Singapur setzt Internetkameras gegen das Verkehrschaos
Der Autofahrer ist ein leidgeplagtes Wesen - Singapur will Abhilfe schaffen und Überwachungskameras mit dem Internet verbinden, um das Verkehrsmanagement zu verbessern.
Der Autofahrer ist ein leidgeplagtes Wesen. 65 Stunden, so haben Verkehrswissenschaftler ermittelt, verbringt er im Laufe eines Jahres im Stau. Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Wohlstand gehen nun mal einher mit größerer Mobilität von Personen und Gütern. Die negativen Folgen beschäftigen Politiker und Wirtschaft schon länger, denn sie sind nicht nur lästig, sondern auch wirtschaftlich kontraproduktiv. Durch den Ausbau der Verkehrstelematik soll dem Verkehrschaos jedoch Paroli geboten werden.
In Asien, einer der wirtschaftlich aufstrebendsten Region der Erde, ist das Verkehrschaos täglich zu erleben. Die Verkehrsbehörde von Singapur will nun Überwachungskameras mit dem Internet verbinden und so das Verkehrsmanagement an den Knotenpunkten verbessern. Die Land Transport Authority (LTA) investiert dafür in den nächsten 18 Monaten 6,3 Millionen US-Dollar, berichtet die Straits Times.
An über hundert Verkehrsknotenpunkten, darunter wichtige Verbindungsstraßen zur Innenstadt, Straßen des inneren und äußeren Stadtringes und häufig benutzte Ausfahrten, sollen die Junction Electronic Eyes System (J-Eyes) genannten Überwachungskameras installiert werden und ihre Bilder, in regelmäßigen Abständen aktualisiert, auf der Homepage der LTA präsentieren. Die Kameras lassen sich zur besseren Überwachung von den Mitarbeitern im Intelligent Transport System Centre (ITSC) schwenken und neigen, Bildausschnitte können herangezoomt werden.
Die Realbilder machen den ITSC-Mitarbeitern das Erkennen eines sich ankündigenden Staus, beispielsweise ausgelöst durch einen Unfall oder Baustellenarbeiten, einfacher. Auftretende Verkehrsbehinderungen lassen sich dann vom ITSC aus durch entsprechende Anzeigen an den Verkehrssteuerungsanlagen besser lenken und die Autofahrer vorwarnen. Die Anlagen signalisieren den Verkehrsteilnehmern Staus, geben ihnen eine wetter- oder verkehrsmengenangepasste Geschwindigkeitsbegrenzung vor oder zeigen eine Umleitungsempfehlung an.
Durch die Zoomfunktion der Kameras sind die ITSC-Mitarbeiter ebenso in der Lage, Verkehrsbehinderungen durch Falschparker oder unerlaubtes Ein- und Ausladen zu erkennen und eine entsprechende Meldung an die Polizei abzugeben. Verkehrsteilnehmer können sich aber auch von zu Hause aus auf der LTA-Homepage über die aktuelle Situation auf den Straßen informieren und sich gegebenenfalls für eine Ausweichroute entscheiden.
Die LTA sieht in den Kameras eine Erweiterung der Verkehrstelematik und ihrer Bemühungen, das hohe Verkehrsaufkommen in Singapur flüssig durch die Straßen zu lenken. Nach Ansicht der Kritiker kann dies jedoch die Verkehrsprobleme nicht lösen, sondern verschärft sie vielmehr. Schließlich mache Telematik das Auto als Verkehrsmittel nur noch attraktiver, denn sie bringt den Autofahrer schnell und bequem an sein Ziel, auch wenn er im Bedarfsfall durch Umleitungsempfehlungen zum Umfahren von Staus eine längere Fahrstrecke in Kauf nimmt. Mit kürzeren Fahrzeiten werden dann selbst Ziele in weiterer Entfernung attraktiver und ermöglichen so ein ungehindertes Verkehrswachstum, anstatt das explodierende Verkehrsaufkommen mit einer Verkehrsverlagerung von der Straße auf öffentliche Verkehrsmittel zu reduzieren. (Andreas Grote) / (jk)