Discount-Bolide: Plus-PC mit Athlon XP 3200+
Nicht kleckern, sondern klotzen -- das scheint das Motto beim aktuellen Plus-PC zu sein.
- Georg Schnurer
Mit dem Highspeed-PC wagt sich der Lebensmitteldiscounter Plus auf neues Terrain: Die bislang offerierten Volks-PCs zeichneten sich stets durch ordentliche Leistungsdaten und einem Preis unterhalb der magischen 1000-Euro-Marke aus. Die "MBO Highspeed Limited Edition" liegt mit ihrem Verkaufspreis von 1899 Euro weit jenseits dieser Marke, bietet dafür aber einige Superlative. So setzt der PC-Hersteller 4MBO AMDs schnellsten derzeit verfügbaren 32-Bit-Prozessor, den Athlon XP 3200+ ein. Er sitzt auf einem Asus-Board mit Nvidias brandneuem nForce2-Ultra-Chipsatz. Dieser liefert nicht nur den von der CPU benötigten Frontsidebus (FSB400) sondern auch ein zweikanaliges Speicherinterface, das 4MBO mit zwei 256-MByte-Modulen (DDR400-3044) von Samsung bestückt hat.
Für flotte Grafikausgabe sorgt eine Grafikkarte mit dem just vorgestellten GeForceFX 5900 aus dem Hause nVidia. Die von Asus gefertigte AGP-Karte mit 128 MByte Speicher bietet einen VGA-Ausgang und einen DVI-I-Port. Zusätzlich hat die Karte noch einen TV-Ausgang (S-Video und Composite). Die Karte belegt neben dem AGP-Port auch noch den daneben liegenden PCI-Steckplatz. Ein weiteres Highlight ist die integrierte WLAN-Karte. Sie arbeitet nach dem jüngst verabschiedeten 802.11g-Standard und kann Daten mit bis zu 54 MBit/s funken. Wie es sich für einen aktuellen Highend-Boliden gehört, steckt neben dem DVD-Laufwerk auch noch ein DVD-Brenner. 4MBO entschied sich hier für das +RW-Modell ND-1100A von NEC. Dieses brennt DVD+R-Rohlinge mit maximal vierfacher Geschwindigkeit, CD-Rs mit bis zu 16X.
Die von Asus stammende Analog-TV-Karte macht aus dem PC zusammen mit der Software PowerVCR einen digitalen Videorecorder mit Timeshift-Funktion. Die Filme speichert das Programm auf der 160-GByte-Feastplatte oder auf DVD. Neben den ĂĽblichen PC-Schnittstellen bietet der neue Plus-PC zwei FireWire-AnschlĂĽsse, einen 10/100-MBit-LAN-Port und vier USB-2.0-Buchsen. Einen 6fach-Card-Reader hat 4MBO ebenfalls eingebaut.
Alle Komponenten stecken in einem wuchtigen Alu-Tower mit vier regelbaren Gehäuselüftern. Eine Leuchtstofflampe sorgt an der Gehäusefront für ein bläuliches Leuchten. Die Laufwerke und der Card-Reader verschwinden hinter einer massiven Alu-Klappe. Dahinter verbergen sich auch der Power- und der Reset-Taster. Etwas ungeschickt platziert sind die Frontseiten-Anschlüsse: Sie verbergen sich hinter einer Klappe unten an der Gehäusefront. Wer den PC unter den Schreibtisch stellt, dürfte Schwierigkeiten haben, die beiden USB-Ports, den 1394-Anschluss oder den Game-Port zu erreichen.
Vier Gehäuselüfter, dazu noch ein Lüfter auf dem CPU-Kühler von EKL, ein weiterer im Netzteil und noch einer auf der Grafikkarte -- leise ist so ein Rechner kaum. Daran ändert auch die an den beiden Seitenklappen angebrachte Dämmung nichts. Im unbelasteten Zustand ermittelten wir im Auslieferungszustand (Front- und Rückseitenlüfter niedrigste Drehzahl) einen Lärmpegel von 3,3 Sone, der unter Last auf 3,4 Sone anstieg. Bei Zugriffen auf die Festplatte stieg der Krawall auf 4,0 Sone an und erreichte seinen Höhepunkt mit 5,1 Sone bei Zugriffen auf das DVD-Laufwerk. Damit konnten wir dem MBO Highspeed PC nur die Note "befriedigend" in Sachen Lautstärke erteilen.
Wie von einem so gut ausgestatteten Rechner nicht anders zu erwarten, erreichte der neue Plus-PC hervorragende Leistungsdaten bei den Anwendungstests -- ein Athlon XP 3200+ mit flottem Chipsatz und 512 MByte Hauptspeicher ist nun mal allen gängigen Programmen gewachsen. Für sehr gute Spielperformance sorgt neben der CPU vor allem die leistungsstarke Grafikkarte. Aktuelle Spiele können diese ohnehin kaum auslasten. Zudem hat 4MBO alles getan, damit der Grafikbeschleuniger seine Fähigkeiten voll entfalten kann: Das vorinstallierte WindowsXP in der Home-Edition wurde mit allen aktuellen Patches versehen und die DirektX-Treiber in der Version 9a sind ebenfalls auf aktuellem Stand.
Die VGA-Signalqualität der Asus-Grafikkarte kann sich durchaus sehen lassen. Bei 1024 × 768 Bildpunkten liefern beide Ausgänge ein gutes und scharfes Bild. Der primäre VGA-Anschluss schafft auch noch die nächst höhere Auflösung ohne Probleme und liefert auch bei 1600 × 1200 Punkten noch eine befriedigende Ausgabe.
Die Linux-Installation bereitete uns einige Kopfschmerzen: Die aktuelle SuSE-Version 8.2 ließ sich erst aufspielen, nachdem wir manuell die Installationsoption ohne ACPI angewählt hatten. Nach Abschluss der Installation funktionieren die USB-Ports nicht, dies klappte erst bei Verwendung des Kernel-Parameter "noapic". Die Grafikkarte wurde zunächst mit dem Vesa-Treiber angesprochen. Abhilfe schaffte hier die manuelle Installation der nv-Treiber aus dem SuSE-Packet oder das Nachladen der auf der Nvidia-Webseite zur Verfügung gestellten Treiber. Mit diesen steht auch die 3D-Beschleunigung des GeForce-Chips zur Verfügung. Der LAN-Port lässt sich mittels der von Nvidia bereitgestellten nForce-Treiber verwenden, die dort enthaltenen Sound-Treiber arbeiten jedoch nicht mit dem Gerät zusammen. Hier sind die in SuSE 8.2 bereits enthaltenen Alsa-Treiber (snd-intel8x0) die bessere Wahl. Die TV-Karte funktioniert mit den saa7134 Treibern nur eingeschränkt: Statt des erhofften Fernseh-Tons hört man nur lautes Störgeräusch.
1899 Euro für einen PC -- das ist beileibe kein Pappenstil. Wer allerdings anfängt, die Komponentenpreise zu addieren, kommt schnell dahinter, dass er sich einen so ausgestatteten Rechner nie zu diesem Preis selbst bauen kann. Ohne Betriebssystem ermittelten wir einen reinen Teilepreis von über 2500 Euro. Günstiger wird es nur, wenn man auf einzelne Komponenten verzichtet. Die größten Brocken sind allerdings auch die prestigeträchtigsten -- pardon, leistungsträchtigsten: AMDs AthlonXP 3200+ schlägt allein mit knapp 480 Euro zu Buche, die Asus-Grafikkarte gar mit 599 Euro. Wer die verbaute Hardware nutzen kann, der erhält mit dem Plus-PC ein hervorragend ausgestattetes System, dessen Optik auch auf jeder LAN-Party was her macht. Wer das Gerät erwerben will, braucht sich übrigens nicht bei Plus in die Schlange stellen: der PC wird ausschließlich über den Online-Shop des Discounters angeboten. Vorbestellungen werden seit dem 21. 6. angenommen, die Auslieferung der auf 5000 Stück limitierten Serie soll laut 4MBO am 30. Juni beginnen.
Einen ausführlichen Test des Plus-Rechner bringt c’t in Ausgabe 14/2003 (ab Montag, den 30. Juni, im Handel). (gs)