Gefälschte Meldung führt zu Turbulenzen an US-Hightech-Börse
Ein Hoax auf einem Internet-Newsdienst, laut dem Fibre-Channel-Spezialist Emulex Verluste mache und der Firmenchef zurückgetreten sei, zeigt Sicherheitslücken in PR-Netzwerk.
Eine solche Meldung kann ein börsennotiertes Unternehmen in den Ruin treiben: Statt eines Gewinns von drei Millionen US-Dollar müsse man für das letzte Quartal einen Verlust ausweisen, der CEO sei zurückgetreten, und die Bilanzen der letzten Jahre müssten ebenfalls überarbeitet werden. Die Aktie des kalifornischen Netzwerk- und Fibre-Channel-Spezialisten Emulex reagierte am gestrigen Freitag sofort auf diese Hiobs-Botschaft. Panikverkäufe ließen den Kurs um bis zu 62 Prozent einbrechen, bevor die US-Hightech-Börse Nasdaq den Handel aussetzte. Die direkt zum Börsenstart veröffentlichte, offiziell wirkende Nachricht hatte sich als besonders schlechter Scherz entpuppt. Emulex-Chef Paul Folino erklärte inzwischen, dass die Meldung nicht aus seinem Haus stamme, er nicht vorhabe zurückzutreten, und die Bilanzen in Ordnung seien.
Noch ist wenig über die Hintergründe des offensichtlichen Betrugs bekannt, der das Unternehmen zwischenzeitlich weit über eine Milliarde US-Dollar Marktkapitalisierung gekostet hat. Eine kurze Zeit standen sogar die Aktienkurse anderer in diesem Segment tätiger Firmen unter Druck. Etliche Anleger und Händler dürften nachhaltig geschädigt sein, denn die Nasdaq erklärte noch während der Handelsaussetzung, dass keine Transaktionen storniert würden, die auf Basis der Falschmeldung vorgenommen wurden.
Dass eine gefälschte Pressemeldung bis auf die Websites so angesehener Agenturen wie Bloomberg, Dow Jones und MarketWire gelangen kann, scheint jedoch eine mächtige Sicherheitslücke in dem Netzwerk von PR- und Nachrichtenagenturen aufzuzeigen. Nach den bisherigen Kenntnissen wurde die Meldung vom PR-News-Service Internet Wire entgegengenommen. Dieser Dienst reicht Unternehmensmeldungen an ein ganzes Netz von Finanz-Websites und Nachrichtenagenturen weiter.
PR-Dienstleister wie Internet Wire nehmen normalerweise keine inhaltliche Bewertung der Meldungen vor, und verbreiten alles, was nicht offensichtlich gegen geltende Gesetze verstößt. Nachrichtenagenturen wie Dow Jones und Bloomberg stützen sich für ihre Beiträge unter anderem auf diese PR-Dienste. Für eine Veröffentlichung ist für sie jedoch allein der Nachrichtenwert entscheidend, der bei der Emulex-Meldung scheinbar gegeben war. Dabei hatten sie sich offensichtlich darauf verlassen, dass die PR-Agentur zuvor zumindest die Authentizität des Herausgebers überprüft hatte. Inzwischen ermittelt das FBI, und es dürfte sich in kurzer Zeit herausstellen, wie es gelingen konnte, die Meldung in das internationale Nachrichtennetzwerk einzuspeisen.
Aber auch ohne genaue Klärung der Hintergründe, zeigt der Fall, dass sich eine gefälschte Meldung rasend schnell verbreiten kann, ohne dass sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wird. Wie einfallsreich andere Betrüger im Börsenumfeld vorgehen und welche Schäden sie dabei anrichten, zeigt ein Beitrag in Ausgabe 19/2000 der c't (ab dem 11. September im Handel). (Michael Wilde) (jk)