft bleiben.

Das allerdings gilt nicht mehr für das neueste Modell des Bostoner Drohnen-Herstellers CyPhy Works], genannt Parc: Die Drohne kann unbegrenzt lange Luftaufnahmen machen, weil sie über ein „Mikrofilament“ zur Übertragung von Strom und Daten mit dem Boden verbunden bleibt. Das bedeutet andererseits natürlich, dass sie keinen großen Aktionsradius hat. CyPhy Works geht deshalb davon aus, dass das Produkt vor allem zur Aufklärung und als Zwischenstation für Kommunikationsanwendungen genutzt wird.

Die Parc-Drohne wurde Anfang November in den USA auf den Markt gebracht, nachdem CyPhy Works eine Ausnahmegenehmigung für kommerzielle Flüge seiner Kunden damit bekommen hatte. „Sie ist im Prinzip ein Roboter mit unbegrenzter Flugzeit“, sagte Helen Greiner, Gründerin des Unternehmens, zu diesem Anlass bei der Konferenz EmTech 2015 im US-Bundesstaat Massachusetts. „Man schickt sie hoch, und sie bleibt dort.“

Die mit sechs Rotoren ausgestattete Drohne hat eine hochauflösende Kamera, die auch Infrarot-Aufnahmen in der Dunkelheit machen kann. Das Mikrofilament zur Stromversorgung ist dünner als ein Kopfhörerkabel, aber stabil genug, um Parc bei Bedarf zurückzuholen. Die Drohne lässt sich so einstellen, dass sie vollkommen automatisch auf einer bestimmten Höhe bleibt.

Daneben entwickelt CyPhy Works eine kleine Drohne ohne Kabel für Hobby-Anwender und eine besondere Art von Lieferdrohne, die dank schwenkbarer Rotoren ähnlich wie ein Flugzeug und damit effizienter fliegen kann. Laut Greiner soll sie eine 2,5 Kilogramm schwere Ladung bis zu 8 Kilometer weit befördern können.

CyPhy Works hat in diesem Herbst 22 Millionen Dollar neues Kapital von mehreren Wagniskapitalgesellschaften eingesammelt. Ebenfalls an der Finanzierungsrunde beteiligt war der Paketdienst UPS, der schon sein Interesse an der Erforschung von Lieferungen per Drohne bekundet hat.

Google hat Anfang November fest angekündigt, spätestens 2017 Produkte per Drohne zu liefern. Greiner allerdings geht davon aus, dass die US-Luftfahrtaufsicht FAA dem im Weg stehen wird.

„Bis 2020 werden wir Drohnen-Lieferungen sehen“, sagt sie. „Technisch wäre es schon früher möglich. Aber wer schon seit den 1990er Jahren mit der FAA zu tun hat, würde nicht darauf wetten, dass sie rasch Flüge von größeren Vehikeln außerhalb des Sichtbereichs und über größeren Städten erlauben wird.“

Aktuell ist es in den USA zulässig, privat Drohnen fliegen zu lassen, solange sie im Sichtbereich bleiben, nicht höher als 400 Fuß steigen, mindestens 5 Meilen vom nächsten Flughafen entfernt sind, und es hell ist. Allerdings bereitet die FAA eine Registrierungspflicht für Hobby-Drohnenpiloten vor, die noch dieses Jahr in Kraft treten soll.

Um eine Drohne für geschäftliche Zwecke zu nutzen, ist derzeit eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, wobei für Flugort und -zeit dieselben Einschränkungen gelten wie bei Privatleuten.

(sma)