Post aus Japan: Lichternde Textilien
Ein lang gehegter Traum rückt näher: leuchtende Kleidung. Neue Produktionsverfahren und Akkutechniken könnten dem Textildisplay zum Durchbruch verhelfen.
- Martin Kölling
Ein lang gehegter Traum rückt näher: leuchtende Kleidung. Neue Produktionsverfahren und Akkutechniken könnten dem Textildisplay zum Durchbruch verhelfen.
Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.
Das Herumstöbern in Mitteilungen über neue Technologien kann manchmal ein regelrechtes Kopfkino auslösen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem T-Shirt, das als gewebtes Display dient? Mit dem Mann oder Frau beim Date schon während der Vorspeise nonverbale Signale an den Tischgast ausstrahlen kann? Ein schlagendes Herz zum Beispiel? Einen Liebesschwur? Oder einen Heiratsantrag?
Ganz neu ist die Idee nicht, zugegeben. Philips hat bereits vor fast zehn Jahren Hemden oder Textilpanels zum Leuchten gebracht. Als Leuchtkörper trumpft der Konzern bereits mit vielen Projekten auf. Doch bei analogen Wearables, sprich Kleidung, setzte sich der Trend noch nicht so recht durch. Doch wer weiß, vielleicht können das ja neue Entwicklungen aus Japan und Korea ändern.
Über Gunzes elektrisch leitfähigen Garne zur Herstellung von beheizten Socken oder Hemden mit eingebauter Stromversorgung hatte ich schon im Juli berichtet. Doch während die Japaner damit noch eine LED zum Leuchten brachten, lassen die Forscher am Kaist (Korea Advanced Institute of Science & Technology) das Garn selbst erleuchten.
Für Freunde von Baumwolle ist die Idee nichts: Die Koreaner benutzen PET (Polyethylenterephthalat) als Material für den Faden, der durch das Dippen in verschiedene Bäder in eine flexible Diode verwandelt wird. Kwon Seon-Il, einer der Forscher, gab sich in der Presseerklärung unbescheiden: "Diese Technik wird es schließlich erlauben, dass die Produktion von tragbaren Displays so einfach wie die von Kleidung ist."
Dass die Fasern allerdings nur unter Strom leuchten, hat die Industrie natürlich längst begriffen. Doch bisherige Akkus waren nicht stark und flexible genug, um den Stromhunger der Kleidung bei einem noch angenehm tragbaren Gewicht und Formfaktor zu befriedigen. Doch auch hier kommt Bewegung mit flexiblen Feststoffakkus in den Markt.
Auch Sony will mitmischen. Vorige Woche stellten die Japaner auf dem 56. Batteriesymposium in Aichi eine flexible und faltbare Batterie vor. Eingenäht ins Bündchen oder appliziert am Rücken könnten mit ihr sicher auch Textilien mit Strom versorgt werden. Ich bin gespannt, wann diese Ideen reif genug sind, um unsere Kleidung zu Lichtspendern zu machen. ()