App gegen den Terrorismus
Per Smartphone verdächtige Vorkommnisse oder Personen melden, ist in New York jetzt per App möglich. Das ist die neue Dimension der Überwachung.
Per Smartphone verdächtige Vorkommnisse oder Personen melden, ist in New York jetzt per App möglich. Das ist die neue Dimension der Überwachung.
Die Anschläge in Paris oder auch die Bombendrohungen in Hannover befördern – wenn nicht Angst – so doch vielleicht bei dem ein oder anderen ein "mulmiges Gefühl" in Menschenmassen herauf. Die Behörden des Bundesstaates New York haben gegen dieses Gefühl die Informationstechnologie bemüht, wie in einem Podcast bei Dradio Wissen berichtet wird. Sie bieten jetzt die App "See something, send something" an. Damit können Bürger per Smartphone verdächtige Vorkommnisse und Personen melden. Eine Nachricht oder ein Foto genügen. Liefern die Informationen entscheidende Hinweise, wird das an Sicherheitsbehörden weitergeleitet. New York ist damit in den USA kein Pionier. Andere US-Bundesstaaten bieten bereits ähnliche Anwendungen.
Ob solche Apps etwas im Kampf gegen den Terror ausrichten können, ist die eine Frage. Ob ich mich damit tatsächlich sicherer fühle, wenn meine Mitmenschen oder ich solche Apps nutzen, ist eine andere. Die Vorstellung immer und überall unter Beobachtung zu stehen, finde ich schrecklich. Ich möchte die stereotypen, bärtigen Männer, die vor dem Bahnhof zusammen stehen, nicht unter Generalverdacht stellen. Genauso wenig möchte ich überlegen (müssen), ob es verdächtig aussieht, wenn ich nochmal kurz um mein Auto gehe, um zu überprüfen, ob alle Türen verschlossen sind. Hat das nun ein "aufmerksamer" Bürger den Behörden gemeldet, weil er das falsch interpretiert hat?
Wie ein solches Überwachungsszenario konsequent weitererzählt wird, hat 2004 der Film "muxmäuschenstill" gezeigt. Dort ist zunächst von der Pflege des Gemeinschafts- und Ordnungssinns die Rede, das artet jedoch in ein bundesweites Unternehmen mit Denunziantentum Informantentum aus. Die New Yorker Anwendung scheint mir hier wie das in App gegossene Pendant.
Eine solche Dimension hat die Terrorbekämpfung hier glücklicherweise noch nicht erreicht. Wenngleich es bereits, wie der Podcast auch verrät, die App Wegeheld zum Melden von Falschparkern gibt. Das erinnert mich an den eifrigen Frührentner, der vor ein paar Jahren als Knöllchen-Horst Bekanntheit erlangt hat. Ob diese App etwas für ihn oder andere "aufmerksame" Bürger wäre? Hoffentlich nicht. Denn, wie einfach wäre es wohl, mit der Meldung des Falschparkers auch gleich noch auf die drei bärtigen Männer hinzuweisen, die direkt daneben stehen und "verdächtig" aussehen? Ich vermute, dass mich ein Teil dieser Antwort verunsichern würde. (jle)