Computex: Neue Mini-Barebones

Mini-Barebones, schnuckelige kleine PCs zum Selbstkomplettieren, finden sich auf der diesjährigen Computex in Taipei zuhauf -- und einige bieten auch interessante Neuerungen wie beispielsweise Unterstützung für zwei Opteron-Prozessoren.

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Von
  • Georg Schnurer

Mini-Barebones, also schnuckelige kleine PCs zum Selbstkomplettieren ohne CPU, Speicher, Festplatte und optisches Laufwerk, liegen im Trend. Das scheint sich inzwischen auch bis zum letzten Hersteller herumgesprochen zu haben. So verwundert es kaum, dass man auf dieser Computex überall über diese Winzlinge stolpert. Wer die "Messeneuheiten" allerdings genauer unter die Lupe nimmt, stellt schnell fest, dass hier im Wesentlichen Geräte gezeigt werden, die es auch schon auf der diesjährigen CeBIT zu sehen gab. Kleinere Modifikationen, wie etwa bei Shuttle ein neues, leistungsfähigeres und leiseres 250-Watt-Netzteil nit Namen "Silent-X", machen aus alten Bekannten neue. Die XPC-Modelle ST62K, ST61G4VP, SB75G2VP und SB61G2V3 sind nun "Prescott-fähig" und unterstützen damit auch Intels neuen Pentium-4-Prozessor mit 1 MByte Cache. Damit auch AMD-Fans einen XPC mit leiserem Netzteil kaufen können, wanderte dieses auch noch in die Modelle SN85G4V2 (für Athlon 64), SN45GV2 und SN41G2V2.

Wirklich neues und vor allem auch Beeindruckendes in Sachen Mini-Barebones gab es auf dem Stand von IWill zu sehen: Der vor allem für seine Workstation- und Serverboards bekannte Hersteller hat es fertig gebracht, in den ZMax dp zwei Opteron-Prozessoren (Modell 240, 242, 244, 246, 248 oder 250, Sockel 940) unterzubringen. Die Kühlung übernehmen Heatpipes, die die Wärme vom Prozessor wegtransportieren. Das mit Nvidias nForce3-Pro-250-MCP-Chipsatz arbeitende Gerät bietet Platz für zwei DDR-SDRAM-DIMMs mit zusammen maximal 2 GByte. Ein AGP-Steckplatz ermöglicht den Einbau einer der gebotenen CPU-Power angemessenen Grafikkarte. Für den Kontakt zur Außenwelt sorgen ein GBit-Ethernet-Port, zwei beleuchtete 1394-Anschlüsse an der Gerätefront sowie insgesamt sechs USB-2.0-Ports. Der ZMax dp ermöglicht wie alle Barebones dieser Modellreihe den Einbau von zwei Festplatten, einem optischen 5,25"-Laufwerk und einem extern zugänglichen 3,5"-Laufwerk. Der spoilerartige Aufsatz auf den 220 mm × 220 mm × 280 mm großen ZMax-Gehäusen ist übrigens die WLAN-Antenne. Ein Mini-PCI-Slot steht zur Aufnahme entsprechender Funkkärtchen bereit.

Neben dem dp-Modell offeriert iWill auch noch den ZMax GS. Er eignet sich für Intels kommende Sockel-775-Prozesoren und nutzt den neuen i915G-Chipsatz mit integrierter Grafik. Wem deren 3D-Performance nicht ausreicht, der kann eine PCI-Express-Grafikkarte (16X) nachrüsten. Der Speicherausbau erfolgt über zwei DDR-II-DIMM-Sockel, einen PCI-Steckplatz für Erweiterungen und ein Mini-PCI-Slot für die optional erhältliche WLAN-Karte gibt es auch noch. Die Netzwerkanbindung des ZMax GS erfolgt wahlweise via GBit-Ethernet (Marvel PCI-Express 5751) oder über den am PCI-Bus angeschlossenen 10/100-MBit/s-Port mit Realtek-Chip.

Den Reigen der ZMax-Familie, für die auf der Computex ein ganzer Trupp behelmter Barebone-Boys Werbung lief, beendet das Modell ZMax Ap für den aktuellen Pentium-4-Prozessor von Intel. Es verwendet den i865G-Chipsatz und bietet ebenso wie das GS-Modell einen GBit- und einen 10/100-Bit/s-LAN-Port (Intel 1000CT/Realtek 8100). Die übrige Ausstattung entspricht den bereits vorgestellten Modellen. Hinter der Frontklappe des ZMax Ap hat iWill einen 7fach-Card-Reader untergebracht, der mit allen gängigen Speicherkärtchen umgehen kann. Alle ZMAX-Modelle sind wahlweise mit weißer, schwarzer oder roter Frontblende zu haben.

Auch die ZPC-Familie von IWill hat Zuwachs bekommen. Im neu gestalteten Gehäuse präsentiert sich der ZPC 64. Er unterstützt AMDs Athlon64 und arbeitet mit dem Nvidia-Chipsatz nForce3 150 MCP. Neben den üblichen Schnittstellen (6 × USB-2.0, 2 × FireWire, 10/100 MBit/s Ethernet) bietet das kompakte Gerät (184 mm × 263 mm × 54 mm) Platz für eine AGP-Grafikkarte, eine 3,5"-Festplatte und ein optisches Laufwerk im Slimline-Format. Optional ist auch ein 802.11g-WLAN-Interface (54 MBit/s) erhältlich.

Für die Kühlung der CPU zeichnet in allen ZPC-Modellen ein mit drei Heatpipes arbeitendes System verantwortlich. Diese sollen die Verlustwärme des Prozessors zu zwei im Gehäusefuß untergebrachten Kupferkühlern leiten. Wie gut das letztlich funktioniert, bleibt abzuwarten, zumal die Anordnung von Prozessor und Kühler nicht gerade optimal für eine Heatpipe ist. Normalerweise verdunstet in den geschlossenen Unterdruck-Röhrchen auf der CPU-Seite eine winzige Menge Flüssigkeit. Der Dampf kondensiert dann wieder an der kälteren Seite mit dem Kühler. In Idealfall fließt die Flüssigkeit dann mit Hilfe der Schwerkraft wieder zurück zur CPU, und das Spiel beginnt von neuem. Da der kalte Teil der Heatpipe beim ZPC unterhalb der CPU liegt, kann sich iWill hier nicht auf die Hilfe der Schwerkraft verlassen. Die rückkondensierte Flüssigkeit muss deshalb mit Hilfe von an der Innenseite der Heatpipe angebrachten Kapillaren erfolgen.

Auch bei Gigabyte tut sich einiges in Sachen Mini-Barebones. So wurde die G-Max-Familie um das würfelförmige CS-Gehäuse erweitert. In diesem 275 mm × 184 mm × 160 mm großen Gewand ist bislang allerdings erst das Modell CA2 zu haben. Es eignet sich für Pentium-4- und Celeron-Prozessoren von Intel und nutzt den SiS661FX-Chipsatz. Die Gerätefront zieren ein 6fach-Card-Reader, zwei USB-Ports, ein FireWire-Anschluss sowie ein optischer SPDIF-Eingang. Ein Headset läst sich ebenfalls an der Gerätefront einstöpseln. Einbauplätze für ein optisches 5,25"-Laufwerk üblicher Bauform, eine 3,5"-Festplatte und ein extern zugängliches 3,5"-Gerät sind ebenfalls vorhanden.

Bei Gigabytes wahlweise senkrecht oder waagerecht aufstellbaren Mini-Barebones kommt jetzt Farbe ins Spiel: Die neu aufgelegte TC-Serie ist wahlweise mit rotem, blauem, schwarzem oder weißem Gehäuse zu haben. Die mit einem optischen Slimline-Lafwerk bestückbaren Geräte gibt es jetzt als Modell TC6 auch mit Gigabit-LAN. Beim Chipsatz setzt Gigabyte hier auf Intels i865GV für Pentium-4- und Celeron-Prozessoren. Ein Card-Reader sowie frontseitig zugängliche USB- und Audioports gehören ebenfalls zur Grundausstattung des Geräts.

Abschied vom eigenen Mini-Barebone nimmt man dagegen bei ABit. Das bislang angebotene recht klobige Modell mit Duftöl-Verdampfer konnte wohl doch nicht so viele Kunden überzeugen wie man erwartet hatte. Ganz aus dem Mini-PC-Geschäft verabschieden will man sich aber offensichtlich doch nicht. Das neue Zauberwort heißt deshalb "Thecus, powered by ABit". Unter diesem Label zeigt man auf der Computex erstmals die Wireless Media Bank, kurz WMB-1200. Das flache Gerät im HiFi-Format besitzt ein integriertes Display, mit dem sich Fotos betrachten lassen. Selbige sind per Knopfdruck über den integrierten Card-Reader einlesbar. Bild-, Video- oder Musik-Dateien lassen sich aber auch wie WLAN, LAN, USB oder FireWire-Port einlesen. Der noch recht prototypenhaft wirkende Kasten eignet sich auch auch zum Abspielen gängiger Video-Formate auf einem angeschlossenen Monitor oder Fernseher. Zwei Einbauplätze für Festplatten sollen sicherstellen, dass auch die größte Videosammlung Platz in der WMB-1200 findet. Ein integrierter Slimline-DVD-Brenner zum "Wegbrennen" der Daten ist auch vorhanden. Das ganze Gerät ist via Infrarotfernbedienung steuerbar, wer mag kann aber zusätzlich auch noch Tastatur und Maus anschließen. Was sich unter der auffälligen Klappe an der Gehäuseoberseite verbirgt, wollte man uns ebenso wenig verraten wie den Termin für die Markteinführung in Deutschland.

Ganz neu im Mini-Barebone-Geschäft ist Chaintech. Viel vorzuweisen hatte man deshalb wohl auf der Computex auch noch nicht. Das schlicht "Mini-PC" getaufte Gerät stand lediglich als Gerüst auf dem Messestand in Halle 2. Einen Eindruck von der Frontplattengestaltung boten Bilder an der Wand und freizügig verteile Postkarten. Die technische Ausstattung des Geräts entspricht dem Üblichen: Neben dem Einbauplatz für eine 3,5"-Festplatte bietet es noch Raum für zwei hinter Klappen verborgene optische 5,25"-Laufwerke und ein extern zugängliches 3,5"-Gerät. Ebenfalls von einer Klappe verdeckt sind die frontseitigen USB- und FireWire-Ports sowie die Buchsen für ein Headset.

Der besondere Clou des Geräts ist der Klappmechanismus, der einen schnellen Zugriff auf das Innenleben erlaubt. Das besteht aus einem Board, das wahlweise mit Intels i865PE- oder i865G-Chipsatz bestückt ist. Letzterer bietet integrierte Grafik und via optionaler Steckkarte lassen sich hier ein TV-Ausgang und eine DVI-Buchse zur Ansteuerung digitaler Displays nachrüsten. Beim PE-Modell wartet ein AGP-Steckplatz auf eine leistungsfähige Grafikkarte. Für Erweiterungen stehen ein PCI- und ein Mini-PCI-Steckplatz zur Verfügung. Der dient vornehmlich zum Nachrüsten eines WLAN-Interfaces. Standardmäßig stattet Chaintech den Mini-PC mit einem Gigabit- und einem 10/100 MBit/s-LAN-Interface aus. Optional ist auch noch eine IR-Fernbedienung nebst passendem Empfänger erhältlich.

Einen aufklappbaren Mini-Barebone entdeckten wir auch bei Biostar. Das Modell iDEC 300G beherbergt im hochklappbaren Teil bis zu zwei 3,5"-Festplatten, ein 5,25"-Laufwerk, den Card-Reader und die frontseitigen AnschlĂĽsse (2 Ă— USB, FireWire, Headset) und Bedienelemente. Auch den LĂĽfter fĂĽr den ProzessorkĂĽhler hat Biostar hier untergebracht.

Der iDEC 300G arbeitet mit Intel-Chipsatz und eignet sich für Pentium-4- und Celeron-Prozessoren. Ein PCI- und ein AGP-Steckplatz warten auf entsprechende Erweiterungskarten. Für den Mini-PCI-Sockel auf der Platine hat Biostar ein WLAN-Modul vorgesehen, das ebenso wie eine Fernbedienung als optionales Zubehör erhältlich ist.

Die Mega-Serie, die MSI erst kürzlich um die Mega II-Modelle erweitert hat, erfährt in Kürze weiteren Zuwachs. Noch im August dieses Jahres soll der Mega III 350 mit ATIs RS350 in Produktion gehen. Zeitgleich kommt auch der Mega III 865 mit Intels gleichnamigen Chipsatz mit integrierter Grafik auf den Markt. Beide Barebone-Modelle unterstützen Pentium-4- und Celeron-Prozesoren. AMD-Freunde dürfen sich auf den Mega III 800 mit VIAs K8M800-Chipsatz und der Southbridge VT8237 freuen. Zum Oktober bricht dann auch bei MSIs Mini-Barebones die PCI-Express-Zeit an: Der Mega III 890 soll dann mit VIAs PM890-Chipsatz (Southbridge: VT8251) mit integrierter DelteChrome-Grafik und Azalia-Audiointerface im Oktober dazustoßen.

Alle Mega-III-Modelle sind mit 210 mm × 306 mm × 175 mm etwas tiefer als ihre Vorgänger. Den gewonnenen Raum nutzt MSI zur Verbesserung der CPU-Kühlung. Das bei dem Mega-II-Modellen noch integrierte Radio wurde wegrationalisiert, dafür kam nun ein Card-Reader hinzu, dessen Klappe sich auch schließen lässt, wenn eine CF-Card im Slot steckt. Hinter der Klappe verbergen sich auch die beiden USB- und 1394-Ports der SPDIF-Eingang und die Buchsen für ein Headset. Auch MSI spendierte den neuen Barebones neben einem Steckplatz für die Grafikkarte und einem PCI-Sockel auch noch einen Mini-PCI-Sockel, der bei Bedarf mit einer WLAN-Karte bestückt werden kann. Als Zubehör gibt es zudem eine IR-Fernbedienung sowie verschiedene TV-Karten (DVB-S, DVB-T, Analog-TV).

Mit dem Modell S-presso hält nun auch bei Asus ein Quader Einzug ins Barebone-Programm. Den mit Henkel ausgestatteten Kasten will Asus vornehmlich an Gamer und LAN-Party-Gänger verkaufen. Über das Innenleben des Neulings ist jedoch noch wenig bekannt: Ein i865G-Chipsatz für Pentium- und Celeron-CPUs mit bis zu 3,4 GHz Taktfrequenz bildet die Basis des S-presso. Einen AGP- und PCI-Steckplatz, zwei DIMM-Sockel und die üblichen Schnittsellen wird es wohl ebenso geben -- alles Weitere ist einstweilen Spekulation.

Interessant sieht auch die DiGiMatrix II aus. Das Gerät im HiFi-Format soll das aktuelle DiGiMatrix-Modell ablösen und bereits mit dem Sockel 775 für Intels neue Pentium-4-Prozessoren ausgestattet sein. Welchen Chipsatz Asus hier einsetzen will, wird noch nicht verraten. Klar ist nur, dass es einer mit zweikanaligen DDR-Speicherinterface sein soll. Ein Timeshift-fähiger TV-Tuner soll ebenfalls zur Grundausstattung gehören. Wann es auch ein DVB-T-Modell geben wird, stand allerdings noch nicht fest. (gs)