Baubiologen: Bei UMTS biologisch verträgliche Technik nutzen
In die teilweise recht hitzig gefĂĽhrte Debatte ĂĽber den so genannten Elektrosmog greift nun auch der Berufsverband Deutscher Baubiologen ein.
In die teilweise recht hitzig geführte Debatte über den so genannten Elektrosmog greift nun auch der Berufsverband Deutscher Baubiologen (VDB) ein. In dem seit zwei Jahren bestehenden Verband sind rund 60 Fachleute auf dem Gebiet der Baubiologie zusammengeschlossen. Allerdings ist UMTS nach Ansicht der Baubiologen in einigen Bereichen unbedenklicher als die bisherige GMS-Technik; sie fordern aber die möglichst breite Nutzung möglichst verträglicher Techniken.
Die Baubiologen haben nun an die Inhaber der UMTS- Lizenzen appelliert, beim künftigen Einsatz des neuen Mobilfunk-Standards biologisch verträgliche Technik zu nutzen. So genannte gepulste Verfahren, wie sei bei heutigen Handys angewandt würden, seien technisch keineswegs zwingend, betonte der Telekommunikations-Experte Martin Virnich vom VDB in einem dpa-Gespräch. "Die biologische Belastung des Handy-Nutzers durch UMTS wird ganz wesentlich davon abhängen, wie stark sich in der Praxis ungepulste Verfahren durchsetzen", unterstrich der Verbandsvertreter. Die (mit 217 Hertz) gepulste Strahlung der heutigen Handy-Generation kann nach Angaben des Baubiologen-Verbandes unter anderem Hirnstromveränderungen hervorrufen. Auch Schlaf- und Traumphasen könnten dadurch beeinflusst werden. Im Tierversuch sei bereits ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt worden.
Nach bisherigen Erkenntnissen sei zumindest die UMTS-Technologie, für die jüngst die Lizenzen versteigert wurden, grundsätzlich biologisch verträglicher als die auf Basis von starren, kurz aufeinander folgenden Sende-Impulsen arbeitende GSM-Technik heutiger Handys. Anders als bei GSM, bei der eine bestimmte Anzahl Handy-Nutzer sich eine Frequenz in Form verschiedener winziger Zeitfenster teilten, könnten bei diesem UMTS-Verfahren mehrere Mobil-Anrufer die ganze Bandbreite eines kompletten Frequenzblocks gemeinsam und zeitgleich nutzen, meinte Virnich. Das bei der heutigen GSM- Technologie erforderliche Impuls-"Trommelfeuer" werde durch die Breite des Frequenzbandes überflüssig. Allerdings gelte dies nur für schon aufgebaute Verbindungen.
Die Entwickler des neuen UMTS-Standards müssten deshalb dafür sorgen, dass auch für den Verbindungsaufbau zwischen Handy und Basisstation in möglichst geringem Umfang gepulste Verfahren eingesetzt würden, forderte Virnich. Grundsätzlich wertete er es als bedenklich, dass mit UMTS genauso wie beim GSM-Standard eine Technologie ohne eine wissenschaftliche Untersuchung ihrer Verträglichkeit "auf den Massenmarkt geworfen wird". Problematisch sei zudem die mit UMTS verbundene drastische Zunahme von Basisstationen auf Gittermasten, Hochhäusern, Wassertürmen, ausgedienten Fabrikschornsteinen und Kirchtürmen. Für einen flächendeckenden UMTS-Betrieb aller sechs zukünftigen UMTS-Betreiber rechnet der Verbandsvertreter mit bundesweit über 100.000 zusätzlichen Sendestationen.
Gerade nach der Versteigerung der UMTS-Lizenzen und dem vorgesehenen Aufbau von insgesamt sechs Netzen der dritten Mobilfunkgeneration gab es Diskussionen über eine mögliche Verschärfung der Bestimmungen über die Immissions-Grenzwerte – die aber bislang vom Umweltministerium nach offizieller Aussage nicht für notwendig gehalten wird. Umweltverbände forderten allerdings, zumindest einen Teil der Erlöse aus der UMTS-Versteigerung für die Erforschung der Auswirkungen elektromagnetischer Felder zu nutzen. (jk)