Westernacher AG: "IBM hat uns einen Millionenschaden zugefĂĽgt"
Die Karlsruher Softwarefirma wirft IBM ruinöses Geschäftsgebaren vor und fordert Schadenersatz.
Die Karlsruher Softwarefirma Westernacher AG hat eine Schadenersatzklage gegen IBM und die IBM Kreditbank eingereicht. Sie sei vom langjährigen Partner IBM essentiell geschädigt worden, gibt die Firma an, die seit über 30 Jahren als Anbieter von Software-Lösungen in den Bereichen Industrie, Handel, Bau, Dienstleistungen und öffentliche Verwaltungen aktiv ist.
Am 31. Dezember 1999 hatte Westernacher den Bereich "Finance Solutions" von der IBM-Tochter CGI Informatik GmbH zum Preis von rund 10 Millionen Mark gekauft und den Erwerb ĂĽber die IBM Kreditbank finanziert. In diesem Zusammenhang wurden alle Kundenforderungen im Rahmen einer BĂĽrgschaft als Sicherheit an die IBM-Kreditbank abgetreten.
Westernacher beklagt, einzelne Module des Finanzverwaltungssystems hätten sich vom Fertigungsgrad her noch nicht als marktreif erwiesen. Weil IBM diesen Geschäftsbereich nicht mehr bediene, habe man selber umfangreiche nachträgliche Entwicklungsarbeiten erbracht. "Es sind nicht geplante Kosten in Millionenhöhe entstanden und die Vermarktung hat sich verzögert", klagt eine Sprecherin der Firma. "Der Gesamtschaden wurde bei IBM geltend gemacht und nach Untersuchung durch einen von IBM beauftragten Spezialisten bestätigt".
Während der anschließenden wochenlangen Verhandlungen über den finanziellen Ausgleich des Schadens habe IBM Deutschland immer wieder eine positive Regelung signalisiert. Allein die Zustimmung aus dem europäischen Hauptquartier der IBM in Paris habe noch gefehlt. Am 21. September sei bei der Westernacher AG überraschend die telefonische Mitteilung eingegangen, dass der von IBM Deutschland ausgearbeitete Vorschlag von der Zentrale in Paris abgelehnt werde.
"Am gleichen Tag kündigte die IBM Kreditbank ohne Rücksprache und Vorankündigung – dies in klarem Widerspruch zu den vertraglichen Vereinbarungen – den Kredit für den Kauf des CGI-Bereiches Finance Solutions, obwohl die erste Rate erst Ende Oktober 2000 fällig gewesen wäre", so Westernacher weiter. Parallel dazu habe die IBM Kreditbank, ebenfalls ohne Vorankündigung oder Rücksprache, die Bürgschaft ("Global Zession") eingefordert: "Per Fax wurden die Kunden darüber informiert, dass Zahlungen nicht mehr an das Unternehmen selbst, sondern an die IBM Kreditbank zu leisten sind", empört sich die Firma, "zum finanziellen Schaden gesellte sich damit für die Westernacher AG ein Image-Schaden, dessen Ausmaß noch gar nicht abzuschätzen ist".
Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass durch das Agieren der IBM Kreditbank auch parallele Verhandlungen mit anderen Partnern und Banken, die unmittelbar vor Vertragsabschluss gestanden hätten, gescheitert seien, habe die Westernacher AG Klage gegen IBM und die IBM Kreditbank auf Ersatz des erlittenen Schadens erhoben.
Ein Sprecher von IBM betonte auf Nachfrage von c't, IBM habe "eine andere Sicht der Dinge". Da die Auseinandersetzung aber inzwischen auf juristischer Ebene gefĂĽhrt werde, wolle man sich strikt jedes Kommentars enthalten. (fm)