Win95 und andere Betriebssysteme
In c't 9/93 habt Ihr bereits einmal vorgeführt, wie man mehrere Betriebssysteme auf einer Platte unterbringen kann. Ich möchte nun die Beta-Version von Windows 95 ebenfalls so plazieren, daß die anderen Betriebssysteme auf meiner Platte nicht leiden.
In c't 9/93 habt Ihr bereits einmal vorgeführt, wie man mehrere Betriebssysteme auf einer Platte unterbringen kann. Ich möchte nun die Beta-Version von Windows 95 ebenfalls so plazieren, daß die anderen Betriebssysteme auf meiner Platte nicht leiden.
Obwohl Windows 95 als DOS- und Windows-Ersatz daherkommt, stellt die Installation zusammen mit anderen Betriebssystemen, selbst mit DOS, eigentlich kein Problem mehr dar: das Installationsprogramm der `endgültigen Beta´, die Microsoft für 70 DM unter die Leute gebracht hat, setzt ausschließlich ein lauffähiges DOS voraus; wer mag, kann das Setup aber auch unter seiner alten Windows-Installation starten - er büßt diese dabei jedoch ein.
Grundsätzlich ersetzt Windows 95 auf einer vorhandenen DOS-Installation die `wichtigen´ DOS-Dateien IO.SYS, MSDOS.SYS, COMMAND.COM, CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT durch die eigenen Dateien, bewahrt die alten - umbenannt in *.DOS - jedoch auf. Über einen speziellen Eintrag in der Datei MSDOS.SYS, unter Windows 95 nur noch eine INI-artige Textdatei, läßt sich das Starten von Windows 95 mit der Taste F4 abwürgen (BootMulti=1) und die ursprüngliche DOS-Fassung booten; Windows 95 tauscht seine Bootdateien einfach durch die als *.DOS gesicherten Dateien aus. Beim nächsten Systemstart macht es diese Änderungen rückgängig.
Koexistenz mit OS/2 2.x ff. hingegen läßt sich komfortabel mittels OS/2-Bootmanager und einer eigenen primären Partition für Windows 95 erreichen, auf die man zuvor seine alte DOS- sowie gegebenenfalls Windows-Konfiguration überspielt. Das Setup von Windows 95 schaltet den OS/2-Bootmanager zwar ab, doch läßt er sich im Anschluß etwa mit DOS-Fdisk wieder aktivieren. Bei diesem Verfahren ist immer nur eine primäre Partition zur Zeit `sichtbar´ - welche man über den Bootmanager wählt -, auf die andere(n) besteht kein Zugriff. Diese sehr saubere Trennung schafft zwar Sicherheit für die alte DOS-/Windows-Installation, erfordert aber aus demselben Grund einige Logistik, um die alte Installation von einer primären auf eine andere primäre Partition zu bugsieren.
Delikaterweise scheitert eine vernünftige Integration mit Windows NT im Moment noch an Microsoft höchstselbst. Im zur `endgültigen Betaversion´ von Windows 95 gelieferten Ressource Kit ist zwar die hier gezeigte BOOT.INI-Datei aufgeführt, die einen wahlweisen Start von alter DOS-Version und Windows 95 aus dem NT-Bootmenü gestatten soll. Doch in der Praxis funktioniert das nur perfekt, wenn der NT-Loader (Datei ntldr) der neuen NT-Version 3.51 verwendet wird, die noch in der Betatestphase steckt.
[Boot Loader] Timeout=10 Default=multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(4)\WINNT35 [Operating Systems]
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(4)\WINNT35=´Windows NT Server, Version 3.5´
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(4)\WINNT35=´Windows NT Server, Version 3.5 [VGA-Modus]´ /basevideo
C:\BOOTSECT.DOS=´MS-DOS 5.0´ /win95dos
C:\BOOTSECT.W40=´Windows 95´ /win95
Nur dieser NT-Loader weist bereits die benötigten Schalter (/win95 und /win95dos) auf, welche für ein Umbenennen der Bootdateien (IO, MSDOS et cetera) sorgen, ähnlich wie dies beim Drücken der F4-Taste beim Start von Windows 95 passiert. Das Einbinden von Dateien in das Bootmenü NTs, die einen Abzug beliebiger Bootsektoren enthalten können, ist allerdings eine Fähigkeit, die auch älteren Versionen des NT-Loaders innewohnt - mithin eine praktikable Möglichkeit, um damit auch anderen Betriebssystemen auf die Füße zu helfen.(ps) (ps)